loading
  • 1. Preis Zuschlag

    Modell, © 03 Arch.

    Architekten
    03 Architekten GmbH Architekten BDA, Stadtplaner DASL, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: realgrün Landschaftsarchitekten, München (DE)

    Erläuterungstext
    Moosachterrasse
    Wohnen über dem Parkplatz und doch an der Aue – das Ziel ist, Nachverdichtung nicht nur als Möglichkeit zu begreifen die dringend benötigten Wohnheimplätze nachzuweisen, sondern als Chance, bei hoher Dichte auch einen Ort mit Aufenthaltsqualität zu entwerfen. Durch das eingeschobene Parkdeck heben wir die Aufenthaltsbereiche so weit an, dass sich von den Zimmern der Studenten und der Gemeinschaftsterrasse der Ausblick auf die Aue der Moosach öffnet, die sich als grünes Band durch Freising zieht und in den weiterführenden umgebenden Landschaftsraum vernetzt.
    Das Wohnheim Weihenstephan II wird bestandsorientiert ergänzt, die ruhige südorientierte, großzügige Spiel- und Liegewiese bleibt als Identifikationsraum der Anlage erhalten.

    Ortseinfahrt
    Die Giggenhauser Straße als südwestliche Ortseinfahrt wird durch die Wohnheime baulich gefasst und räumlich neu definiert. Man kommt in einem gebauten Ort an und erlebt Freising nicht zuerst als Großparkplatz sondern sofort auch als lebendigen Wohn- und Studienort.

    Erweiterung
    Der Neubau des Wohnheims entsteht über den Parkplätzen, die sockelartig unter das Gebäude geschoben werden. Durch die Beschränkung auf 3 Geschosse entsteht auf dem Sockel ein fast dörflicher Charakter mit interessanten Raumfolgen. Wohnheimzimmer befinden sich auf allen drei Etagen, in den Erdgeschossen werden zudem gemeinschaftliche Räume für Fahrräder und ein großer Aufenthaltsraum angeordnet.
    Zwischen den versetzt angeordneten Neubauten entstehen Hofzonen und Terrassenflächen, die der Erschließung und dem Aufenthalt der neuen Bewohner dienen und mit Rasenflächen und pflegeleichten flächendeckenden Gräser- und Staudenpflanzungen eine gartenartige Atmosphäre entstehen lassen.
    Terrassenbereiche und platzartige Aufweitungen dienen als Treffpunkte und Kommunikationszonen im Freibereich und werden mit Sitzgelegenheiten ausgestattet. Über Rampen- und Treppenanlagen ist der Sockel barrierefrei erschlossen.
    Ausstanzungen in der Deckenkonstruktion ermöglichen standortgerechte Großbaumpflanzungen und dienen der Orientierung und Belichtung des Parkierungsgeschosses. Der raumbildende abschirmende Baumbestand an der Giggenhauser Straße wird erhalten und in das Gestaltungskonzept integriert.

    Ergänzung
    Am östlichen Wohnhof wird das baufällige Gebäude durch einen Neubau ersetzt, allerdings auf Lücke zu den Bestandsgebäuden, um den Hof besser in die Gesamtanlage der Wohnheime einzubinden.
    Erdgeschossig werden alle gemeinschaftlich genutzten Räume der Anlage, wie studentische Aufenthaltsräume, der Waschsalon, die Haustechnik mit Heizzentrale sowie der Hausmeisterstützpunkt untergebracht. Die oberen Etagen sind den Wohnheimzimmern vorbehalten.
    Die südorientierte, großzügige Spiel- und Liegewiese wird mit Aufenthaltsbereichen ergänzt. Die Erschließungsstrukturen werden zugunsten eines hohen Durchgrünungsgrades auf ein funktional notwendiges Maß begrenzt.
    Die vorhandenen Baumbestandsgruppen werden den vorherrschenden Leitbaumarten folgend mit solitären Weidenpflanzungen ergänzt. Diese dienen auch als Ausgleichspflanzungen für die Eingriffe im Neubaube¬reich.

    Rückzugsmöglichkeit
    Auf nur knapp 18 Quadratmetern wird in den Studentenzimmern eine großzügig wirkende Raumsituation geschaffen, die einen klaren Eingangsbereich, einen Schrankbereich, die Nasszelle und den Aufenthaltsbereich räumlich ablesbar macht. Die Gliederung im Fassadenbereich lässt eine Schreibtischnische, sowie einen kleinen Austritt für jeden Studenten entstehen.
    Der nahezu quadratische Raumzuschnitt der Individualräume erlaubt eine Vielzahl von Möblierungsvarianten.

