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  • DE-85748 München
  • 07/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-159436)

Science City Garching


  • Preis

    Modellfoto, © 03 Arch.

    Architekten
    03 Architekten GmbH Architekten BDA, Stadtplaner DASL, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ver.de Landschaftsarchitektur, Freising (DE)

    Preisgeld
    36.250 EUR

    Erläuterungstext
    Die Technische Universität München zählt zu den besten Universitäten Europas und orientiert sich wissenschaftlich, strukturell und organisatorisch an höchsten internationalen Standards. Um sich im internationalen Konkurrenzfeld zu behaupten, muss die Wettbewerbsfähigkeit verbessert- und ein zukunftsfähiger Campus angeboten werden, der auf der einen Seite allen Forschern, Studierenden und Lehrenden eine ideale Arbeits- und Lebensatmosphäre schafft und auf der anderen Seite die Dynamik der sich ständig ändernden Bedingungen internationaler Forschung aufnimmt.

    Die Entwicklung eines solchen Campus muss neben den lokalen und temporären Erfordernissen, langfristig und großräumlich betrachtet werden und innerhalb der Europäischen Metropolregion eine weithin sichtbare Position bekommen.

    Wie Siemens, BMW, die LMU, die Max Plank Gesellschaft und auch der FC Bayern ist die Technische Universität München als Global Player einer der wichtigsten wirtschaftlichen und kulturellen Stützen der EMM. Deshalb sollte die Planung der Science City Munich Metropolitan Region dieser Bedeutung gerecht werden und ein urbaner repräsentativer Campus entstehen, der durch direkte verkehrstechnische Anschlüsse das Potential der Nähe zum Flughafen voll ausschöpft. Von der Autobahn aus soll eine weit erkennbare Architektur den Campus wieder in das Bewusstsein aller rücken und ein repräsentatives Bild schaffen, dass unter den international konkurrierenden Forschungsstandorten wettbewerbsfähig ist.

    Die Technische Universität braucht, um ihre dynamische Entwicklung weiter fortsetzen zu können, Reserveflächen, die sie auch in Zukunft schnell und unbürokratisch für Forschungsprojekte entwickeln kann. In der Konkurrenz um Drittmittel ist die flexible Verfügbarkeit von gut erschlossenen Flächen für Forschungen weiterhin notwendig und stellt einen der großen Vorteile der Science City dar.

    Der Campus wird der Hauptstandort der Technischen Universität München mit bis zu 15.000 Studenten, 2.000 wissenschaftliche Mitarbeiter, über 200 Professoren und 400 weiteren Mitarbeitern. Wir haben uns entschieden den Campus der Science City Munich Metropolitan Region, wie im angelsächsischen Raum, als eigenständige lebendige Stadt zu entwickeln. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Universität ist es essentiell, die wichtigsten Forscher an sich zu binden. Dabei werden ein urbanes Umfeld, gute Einkaufs- und Essensmöglichkeiten, die Nähe von Arbeiten, Freizeit und Wohnen immer wichtiger.

    Aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes in München muss die Universität eigene Wohnangebote zu Verfügung stellen können. Erst durch die urbane Vielfalt und eine klar definierte Architektur, die durch Plätze, Gassen und Straßenräume, Qualitäten schafft, wird die Science City als Campus an der Isar zu dem eigenständigen Ort, der sich innerhalb der Metropolregion München auch gegenüber der Münchner Innenstadt behaupten kann. Nur durch die notwendige Vitalität entsteht eine kreative Atmosphäre, die die wichtigen informellen Gespräche generiert, die Forschung und Lehre beschleunigen.

    Der Campus wird in zwei komplementäre Bereiche geteilt: der architektonisch definierten, urbanen Mitte und dem freien Außenbereich zu dem auch der neue Campus West gehört.
    Entsprechend des Gründungsplans der University of Virginia von Thomas Jefferson wird die hoch kultivierte Mitte als Ausdruck von Bildung und Zivilisation errichtet, um nach außen hin immer freier zu werden und in die wilde Natur überzugehen.


