Landschaftsarchitekten
Mitarbeit
Sabine Gittel,
Susanne Mühlbauer
Erläuterungstext
BERLIN ZENTRAL Erläuterungsbericht
ZIELE // KONTEXT
BERLIN ZENTRAL
Boulevards, Alleen und andere lineare Zentren prägen das Bild Berlins: Friedrichstrasse, Karl-Marx-Allee, Kurfürstendamm oder
Schlossstraße zum Einkaufen, Unter den Linden zum Flanieren, die Strasse des 17. Juli für Grossveranstaltungen oder die Kastanienallee
mit ihren vielzähligen Bars und Restaurants. Aber auch die Schaltzentrale der Politik, die Kultur auf der Museumsinsel oder im
Kulturforum sind rund um funktionale Quartiere konzipiert.
Der Entwurf sieht vor, in dieses System von Hauptadern eine weitere hinzuzufügen - als neues lineares Zentrum und Besuchermagnet.
Der bisherige Charakter des Columbiadamm als breite autofreundliche Strasse mit einigen Solitärgebäuden (Moschee, Kino,
Columbiahalle, Tempelhof-Terminal) wird dabei aufgegriffen und zu einem schillernden Vergnügungs-Strip ausgebaut. Im Vordergrund
steht eine bewusste multikulturelle Raumprägung durch die aktive Beteiligung von Berlins ethnischen Communities. Dabei wird ein
Nutzungsmix angestrebt der verschiedene Altersklassen, beide Geschlechter, alle ethnische Gruppen und Bevölkerungsschichten
anspricht. Eines neues Stadtteil für alle Berliner soll entstehen - BERLIN ZENTRAL.
Paten stehen dabei LasVegas Strip, Hollywood Boulevard und das Tivoli.
HISTORISCHER UND AKTUELLER KONTEXT
Das neue Vergnügungs- und Freizeitzentrum steht in der Tradition des Ortes selber (Tempelhofer Feld). Tempelhof war schon früher
von Freizeitangeboten für die Stadtbevölkerung geprägt. Der Kreuzberg, die Hasenheide und das Tempelhofer Feld waren Anziehungspunkte
und Ausflugsziele für die gesamte Berliner Bevölkerung, die in Heerscharen zu den Jahrmärkten, Fest- und Picknickwiesen,
Biergärten, Freilufttheatern pilgerten.
Bis in die heutige Zeit sind die angrenzenden Quartiere und Freiräume als Orte mit einem überproportional stark ausgeprägten Freizeitangebot
bekannt. Einige Beispiele sind die Bergmannstrasse, Festwiese und Freiluftkino in der Hasenheide, die Columbiahalle oder
der jährlich stattfindende Karneval der Kulturen in Kreuzberg.
Der Mäander knüpft gezielt an diese bestehenden Strukturen an und stärkt diese durch eine neue Vernetzung.
Das bestehende Angebot wird durch das neue Quartier programmatisch erweitert und gezielt mit in die Branding-Kampagne integriert.
ENGE VERKNÜPFUNG MIT DEM STÄDTEBAULICHEN UMFELD
Dieses übergeordnete System überlagernd verbindet ein mäandrierender Fuss- und Radweg den Bergmannkiez in Kreuzberg und das
Schillerquartier in Neukölln. Dem Mäander angegliedert entsteht ein neues lebendiges Quartier das sowohl die multikulturelle Idee des
Strips als auch der angrenzenden Bezirke Neukölln und Kreuzberg aufgreift. Auf Übergeordneter Ebene werden durch die Mäandrierungen
in Nord-Süd-Richtungen auch die Parkräume Hasenheide und Tempelhofer Feld verbunden.