    Gemeinschaft
    Neben den individuellen Wohnräumen werden den Bewohnern unterschiedlichste Gemeinschaftsbereiche geschaffen, die Begegnungs- und Aufenthaltsbereiche für verschiedene Gruppengrößen darstellen können.
    Wie bereits in den Vorstudien zum Wettbewerb untersucht, schlagen wir vor den Gemeinschaftsraum im Wohnheim Weihenstephan II in den neu geschaffenen Querriegel zu verlegen. Hier liegt er zentral für alle Studenten erreichbar und kann nach aktuellen Bedürfnissen neu gestaltet werden. Ein weiterer großzügiger Gemeinschaftsbereich bildet das Herzstück des Neubaus und dient als Treffpunkt für alle Bewohner der Anlage. Zusätzlich zu diesen größeren Einrichtungen bietet jedes der 3 Häuser des Plateaus ein Lern- und Lesezimmer, das sich als Angebot an kleinere Runden richtet.

    Konstruktion
    Sämtliche Gebäude sind weitgehend zweihüftig angelegt, wodurch eine hohe Kompaktheit und ein sehr gutes A/V Verhältnis mit einem geringen Fassadenanteil erreicht werden kann.
    Die Raster der Parkierungsanlage und der Wohnheimzimmer sind aufeinander abgestimmt: Durch den Wechsel von tragender und nicht tragender Schotte entsteht ein Raster von 2 Zimmer-Breiten, welcher im untersten Geschoss der Breite von 3 PKW-Stellplätzen entspricht.
    Das Parkdeck kann als oberirdischer Bauteil einfach errichtet werden, die Belüftung erfolgt über die natürlich vorhandenen Öffnungen.
    Sämtliche tragenden Bauteile werden in Stahlbeton oder Kalksandstein ausgeführt.

    Fassade
    Die Fassade bildet die einfache und regelmäßige Struktur der Baukörper ab. Nur Eingänge und Gemeinschaftsbereiche sind als Sonderformate erkennbar. Alt- und Neubau haben eine ähnliche architektonische Grundstruktur, die auch im Bereich der Fassaden in einem familienartigen Gestaltungsprinzip umgesetzt ist. Als Material kommen Betonsandwichelemente und Betonrahmenkonstruktionen mit Sichtoberflächen zum Einsatz. Im Bereich der Fenster kommen gedämmte Außenwand- Ständerkonstruktionen mit Keramikoberflächen zum Einsatz. Über die Fliesen erfolgt eine farbliche Akzentuierung der Bauteile.

    Haustechnik
    Die Haustechnikzentrale befindet sich zentral gelegen im Erdgeschoss des Neubaus am östlichen Wohnhof, von dort wird auf Übergabestationen in den einzelnen Gebäuden verteilt. In den Gebäuden erlaubt die einfache Anordnung der Zimmer in Grundriss und Schnitt eine klare und wirtschaftliche Leitungsführung. Sämtliche Bäder in den Neubauten werden als Sanitärzellen ausgeführt.

    Verkehr
    Die Zufahrt erfolgt über einen Erschließungsbügel von der Giggenhauser Straße, welcher auch die geforderten Zufahrten und Rettungswege für die Feuerwehr aufnimmt. Durch die vorhandene Topografie des Grundstücks kann unter dem geschaffenen Plateau ein großer Teil der nachzuweisenden Parkplätze untergebracht werden. Die Parkebene wird gemeinsam mit dem Parkgeschoss von Weihenstephan IV von einem Erschließungsbügel erreicht. Konsequent an diesem angelagert befinden sich alle weiteren, nicht überdeckten Parkplätze. Die geforderten Fahrradstellplätze sind jeweils den Eingängen zugeordnet und lassen dadurch eine große Akzeptanz durch die Bewohner erwarten.

    Ökologie
    Die Volumetrie der Gebäude ist äußerst kompakt und verfügt über ein günstiges A/V-Verhältnis, woraus ein geringer Energiebedarf resultiert. Die einzelnen Zimmer werden mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung versehen. Dem ökologischen Kriterienkatalog folgend werden nicht anderweitig genutzte Flachdächer extensiv begrünt, das anfallende Dach-und Oberflächenwasser auf dem Grundstück in Mulden versickert. Wege, Parkierungs- und Erschließungsflächen werden - wo funktional möglich - in wasserdurchlässiger Bauweise hergestellt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der erste Entwurf zeichnet sich insbesondere durch die sensible Auseinandersetzung mit der städtebaulichen Umgebung und den Rahmenbedingungen aus. Die Giggenhauser Straße als südwestliche Ortseinfahrt wird räumlich gefasst, bestehende Räume werden neu definiert. Die Gebäudestellung im Westteil lässt Sichtbeziehungen zu durch die dreigeschossigen Gebäuderiegel, welche auf einem eingeschossigen Parkdeck ruhen. Ziel bei diesem Entwurf ist es, trotz hoher Dichte einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Unterschiedliche Niveaus, Innenhöfe und Plätze mit verschiedenen Pflanz- und Vegetationszonen laden zum Verweilen, Treffen und Kommunizieren ein.

    (Aus der Beurteilung des Preisgerichts)