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  • DE-09669 Frankenberg/Sa.
  • 01/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-240686)

„Zeit-Werk-Stadt“ - Erlebnismuseum für Stadt- und Industriegeschichte


  • 2. Preis

    © LH Architekten

    Architekten
    LH Architekten, Hamburg (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die „Lisema“- Produktionshalle stellt sich im Bestand als pragmatischer Nutzbau und „Werkshalle“ dar, die in malerischer Umgebung die jüngere Zeitgeschichte des industriestandortes der Stadt Frankenberg dokumentiert. Alle inhaltlichen Bestandteile des avisierten Nutzungskonzeptes „Zeit“, „Werk“ und „Stadt“ sind also bereits heute
    erkennbar und müssen lediglich herausgearbeitet und inszeniert werden.Die Konversion der Halle zum zentralen „Baustein“ im Landschaftspark Zschopau-Aue verlangt aus unserer Sicht neben den gebäudetechnischen Anforderungen an ein zeitgemäßes Bauwerk eine maßvolle und in die Zukunft gedachte Anpassung des Gebäudevolumens sowie die Integration des dominanten Gebäudevolumens in den Landschaftsraum.
    Leitidee für unseren Entwurf ist daher der teilweise Rückbau der Halle, der einerseits die nachhaltige Realisierung des Raumprogramms im bestehenden Gebäudeteil auf zwei Geschossen ermöglicht und andererseits die „Zeitschichten“ des kontinuierlichen Entwicklungsprozesses Frankenbergs manifestiert. Gebäudevolumen und
    Struktur werden erhalten, jedoch durch den teilweisen Rückbau der Fassade in die Landschaft „aufgelöst“. Durch diese Konversion entstehen für das Museum ein Innenbereich für die Ausstellung, Café, Nebenräume und Tennisclub sowie ein Außenraum der für Events aber auch Exponate und temporäre Installationen genutzt
    werden kann.

    Aus dem Nutzungskonzept entwickelte Leitmotive eröffnen den Rundgang durch das Museum:
    • Das Haus öffnet sich mittels einer gläsernen Fassade zum pergolenhaft von den Hauptträgern der Halle
    überspannten Eingangsplatz in Richtung Stadt und lädt - auch von der Bundesstraße sichtbar - zum Besuch ein. Haus und Stadt wenden sich einander zu!
    • Der „TIMECUBE“ als Nucleus des Museums ist durch die Glasfassade als weithin sichtbares Zeichen inszeniert.
    • Zentrales Element des Museums ist neben dem „TIMECUBE“ die Rampe in das Obergeschoß, die kaskadenhaft über eine große Deckenöffnung die Geschosse verbindet und den Rundgang im Museum zu einem für alle Generationen spannungsvollen Erlebnis entwickelt.
    • Im Obergeschoß wird das Volumen von Themenfenster und Außenbereichen mit Bezügen zu Stadt, Landschaft und Himmel strukturiert. Eine große Terrasse nach Westen mit Blick auf die fließende Zschopau im Auetal lädt zum Verweilen ein und integriert den Zeitfluß als „Live-Übertragung“ in das Museum
    • Der Rundgang endet im Eingangsbereich und führt vorbei an den Shopflächen zum Café an der Südseite mit Bezug zum Landschaftspark.

