• DE-39104 Magdeburg
  • 01/2008
  • Ergebnis
  • (ID 9633)

Architekturpreis Sachsen-Anhalt 2007

Award / Auszeichnung
  • Auszeichnung

    Zauberwäldchen / Zaunwiese

    Projekt
    Landesgartenschau Wernigerode 2006

    Landschaftsarchitekten
    hutterreimann + cejka Landschaftsarchitekten, Berlin (DE), Wien (AT) Büroprofil

    Mitarbeit
    Barbara Hutter, Stefan Reimann, Christiane Kuschel, Katja Rostock, Martin Stokman, Anja Schier, Thorsten Wolf, Christian Peuffer, Jens Schmahl, Fotos: Franziska Poreski + Christo Libuda

    In Zusammenarbeit mit::
    Architekten: A_lab Architektur, Berlin (DE)
    Öffentliche Bauherren: Stadt Wernigerode, Wernigerode (DE)

    Erläuterungstext
    Landesgartenschau Wernigerode 2006 - Im Zentrum der Peripherie

    Die historischen Fischteiche am Stadtrand des bunten Fachwerkstädtchens Wernigerode am Nordharz sind der Ort der Landesgartenschau 2006. Umgeben von Industrie- und Landwirtschaftslächen, Plattenbauten und Kleingärten war der bestehende Landschaftsraum nicht zusammenhängend lesbar, die sieben Teiche räumlich voneinander getrennt. Das Projekt macht versteckte Qualitäten sichtbar ohne die Spuren der Geschichte des Ortes zu verwischen.

    Eine von Osten nach Westen verlaufende 1000m lange Steganlage - der „Fish-Walk“ verknüpft die Teiche. Entlang des Steges sind die sogenannten „Follies“ als begehbare Architekturen angeordnet, geplant durch das Büro A_lab architektur, die das Element Wasser inszenieren. Sie dienen als emotionale Stimmungsträger, Orte der Lust, die Blicke auf sich ziehend, Attraktoren während und nach der Gartenschau. Die „Follies“ sind begehbarer Wasserfall, Aquarienregal in denen die verschiedenen Stadien der Fischzucht dargestellt werden oder einfach großer Sitzplätze am Wasser.
    Darüber hinaus wird der „Fish-Walk“ als „Mineralienschlucht“mit tiefem Einschnitt in den Deponiekörper zum geologischen Lehrpfad vom Harzvorland bis auf die bergigen Anhöhen des Harzes.

    Entlang der Teiche, im Bereich einer ehemaligen Bauschuttdeponie, schlingt sich das „Gartenband“,als Abfolge von 40 Themengärten. Eine Besonderheit sind die „Recyclinggärten“, in denen Baustoffe und Abbruchmaterial zu Gestaltungselementen werden. Die Gärten säumen die „Zaunwiese“ und das „Zauberwäldchen“ dass, mit einer Einfassung aus glänzendem Lochblech und im Waldesgrund glitzernden Schätzen an die Sage der Wernigeröder Zwerge erinnern soll.

    Die geschwungene, landschaftliche Promenade sucht die ruhigen Orte der Gartenschau, bildet das introvertierte Pendant zum geradlinigen, extrovertierten „Fish-Walk“. So entsteht ein moderner Park mit klarer, zusammenhängender Ausprägung, der im Spagat zwischen Show und nachhaltigem Nutzen regionale Eigenarten eröffnet.


    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Revitalisierung eines brachgefallenen innerörtlichen Grünzuges mit aufgelassenenen Fischteichen steht im Mittelpunkt dieses Beitrags. Die großzügige und geradlinige Verbindung der Teiche mittels Wegen und Stegen besticht in ihrer Geste, eine zusätzliche Akzentuierung erfährt dieser „Fisch Walk“ durch „Wasserstationen“, die jedem Teich eine eigene „Marke“ verleihen.
    Die Leistung der Arbeit besteht in der „Wieder-Nutzbar-Machung“ des Grünzuges als aktivem Naherholungsraum für die Bewohner von Wernigerode sowie und der Realisierung wichtiger Wegeverbindungen zwischen Altstadt und Wohngebiet. Dabei wird auf den Landschaftsbestand (Deponiekörper, Wäldchen...) behutsam und ablesbar reagiert, bei gleichzeitiger Schaffung von Freiräumen, wo die Seele aufatmen kann.
    Dieses neuentstandene, nutzbare Rückgrad ist ein nachhaltiger Beitrag zur Stadtentwicklung von Wernigerode, der nach der Durchführung der Landesgartenschau wie selbstverständlich seinen alltäglichen Platz einnimmt!