Architekten
Erläuterungstext
Eine Kindertagesstätte mitten in der Stadt, direkt neben der St. Vitus-Kirche, der traditionsrei-chen Gelbrink-Grundschule, mit einem großen Spielplatz in der Nähe, am Ufer eines schönen Flusses gelegen, ein Grundstück im Stadt-Spiel-Park mit der Option, die Aufenthaltsbereiche analog dem Verlauf der Sonne anordnen zu können, mit direkten Anbindungen an Stadt, Natur und Kulturlandschaft – kann es eine bessere Ausgangslage geben?
Ganz so einfach ist es je doch nicht: Die Schüler und Lehrer der Schule dürfen und sollen zukünftig nicht gestört und abgelenkt werden, zu dem wäre es in vielfältiger Hinsicht ein großer Verlust, die vorhandene, aufwändige und attraktive Erschließung mit Wendeplatz für die Schule aufzugeben. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche nachbarliche Interessen und nicht zuletzt ist der Standort im Kreuzungsbereich Große Hase und Hasestraße städtebaulich als Stadtein- und -ausgang bedeutsam.
Der Entwurf zeigt daher ein introvertiertes, raumdefinierendes Gebäude, welches die Gelbrink – Schule nicht nur respektiert, sondern auch Möglichkeiten der zukünftigen Anbindung (Mensa und Cafeteria) und des Zusammenseins anbietet. Ein Gebäude, welches sich die Fläche der schönen, vorhandenen Klinkerstraße bewusst leistet, diese eher als Chance, denn als Last begreift . Ein Gebäude, das ebenso wirtschaftlich im Flächenverbrauch, wie im jährlichen Unterhalt ist.
Von der zentralen Halle mit Caféteria und Kinderküche gelangen die Kinder und Eltern ebenerdig, kreuzungs- und störungsfrei, entweder in den Krippen- oder in den Kindergartenbereich. Anstelle von Fluren können aufgeweitete Innenzonen zum An- und Ausziehen, zum Spielen oder zum ´rumbutschern` genutzt werden. Immer wieder gibt es Ausblickmöglichkeiten zur Orientierung und natürlichen Belichtung. Alle Gruppenräume orientieren sich zum grünen Innenbereich, jeweils vis-á-vis liegen die Zusatzräume. Die Verwaltung sowie die bewusst separierten, etwas ruhigeren, introvertierten Intensiv- und Sonderräume liegen im OG, bereit für Kinder aller Altersgruppen.
Um die gewünschten und wichtigen Außenbereiche der jeweiligen Aufenthaltsabsicht entsprechend differenziert, spannend, animierend und möglichst gegensätzlich anzubieten, werden auch die Dachflächen konsequent und unaufgeregt mit in die Benutzung einbezogen. Das ruhigere Spiel, sogar mit Geräten, ist hier draußen angesiedelt. Auch wird der Aussichts-turm auf die Hase über die Dachfläche barrierefrei erreicht. Der Turm ist multifunktional: Abgesehen davon, dass er den wunderschönen Blick auf die Wasserfläche, Uferzone und Berme der Hase bietet, dient er als geschützter Aufenthaltsbereich bei schlechtem Wetter, als Söller, begehbare Umweltkiste, Kletterturm mit Netzen und Seilen, Orientierungspunkt oder dem täglich neuen spielzeugfreien Spiel – je nach Lust und Laune und Phantasie. Warum zukünftig nicht einmal auch die neidischen Blicke der Passanten spüren?
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf sieht eine Bebauung in ortsüblicher Bauweise mit regionaltypischen Materialien vor, „die sich mit großer Selbstverständlichkeit in die vorhandene städtebauliche Struktur einfügt.“ „Die […] kleinen, eingeschossigen, traufständigen […] Gruppenräume schaffen eine große Harmonie und wohltuende Maßstäblichkeit“ und erhalten „eine gut ausgebildete und funktional wünschenswerte Verbindung zum Außenraum. Die klar gegliederte Erschließung erfolgt zentral […] und grenzt funktional sinnvoll den Kinderkrippenbereich vom Kindergartenbereich ab.“ „Durch die Anordnung […] entstehen Erschließungszonen mit Raumqualität“. „Die Räume der Verwaltung und die Personalräume sind richtig im Obergeschoss untergebracht.“ „Alles in allem eine Arbeit, die neuere pädagogische Anforderungen unterstützt und gleichzeitig eine gelungene Antwort auf die schwierige städtebauliche und architektonischen Anforderungen an diesem Ort gibt.“ (Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichts)