Gesamtplan Wasserlos
Architekten
Mitarbeit
Dipl. - Ing. Isabell Palkowitsch
Dipl. - Ing. Christian Heinisch
Erläuterungstext
Ausgangslage
Beide Ortsdurchfahrten sind geprägt durch einen einseitig den Bedürfnissen des Fahrverkehrs unterworfenen Straßenausbau, der durchgängig funktionale und gestalterische Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer offenbart und Aufenthaltsqualität weitestgehend vermissen lässt. Dringend benötigte Haltemöglichkeiten für Ladengeschäfte stehen nur in geringem Masse zur Verfügung.
Die objektiven Misstände werden in der subjektiven Wahrnehmung durch das Missverhältnis von räumlicher Enge des Straßenraums im Innenbereich und den zum Teil überdimensioniert erscheinenden Knotenausbildungen in der Peripherie noch gesteigert.
Gravierender tritt dies im Ortsteil Hörstein zu Tage. Augenfällig ist auch ein Defizit an Gestalt prägenden Elementen der den öffentlichen Raum umgrenzenden Gebäude und deren Einfriedungen, Hoftore und Zufahrten.
Optionen
Aufgrund der räumlich beschränkten Straßenquerschnitte ist eine funktional „konfliktfreie“ Lösung für alle Verkehrsteilnehmer innerhalb des vorhandenen Straßenraums nicht möglich.
Eine grundsätzlich vorstellbare Trennung des Individualverkehrs in zwei Einbahnstraßensysteme (s. Skizze) in den Kernbereichen erscheint aufgrund der bereits dort reali-sierten Maßnahmen und der Belastung momentan verkehrsberuhigter Bereiche nicht mehr realistisch.
Eine realisierbare Option stellt das Konzept einer „friedlichen Koexistenz“ der verschiedenen Verkehrsarten mit einer Verschiebung der Prioritäten zugunsten der Fußgänger und Entwicklung von Aufenthaltsqualitäten dar. Dies bedingt Maßnahmen zur Beruhigung und Kultivierung des nach wie vor starken Verkehrsaufkommens.
Leitidee – „Trittsteine“
Das Konzept beruht auf der Idee einer Rhythmisierung des öffentlichen Straßenraums durch die Hervorhebung von „Trittsteinen“. Diese markieren platzartige Aufweitungen, begrenzende Einmündungsbereiche oder bewusste Engstellen. Wo möglich werden angrenzende Bereichen wie etwa der Schlosspark mit angebunden.
In Umkehrung der bisherigen Situation tritt zukünftig nicht die Dimension der Fahrfläche in den Vordergrund, sondern das Gefüge des Stadtraums.
Detailbereich „Platz vor der unteren Pforte“ in Hörstein
Durch Rückbau der Busspuren wird die Platzfläche nach Osten erweitert. Die Busse halten zukünftig auf der Fahrbahn. Die Platzgestaltung bleibt in Ihren Grundstrukturen erhalten, wird jedoch insgesamt ruhiger und großzügiger gestaltet. Es entsteht eine Fläche zum Verweilen, die jedoch auch für verschiedene Aktivitäten nutzbar ist.
Nach Norden treppt sich die Platzfläche in verschleifenden Geländestufen ab.
Die Fläche oberhalb der Stufen erhält einen Schotter-Rasen (alternativ eine Tennendecke), die nach Osten durch ein Wassergerinne abgeschlossen wird. Im östlichen Platzbereich soll die vorhandene Mauerkante freigelegt werden. Hier sind schattige Ruhebänke vorgesehen. Die Zufahrt zur Alzenauer Straße wird an der Einfahrt auf 5,50 Meter verjüngt. Hier beginnt die Tempo 30 Zone, die bis zur Haubühlstraße führt.
Detailbereich „Glockenplatz“
Auf dem Grundstück gegenüber der Kirche soll eine ruhige, umgrünte Platzfläche entstehen. Der „Glockenplatz“ übernimmt die Höhe der Straße, die über die gesamte Breite des Platzes im Material des Gehwegs befestigt ist, wodurch die Zäsur
zur Ortsdurchfahrt minimiert wird. Die Höhendifferenz zur Glockengasse wird durch Geländestufen ausgeglichen, wodurch auch nach Norden ein großzügiger Raumeindruck entsteht. Die Abgrenzung zu den privaten Grundstücken erfolgt durch Natursteinmauern und einen umlaufenden Pflanzstreifen mit Solitärbäumen sowie durch Bänke, die zur Platzfläche orientiert sind. Die innere Platzfläche erhält eine Befestigung mit Schotterrasen (alternativ eine Tennendecke). Eine große Kastanie soll die solitäre Dominante und das Pendant zu den mächtigen Linden vor der Kirche bilden. Die Bushaltestelle soll von der Hackstraße zum Glockenplatz verlegt werden.