ÜBERGEORDNETES KONZEPT & AUSWEITUNG DER IDEE
Berlin besticht durch eine Vielzahl an spezialisierten Zentren. Alle sozialen und kulturellen Schichten werden allerdings nur überwiegend
von zwei Zentren angesprochen: Der Bahnhof Zoo mit dem anliegenden Kurfürstendamm im Westen und Mitte mit Alexanderplatz
im Osten. Der Entwurf sieht vor, in diese duale Zentrums-Konstellation einen weiteren Zentralen Ortsteil der alle Benutzergruppen
anspricht hinzuzufügen. Aus dem Zentral-Flughafen wird BERLIN ZENTRAL. Ein zentraler Ort der sich dem multikulturellem Miteinander
und Freizeitvergnügen widmet. Es entsteht eine Troika die einen neuen Zentrumsring andeutet. Der für das Projekt entwickelte
Lösungsansatz einer Ableitung der bestehenden Infrastrukturelemente in eine Städtebauliche Idee wird hier exemplarisch auf die
restlichen Ränder des Tempelhofer Feldes übertragen. Diese Skizze veranschaulicht nur die Adaptionsmöglichkeiten des Systems und
soll nicht als Städtebaulicher Vorschlag verstanden werden.
PROZESSUALE ENTWICKLUNG - LEITBILD DER BEDARFSORIENTIERTEN DIVERSIFIZIERUNG
Ziel einer prozessualen Entwicklung im Columbiaquartier ist es, Geschwindigkeit und Richtung der Diversifizierung von der Bedarfsentwicklung
und den Investitionsmöglichkeiten abhängig zu machen. Prinzipiell wird nicht von einer Entwicklung in Stufen ausgegangen,
sondern von einem kontinuierlichen Zustand der stetigen Veränderung.
Dafür werden eine Raumstruktur und Prinzipien entworfen, die eine solche Entwicklung ermöglichen, ohne sich dabei aus der räumlichformalen
Gestaltung zurückzuziehen. Die drei grundlegenden Entwurfselemente Strip, Mäander und Freiraumsystem sind mit drei
unterschiedlichen Prozesstypen verknüpft - Perlenkette, Flussdynamik und maßgeschneiderte Flexibilität.
Der Strip als „Perlenkette“ ermöglicht die flexible Addition und Subtraktion unterschiedlichster Bauwerken und Nutzungen entlang
eines linearen Bandes. In Abhängigkeit von Bedarf und Investitionsmöglichkeit, kann die Kette innerhalb des Gebietes verlängert und
transformiert werden.
Die Prozess-Prinzipien des Mäanders lassen sich von den Prozessverläufe eines sich stetig verändernden dynamischen Flusssystems
ableiten, der sich immer wieder neue Wege sucht, hin zu Anziehungspunkten, um Hindernisse herum, breiter und schmaler wird, Altarme
bildet und an dem sich Treibgut anlagert. Der Verlauf des Mäanders ist nicht fix, sondern kann sich über die Zeit in Form, Verlauf,
und Ausbaustufe entwickeln.
Als übergeordnetes Raumstruktur wird ein aus den lokalen Bedingungen abgeleitetes räumliches Freiraumsystem eingerichtet. Es
besteht aus vier Raumeinheiten (Feld - Felder - Lichter Hain - Obstplantage) mit einer jeweiligen spezifischen Flexibilität, in der eine
Differenzierung in private/halböffentliche/öffentliche Freiräume möglich ist:
Prozesssteuerung
Prozessbegleitend werden über die Zeit zielgerichtet unterschiedliche Entwicklungsschwerpunkte festgelegt. Das Hauptthema für
das Quartier ist von Beginn an das „Vergnügen“ bzw. die Erholung, in Kombination mit eines grundsätzlichen Branding des neuen
Quartieres. Zwei Unterthemen sollen von Anfang an das Gebiet als Leitziele mitbranden: a) sozial-ethnische Durchmischung und b)
klimagerechte Stadt - Themen, die dann in der weiteren Entwicklung umgesetzt werden. Auch die Entscheidungsstrukturen (Governance)
sind von Anbeginn für die Identität und Entwicklungsrichtung des Columbiaquartiers entscheidend (Dopplung). Es bedarf eines
feinen Zusammenspiels zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft (insbesondere der ethnischen Communities), das in
unterschiedlichen Entwicklungsphasen und in unterschiedlichen räumlichen Bereichen gleichzeitig horizontale, Bottom-Up-, aber auch
Top-Down-Prozesse ermöglicht.
Durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Prozesstypen wird das heute monofunktionale Flugfeld schrittweise in eine multifunktionale,
multikulturelle Stadtlandschaft überführt - eine prozessuale Stadtentwicklung der bedarfsorientierten Diversifizierung.
Parametrisches Städtebautool
Für die Stellung und Höhe der Gebäude am Mäander und damit auch die Ausrichtung von Teilen des Mäanders wird eine Optimierung
der Sonneneinstrahlung (passive Wärmegewinne) und Verschattung der Nachbargebäude herangezogen. Weitere Optimierungen
des Mäanders erfolgen z.B. bezüglich der Windachsen, Sichtachsen, Nähe zum ÖPNV etc. Für eine prozessuale Stadtplanung wird
auf dieser Basis die Erstellung eines parametrischen Städtebau-Tools vorgeschlagen. Dieses Tool könnte schnell auf sich ändernde
Gegebenheiten angepasst werden und es den Planern erlauben gezielt zu reagieren und den Städtebau anzupassen oder gewisse
Szenarien am digitalen Model testen. In einer weiteren Ausbauphase könnten auch ökonomische Aspekte wie z.B. ein Weitblick berücksichtigt
werden.
GRAMMATIK VON BERLIN ZENTRAL
Die städtebauliche Hauptintension besteht in einer urbanen Verbindung der von einander getrennten Quartiere Kreuzberg und Neukölln.
Diese Ost-West-Verbindung wird durch die am Mäander und Strip angelagerte Bebauung erreicht. Gleichzeitig wird durch die
Deformation dieser beiden linearen Elemente eine Nord-Süd Verbindung zwischen Tempelhofer Feld und dem Südstern erreicht. Die
Deformation generiert gleichzeitig eine Verdichtung in der Nähe der U-Bahn Station und eine Porösität in direkter Nachbarschaft.
Diese Durchlässigkeit wird genutzt um eine Nord-Süd-verbindung der Landschaftsräume zu ermöglichen. Durch die Überlagerung der
einzelnen Entwurfselemente ergibt sich ein ungewöhnliches und kontrastreiches Bild eines neuen Stadtquartieres.
STRIP Der Strip als “Perlenkette” ermöglicht die flexible Addition und Substraktion unterschiedlichster Bauwerken und Nutzungen entlang
eines linearen Bandes. In Abhängigkeit von Bedarf und Investitionsmöglichkeit, kann die Kette innerhalb des Gebietes verlängert
und transformiert werden. In Referenz zum internationalen Flughafenterminal Tempelhof wird entlang des Columbiadamms ein Mix
aus multikulturellen Solitären vorgeschlagen. Die Deformation des Strips schafft gleichzeitig programmatische Themenbereiche für
diesen bunten Mix der Nationen.
MÄANDER Die Prozess-Prinzipien des Mäanders lassen sich von der Metapher eines sich stetig verändernden dynamischen Flusssystems
ableiten, der sich immer wieder neue Wege sucht, hin zu Anziehungspunkten, um Hindernisse herum, breiter und schmaler
wird, Altarme bildet und an dem sich eigene Sedimente anlagern. Der Verlauf des Mäanders ist nicht fixiert, sondern kann sich im Laufe
der Zeit in Form, Verlauf, Dimension und Qualität entwickeln. Dabei werden ähnlich wie beim Fluss Altverläufe als urbaner Palimpsest
erhalten.
