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  • DE-85354 Freising, DE-85354 Freising
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-229926)

Neubau Steinparkschulen (SPS)


  • Anerkennung

    Perspektive, © h4a Architekten

    Architekten
    h4a Gessert + Randecker Architekten | h4a Gessert + Randecker + Legner Architekten, Stuttgart (DE), München (DE), Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Gessert , Albrecht Randecker , Andreas Nies

    Mitarbeit
    Nicolas Henn, Vuong Khoa Tran

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ver.de Landschaftsarchitektur, Freising (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die beiden Schulen bilden eine winkelförmige Grundfigur, die die Straßenräume der Weinmiller- und der General-von Stein-Straße maßstäblich adäquat fassen und durch das Einschwenken des nördlichen Baukörpers der Grundschule den linsenförmigen Raum des Angers selbstverständlich und ohne Bruch bis zum Eingangsvorplatz der Schulen fortführen. Kritisch wird allerdings die kleinteilig verspringende Gebäudekante und die Höhenstaffelung an der Weinmiller-Straße im Bezug zum Quartierseingang und zur Flucht und Länge des gegenüber gelegenen Stabsgebäudes beurteilt. Die Schulanlage schließt die bauliche Struktur des Gesamtgebietes nach Süden hin nachvollziehbar ab und schafft durch ihre Ausdehnung die notwendige Distanz zur nördlich angrenzenden Wohnbebauung.

    Durch die L-förmige Gebäudeform wird zwischen den öffentlichen Grünzügen ein angenehm großzügiger, gut und vielfältig nutzbarer Freiraum für die beiden Schulen definiert, der im Osten zur Asamstraße durch die dort angeordnete Sporthalle nochmals etwas abgeschirmt und damit zusätzlich aufgewertet wird. Allerdings werden im Norden wesentliche öffentliche Freianlagen in Anspruch genommen. Die Organisation der Pausenhöfe und Sportflächen ist gelungen. Ebenso ist der Umgang mit der Topografie im Hinblick auf eine abwechslungsreiche Freiraumgestaltung für alle Altersgruppen sehr gut gelöst. Die teilweise überdachten Freibereiche werden positiv bewertet.

    Die Ausformung des Baukörpers aus der Addition einer zu den Straßenräumen linear beschnittenen, zum Freiraum dagegen organisch konturierten eingeschossigen Basisfigur mit aufgesetzten und aufgereihten kubischen Schulhäusern wird hinsichtlich der Fügung der Elemente und der geometrischen Kollisionspunkte kritisch und kontrovers diskutiert. Die vorgeschlagene Gliederung und Rhythmisierung des Baukörpers und der Geschossebenen durch leichte, dem Gefälle folgende Abtreppungen entlang der Straßen verstärkt die Komplexität der Fügung und der Organisation und führt zu noch ungelösten konstruktiven und gestalterischen Problemen im Bereich der Übergänge zwischen Klassenhäusern und Sockelbaukörper. Zudem führt das durchgehende Thema der Geschossversprünge in allen Ebenen zu einer Überinstrumentierung und zu einer Verkomplizierung in der Bespielung und flexiblen Nutzung der Geschosse. Zudem wird der Inklusionsgedanke über die hohe Anzahl an Rampenanlagen deutlich geschwächt.
    Die Ausbildung der Fassaden in Mauerwerk wir hinsichtlich der angebotenen gestaffelten Geometrien und der architektonischen Geste des Baukörpers kritisch hinterfragt.

    Eine Stärke der Arbeit liegt in der räumlichen und funktionalen Organisation des Basisbaukörpers. Hier werden entlang eines inneren „Schulweges“, der auch die gewünschte Entflechtung der Schülergruppen ermöglicht, alle übergeordneten und gemeinschaftlichen Funktionsbereiche attraktiv in überwiegend frei geformten Raumeinheiten oder Raumclustern angeordnet. Lediglich der Verwaltungsbereich ist zu klein dimensioniert und es werden auf diesen hoch frequentierten Ebenen zu wenige, zu kleine und zu dezentral gelegenen Toilettenanlagen angeboten. Die Ausgänge in die Pausenhöfe liegen zwischen den Raumclustern und bieten in Verbindung mit weiten Dachüberständen attraktive, teils witterungsgeschützte Übergangsbereiche zwischen Außen und Innen. Die Mensa liegt in gutem Bezug zum Eingangsbereich mit Forum und zu den Pausenhofflächen. Allerdings führt diese Lage ab der Mittagszeit zur Verschattung der vorgelagerten Freibereiche und zu Konflikten bei der Anlieferung, da diese nur von Norden über den Grünzug erfolgen kann. Die Turnhalle ist am südlichen Ende des internen Schulweges situiert. Aus dieser Lage resultieren lange Wege, insbesondere für die Grundschüler.

    Die Treppenaufgänge in die Klassenhäuser sind sinnvoll und leicht auffindbar entlang des Schulweges angeordnet. Die Lerncluster in den durchweg zweigeschossigen Klassenhäusern werden unabhängig und kreuzungsfrei erschlossen und sind räumlich und funktional gut organisiert. Ein zusätzliches und qualitativ hochwertiges Freiraumangebot für die Lerncluster bieten die großzügigen, begehbaren Dachflächen des Sockelbaukörpers.

    Die aktuell noch vorhandenen Brandschutzprobleme, insbesondere hinsichtlich des zweiten baulichen Rettungsweges aus den Lernclustern, scheinen auf Grundlage der Aussagen der brandschutztechnischen Bewertung durch Anpassungen lösbar, ohne das die Grundkonzeption in Frage gestellt werden muss.

    Eine mechanische Be- und Entlüftung in Kombination mit einer Flächenheizung/ - Kühlung stellt ein Konditionierungskonzept mit hohem Komfort für die Nutzer dar. Bedingt durch die mechanische Lüftung aller Klassen und Aufenthaltsräume entstehen erhöhte Investitions- und Wartungskosten. Die Versorgung über einen Erdkollektor in Kombination mit Wärmepumpentechnik stellt ein schlüssiges Gesamtkonzept dar. Das räumliche Konzept des Erdgeschosses erfordert eine großflächige technische Erschließung oder ggf. dezentrale Strukturen.

    Hinsichtlich der zu erwartenden Kosten und der angebotenen Geschossflächen liegt die Arbeit im Vergleich zu allen anderen Arbeiten im mittleren Bereich.

    Insgesamt bietet die Arbeit einen eigenständigen Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe, wobei die architektonische Sprache und die Ausbildung des Baukörpers nicht vollends überzeugen können.