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  • DE-96465 Neustadt b. Coburg
  • 12/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-156169)

kultur.werk.stadt - Patzschkeareal


  • 3. Preis Realisierungsteil

    Visualisierung Außenansicht, © 03 Arch.

    Architekten
    03 Architekten GmbH Architekten BDA, Stadtplaner DASL, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ver.de Landschaftsarchitektur, Freising (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Bahnhofsquartier
    Das Bahnhofsviertel Neustadts mit seiner Dynamik während der Gründerzeit und den Jahren danach war einst das lebendige Herz der Stadt – mit stattlichen Wohn-und Geschäftshäusern und imposanten Fabriken rund um den Bahnhof.
    Noch gibt es diesen großartigen Gebäudebestand und sein Leerstand bietet die Chance für einen Neuanfang. Neue gesellschaftliche Treffpunkte können in den alten Hallen und den Plätzen davor entstehen. Durch Entsiegelung können die Flächen hinter den Häusern als Gärten zurückgewonnen und aktiv belegt werden.

    Neuordnung
    Das gewachsene Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen wird als Qualität begriffen. Nur wenige wirklich störende Betriebe wie die Spedition am ehemaligen Güterbahnhof müssen an geeignetere Standorte verlagert werden. Nach Verlagerung der Kleingärten an die Bahn erhält die ehemalige Puppenfabrik im Arnold-Werk II eine angemessene Adresse und direkten Zugang vom Bahnhofsvorplatz aus; Nutzungen wie Wohnen und Arbeiten mit industriellem Charakter in den großen ehemaligen Produktionshallen werden so möglich.
    Neue Nutzungen werden vor allem im Wohnbereich entstehen. Im Sinne einer „Stadt der kurzen Wege“ haben die neuen Bewohner die Möglichkeit fußläufig die Innenstadt, den Bahnhof und die Nahversorger jenseits der Bahn zu erreichen. Die Stadt erhält ein breites Angebot an speziellen Wohnformen jenseits der typischen Etagenwohnung oder des Einfamilienhauses, das mit seinem industriell geprägten, individuellen Wohn- und Arbeitsumfeld besonders neue Zielgruppen, wie beispielsweise Studenten und Dozenten aus dem kreativen Bereich oder Künstler anziehen kann.

    Wegenetz
    Der Bahnhof ist Ausgangspunkt für die Fußwege ins Zentrum, sowie zum Busbahnhof und den Schulen an der Pestalozzistraße - bisher beide wenig attraktiv - die durch Verbesserung der Grünausstattung und der Wegeführung benutzerfreundlich gestaltet werden und eine höhere Aufenthaltsqualität bekommen.
    Die Straßen des Viertels werden mit großen Alleebäumen, so wie sie ursprünglich vorhanden waren aufgewertet. Die Alleestrukturen vernetzen die neu entstehenden Freiräume und öffentlichen Einrichtungen. Der Kraftfahrzeug geprägte Ausbau wird durch Rückbau der Fahrspuren, wo möglich auch der Hochbordsituationen, zugunsten von Fußgängern, Radfahrern und spielenden Kindern verändert. Die Bahnhofsstraße wird mittels einer neuen Straßenführung mit breitem Geh- und Radweg und der neu angelegten Baumreihe wieder zu einer Adresse und bildet nicht nur eine optische Achse zwischen Bahnhof und Innenstadt.
    Die Bahnhofsstraße soll als „Zone 40“ ausgewiesen werden und somit einen sicheren Schulweg ermöglichen. Die Straße „Am Güterbahnhof“ erhält Boulevardcharakter und wird an die Luisenstraße angebunden. Auch eine Interimslösung mit Erhalt der Spedition ist mit einer alternativen Straßenführung möglich und in der Konzeption berücksichtigt.
    Der Busbahnhof wird um eine Haltebucht erweiter und auch der P&R-Parkplatz wird ausgebaut. Auf dem früheren Speditionsareal entstehen Kleingärten, die als städtische Antwort auf den privaten Garten zur Belebung des Viertels beitragen.
    Auf dem derzeit brach liegenden Gelände des Flurstücks 1251/5 wird mit dem Arnoldpark ein neuer grüner Akzent gesetzt. Auf diese Weise entsteht eine ansprechend gestaltete Verbindung zwischen Bahnhof, Busbahnhof und Schulstandort – Nutzungskonflikte werden deutlich verringert.

