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  • DE-33378 Rheda-Wiedenbrück, DE-33378 Rheda-Wiedenbrück
  • 11/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-186889)

Umbau und Erweiterung Schnitkerhaus Rheda zu einem Gemeindehaus


  • 2. Preis

    Modell, © Mark Blume

    Architekten
    brewittarchitektur BDA, Bielefeld (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Thomas Brewitt

    Mitarbeit
    Jörn Börner, Maggy Ehrhardt

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    FÜGUNG
    Altbau und Neubau bilden ein Gebäudeensemble, in dem das Schnikterhaus weiterhin als bestimmender Solitär in Erscheinung tritt, jedoch um eine selbstbewusste Ergänzung bereichert wird.
    Der Anbau rückt von der Straße ab, alle prägenden Fassadenbereiche des Schnitkerhauses bleiben frei sichtbar. Zur Berliner Straße hin entsteht ein öffentliches Entrée, das zum Verweilen einlädt und künftig als Visitenkarte der Gemeinde dient.

    NEUBAU
    Der Anbau ordnet sich in Bestehendes ein, zeigt sich aber gleichwohl als neue Zutat. Die gereihten Satteldächer orientieren sich an vorhandenen Typologien der Umgebung. Durch die skulpturale Ausformung erhält das Gebäude jedoch eine ganz eigene Prägung, die auch im Inneren erlebbar ist.
    Die offene Grundrissstruktur, akzentuiert durch die großflächigen Glasfassaden, ist einladend, bietet gute Orientierung sowie größtmögliche Multifunktionalität.
    Saal und Foyer können ganz nach Wunsch zu einer großen Nutzungseinheit verschmelzen oder in mehrere Raumbereiche unterteilt werden. Mobil verfahrbare Trennwände ermöglichen maximale Flexibilität, bieten aber auch den erforderlichen Sicht- und Schallschutz. Ungenutzte Verkehrsflächen können dank des offenen Raumkonzeptes minimiert werden. Das Foyer verbindet über das großzügige Treppenhaus den Anbau mit dem Schnikterhaus; hier verschmelzen beide Bauten zu einer Einheit.

    SCHNITKERHAUS
    Durch optimale Ausnutzung von Flächen und Räumen in allen Geschossen des Schnitkerhauses können die Neubauflächen auf ein Minimum reduziert werden. Die einzelnen Nutzungen sind sinnfällig, zusammenhängend und effektiv angeordnet, wobei klare Trennungen der einzelnen Bereiche gegeben sind.
    Der bestehende Treppenhausrisalit wird durch ein neues Treppenhaus mit Aufzug ersetzt. Neben klaren technischen und funktionalen Vorteilen dient der Rückbau auch der Schärfung der Architekturwirkung des Altbaus, indem die heterogene, gestalterisch unbefriedigende Dachlandschaft des Bestandes vereinheitlich wird. Der Altbau bleibt in allen wesentlichen, prägenden Elementen erhalten; durch gezielte Eingriffe aber wird der Bestand weiter gestärkt.

    ERSCHLIEßUNG
    An der Stelle des bestehenden Risalites im Schnitkerhaus entsteht ein über alle Geschosse reichendes, offenes Treppenhaus mit Aufzug, das großzügige Durchblicke bietet und alle Bereiche und Ebenen in Neu- und Altbau verbindet.
    Die an das Treppenhaus jeweils direkt anbindenden, einzelnen Nutzungsbereiche können sämtlich separat zugeschaltet oder abgeschlossen werden. So ist künftig die voneinander unabhängige Nutzung aller Bereiche über eine einheitliche Erschließung möglich. Alle brandschutz-, schallschutz- und sicherheitstechnischen Anforderungen können so auf einfache Weise erfüllt werden. Alle Bereiche sind gut aufzufinden und barrierefrei erreichbar.

    KONSTRUKTION
    Die einfache, sinnfällige Konstruktion sowie das minimierte Volumen des Neubaukörpers ermöglichen eine kostengünstige Realisierbarkeit. Die städtebauliche Vorgabe, geneigte Dächer vorzusehen, kann durch deren Reihung sehr wirtschaftlich umgesetzt werden: Große Gebäudehöhen bzw. unwirtschaftliche Bauvolumen werden vermieden. Das Dach des Neubaus wird als Holzkonstruktion stützenfrei errichtet. Die innenliegenden Rinnen sind mit großem Gefälle begehbar ausgebildet.
    Die nach Süden liegenden Dachflächen können optional für die Energiegewinnung (Solarthermie/ Photovoltaik) genutzt werden.
    Im Bestand werden die vorhandenen Strukturen genutzt. Größere, statisch relevante Eingriffe werden weitgehend vermieden. Die klar umgrenzten Maßnahmen verbessern effektiv Nutzung und Brandschutz.

    MATERIAL
    Verwendet werden dauerhafte, bewährte und gut alternde Materialien wie Holz-, Terrazzo- und Linoleumböden, Holz –bzw. Holz-Aluminiumelemente für Fenster und Türen.
    Alle Materialien zeichnen sich durch Beständigkeit und Zeitlosigkeit aus. In der minimierten Formensprache zeigen sich alle Neubauelemente als moderne Zutat. Die Dachflächen des Neubaus werden mit Schindeln verkleidet, die die skulpturale Wirkung des Daches akzentuieren und dem Neubau eine besondere besondere, wertige Note verleihen.