ÜBERGEORDNETES FREIRAUMSYSTEM
Als übergeordnetes Raumstruktur wird ein aus den lokalen Bedingungen abgeleitetes
räumliches Freiraumsystem eingerichtet. Es besteht aus vier Raumeinheiten (Feld - Felder - Lichter Hain - Obstplantage) mit einer
jeweiligen spezifischen Flexibilität, in der eine Differenzierung in private/halböffentliche/öffentliche Freiräume möglich ist:
Das „Feld“ im Anschluss an das Flughafengebäude, hält den Blick frei, dient Anfangs durch die große markierte Asphaltfläche als flexibel
nutzbare Plattform und kann bei Bedarf flächige Nutzungen und Funktionen aufnehmen, die dann aus der Fläche als Senkgärten
oder Becken herausgeschnitten werden.
Die „Felder“ orientieren sich an den der Haupt-Blick- und Entwicklungsrichtung im Bereich der Otto-Lilienthal-Straße. Anfangs abgetrennt
durch Zäune oder nur durch eine flächige Belegung, wird in einem Investitionsschritt durch lineare Baumblöcke ein schemenhaftes,
starres Raumgerüst gebildet. Dieses Gerüst gibt Größen und Richtungen vor. Innerhalb der vorgebauten räumlichen Struktur
können Solitärbauten und Wohn-Gewerbebauten integriert werden, sowie Zwischenräume zu Höfen oder Gärten umgebaut werden.
Ohne Bauliche Entwicklung sind flexible Belegungen als Sportflächen oder durch Zwischennutzungen möglich.
Im dritten Bereich des Friedhofs, wird der existierende Baumbestand zu einem „lichten Hain“ umgebaut, in dessen Schneisen und
Lücken der Mäander flexibel eingewoben werden kann und Wohngebäude je nach Bedarf in unterschiedlichen Dichten eingebettet
werden. Die großen Baumgruppen bieten ein interessante Struktur unabhängig der dazwischen denkbaren extensiven bis intensiven
Nutzung.
Im vierten Bereich Anschluss an das Schillerquartier bilden Obstbäume ein verformbares Medium. Obstbäume können, da sie nicht
unter die Berliner Baumschutzordnung fallen, auch nach mehreren Jahren wieder gefällt werden. Ein Wandel vollzieht sich von offenen
Garten-Feldern mit Obstalleen zu durch im Raster stehende Obstbäume abgesteckte Claims für individuelle Gärten, bis hin zu in die
Streuobstwiese eingebettete Wohnhäuser und öffentl. Einrichtungen.
BEBAUUNG UND FREIRÄUME
Abhängig von sich ansiedelnden Bebauungstypologien, der baulichen Entwicklung des Mäanders, oder Wünschen von Anwohnern und
lokalen Akteuren, werden gezielt Flächen innerhalb des Freiraumsystems typologisch transformiert. Ehemals offen Flächen werden
zu gemeinschaftlich genutzten Poketparks oder Gemeinschaftshöfen, oder zu optional anmietbaren Mietergärten oder Privatgärten
direkt an Gebäuden. Der Mäander definiert zum Feld gewandte und abgewandte Bereiche, die sich unterschiedliche programmieren
lassen. Das Ziel einer langfristigen Entwicklung sollte es sein, zu einer möglichst vielfältigen typologischen Mischung aus privaten, halböffentlichen
und öffentlichen Flächen zu kommen.
GOVERNANCE - MODELL
Für die drei Kern-Elemente des Entwurfs sind individuelle Management-Organe angedacht.
