Projekt
Gimme Shelter!
Architekten
Preisgeld
3.000 EUR
Erläuterungstext
Urhütten, gelbe Schaltafeln mit Höhlenmalereien und Lagerfeuer aus Glühbirnen.
Zum poolbar-Festival 2012 werden die wichtigen Publikumsbereiche im alten Hallenbad und dem angrenzenden Außenraum mit gelb durchgefärbten Schaltafeln ausgestattet. In Form einfacher, kubischer Sitzmöbel und partiellen Bodenbelages wird das markante Material zum Identitätsträger des Festivals. Räumliche Höhepunkte setzen mehrere, archaisch anmutende Hütten aus dem gleichen Baustoff, die in den verschiedenen Räumen unterschiedliche Funktionen aufnehmen. Mit ihrer Anordnung zu einander und als „Haus im Haus“ erzeugen sie Raumsituationen im Spannungsfeld zwischen Innen und Außen. Ihre einfache Typologie entwickelt dabei in Kombination mit der intensiven Farbigkeit eine stark zeichenhafte Wirkung. Die Schaltafeln sind ein extrem robustes, wasserabweisendes und dennoch äußerst günstiges Material. Im Festivalbetrieb sind sie bestens geeignet, den Bestand wirksam zu schützen und ihre Wiederverwendung nach Abschluss der Veranstaltung ist unproblematisch. 2012 sind die poolbar-Besucher nicht bloß passiver Beobachter – im Sinne eines rundum von Kreativität und guter Gestaltung geprägten Festivals, lädt die Architektur dazu ein selbst kreativ zu werden. In allen Räumen liegen schwarze Filzmarker aus, mit denen die Oberfläche der gelben Tafeln beschriftet werden kann. Vergleichbar mit Höhlenmalereien entstehen so persönliche Zeugnisse von Erlebnissen, Eindrücken und Nachrichten rund um das poolbar-Festival. Auf der Anfangs unberührten, gelben Oberfläche verdichtet sich nach und nach ein tattooartiges Netz individueller Befindlichkeiten. Die Möbel, der Boden und die Hütten werden zu Informationsträgern eines Zeitabschnittes – des poolbar-Festivals 2012. Jedes Möbel wird am Ende des Festivals mit Klarlack konserviert und versteigert. Der Gewinner erhält ein Unikat mit Geschichte und bleibendem Wert. Für die Hütten sind vielfältige Weiternutzungen denkbar – als Lagerraum, Gartenpavillon oder Wartehäuschen. Die Bodenplatten können ihrer eigentlichen Bestimmung als Schaltafel wieder zugeführt werden oder als Material für exklusiven Möbelbau dienen. Obgleich die gelben Schaltafeln gestalterisch in allen wichtigen Räumen eingesetzt werden, ergeben sich verschiedene räumliche Wirkungen. Im Außenbereich dienen die typischen Sitzkuben als Möblierung der Terrasse. Eine gelbe Hütte wird zum Kassahaus und eröffnet als Signet den Festivalbereich. Auch der Brutkasten wird zu einer, oder mehreren Hütten. Ein großes, gelbes Quadrat aus Schaltafeln wird vor der Fassade über dem Eingang angebracht und dient als Projektionsfläche zur Ankündigung des nächsten Künstlers. Typographisch wird dies in Anlehnung an die Filzstiftkritzeleien umgesetzt. Erleuchtet wird der Außenbereich durch die bestehenden „poolbar Lights“. Das Wohnzimmer als Herzstück ist atmosphärisch besonders dicht – der Boden ist mit Schaltafeln ausgelegt, Theke und Sitzmöbel aus dem gleichen Material gefertigt. Im Zentrum befinden sich zwei Hütten, die in ihrer Mitte ein Lagerfeuer aus Glühbirnen aufnehmen. Ihre Außenwände sind als Regale ausgebildet, was zum einen eine Menge Stellfläche für Getränke darstellt, zum anderen den Vorteil bringt, die Hütten ohne separate Unterkonstruktion zum Tragen zu bringen. In den Hütten ist auf beiden Längsseiten Platz zum Sitzen. Der umliegende Raum wird locker mit Sitzwürfeln und kubischen Tischen bestückt. Im Bedarfsfall können diese in den Hütten verstaut werden um genügend Platz zum Tanzen zu schaffen. Die bestehenden „poolbar Lights“ finden auch im Wohnzimmer Verwendung. Über der Theke wird zur gleichmäßigen Ausleuchtung eine gerichtete Hängung vorgenommen, die restlichen Glühbirnen werden - auf einer Höhe – frei im Raum verteilt. Im poolbar Style-Café findet die Hängung der Glühbirnen in Trauben - auf unterschiedlicher Höhe – statt. Aus den entstehenden Wolkenclustern hängen poolbar-Klamotten und Merchandise Artikel. Auch im hellen Style-Café ist der Boden mit Schaltafeln ausgekleidet. Die Möblierung mit einer umlaufenden Bank und einem Verkaufstresen, ebenfalls aus gelben Schaltafeln, ist funktional und zurückhaltend. Im Pool steht die Show im Vordergrund, deshalb ist nur die Bühne gelb Verkleidet und zieht alle Blicke auf sich. Das Beleuchtungssystem wird hier ebenfalls beibehalten. Die Halle verfügt über einen gelben Tresen mit angebauter Hütte, die als Lager für Sitzmöbel dient, die nach Veranstaltungen eine schnelle Cafénutzung ermöglichen. poolbar 2012 – Gimme Shelter ! I tell you love, sister, it's just a kiss away Kiss away, kiss away
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Projekt der Berliner (reset-studio.de) hat Humor, es hat räumliche Qualität, es ist nicht eitel und lädt zur weiteren Bearbeitung durch das Publikum ein. Es ist „irgendwie Punk“ – und diese etwas rotzige Haltung entspricht dem poolbar-Festival. Das reduktionistische Zitieren der klassischen Vorarlberger „Hüsle“-Form (dass in diesem Zusammenhang vom Einreichenden von Urhütten und Höhlenmalereien geschrieben wird, ist pikant) kann einerseits als humorvolle Kritik gelesen werden, gleichwohl aber auch als kecke Verneigung vor dem „Üblichen“: immerhin bereichert die Intervention das Festival um ein räumliches Erlebnis: der Innenraum bietet die bereits im Festival Sub-Titel enthaltenen Nischen („poolbar-Festival – Musik und Kultur von Nischen bis Pop“), hier wird Intimität und Raum für Zwiegespräche geboten, aber hier kann auch die Post abgehen. Der Raum im Raum ist jedenfalls höchst attraktiv und will von neugierigen BesucherInnen erobert werden. Aber auch für die Menschen außerhalb der „Hüsle“ bietet die Installation praktische Qualitäten. Und die cleveren Öffnungen werden zu interessanten - gewollten und zufälligen - menschlichen Begegnungen führen. Dass „Holzbau in Vorarlberg“ nicht immer die klassischen Erscheinungsformen annehmen muss und auch auf Industrieprodukte zurückgreifen kann, ist ein zusätzliches, starkes Statement. Anregungen der Jury: Durch das „weiche“ Verlegen der Schalungsplatten am Boden könnte ein zusätzliches Erlebnis generiert werden. An der Behaglichkeit/Gemütlichkeit (Akustik, evtl. Haptik) des Raumes sollte noch gefeilt werden, um nicht nur als spannende Installation, sondern auch als gastronomische Architektur zu funktionieren, die zum längeren Verweilen der Gäste im Alten Hallenbad einlädt.