    AUßEN
    Im Außenbereich werden zusammenhängende und gut nutzbare Flächen den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht.
    Der dem Foyer vorgelagerte neue Platz an der Berliner Straße bietet Verweilqualität. Die befestigte Platzfläche im Grundstücks-Innenbereich kann bei gemeindliche Außenveranstaltungen als große, zusammenhängende Freifläche dienen. Im Innenbereich des Grundstücks verbinden sich die Grünflächen von Kita und Schnitkerhaus zu einem großen zusammenhängenden Garten, der gemeinsam genutzt werden kann.
    Im Zugangsbereich vom Parkplatz liegt ein Vorplatz, der als ‚Außen-Foyer’ den Eingang zu den Gemeindegrundstücken klar markiert und diese großzügig verbindet.
    Durch homogene Gestaltung in Material und Bepflanzung können künftig alle Außenbereiche klar dem Gemeindebesitz zugeordnet werden.

    FAZIT
    Das vorliegende Konzept basiert auf folgenden Grundüberlegungen:

    - Respekt vor Bestehenden, Einpassung in Vorhandenes
    - Stärkung der Architekturwirkung des Schnitkerhauses
    - Vorplatz als einladende Geste und Visitenkarte der Gemeinde
    - Neubau als selbstbewusste, eigenständige und moderne Ergänzung
    - Effektive Einteilung, große Flexibilität und Multifunktionalität der Nutzungen
    - Kostengerechte Realisierung durch Minimierung von Eingriffen und Neubauflächen
    - Dauerhaftigkeit und Zeitlosigkeit von Material und Gestaltung
    - Zusammenfassung, Einheitlichkeit und Ordnung der Außenflächen als Gesamtkonzept
    - Gute Verwertbarkeit unbenötigter Grundstücksteile

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf zeichnet sich zum einen durch seine Zurückhaltung gegenüber dem historisch geprägten Schnitkerhaus aus und zum anderen durch seine eigenständige Kubatur. Die an den Bestand der benachbarten Gebäude angelehnte Giebelformation ergibt eine eigene Formensprache.
    Der Neubau öffnet sich mit seinem transparenten Foyerbereich zu dem kleinen Vorplatz, der Raumfür Begegnung bietet. Gemeinsam mit dem Schnitkerhaus bildet das Ensemble eine neue Adresse für die evangelische Gemeinde. Dies funktioniert vor allem in der Gebäudespange von Schnitkerhaus und den nördlich davon liegenden neu geplanten Wohngebäuden, die den Platz einrahmen. Nur in dieser Kombination kann die entsprechende städtebauliche Spannung aufgebaut werden, so dass die Umsetzung der Wohngebäude eine zwingende Voraussetzung für die Funktionalität dieses Entwurfs ist. Die Zugänglichkeit der gemeindlichen Gebäude ist auch von der Stellplatzanlage
    an der Schulte-Mönting-Straße gewährleistet.
    Im Inneren zeichnet sich der Entwurf durch ein offenes Treppenhaus als verbindendes Element zwischen Neu und Alt aus. Durch einen Fahrstuhl ist die barrierefreie Erreichbarkeit der verschiedenen Ebenen und Nutzungen für alle Nutzer gewährleistet.
    Das Raumprogramm wird erfüllt. Die Anordnung des Gemeindebüros und der –verwaltung auf der 1. Ebene wird begrüßt, da dies in den alltäglichen Abläufen als praktikabelste Lösung angesehen wird. Etwas kritisch wird dagegen die benachbarte Anordnung des Jugendbereichs neben dem „Raum der Stille“ gewertet. Die möglichen Störfaktoren sind durch eine entsprechende Ausgestaltung des Flurbereichs zu minimieren. Der gewünschte separate Zugang für den Jugendbereich fehlt. Die aufgezeigten Möglichkeiten zur Aufteilung des Gemeindesaals werden als funktional und durchaus praktikabel gewertet.
    Die Freiflächen im rückwärtigen Bereich ermöglichen im Zusammenschluss mit dem Areal des Kindergartens einen großen Freiraum für Gemeindeveranstaltungen. Der kleine Platz zur Schulte-Mönting-Straße kann sowohl als Zugang als auch als Sonnenterrasse genutzt werden. Die Neuordnung der Stellplätze bringt Klarheit. Die Bildung einer grünen Raumkante wird aus städtebaulichen Gründen begrüßt.
    Der Wert der Arbeit liegt in der gelungenen Verbindung von Alt und Neu zu einem Gemeindehaus für die Evangelische Versöhnungs-Kirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück unter großer Rücksichtnahme auf den umgebenden Bestand. Das harmonische Einfügen unter Schaffung einer Eigenständigkeit und damit einer neuen Adresse wird erreicht.


INFO-BOX

Angelegt am 16.12.2014, 10:55
Zuletzt aktualisiert 23.12.2014, 16:46
Beitrags-ID 4-96685
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