Ideenteil Schlosspark Wasserlos – „open space“
Idee des Entwurfs ist die Stärkung der Reste der historischen Parkanlage, insbesondere der Baumachse zum Teehaus, und die Verknüpfung des Schlossparks mit der Parkanlage östlich der Ortsdurchfahrt im Bereich des Wasserburger Schlosses.
Die Baum-Allee zum Teehaus bleibt bestimmende Achse und soll durch zusätzliche Ergänzungspflanzungen und Beschnitt stärker herausgearbeitet werden. Die Bastion um das Teehaus soll mit einer Brüstungsmauer aus Naturstein eingefasst werden. Von hier aus sollen nach Westen Sichtachsen durch den überwucherten Bereich westlich des Teehauses geschnitten werden.
Einen gestalterisch reizvollen Aspekt und Kontrapunkt zu der dichten, schattigen Linden-Allee bildet die Weite der mit Kirschbäumen umstandenen großen Wiese nach Norden. Diese soll mit sichelförmigen Wegen umfasst werden. Der reizvolle Blütenaspekt der Kirschbäume solle durch Hinzufügen einiger zusätzlicher Arten mit unterschiedlichen Blütencharakteristika wie Prunus Argentii durchsetzt werden.
Zur Straße hin soll der Bewuchs stark ausgelichtet und das Gelände auf der Höhe des Dammweges angezogen werden, so dass von hier eine Blickbeziehung zu den östlichen Parkanlagen entsteht. Die Kante des Parks zur Straße hin soll mit einer kräftigen Natursteinmauer eingefasst werden, die in Verlängerung der Allee-Achse einen Übergang definiert, aber den Blick auf die Parkanlagen um das historische Schloss frei lässt. Visavis soll das Gelände am Krankenhaus ebenfalls zum Schlosspark geöffnet und über ein gleichartiges Mauerelement mit Zugang zum Park umgestaltet werden.
Der nördliche Parkzugang soll über eine kleine, vor gelagerte Platzfläche großzügiger gestaltet werden. Südlich des Dammweges zur Straße am Rosengarten bleibt die große Wiese als ruhige Fläche erhalten. Der Parkrand soll hier durch eine kleinwüchsige Hecke gegenüber dem Gehweg eingefasst werden.
Die Ausbaumaterialien können sehr einfach bleiben. Der dammartige Weg der historischen Achse bleibt als Kiesweg mit Einfassungen aus Stahlbändern erhalten. Die übrigen Wege sollen ebenfalls als Kieswege angelegt werden, wobei der nach Süden liegende Sichelweg als Schotter-Rasenweg verbleiben soll.
Ideenteil Alter Friedhof Hörstein – „closed area“
Der besondere Charme des alten Friedhofes besteht im Gegensatz zum barocken Gepräge des Schlossparks von Wasserlos. Die Ruhe und die diskrete Abgeschlossenheit verleihen der Anlage ihren besonderen Reiz und ihre Würde.
Das Konzept beschränkt sich auf sehr wenige Maßnahmen, die im Wesentlichen die vorhandenen Qualitäten sichern und steigern sollen.
Der äußere Eingangsbereich zum Platz hin soll als kleine Bastion ausgebildet werden, auf der die „schöne“ Linde als Dominante zum Platz hin wirkt.
Im unmittelbaren Eingangsbereich soll eine kleine Aufweitung mit einer Sitzbank und einer Skulptur oder einem kleinen Brunnen zur Linken entstehen. Von dort führt ein Weg (vorzugsweise als Schotter-Rasen) am Seiteneingang vorbei bis in den südlichen Teil des Friedhofes. Zu den Mahnmalen und Gräbern führen Trittsteine aus Naturstein, in der ansonsten ungestörten Rasenfläche.
Östlich des Weges sollen die bestehenden Sitz-Nischen für Bänke verbleiben. Die Westseite soll für sepulkrale Artefakte vorbehalten bleiben. Die Grab- und Gedenkstelen sollten durch quer zur Richtung des lang gestreckten Raums angeordnete, bandartig geschnittene Formgehölze betont werden.
Ansonsten sollte der vorhandene strauchartige Bewuchs etwas eingedämmt werden, um die Solitäre und die räumliche Wirkung der Mauereinfriedung mit den Grabmälern zu unterstreichen. Neupflanzungen sind kaum notwendig.
Die Beleuchtung sollte sich auf eine Unterstrahlung der Bäume entlang des Weges beschränken und nur sehr gedämpft eingestellt werden.
Beurteilung durch das Preisgericht
Liegt nicht vor.