STÄDTEBAULICHES KONZEPT
Aufbauend auf der Idee, die zentrale Eingangssituation mit einem attraktiven Ausstellungsraum zu verbinden, wurde die städtebauliche Schnittstelle zwischen Gutshof, Gästehaus, Parkplatz und Schloss gewählt. Die Situierung des neuen Empfangsgebäudes entwickelte sich aus verschiedenen Rahmenbedingungen. Das eindeutig definierte Raumprogramm erlaubte eine nahezu erdgeschossige Konzeption. Die Traufhöhe der Nebengebäude des Gutshofes, Gästehauses A, B und C gaben die Maßstäblichkeit in der Höhenentwicklung vor. Die teilweise noch vorhandenen Mauern des ehemaligen Barockgartens schufen die städtebauliche Umlenkung vom Parkplatz zum Eingang des Empfangsgebäudes. Es ordnet sich in den städtebaulichen Kontext der Nebengebäude ein und unterstützt dadurch die Sonderstellung des Schlosses.
Das Gästehaus aus dem Jahre 1968 hat im Laufe der Jahrzehnte verschiedene kleinere Ergänzungen erfahren, ist in seiner Grundsubstanz jedoch nahezu unverändert. Die statischen, brandschutztechnischen, wärme- und schallschutztechnischen Rahmenbedingungen aus dem Jahre 1968 bildeten die Grundlage. Eine barrierefreie Erschließung und die durch die Erweiterung notwendigen neuen Empfangsbereiche führten zu dem Vorschlag, die sowohl städtebaulich, als auch konstruktiv und erschließungstechnisch problematischen Flügelgebäude abzureißen. Dadurch wurde eine gute Anbindung des neuen Empfangsgebäudes an das Gesamtensemble des Gästehauses geschaffen. Die alten, schmalen und relativ kleinen Gästezimmer (ehemalige Lehrlingsausbildung) entsprachen nicht mehr dem zeitgemässen Standard. Um dies zu gewährleisten wurde eine Erneuerung der Zimmer vorgesehen. Weiterhin sollte das Gebäude sowohl statisch, brandschutztechnisch, wärme- und schallschutztechnisch auf den aktuellen Stand gebracht werden.
Für den Ruhebereich im UG des Gebäudes wurde eine kompakte architektonische Lösung vorgeschlagen. Das vorgeschlagene Konzept berücksichtigte die vorgegebenen Rahmenbedingungen und schlug eine neue Erschließung vom Empfangsbereich unter Anbindung eines Aufzugs zum Untergeschoss vor. Die Umkleidebereiche wurden klar
organisiert und dem angrenzenden Saunabereich zugeordnet. Eine interne Erschließungsachse „Steg“ verbindet den geplanten Ruhebereich mit Sauna und Umkleide. Angrenzend an den Saunabereich wurde mit eigenem Zugang der neue Fitnessbereich untergebracht.
Durch die Baumaßnahmen im und um das Haus A entstand ein Defizit an Gästezimmern.
Aufgrund der neuen und größeren Gästezimmer im Gästehaus musste die Anzahl der Gästezimmer im Bestand reduziert werden. Um wieder die gleiche Zimmerkapazität bei zu behalten, wurde das Gebäude um einen Erweiterungsbau ergänzt.
Die neu zu schaffenden Gästezimmer konnten idealer Weise im östlich angrenzenden Freibereich des Hauses A städtebaulich integriert werden. Die auf dem Gelände Schloss Hohenkammer schon mehrfach vorhandene Figur eines umschlossenen Innenhofes konnte mit dem Erweiterungsbau sehr gut verwirklicht werden. Es entstand damit ein Ringschluss zwischen den beiden Häusern (keine Sackgassensituation) mit einem sehr attraktiven Innenhof. Somit wurde an einer städtebaulich gut vertretbaren Stelle ein klarer Übergang zwischen Gebäude und Landschaft definiert und die bestehenden Funktionen der beiden Häuser
optimiert.
ARCHITEKTONISCHES KONZEPT
Das Empfangsgebäude entwickelt sich typologisch aus den ehemaligen Mauern des Barockgartens und stellt somit nicht ein Gebäude im klassischen Sinne dar sondern greift städtebaulich den Gartengedanken auf. Dies zeigt sich sowohl in der inneren als auch in der äußeren Struktur. Wichtig für die Gesamtatmosphäre war der Aufbau von Sichtbezügen zu verschiedenen Bereichen. Keine Hotelhalle, sondern ein Empfang zwischen Garten, Schloss und einer besonderen Atmosphäre im umschlossenen Innenhof. An der Gelenkstelle zwischen Empfang und Innenhof befindet sich ein neu entstandener Raum für Wechselausstellungen.
Das Gästehaus erhält durch die Ergänzungen (neuer Empfang, Erweiterung und Ruhebereich im UG) eine zentrale Rolle in der Gesamtanlage Schloss Hohenkammer. Architektonisch wurde die bestehende Gebäudetypologie beibehalten, jedoch haben die Fassaden eine zeitgemäße, dem Ensemble dieser ländlichen Region angemessene Aussage erhalten.
Die Ausrichtung der neu geschaffenen Zimmer des Erweiterungsbaus zur Auenlandschaft ermöglicht eine intensive Identifikation mit dem besonderen Ort Schloss Hohenkammer in der ländlichen Region. Die zum Innenhof orientierten Flurbereiche transportieren durch ihre natürliche Belichtung eine klare Orientierung und besondere Stimmung. Der Innenhof selbst erlaubt die Ausbildung einer besonderen Atmosphäre.
MATERIALKONZEPT
Das Materialkonzept basiert auf der Verwendung einiger weniger Materialien - Naturstein, Holz und Putz. Diese drei Materialien üben in ihrer unterschiedlichen Oberfläche Bearbeitungsstruktur und dem Einsatz handwerklicher Möglichkeiten einen besonderen Reiz aus. Lärchenholz und grob strukturierter Außenputz - eine Materialverbindung, welche seit Jahrhunderten in der ländlichen Region Verwendung findet, ist in einer zeitgemäßen, minimalen aber durchaus spannenden Transformation architektonisch umgesetzt worden. Dies zeigt die eindeutige Zugehörigkeit der Neubauten zu den Ökonomie- und Nebengebäuden des Ensembles Schloss Hohenkammer. Die Alleinstellung des Schlosses in seiner solitären Erscheinung wurde dadurch gesteigert. Im Innenbereich erfahren die Materialien Naturstein, Holz und Putz durch unterschiedliche Bearbeitungen und Oberflächentexturen eine konsequente Weiterentwicklung des ruhigen Materialkonzepts. Die Verwendung von Eichenholz (Roteiche) aus dem eigenen Bestand der Wälder von Hohenkammer für den Innenausbau ermöglichte einen direkten Materialbezug zum Ort und der Verwendung des eigenen Materials teilweise in massiver Ausführung. Das Materialkonzept vermittelt zwischen Tradition und einer zeitgemäßen Aussage der reduzierten Architektursprache.