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  • Engere Wahl


    Architekten
    studioinges, Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Der Entwurf vereint symbiotisch den objekthaften Städtebau der Moderne mit dem raumbildenden, traditionellen europäischen Städtebau und damit den Ursprung des Planungsgedankens der Stadt Laatzen mit der Sehnsucht nach den Räumen und der Urbanität der europäischen Stadt.
    In der zeitlichen Staffelung der einzelnen Bauabschnitte macht der Entwurf auch eine Entwicklung vom Objekt im fließenden Raum hin zu einem, durch zwei neue Objekte klar definierten Marktplatz, der in seiner Dimension und Ausbildung, trotz der Höhenunterschiede zu den umliegenden Gebäuden, als angenehm proportionierter Raum wahrgenommen wirkt.
    Die beiden Objekte leisten aber noch mehr als nur einen wohlproportionierten Marktplatz zu schaffen. Sie sind so angeordnet, dass gleichzeitig zwei kleine Entreé-Plätze entstehen, die den Marktplatz mit anderen öffentlichen Nutzungen in der Umgebung, etwa der Thomas-Kirche im Norden und dem Erich-Kästner-Gymnasium im Osten vernetzen.
    Um diese Raumwirkung zu erreichen war es nach unserer Auffassung nötig die Bebauung etwas enger zu fassen, als es der für die Bebauung vorgesehene Bereich suggeriert. Die süd-östliche Platzkante entsteht somit nördlich der Robert-Koch-Straße, die damit eine Zonierung des Stadtraumes in einen städtischen Platz und einen angrenzenden Park übernimmt. Zu diesem Zweck wird die Straße komplett umgebaut und ihr somit die Barrierenwirkung genommen.
    Durch die Anordnung der beiden Baukörper muss der 2. Bauabschnitt außerhalb des vorgegebenen Baufeldes realisiert werden. Die Nutzung dieses Bauabschnittes durch Medienzentrum und Bibliothek verträgt sich jedoch gut mit der etwas schattigeren Lage. Viel höher zu bewerten ist nach unserer Einschätzung die Proportionierung des Markplatzes, die auf diese Weise, zu einem sehr angenehm gefassten Stadtplatz werden kann. Die deutlich niedrigeren Baukörper der neuen Platzkanten können so trotzdem eine raumbildende Wirkung entfalten und dem Platz eine neue Dimension verleihen.

    Freiräume

    Das Bearbeitungsgebiet wird in zwei stadtmaßstädtliche Flächen geteilt: Ein „Teppich“ westlich der Robert-Koch-Straße als Stadtplatz mit den zentralen Funktionen und ein „Teppich“ als Stadtpark östlich der Robert-Koch-Straße.

    Der Stadtplatz erhält unterschiedliche Beläge, die wie Intarsien unterschiedliche Zonen herausarbeiten: Die mittig entstehende Platzfläche des Marktes, in die der bestehende Brunnen in seiner heutigen Lage integriert wird, bildet das neue stadträumliche Zentrum. Ein Kleinpflaster unterbricht hier den fließenden Plattenbelag und setzt einen Akzent auf der großzügigen Platzfläche, auf der in klassischer Form Markt abgehalten werden kann und die auch dem alljährlichen Stadtfest genügend Raum bietet. Zusammen mit den beiden neuen Baukörpern und dem Rathaus bilden die kleinen Entreé-Plätze und ein keilförmiger Rasenstreifen vor der Hochhausscheibe eine umlaufende Rahmung des neuen Marktplatzes, wodurch seine Zentrale Stellung im Stadtraum noch zusätzlich betont wird. Die Entreé-Plätze besitzen eine wassergebundene Decke und sind mit Gleditschien bepflanzt. Die keilförmige Rasenfläche vor der Hochhausscheibe bietet im Sommer ein schattiges Plätzchen mit Blick auf den Markt, sie ist an zwei Stellen großzügig durchbrochen um eine Verbindung von Markt und umgestalteter Ladenzeile. Die Rasenfläche ist ebenfalls mit Gleditschien bepflanzt, die mit der schattigen Lage außerordentlich gut zurechtkommen.
    Durch die Verlegung der Marktfläche Richtung Norden wird dieser aus der Verschattungszone herausgenommen.

    Als Kontrast zu dem Stadtplatz mit seinem Markt im Zentrum und seiner artifizielleren, urbaneren Freiraumgestaltung wird der Stadtpark mit dem bestehenden Baumbestand mit großzügigen Wiesenflächen sowie drei integrierten Aktionsfelder mit Sport- und Spielfunktionen als grüner Erholungsort gestaltet.