    Die Dichotomie kann den Widerspruch auflösen, auf der einen Seite eine hoch flexible universell anpassbare Struktur zu schaffen und auf der anderen Seite einen spezifischen Ort als Campus zu schaffen, der städtische Aufenthaltsqualitäten ausstrahlt.
    In der Campusmitte soll der Städtebau Offenheit, Vielfalt und urbane Dichte ausstrahlen und durch eine hohe Nutzungsmischung, sowie kurze Wege den Charakter des neuen internationalen Campus prägen. Die Dynamik der sich stetig ändernden Anforderungen wird durch Anpassung und Aneignung der gegebenen Architektur, wie in einer Innenstadt erfolgen.
    Außen sind die gebaute Dichte und die Nutzungsvielfalt niedriger. Hier sind nur noch flächenintensive, sich schnell verändernde Forschungseinrichtungen, die je nach Erfordernis auch komplett als Sicherheitsbereiche abgegrenzt werden können. Außen in den Baufeldern gibt es nur wenige Regeln, geringe Bedingungen und Anforderungen an die Architektur. Dadurch bekommt es den Charakter eines hoch funktionierenden Gewerbegebiets.

    Alle Fakultäten haben Ihren Haupteingang und Ihre Adresse am "Strip", der zentralen Mitte des Campus. Hier sind zusätzliche Potentialflächen für weitere Fakultäten vorgesehen. Das Max-Planck-Institute, das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ), die Bayerische Akademie der Wissenschaften und das European Southern Observatory (ESO) liegen ebenfalls an der Mitte des neuen Campus. Aus diesem Grund haben wir uns auch entschieden, den Campus West als Flächenreserve für flächenintensive Forschung offen zu halten und die Fakultät für Elektro- und Informationstechnik auch in die Mitte zu verlegen.

    Durch eine hohe Konzentration von Lehrenden, Lernenden und Forschenden am Strip, die weitere Verdichtung durch zusätzliche städtische Nutzungen, wie Wohnen, Gastronomie und Einkaufen entsteht die notwendige urbane Erlebnisdichte, die dann ganz selbstverständlich nach außen hin abnimmt.

    Das räumliche Konzept aus einer Platzfolge, die im Norden an der Mensa beginnt und im Süden am European Southern Observatory (ESO) endet, schafft klar definierte städtische Räume, die als shared space, bevorzugte Aufenthalts- und Fortbewegungsfläche für Fußgänger und Fahrradfahrer sind.

    Durch den für die Fakultäten gewählten Gebäudetyp des Labor- und Bürohochhauses wird die bauliche Dichte deutlich erhöht und der städtebauliche Raum klar gefasst. Die daraus resultierende Silhouette ist im Gesamtraum des Münchner Nordens, wie auch die Allianz-Arena, der Olympiaturm und das Münchner Tor sichtbar. Zusätzlich werden einige der niedrigeren Hochhäuser als Wohnhochhäuser errichtet. Wohnraum für bis zu 3.000 Bewohner ermöglicht es den Campus auch außerhalb der Vorlesungszeiten zu beleben. Außerhalb des Strip sind reine Forschungseinrichtungen vorgesehen. Durch dieses vielfältige Nutzungsangebot kann hier jeder Forscher auf kurzem Weg, arbeiten wohnen und sich erholen.

    Zwei großzügige Verbindungen, eine von der zentralen Mensa und eine von der geplanten neuen Bibliothek aus, verbinden den Strip mit dem Landschaftsraum. Dadurch werden gerade die nahen Isarauen wieder erlebbar. Hinter den Baumkulissen sind nur die Hochhäuser als Silhouette erkennbar. Die Architektur ist wie bei Lenné in Potsdam, in die Kulturlandschaft eingebettet.