Zur Entwicklung des Columbiastrip zu einem multikulturellen Vergnügungs-Cluster wird ein Straßen- bzw. Cluster-Manager eingesetzt,
der gezielt multi-ethnische Investoren anwirbt. Die städtebauliche Entwicklung des Mäanders wird innerhalb einer Neighbourhood-
Development-Area vollzogen, in der aus einem Überlappungsbereich mit den angrenzenden Quartieren heraus, das neue Quartier entwickelt
wird. Die gestalterischen und organisatorischen Anforderungen an einen sich stetig verändernden öffentlichen Raum, der den
Strip und den Mäander als übergreifender Raum mit einschließen, wird ein Gestaltungsmanagement vorgeschlagen, das temporäre,
provisorische und dauerhafte Freiraumnutzungen steuert. Für die Entwicklung des Gebietes wird die Einrichtung eines Monitoring-
Teams vorgeschlagen, unter dessen Dach die drei wichtigsten Akteursgruppen vereint werden:
1. Verwaltung (Fachverwaltungen, Bezirke)
2. Wirtschaft (IHK, Interssenten/Investoren mit bewusster Öffnung gegenüber Investoren aus ethnischen Communities)
3. Zivilgesellschaft (Bürgergremium mit Vertretern Ethnischer Kultur- und Wirtschaftsvereine, Anwohner und QM Vertreter)
Der Einfluss der einzelnen Gruppen variiert im Zusammenhang mit dem jeweiligen Entwicklungsbereich.
Zu den Aufgaben des Monitoring-Teams gehört eine kontinuierliche Beobachtung, die Evaluierung der Events und der Zwischennutzungen,
die Anpassung der Pläne und Lenkung der Gebietsentwicklung, sowie Einfluss beim Branding des Standorts und dem übergeordneten
Gestaltungsmanagement. Neben dieser inneren Monitoring Gruppe ist die Einrichtung fachspezifischer Arbeitsgruppen und der
Einrichtung eines Fachbeirates sinnvoll.
BRANDING
Berlin Zentral füllt ein Vakuum zwischen den bestehenden “Brands” der Umgebung: Tempelhof als neuer Event- und Messestandort,
Tempelhofer Feld als Freiraum und die beiden multikulturell geprägten Stadtviertel Bergmannkiez und Schillerquartier. Das neu zu etablierende
“Brand” für das Columbiaquartier nimmt die bestehenden Qualitäten auf und interpretiert einen einmaligen Mix aus diesen.
Ein neues multikulturelles Quartier mit übergeordneten Vergnügungsfunktionen und lokalen Wohn- und Naherholungsangeboten ensteht
mitten im Grünen.
KUNST + EVENTS
Temporäre und dauerhafte künstlerische Interventionen begleiten die prozessuale Entwicklung des Columbiaquartiers. Als Symbol
wird zu Beginn der weltweit erste zivile Flughafen durch eine kinetische Windskulptur als Attraktion markiert. Die Verbindung von Klimaschutz
und Kunst wird durch skulpturale Kühlsysteme thematisiert. Neben Werbeschildern entlang des Strips wir auch Künstlern
die Möglichkeit geboten sich dort in einem ungewohnten Format einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die weiträumigen Asphaltflächen
oder das Tempelhofer Feld bieten sich gerade in der Initialphase für temporäre Land-Artevents an.
Schon während der Initialphase wird durch ein gezieltes Branding und Flächenmanagment Berlin Zentral als wichtiger Veranstaltungsort
für Berlin etabliert. Dabei wird gezielt versucht ein über das Jahr gleichmässiges Angebot an multikulturellen Festen und Events auf
den anliegenden Flächen und Strassen anzubieten.
INFRASTRUKTURELLE ELLEMENTE
VERKEHR
Nahräumliche / nichtmotorisierte Mobilität:
Das Quartier wird von einem dichten Netz aus Anliegerstraßen und separaten Geh-/Radwegen durchzogen. Für Fußgänger und Radfahrer
wird somit weitgehend Kfz-unabhängig die Erreichbarkeit innerhalb des Quartiers wie auch die Durchbindung des Quartiers und
Anbindung an die Nachbarquartiere sichergestellt.
