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  • DE-09669 Frankenberg/Sa.
  • 01/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-240686)

„Zeit-Werk-Stadt“ - Erlebnismuseum für Stadt- und Industriegeschichte


  • Ankauf

    © Kolb Ripke Architekten

    Architekten
    KOLB RIPKE Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: werk3 architekturvisualisierungen, berlin (DE)

    Preisgeld
    2.500 EUR

    Erläuterungstext
    Die Grundlage für die Umgestaltung der vorhandenen Produktionshalle aus den frühen 90iger Jahren stellt die Überlegung dar, ein identitätsstiftendes Gebäudes zu schaffen, das die neue Nutzung als Museum deutlich ablesbar nach außen trägt und mit der eingesetzten Gestaltung Bezug auf die bestehende Substanz nimmt.
    Das leicht modulierte Volumen des Gebäudes reflektiert die innere Nutzung und macht sie von außen ablesbar. Ausstellungsbereiche werden im Volumen und Material in der Fassade gezeigt. Mit diesem Mitteln wird auch auf die wichtigen städtebaulich relevanten Aspekte reagiert. Der Eingangsbereich und die für die Wahrnehmung des Gebäudes aus dem Stadtraum heraus bedeutende Südecke des Gebäudes werden entsprechend betont und binden so das Museum in den Stadtraum ein.
    Der Besucher wird dem landschaftsplanerischem Konzept folgend das Museum über die Nordostecke betreten. Die Anlieferung für das Museum erfolgt parkplatzseitig, d.h. von Norden, das Café könnte auch von Süden direkt beliefert werden, der Tennisverein erhält seinen eigenen Zugang im Westen.

    Die funktionale Organisation des Museums folgt der wesentlichen Überlegung, den Time Cube zum zentralen Element werden zu lassen. Er ist von allen Bereichen des Museums aus erkennbar und stellt so immer wieder den Bezug und Orientierung, sowohl inhaltlich als auch räumlich her.
    Die Führung des Museumsbesuchers durch den Raum und der in ihm befindlichen Ausstellung bildet das zweite wesentliche Element des Konzeptes.
    Der zentral in der Halle aufgehängte Time Cube bildet den Blickfang schon beim Betreten des Museums. Um ihn herum mäandriert eine behindertengerechte Rampe. Sie dient der Erschließung der oberen Ausstellungsebene und thematisiert selbst Zeit und Vergänglichkeit. Ihr folgend sind bedeutende Ausstellungstücke angeordnet, die der Besucher aus unterschiedlichen Betrachtungspositionen erleben kann. Der Bereich unterhalb des Time Cubes und der Rampenanlage wird durch eine Wasserfläche betont, in der sich der Time Cube spiegelt. Die Wasserfläche, die aus zwei unterschiedlich großen, sich verschneidenden Becken besteht, orientiert sich an dem Verlauf der Rampenanlage. Sie bildet so eine natürliche Führung für den Besucher. Der Besucher wechselt in seinem Gang auf die obere Ausstellungsebene ständig seinen Betrachtungswinkel und kann so stetig neue Bezüge zwischen ihnen herstellen. Als Höhepunkt der „Zeitrampe“ fungiert der Time Cube. Dieser verschneidet sich mit einem Zwischenpodest, sodass sich ein äußeres Podest, über das die Besucher weiter auf die obere Ausstellungsebene gelangen können und ein inneres Podest, welches sich im Time Cube befindet und zum Verweilen einlädt. Der Time Cube wird über Eck erschlossen. So werden Störungen der Bildfläche gering gehalten und ein ruhiger Verweilbereich im Time Cube angeboten.
    Die Rampe ist für einen Rundgang konzipiert, der mit Rampenende beginnt und einmal um den Time Cube herumführt. Er endet für die Besucher in einer Treppe bzw. Aufzug für bewegungseingeschränkte und die Besucher gelangen so wieder zum Ausgangspunkt. Das Angebot im Erdgeschoss ist so ausgelegt, dass es aufbauend auf die Informationen der Ausstellung für den Besucher nutzbar ist. Hier ist als Vorschlag eine bereits von der oberen ebene einsehbare interaktive Werkstatt vorgesehen.
    Abschluss eines Besuchs stellen ein Café mit kleinem Museumsshop dar.
    Die Grundstruktur für die Raumorganisation stellt der offene, nicht geteilte Raum dar. Damit ist er nutzungsoffen und flexibel bespielbar für auch wechselnde Ausstellungskonzepte.
    Orientierungspunkte für die möglichen Ausstellungskonzepte bildet das Gestaltungskonzept der Fassade. Es unterscheidet in Ausstellungs-, Funktions- und Publikumsbereiche. Der Publikumsbereich ist, im Gegensatz zu den beiden anderen Bereichen für den Beziehung Besucher / Gebäude und Außenraum konzipiert.
    Diese drei Bereiche bilden sich in der Fassade im Material ab. Für den Ausstellungsbereich ist eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade mit transluzenten Polykarbonat als Wetterschale, für die Funktionsbereiche Sichtbeton als Sandwichelement und für die Publikumsbereiche Wärmeschutzverglasung als Pfosten-Riegelkonstruktion vorgesehen. Die Polykarbonatfassade könnte mit LED hinterleuchtet werden, um eine spannende Nachtwirkung zu erzielen.
    Die Ausstellungsbereiche erhalten durch das umlaufende Oberlicht eine optimale Grundausleuchtung für eine museale Nutzung. Die gewählten Materialien knüpfen an einfache industrielle Standards an und thematisieren ihrerseits industrielle Entwicklung. Gleichzeitig sind mit diesen Materialien kostengünstige Lösungen möglich.