    Architektonisches Konzept

    Bauabschnitt I, Bildungs- und Gesundheitszentrum

    Im ersten Bauabschnitt wird am östlichen Rand des Stadtplatzes ein „Platzhaus“ als Bildungs- und Gesundheitszentrum errichtet. Es markiert den Stadtplatz und spannt ihn zwischen den bestehenden Gebäuden und sich auf. Mit seiner öffentlichen Nutzung soll es als urbanes Signet ausstrahlen und auf die Stadtmitte aufmerksam machen. Dieser öffentlichen Funktion im Stadtgefüge entsprechend wird die Erdgeschosszone allseitig transparent gestaltet und mit einer Glasfassade versehen. Die Lochfassade der Obergeschosse erhält wiederum eine einheitliche, richtungslose und umlaufende Bekleidung aus farbigen Lamellen. Diese verleihen dem Gebäude nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert, die Ganzheitlichkeit und Allseitigkeit der Fassade stärkt die Wahrnehmung des Baukörpers als Objekt und tritt so auch architektonisch ein einen Dialog mit der Moderne.
    Alle Funktionen im Gebäude sind um einen massiven Erschließungskern gelegt. Eine einläufige Haupttreppe erschließt die zwei Obergeschosse. Im Erdgeschoss befinden sich das Stadtcafé und der Seniorentreff. Das Café bietet die Möglichkeit einer sonnigen Außenbestuhlung Richtung Marktplatz. Der Mehrzweckraum liegt im ersten OG mit Blick auf den Markt und das Rathaus. Die verschiedenen Seminarräume und Büros liegen L-förmig um den Kern.
    Das Haus ist so angelegt, dass es auf der Südwestseite um die Bibliothek erweitert werden kann. Die temporäre Fassadenbekleidung der Obergeschosse kann hierzu abgenommen werden und in Teilen für den II. Bauabschnitt wieder verwendet werden. Die Haupttreppe wird sich dann entlang eines grünen Innenhofes entwickeln.

    Bauabschnitt II, Medienzentrum mit Bibliothek

    Der zweite Bauabschnitt funktioniert als Erweiterung des Bildungs- und Gesundheitszentrums. Entsprechend können Technik- und Erschließungsflächen des ersten Bauabschnitts gemeinsam genutzt werden und diese Synergien zu einer ökonomischen Raumstruktur beitragen.
    Auch der zweite Bauabschnitt erhält ein verglastes Erdgeschoss, umlaufende lamellenförmige Bekleidung in den Obergeschossen und einen Erschließungskern, um den sich herum die öffentlichen Bibliotheksbereiche und die Büroräume ausbreiten. Beide Bauabschnitte entwickeln sich um einen gemeinsamen grünen Lichthof im Zentrum, der auch als kontemplativer Bezugspunkt für die Bibliothek dienen soll.

    Bauabschnitt III, Gastronomie und Gewerbe

    Der dritte Bauabschnitt bildet als eigenständiges, zweites „Platzhaus“ die räumliche Kante des Marktplatzes Richtung Marktstraße. Die architektonische Ausformulierung entspricht dem des Hauses des ersten und zweiten Bauabschnittes um die Signethaftigkeit des neuen Gebäudeensembles zu stärken. So ist Gebäudehöhe und Hülle gleich, auch hier lädt eine verglaste Erdgeschosszone zum Betreten des Hauses ein. Der westliche Teil des Gebäudes beherbergt die gastronomischen Einrichtungen mit Restaurant im Erdgeschoss - und somit der Möglichkeit einer sonnigen Außenbewirtschaftung Richtung Marktplatz. Der Festsaal erstreckt sich über die beiden Obergeschosse und wird über ein Vestibül im EG und einer Galerie im 1. OG erschlossen. Der östliche Teil des Gebäudes erhält auf drei Etagen Gewerbeflächen mit Läden im Erdgeschoss, die sich sowohl zum Markt, zur Marktstraße sowie zum Entreé-Platz orientieren.

    Verkehrs- und Parkraumkonzept

    Die aktuelle Planung zum Rückbau der Marktstraße wird aufgenommen und auf die Robert-Koch-Straße ausgedehnt. Die verkehrsberuhigte Robert-Koch-Straße und Marktstraße flankieren den Stadtplatz und vernetzen ihn mit der Stadt. Die Robert-Koch-Straße dient auch als stadträumliche Zäsur zwischen Stadtpark und Stadtplatz. Die Parkplätze werden entlang der Marktstraße und der Robert-Koch-Straße als Längs- und Querparker direkt an dem Straßenraum angeordnet. Diese ca. 95 Stellplätze werden durch 5 Behindertenplätze und Fahrradbügel am Rand des Stadtplatzes ergänzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.