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  • DE-96358 Teuschnitz
  • 03/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-227345)

Neugestaltung Stadtmitte Teuschnitz


  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Till Rehwaldt

    Mitarbeit
    Luzia Posselt, Michal Michalski

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die neue Mitte
    Die Ortsmitte von Teuschnitz präsentiert sich als ein charakteristisches Ensemble in einer Abfolge von unterschiedlichen städtebaulichen Räumen. Das Konzept stärkt die Eigenheiten von Hauptstraße, Marktplatz und Schlossgarten und entwickelt dafür unterschiedliche Themen und Atmosphären.

    Die Hauptstraße – urban und wohnlich
    Die Hauptstraße bleibt in ihrem einheitlichen Erscheinungsbild mit der charakteristischen Gliederung des Querschnitts bestehen. Die Bestandsbäume werden grundsätzlich an ihren Standorten erhalten, bei Notwendigkeit werden einzelne Exemplare ausgetauscht. Mit der Aufteilung der Seitenräume werden die Funktionen des Gehweges, des Parkens und des Aufenthaltes berücksichtigt. Durch die modulartige Anordnung eines straßenbegleitenden Seitenstreifens in unterschiedlicher Ausprägung ist es möglich, sowohl auf die bestehenden Baumstandorte wie auch auf vorhandene Eingänge und Treppenanlagen zu reagieren. Parkstellflächen werden nur noch bei ausreichenden Platzverhältnissen eingeordnet, in der Gesamtzahl etwas reduziert.
    Vergrößerte Baumscheiben verstärken den typischen Charakter einer kleinstädtischen Allee, sie können (auch in privater Pflege) mit unterschiedlichen Arrangements bepflanzt werden. Dort, wo es die räumlichen Verhältnisse zulassen, werden zusätzlich Sitzbänke eingeordnet, die den wohnlichen Charakter der Straße stärken.
    Der Laufstreifen des Gehwegs wird als ein mittelformatiger Steinbelag ausgeprägt, direkt an den Hausfassaden ist ein begleitender Pflasterstreifen vorgesehen. Ebenso werden hier teilweise schmale Grünstreifen konzipiert, die vor allem für kleinere Pflanzungen, Spalierobst o.ä. zur Verfügung stehen.

    Der Marktplatz – ein Ort für alle Tage
    Im Zentrum der Platzfläche bleiben die beiden Linden sowie die Nepomukstatue erhalten. Die Fläche vor dem Rathaus kann mit der Herausnahme der Kurzzeitparkplätze multifunktional (z.B. als Wochenmarkt) genutzt werden.
    Um die Barrierefreiheit auf dem Kleinsteinpflaster des Rathausvorplatzes sowie der Kirchstraße zu gewährleisten, werden in den bestehenden Belag Wegestreifen zur besseren Orientierung und Begehbarkeit eingeordnet. Dabei wird vorhandenes Material durch Pflaster mit gesägter/gestockter Oberfläche ausgetauscht.
    Im Bereich der Sparkasse, neben dem Laden Déco & Design sowie vor dem „In der Heimat wohnen“- Wohnhaus werden insgesamt zehn Kurzzeitparkplätze integriert. Dabei wird (wie auch schon auf der Hauptstraße) eine zurückhaltende Markierung im Pflasterbelag vorgesehen.

    Der Schlossgarten – ein grüner Salon
    Der Schlossgarten wird zum „Grünen Salon“ der Stadt. Eine deutliche Rahmung verweist auf seinen städtebaulichen Ursprung und kennzeichnet ihn als einen Gartenraum. Er ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eigene räumliche Atmosphären entwickeln: der „Lindenplatz“ an der Hauptstraße, die „Buchenwiese“ im zentralen Teil und das „Gartenband“ als westlichen Abschluss.

    Der Lindenplatz –Treffpunkt und Aktionsraum
    Mit der Ergänzung durch weitere Pflanzungen wird im westlichen Bereich ein Baumdach ausgeformt, welches dem darunterliegenden Platz Schutz vor Sonne und Regen bietet. Durch regelmäßige Schnittmaßnahmen werden die Kronen der Linden jedoch in ihrem Volumen begrenzt, um die Beschattung in Grenzen zu halten.
    Im Schutz der Bäume entsteht ein multifunktionaler Platzraum, der sowohl im Alltag als auch zu besonderen Anlässen den verschiedensten Nutzungen zur Verfügung steht. Die Oberfläche als eine wassergebundene Decke stärkt den Charakter als ein städtischer Garten und ist gleichzeitig in alle Richtungen ohne Einschränkungen begehbar. An der Straßenkante wird die Bushaltestelle angeordnet, eine 5m x 6m große Fläche, die mit einem Steinbelag befestigt ist, kann für musikalische oder ähnliche Veranstaltungen genutzt werden.

    Der Teuschnitzbrunnen – Stadt und Natur
    An der Schnittlinie zwischen Lindenplatz und Buchenwiese wird ein Brunnen eingeordnet, der in einer besonderen Weise die Lage der Stadt Teuschnitz sowie ihre landschaftliche Umgebung thematisiert. Ein langformatiger Steinblock wird von einer Wasserlinie durchflossen, die den Lauf der Teuschnitz symbolisiert. Während der südliche Abschnitt den Stadtgrundriss abbildet, steht der nördliche Abschnitt für die urtümliche Natur des umgebenden Frankenwaldes, akzentuiert durch intarsienhafte „Sonnenpunkte“ im warmen Gelbton der Arnikablüten.

