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  • AT-1014 Wien, TH Bangkok
  • 06/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-133913)

Neubau Botschaftsgebäude und Konsulat in Bangkok


  • 3. Rang Preis


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    Architekten
    Treusch architecture ZT GmbH, Wien (AT)

    Verfasser
    Andreas Treusch

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    Eine Botschaft als diplomatische Vertretung in einem Staat hat die Aufgabe, die zwischenstaatlichen Beziehungen zu pflegen und das eigene Land zu repräsentieren.
    Am Beginn der Entwurfsbearbeitung stellt sich somit die Frage, wie sich die diplomatischen Anforderungen unterschiedlicher Kulturen in der Konzeption von Architektur begegnen und welche gegenseitigen Einflüsse maßgebend sind, ohne in einen Konflikt der Konzeption - oder Repräsentationsästhetik zu geraten. Identität regionaler Kulturtechniken in Raum, Konstruktion, Material und Form sind abhängig von den vorgefundenen Bedingungen, seien es die klimatischen Konditionen, die Topographie oder die funktionellen Anforderungen. Bangkok ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Thailands. Die Stadt befindet sich in der tropischen Klimazone Südostasiens und die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 28 Grad Celsius.
    In der traditionellen Bauweise Thailands bestehen nicht nur Wechselbeziehungen zwischen Menschen und Natur, sondern natürlich auch zwischen architektonischen Strukturen und dem Klima - ein Wechselspiel von konstruktiven Elementen, wie es die Beispiele regionaler Baukultur zeigen. Ein wesentlicher Aspekt ist die Eigenbeschattung, der passive Sonnenschutz - denn Wärme, die nicht in den Innenraum gelangt, muss nicht durch Kühlung wieder entfernt werden.
    1953\54 baute Paul Rudolph ein Gebäude mit dem Namen "Umbrella House". Diese Bezeichnung könnte auch für das funktionelle Konzept des Entwurfes passen. Wesentlicher Gedanke des Entwurfes ist die Entwicklung einer konstruktiven Struktur, die mit minimalem Energieaufwand ihr eigenes Binnenklima erzeugt und beherrscht. Das ebenerdig konzipierte Botschaftsgebäude wird mit einem luftumspülten „Klimageschoß“ im 1.OG ausgestattet, das den Großteil des Gebäudes vor direkter Sonneneinstrahlung abschirmt und so vor Überhitzung schützt. Ein Bemühen um klimagerechtes Bauen ,verbunden mit der Idee, das Gebaute durch den Mehrwert der Hülle, eine bessere Ökonomie und längere Haltbarkeit zu verleihen. Darüber hinaus werden die technischen Geräte durch das Verlegen in ein eigenes Technikgeschoß im ersten Obergeschoß vor möglichen Überflutungen bei Starkregen (in Erdgeschoßnähe oder Untergeschoßen) geschützt.
    Die direkte Nachbarschaft der Residenz des Botschafters führte in der Entwicklung des Projektes zu der Überlegung, das Botschaftsgebäude als Hofhaus zu konzipieren. Der Hof dient als Erweiterung des Foyers bei einem Empfang, für Gäste und Mitarbeiter zur Kommunikation und Erholung. Der Charakter des Hofes könnte durch eine Skulptur eines österreichischen Bildhauers bereichert werden. Die abgeschirmte Lage des Hofes bringt darüber hinaus den Vorteil, dass Gäste und Mitarbeiter nicht mit dem privaten Garten des Botschafters in Kontakt kommen würden.
    Die Botschaft selbst funktioniert als gut strukturiertes Bürogebäude, das man über zwei voneinander getrennte Eingänge betritt, welche den geforderten Sicherheitsanforderungen angepasst sind. Der Zutritt zum Grundstück und zum Wartebereich des Konsulats erfolgt grundsätzlich nach einer Personenkontrolle durch einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Der Haupteingang ist für Mitarbeiter der Botschaft, des Konsulats und für Veranstaltungen vorgesehen, ein Zweiter für den Parteienverkehr des Konsulats. Zwischen den beiden Eingängen sind Portier und Chauffeur, die Kommen und Gehen beaufsichtigen können, positioniert.
    Die Büros des Konsulats und der Botschaft sind als Zeilenbüros mit Trennwänden in Leichtbaukonstruktion konzipiert – einerseits, um Material einzusparen und andererseits, da sie nach Bedarf flexibel verstellbar sein sollen. Die Begrenzung der Büros ist gangseitig in Form eines modularen Schranksystems sowie Glastürelementen, welche die Bürobereiche visuell mit dem Innenhof verbinden, vorgesehen. Für die Fußböden wird Naturstein vorgeschlagen.