    Patzschke
    Die Umnutzung der ehemaligen Druckerei Patzschke bildet den ersten Baustein und somit ein wichtiges Impulsprojekt für die Entwicklung des neuen Kreativquartiers rund um den Bahnhof. Die einstigen Druckereigebäude faszinieren einerseits durch die bauliche Qualität des Wohn- und Geschäftshauses mit seinen eleganten Stuckarbeiten aus vegetabilen Mustern, im Kontrast dazu stehen die großen, offenen Räume der Hallen mit ihren robusten Mauern in die, für Gewerbegebäude typische, gitterartige Fenster eingelassen sind.
    Diese Qualitäten werden durch einen behutsamen Rückbau von rein funktionalen Einbauten neu herausgearbeitet, die ursprünglichen Räume werden in Ihre klare Ordnung zurückgeführt.
    Für das gewünschte Raumprogramm sind diese vorhandenen Flächen ausreichend dimensioniert - es fehlen jedoch vor allem räumliche Qualitäten außerhalb der Gebäude. Das Eckgebäude zur Feldstraße wird zugunsten eines Vorplatzes abgebrochen, der gemeinsam mit einem neu errichteten) Empfangsgebäude eine der Nutzung entsprechende Zugangssituation schafft. Der Platz bietet ein neues Angebot für Begegnung, kleine Veranstaltungen und gibt dem Areal ein Gesicht zur Stadt. Mit seiner Gestaltung reiht er sich in die historische Bebauung der Bahnhofsstraße ein und nimmt Bezug auf die ehemalige Nutzung der Druckerei.
    Im rückwärtigen Bereich wird die vorhandene Stahlbetonskeletthalle demontiert und als pavillonartige Werkstatthalle im Garten wieder aufgebaut. Mit einer neuen semitransparenten Hülle entsteht neuer Raum für Künstlerwerkstätten und die Ausstellung der entstandenen Kunstobjekte. Die Außenräume werden neu definiert, die momentan rein funktional beanspruchte Fläche neu gegliedert. Eine Aufteilung in hauptsächlich funktional belegte Flächen im rückwärtigen Bereich und einen charmanter Hofbereich im Zentrum des Grundstücks schaffen neue Aufenthaltsqualitäten. Der an die städtische Ausstellung angrenzende Tiefhof mit Sitzstufen, ruhige Obstwiesen und die Multifunktionsfläche für Veranstaltungen stellen einen neu inszenierten Raum dar, der zum Verweilen einlädt.

    Der bisher nur zur Anlieferung genutzte Weg im hinteren Grundstücksbereich ermöglicht die wichtige Verbindung der „kultur.werk.stadt“ an den Bildungscampus im Osten und die neu entstehenden Parkflächen am Busbahnhof.

    Funktionen
    Zwei unterschiedliche Raumqualitäten kennzeichnen den Bestand:
    Raumweise, eher kleinteilige Aufteilung im Bereich der Villa, dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus, und –im Gegensatz dazu- großzügige Einheiten im Bereich der früheren Produktionshallen.
    Beide Raumtypologien können ohne größere Eingriffe ins statische System weitergenutzt werden. Die Räume der Villa werden etwas bereinigt und nehmen die Büro und Verwaltungsnutzungen, sowie die Wohnung des Hausmeisters auf. Die Hallen eignen sich als Ausstellungs-, Kurs- und Atelierräume. Nach Bedarf werden dienende Räume als Boxen und raumgliedernde Elemente in die Hallen eingestellt. Die der Nutzung entsprechenden Ergänzungen bleiben in Material und Formensprache ablesbar und belassen den wertvollen Bestand nahezu unberührt. Estrichböden, Putzwände und einbauten aus Profilglas erhalten den Industriellen Charakter der Hallen. Das neue Zugangsgebäude mit Cafébar ist neuer Dreh-und Angelpunkt des Geländes und bindet alle Flächen an den Vorplatz an.
    Entsprechend dem städtebaulichen Gesamtkonzept sind die Bereiche mit stärkerem Publikumsverkehr zur Stadt orientiert, zum Garten hin nimmt die öffentliche Frequentierung ab, dort werden Ausstellungs- und Atelierbereiche angelagert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit zurückhaltenden gestalterischen Mitteln erreichen die Verfasser dieser Arbeit sehr viel.

    Sie halten das Grundstück, Ecke Bahnhof- und Feldstraße weitestgehend frei von größeren Bauvolumen und schaffen so einen eindeutigen Mittelpunkt für die Bahnhofstraße.

    Der Vorplatz ist räumlich durch eine Hecke gefasst. Die Bäume, die den Platz an drei Seiten einrahmen und überstellen, tragen zur räumlichen Fassung des Platzes bei.

    Ein Eingangsgebäude, das sich geringfügig über die Gebäudeflucht der alten Villa hervorschiebt, unterstreicht und steigert die neue öffentliche Präsenz des Platzes und bildet gleichzeitig eine eindeutige Adresse für die Kulturwerkstatt.

    Die Grundrisse zeigen kompakte, schlüssige und zugleich großzügige Raumfolgen, deren positive räumliche Qualitäten in der Perspektive exemplarisch belegt werden. Allerdings werden die räumlichen Vorgaben des Raumprogramms hinsichtlich Nutzungsart und Größe in Teilbereichen stark minimalisiert. Die notwendige Barrierefreiheit ist für die öffentliche Nutzung nur teilweise umgesetzt.

    Im rückwärtigen Bereich wird die vorhandene Stahlbetonskeletthalle demontiert und als pavillonartige Werkstatthalle wieder aufgebaut. Ein Baumhain bildet die geeignete Einrahmung für das versetzte Gebäude und die Ausstellungsobjekte. Damit erreichen die Verfasser eine neue und deutliche verbesserte räumliche Ordnung des rückwärtigen Bereiches: die Stellplatzflächen bleiben außen vor, die sehr langen und schlauchartigen Abstandsflächen werden reduziert und es entsteht eine bessere Beziehung zwischen den Innen- und Außenräumen.


INFO-BOX

Angelegt am 09.12.2013, 15:32
Zuletzt aktualisiert 17.12.2013, 12:53
Beitrags-ID 4-77638
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