    Die Ausstattung des Museums ist mittels einfacher Materialien und sichtbaren Konstruktionen als Werkstatt inszeniert: geschliffener Estrich, hölzerne Rampen und metallene Geländerkonstruktionen verringern die „Hemmschwelle“ interaktiver Teilnahme im Erlebnismuseum.
    Die Tragkonstruktion des Hauses soll weitestgehend erhalten bleiben. Fassade und Bodenplatte des Außenbereiches werden abgetragen, die Tragkonstruktion witterungsgesichert. Der „Innenbereich“ des Museums wird mit einer neuen Fassade gedämmt und mit einer textil- Bespannung verkleidet, die einerseits die Geschichte des Ortes konnotiert andererseits durch Leichtigkeit und „Faltung“ die Wahrnehmung des Hauses als Event-/Ausstellungs- und Museumstypologie unterstützt. Das Gebäudevolumen erhält im Obergeschoß Loggia- und Balkonbereiche um die umgebenden Landschaft und Gärten aus erhöhter Perspektive erlebbar zu machen. Das Gebäudevolumen wirkt kleinteiliger und kann darüberhinaus durch die
    Absenkung der heutigen Traufe auf das Niveau des Hauptträgers besser in den Landschaftsraum integriert werden.
    Für die Landesgartenschau wird auf dem Vorplatz ein temporärer Bau errichtet, der für Gästebewirtung und Veranstaltungen bis zu 400 Sitzplätze ermöglicht und über einen Servicegang an das Haupthaus angeschlossen werden kann. Die „textile“ Fassade des Haupthauses verkleidet auch diesen Baukörper, so dass ein schlüssiges und spannungsvolles Ensemble, die Adresse der Landesgartenschau, entsteht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überrascht durch die Freistellung von 2 Achsen der Hallenkonstruktion als Pergola. Die damit einhergehende Flächenreduzierung in der Halle lässt dennoch eine Erfüllung aller Nutzungsvorgaben möglich erscheinen. Für die Zwischennutzung zur Landesgartenschau wird jedoch das Problem gesehen, dass die Flächen für Blumenhalle und Catering nicht innenräumlich zur Verfügung stehen. Die frei stehenden Achsen sollten hier einen Flächenansatz für die Überarbeitung bieten.
    Insgesamt wird in der Flächenreduzierung für die Dauernutzung ein konstruktiver Beitrag für die Realisierung der Bauaufgabe innerhalb des Budgets und eine langfristig wirtschaftliche Betreibung gesehen.
    Die gewählte Fassadenausbildung mit der Darstellung des Satteldachquerschnittes stärkt die Wahrnehmung als Halle um den Preis der Verwechselbarkeit mit anderen Hallennutzungen, z. B. des Einzelhandels. Hier - und dies im Zusammenhang mit der Fassadenausbildung mit der diagonalen Holzlattung - wird ein mutigeres und spannungsreicheres Erscheinungsbild angeregt.
    Das gewählte Leinen-Webmotiv als solches liegt nahe, es steht jedoch seine Vergrößerbarkeit bis hin zur Lattenstruktur in Frage. Die Ausstellungsgestaltung mit der Rampenlösung wird grundsätzlich positiv anerkannt, jedoch wäre eine Aufwertung der Aufenthaltsqualität durch z. B. Sitzgelegenheiten wünschenswert. Die Entspannung der insgesamt doch recht knappen Flächensituation im Innern kann ggf. durch Reduzierung der Pergola zu Gunsten von mehr Hallenvolumen erreicht werden. Der Time Cube könnte dann etwas großzügiger frei gestellt werden.


    Nach Überarbeitung:
    - Für die Gastronomie der Landesgartenschau wird außen ein Zelt vorgeschlagen, damit wird Fläche innen frei für Blumenausstellung.
    - Die Fassadengestaltung wurde entsprechend des Hinweises in der Beurteilung aufgewertet, „Lattenstruktur“ der Fassade entfällt.
    - Die Rampenanlage wurde durch konische Sitzstreifen ergänzt, ansonsten beibehalten.
    - Die Kubatur mit zwei entfallenden Stützenrastern wurde beibehalten.
    - Die SW-Ecke erhält eine Terrasse.
    - Die Nebenräume an der Westseite wurden kompakter sortiert.
    - Die Ausstellungsfläche im OG wurde noch mehr reduziert, z.B. durch die Terrasse.
    - Das Element Wasser wird im übertragenen Sinne in Form der Kaskade ( = Besucherfluss) integriert. Der Terrassenblick zur Zschopauaue holt den Wasserfluss (Zschopau) symbolisch in den Innenraum.