    Eine wichtige Rolle spielen die Eigenschaften der Fenster bei angenehmer Temperierung der Büroräume. Sie sollen mit einem integrierten Wind- und Einbruchschutz ausgestattet sein, um das Arbeiten bei geöffneten Fenstern auch in den frühen Morgen- oder Abendstunden zu ermöglichen. Nicht zu vergessen ist die Lichtdurchlässigkeit des Glases, welches - besonders in den trüben Regenzeiten - eine psychologisch wichtige Rolle spielt. Es wird allenfalls mehr als 60 % Lichtdurchlass gewährleisten.
    Der Multifunktionsraum erhält durch das Herauslösen seines Volumens aus dem Hauptbaukörper eine besondere Eigenständigkeit, welche seiner Funktion(en) gerecht wird. Grundsätzlich ist er aber wie ein Seminarraum mit integriertem Sesseldepot (gegebenenfalls Notbetten) geplant. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Küche, der Sozialraum und Sanitärbereich – diese schließen sich mit dem Foyer zu einem Funktionsbereich zusammen.
    Statik , Haustechnik, Bauphysik
    Die Grundkonstruktion besteht aus einer Skelettkonstruktion, die grundsätzlich aus Stützen, Platten und aussteifenden Scheiben besteht. Die Fundierung des Gebäudes wird durch eine Pfahlgründung erfolgen. Dabei wird die Erdwärme mittels Energiepfahlausbildung genutzt. Die untere Tragplatte ist vom bestehenden Erdniveau leicht erhöht abgesetzt. Die Konstruktion wird grundsätzlich in 2 Varianten vorgeschlagen und in der weiteren Bearbeitung im Vorentwurf auf die bestmögliche Struktur in Abstimmung mit dem Bauherrn in Hinblick auf die örtlichen Baumethoden und eine wirtschaftliche Errichtungsstruktur überprüft:
    A- Stahlbetonmassivbauweise mit integrierter bauteilaktivierter Kühlung in die Stahlbetondecken eingelegt
    B- Holzbauweise mit vorgefertigten Holztafelelementen (Holzleimträger und Stützen, teilweise KLH Decken) und Kühldecken von der Decke über EG abgehängt .
    Die Dachkonstruktion über der Haustechnikebene besteht aus einer Leichtkonstruktion aus Stahl und Holz mit einer Flachdachausbildung mit Foliendeckung als extensiv begrüntes Dach mit PV Modulen. Der Hof wird als nicht fundierter Bauteil mit in Kies verlegten Steinplatten ausgebildet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Lösungsvorschlag sieht einen streng rechteckigen Baukörper vor der an der nord-westlichen Ecke die Wettbewerbsgebietsgrenze geringfügig überschreitet vor. Zusätzlich ist der Bauwich an der östlichen Grundgrenze (mind. 3m) unterschritten. Alle Nutzflächen sind im Erdgeschoß organisiert. In einem baukünstlerisch sehr wirksamen Obergeschoß sind lediglich Haustechnische Anlagen untergebracht. Der überwiegende Teil des Obergeschoßes weist keine Funktion auf. Das Obergeschoß wirkt in seiner Durchbildung mit Netz-Gewebestruktur an der Fassade und einer obersten Geschoßdecke als genutztes Vollgeschoß. Die Gruppierung der Funktionen um einen Atriumhof und sowie die Lichtführung über ein großzügiges Oberlicht im Eingangsbereich schaffen eine angenehme Raumatmosphäre. Das dargestellte Funktionslayout besticht durch seine Klarheit und erfüllt grundsätzlich die Anforderungen. Mit Vorbehalt wird die Konzeption des Visa-Schalters gesehen (nur 1 Schalter). Die Abgrenzung des Multifunktionsraumes von den übrigen Funktionen ist nicht konsequent.

    Das Obergeschoß ist nahezu als vollwertiges Geschoß ausgebildet, beherbergt allerdings nur zu einem geringen Anteil haustechnische Anlagen, gleichzeitig wird im Erdgeschoß der Multifunktionsraum und seine bedienenden Nebenräume als Annex zu der sonst so konsequent durchgebildeten Grundrisskonfiguration angefügt. Dieser Aspekt wird als eine gewisse Unausgewogenheit gesehen.

    Die vermittelte Architektursprache zeichnet sich generell durch eine strenge Sachlichkeit und Ordnung von der Funktionsanordnung bis hin zu den Oberflächen aus.

    Insofern entsteht Kritik an etwas mangelnder Kontextualität, bzw. an zu geringer Zeichenhaftigkeit bezüglich der Nutzung und Stellung des Gebäudes. Zudem ist das im Erscheinungsbild stark auftretende Obergeschoß großteils nur leere Hüllfläche, obwohl andere Nutzungen den klaren Kubus seitlich überragen, funktional zwar positiv, aber insgesamt etwas unstimmig.


INFO-BOX

Angelegt am 05.07.2013, 18:00
Zuletzt aktualisiert 12.07.2013, 13:45
Beitrags-ID 4-70579
Seitenaufrufe 523

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