    Die Buchenwiese – ein Wald in der Stadt
    Durch die hoch aufgeasteten Buchen erhält der Schlossgarten eine eigentümliche, unverwechselbare Prägung, wie sie wohl in keinem anderen städtischen Garten zu finden ist. Das Bild der „Waldwiese“ wird konzeptionell aufgegriffen und als ein besonderer Wert in die Planung integriert.
    Mit der Einfassung dieses Gartenteils wird die traditionelle Holzproduktion und Flößerei im historischen Frankenwald thematisiert. Die zu Stapeln aufgeschichteten Bretter werden als Motiv aufgegriffen und in eine zeitgemäße Form gebracht. Mit dem „Stapelholz“ entsteht somit eine charakteristische „Gartenmauer“ in Sitzhöhe, die einerseits das Erlebnis eines abgeschlossenen Raumes vermittelt, andererseits aber auch sehr offen, transparent und vielseitig nutzbar ist.

    Das Gartenband – ein Ort der Blüten
    Die ruhigste Zone des Schlossgartens wird als eine gärtnerisch akzentuierte Fläche ausgebildet. Im „Gartenband“ finden sich vielfältige Pflanzungen, die sich in ihrem Charakter teilweise an der Vegetation des Frankenwaldes orientieren.
    Ein schmaler Weg durchquert die einzelnen Gartenkabinette, die Anordnung der Bänke ermöglicht Kontemplation und unmittelbares Erlebnis der Pflanzungen. Stauden, Gräser und einzelne Solitärgehölze gliedern den Raum und schaffen einen spannungsvollen Kontrast zur offenen Wiesenfläche.

    Die Sonnenbank - ein flexibler Ruhepunkt
    In der Möblierung des Schlossgartens wird auf ein pflanzliches Motiv zurückgegriffen. Die Sitzbänke sind dem Blütenblatt der Arnika nachempfunden und strahlen in ihrer hellen, sonnigen Farbgebung eine angenehme Atmosphäre aus. Sie sind teilweise fest montiert, können aber auch mobil eingesetzt werden. So entsteht eine flexible Nutzungsoption, mit der spontane Treffpunkte, Picknickplätze oder Seminarräume im Freien eingerichtet werden können.

    Der Parkplatz
    Die Struktur des Parkplatzes und somit auch die Baumstandorte werden grundsätzlich beibehalten. Zwischen dem neu entstandenen Wohnhaus und dem Schlossgarten wird die Blickbeziehung betont. Hier entsteht eine kleine Grünfläche mit integrierten Bänken und auch Staudenpflanzungen, welche von den Bewohnern sowie den Mitarbeitern und Gästen des Rathauses genutzt werden kann.

    Der Lichtraum – Funktion und Inszenierung
    Während auf der Hauptstraße das Konzept der Wandleuchten beibehalten wird, entsteht im Schlossgarten ein völlig neuer Lichtraum, der gestalterisch dem Entwurfskonzept folgt. Konzeptionell befinden sich die Lichtquellen an den belebten Rändern des Gartens, während zur Mitte die Helligkeit leicht abnimmt.
    Der Lindenplatz als ein städtischer Aktionsraum wird schon wegen der Bushaltestelle als ein Raum mit einer eher urbanen Lichtatmosphäre betrachtet. Der Einsatz moderner Leuchtmittel und Steuerungen ermöglicht unterschiedliche Lichtintensitäten und -inszenierungen je nach Nutzung der Räume.

    Die Festwiese – Sport und Spiel im Grünen
    Mit der Festwiese an der Arnikaakademie entsteht ein multifunktionaler Raum, welcher für eine robuste Nutzung konzipiert ist. Der vorhandene Höhenunterschied wird durch eine terrassenartige Böschung überwunden, die mit Obstbäumen bepflanzt ist. Auf steinernen Sitzkanten bieten sich Aufenthaltsmöglichkeiten mit besten Blickbeziehungen zum Festplatz. Dieser ist als eine Kombination aus befestigter Fläche und Rasenfläche (Schotterrasen) ausgeprägt, um einerseits den Anteil der versiegelten Flächen zu minimieren, andererseits auch die Möglichkeit für
    intensivere Nutzungen (z.B. Freiluftveranstaltungen) zu bieten. Zum Parken können – je nach weiteren Nutzungen – beide Platzhälften gleichermaßen genutzt werden.
    Während der größeren Veranstaltungen befindet sich das Festzelt auf der westlichen Seite und lässt auf der Ostseite Raum für querende Wege und auch gastronomische Freisitzflächen.
    Im Süden und Osten werden Standorte für Sport- und Freizeitgeräte (z.B. Fitnesstraining, Kneippbecken, Boulebahn) ausgewiesen. In der Fläche können ähnliche Aktivitäten auch auf Teilen der Festwiese (z.B. Ballsport, Gymnastik) oder der Wegeverbindung (Lauftraining) stattfinden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.