Die Kfz-Erschließung der neuen Gebäude erfolgt vom Columbiadamm aus über befahrbare Teilabschnitte des Mäanders. Der ruhende
Verkehr wird dabei vorrangig in nahe am Columbiadamm gelegenen Parkierungseinrichtungen abgewickelt. Im Bereich der Wohnbebauung
sind die Straßenräume als Mischverkehrsflächen ausgeführt und dienen vorrangig dem Aufenthalt sowie den nahräumlichen
nichtmotorisierten Fortbewegungsarten. Das Parken im Straßenraum wird in diesem Bereichen auf kurzfristige Halte-/Parkvorgänge
(Anlieferung, Entsorgung, Ein-/Aussteigen, Handwerker etc.) beschränkt.
Neben der Erschließungsfunktion des neuen Quartiers behält der Columbiadamm seine Hauptstraßenfunktion als wichtige Ost-West-
Achse zwischen Neukölln und Tempelhof/Schöneberg. Der Straßenraum wird gestalterisch jedoch so verändert, dass einerseits
die Trennwirkung der Straße reduziert wird und andererseits temporäre Umnutzungen möglich sind. Hierfür wird insbesondere der
Straßenquerschnitt um einen gepflasterten Mittelstreifen erweitert, der sowohl Fußgänger und Radfahrer ein leichteres Queren ermöglicht
als auch temporär als zusätzlicher Parkraum genutzt werden kann. Weitere zusätzliche Stellplätze können im vorgesehenen
Straßenquerschnitt durch einen Wechsel von Längs- zu Schrägaufstellung am Straßenrand temporärer geschaffen werden. Weitere
Möglichkeiten zur temporären Umnutzung des Columbiadamms ergeben sich insbesondere durch die diversen Optionen für eine veränderte
Verkehrsführung über Teile des Mäanders, die durch entsprechende Kreuzungs- und Querschnittsgestaltungen ermöglicht
werden.
Im öffentlichen Personennahverkehr bilden die benachbarten Schnellbahnstationen (S- und U-Bahn) sowie der über den Columbiadamm
führende Busverkehr das Rückgrat insbesondere für die Abwicklung der alltäglichen Verkehre sowie der Sonderverkehre bei
größeren Veranstaltungen. In Ergänzung hierzu werden an Terminals innovative bzw. alternative Verkehrsmittel wie Mietfahrräder,
Segways, Rikschas, Golfcarts etc. angeboten. Darüber hinaus wird zwischen den Terminals u.a. für mobilitätseingeschränkte Personen
ein Kleinbusverkehr eingerichtet. Mit diesen „ergänzenden“ Verkehrsmittel wird ein attraktives Angebot sowohl für Freizeitverkehre
zum bzw. auf dem ehemaligen Flughafengelände wie auch für den Alltags- und Eventverkehr im neuen Quartier geschaffen. Als innovative
Mobilitätsangebote stehen sie im Übergangsbereich zwischen kollektiven und invidividuellen Verkehrsmitteln und verbinden
gleichzeitig Freizeit- und Alltagsverkehrsmittel.
LICHT
Licht ist ein einfaches und kostengünstiges Mittel Zeichen zu setzen, Verbindungen aufzuzeigen und Adressen zu schaffen. Schon in
der ersten Phase kann es das Bild des neuen Quartiers prägen: Beleuchtete Schilder reihen sich entlang des Columbia dammstrips.
Mobile Solarleuchten zeichnen den sich verändernden Mäander nach, markieren die Kante zum Flugfeld und verbinden als Lichterkette
den Sunset Boulevard mit dem Terminalgebäude. Zusammengestellt schaffen sie Plätze, die sie als abendliche Bühne ausleuchten.
Bei Events präsentiert sich das Terminal gebäude durch temporäre Lichtinszenierungen als leuchtender nordwestlicher Abschluss
des Tempelhofer Feldes.