    Der Entwurf ist eine Vision. Es geht dabei um eine grundsätzlich neue Vorstellung, die den jetzigen Campus zu einem international konkurrenzfähigen eigenständigen Campus als Wohn-, Arbeits- und Lebensort weiter entwickeln möchte.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der wesentliche Beitrag der Arbeit liegt in der strategischen und räumlichen Aussage, die bestehende Mitte des Campus baulich, funktional und freiraumplanerisch auch zukünftig als den zentralen Identifikationsraum der Science City zu stärken.

    Die Verfasser verfolgen diese Strategie durch die Adressierung aller großen Akteure des Campus an eben dieser Mitte. Kurze Wege untereinander und kurze Wege zur U-Bahn sind die Folge.

    Die Platzabfolge entwickelt sich im Süden von der Ludwig-Prandtl-Straße bis zum Norden bei der neuen Mensa. Alle Campus-Fakultäten der Technischen Universität München, die Institute der Max-Planck-Gesellschaft, das Leibniz-Rechenzentrum, das European Southern Observatory, das Galileo-Gebäude und ergänzende Einrichtungen wie ein Gästehaus, eine Bibliothek, das Studienzentrum, sowie ein Wohngebäude für Studierende orientieren sich zu dieser Platzabfolge der Neuen Mitte.

    Die architektonische Definition der urbanen Mitte ergänzen die Verfasser der Arbeit mit von dort nach außen freier werdenden Gebäudestrukturen, die ohne konzeptionelle Mühe Gegebenheiten akzeptieren und im Norden und Osten landschaftliche Ränder, im Süden den flächennutzungsplanerisch festgelegten Freibereich zur Stadt Garching ausbilden und im Westen ein Gebiet für zukünftige Entwicklungen der Science City mit für wissenschaftliche Institutionen zwar gut nutzbaren Dimensionen, jedoch noch wenig inspirierten Zwischenräumen vorhalten. Die vorgeschlagenen Ausbaustufen sind dabei klug gewählt.

    Mit einer kraftvollen Geste wird, abgeleitet aus dem großen Maßstab der Isaraue, ein Freiraumkonzept vorgetragen, das die städtebauliche Grunddisposition der verdichteten Mitte im Gegensatz zu den landschaftlich geprägten Auen der Isar und der Bäche gut unterstreicht. Die baumgeprägten Ost- Westverbindungen liegen richtig im Gesamtnetz und sind gut proportioniert und die Bezüge zur Isar hergestellt.

    Die zentrale Mitte wird als „shared space" vorgeschlagen. Dies ist konzeptionell richtig. In der Umsetzung erfordert es jedoch die Klärung vielschichtiger verkehrlicher Fragen:
    Die Verdichtung im Zentrum setzt auf eine leistungsfähige ÖV-Entwicklung, die jedoch im Quartier nicht fortgeführt wird. Das Parken wird zu sehr in massiven Parkhäusern und Tiefgaragen konzentriert. Die Erschließung der Tiefgaragen am „strip“ ist nicht plausibel. Fragwürdig ist in Bezug auf die intensiven Fahrbewegungen die Erschließung aller östlichen Einrichtungen, wie FRM-2, Galileo, und IPB. Die fußläufige Verknüpfung zwischen den verschiedenen Einrichtungen wird im zentralen Bereich gestärkt.

    Die Verfasser titulieren ihre Arbeit als Vision. Zweifel bleiben im Preisgericht an der Notwendigkeit und der planungsrechtlichen Umsetzbarkeit der vorgetragenen räumlichen Höhe der Gebäude, an der typologischen Sinnfälligkeit des Hochhauses für Labor- und Lehrstuhlnutzungen und an der Ausschließlichkeit der Aussage und der damit verbundenen Konsequenz, allen wesentlichen Nutzungen die Partizipation an der Mitte zu gewähren.

    Folgt man jedoch auf dem Weg der Vision zum realen Projekt der Sichtweise, die Gebäude könnten mit deutlich geringeren Höhen auskommen und damit auch ihre typologischen Defizite korrigieren, dann bleibt ein kraftvoller, realisierbarer Beitrag.