    Als energetisches Konzept ist aufbauend auf eine Minimierung der Transmissionsverluste eine Bauteilaktivierung in Kombination mit der erforderlichen Raumlüftung als Klimatisierung vorgesehen. Gespeist wird sie über ein Wärmepumpensystem basierend auf Geothermie. Eine überschlägliche Ermittlung für eine PV-Anlage ergab ausreichend Potenzial für eine bilanzielle Stromautarkie.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Wettbewerbsbeitrag ist in wesentlichen Punkten detailliert ausgearbeitet und lässt funktionale und gestalterische Zielvorgaben überwiegend gut erkennen.
    Das Gebäude wird in seiner ursprünglichen Form aufgelöst, ohne seine Historie als ehemalige Produktionshalle zu verstecken. Die Tragkonstruktion des Daches bleibt von innen und außen erkennbar.
    Die Strukturierung der Fassade wird begrüßt.
    Neue Elemente an den Außenbereichen erweitern das Volumen des Gebäudes wesentlich. Dies scheint fraglich und ist nicht notwendig. Die Erschließung des Gebäudes greift die Struktur des Parks in richtiger Weise auf, dementsprechend sind die Funktionen im Gebäude schlüssig zugeordnet. Der Erhalt der beiden vorhandenen Treppenhäuser wird positiv bewertet. Das Raumprogramm für die Gartenschau und die spätere museale Nutzung wird durch die Wettbewerbsarbeit hinreichend berücksichtigt. Die Fassade öffnet sich sowohl zur Stadt, als auch zum Park. Eingang und gastronomische Nutzung sind klar strukturiert.
    Der für das Ausstellungsprogramm vorgegebene Time Cube ist zentral eingeordnet, jedoch führt die Rampe in jedem Fall hindurch, was für das Erleben des Inneren nachteilig ist (Engstelle). Dort sollen Drei- bis Fünf-Minuten-Filme gezeigt werden, die ein Verweilen bedingen. Für das Erleben wäre es gut, wenn er parallel zum Laufweg begehbar wäre und weiter auf dem Grund angesetzt werden könnte (hoher Raum). Die Rampe in ihrem Verlauf wird ansonsten befürwortet.
    Die interaktive Werkstatt sollte nicht fest eingebaut werden, sie schränkt die Flexibilität der Raumnutzung unnötig ein. Für das Ausstellungskonzept wäre eine nicht transluzente Materialität der Fassade zu begrüßen. Die dargestellte Größe der Glasflächen und transluzente Elemente werden in Frage gestellt. Die baukonstruktive Realisierbarkeit ist dazustellen. Insbesondere die „schwebenden Kisten“ in den Außenecken werden zu wuchtig empfunden. Eine Rücknahme auf die Kubatur des bestehenden Baukörpers wird empfohlen.
    Mit Blick auf den begrenzten Kostenrahmen sind Elemente wie der Wasserfall nochmals kritisch zu hinterfragen.


    Nach Überarbeitung:
    - Die Erweiterung der Grundrissflächen im Obergeschoss wurde zurückgenommen, trotzdem bleibt eine Gliederung in der Fassade erhalten.
    - Die Rampe wurde modifiziert, man kann jetzt außen am Time Cube vorbeigehen, ein Podest führt in den Time Cube hinein (siehe 3D-Darstellung).
    - Die interaktive Werkstatt wurde geringfügig verlegt, sie lässt sich jetzt variabel in die Gesamtausstellungsfläche integrieren.
    - Der Raum wurde nur noch in den Randbereichen nach oben erweitert zum Zwecke der Belichtung/ Belüftung => Die vorgeschlagene Erweiterung der Kubatur erhält somit eine
    wesentliche Funktion.
    - Fassade wird in 3 Bereiche geteilt:
    - Ausstellungsbereiche = vorgehängte, hinterlüftete Fassade mit transluzentem Polycarbonat als Wetterschale
    - Funktionsbereiche = Sichtbeton als Sandwichelement
    - Publikumsbereiche – Wärmeschutzverglasung
    - Wasserflächen bleiben unverändert.