In der weiteren Entwicklung des Quartiers wird die Straßenbeleuchtung des Columbiadamms durch eine energieeffiziente, wartungsarme
und dynamisch steuerbare LED-Straßenbeleuchtung ausgetauscht. Sie bietet das passende Licht für die verschiedenen Veranstaltungen
entlang des Strips und leitet den Autoverkehr gegebenenfalls um. Eine dynamische Weihnachtsbeleuchtung durch die Hasenheide
schafft auch im übrigen Jahr eine sichere Anbindung. Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung entlang der Lilienthalstraße auf
LEDs verweist schon am Südstern auf das neue Stadtquartier. Die Beleuchtung des Terminalgebäudes zur Seite des Columbiadamms
und eine Anstrahlung der Polizeigebäude fassen bei Dunkelheit den städtischen Raum und leiten zum entstehenden Stadtquartier.
In der Endausbauphase setzen beleuchtete Solitairegebäude ihre Lichtzeichen entlang des Columbiadamms und lösen die Schilder
ab. Eine zurückhaltende Wegebeleuchtung am Mäander schafft den Übergang zwischen dem hellen städtischen Leben am Columbiadamm
zu der dunklen und ruhigen Fläche des Wiesenmeeres, in welchem die Markierungen der Landebahnen noch immer sanft
glühen.
Verknüpfung der Ver- und Entsorgungssysteme (Energie , Waser, Abfal)
Grundsätzliches Ziel ist es die unterschiedlichen Kreisläufe und Systeme zu verknüpfen und möglichst effektiv zu nutzen.
Dabei wird auf eine hohe Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Erweiterbarkeit der Systeme wert gelegt.
Die Funktionalen Bausteine der Ver- und Entsorgungssysteme werden nicht als isolierte und versteckt, sondern
als Teil der Stadtstruktur im öffentliche Raum inszeniert und im Sinne einer Mehrfachnutzung optimiert.
Waser
Regenwasser und Wasser generell wird nicht als zu bewirtschaftendes Problem gesehen, sondern als wertvolle Ressource die es zu
nutzen gilt. Die großen Mengen Regenwassers des historischen Flugfeldes können für andere Zwecke genutzt werden, anstatt sie kostenintensiv
in die Kanalisation zu speisen bzw. nur zu versickern. Das Konzept sieht eine Verknüpfung von Regenwasserbewirtschaftung,
Grauwasserreinigung, Energiegewinnung (BHKW) und öffentlicher Parkfunktion in einem Wasser-Energie-Band vor. Um eine kostenintensive Verlegung des Kanalnetzes zu vermeiden wird ein Retentionsbecken in Kombination mit einem Bodenfilter für Regen- und Brauchwasser in den nördlichen Bereich des Columbiadamms verlegt, wo ein Anschluss an das bestehende Abflussrohr möglich ist. Durch den Bodenfilter kann Regenwasser für andere Nutzungen verwertet werden. Die Auslegung für Wassermengen extremer Regenereignisse ermöglicht es, dass das in geringen Mengen kontinuierlich anfallende Grauwasser möglicher Neubauten über den Bodenfilter gereinigt wird. Das so gefilterte Wasser wird entweder direkt wieder verwendet, oder in eine auf der Südseite gelegene Pflanzenkläranlage gepumpt und durch diverse Becken und Sumpfgärten geleitet, die geleichzeitig zur Biomasse Produktion dienen und einen attraktiven Parkteil bilden. Das von Phosphaten gereinigte Trinkwasser wird in einem offenen Wasserreservoir gespeichert, verwendet bzw. in den Wasser-Kreislauf rückeingespeist. Die bauliche Struktur des ehemaligen Reckenrückhaltebeckens wird für eine Energiespeicher umgewidmet.Dieses Wasser-Energie-Band kann im Rahmen einer möglichen IGA/IBA errichtet werden und zeigt exemplarisch den nachhaltigen Umgang mit Wasser in der Stadt der Zukunft.
Beurteilung durch das Preisgericht
Liegt nicht vor.