AYERS ROCK lachte eine Lehrerin spontan, als Sie den roten Klotz zum ersten Mal sah. Dabei hatten die Architekten beim Wettbewerbsentwurf und Farbkonzept eher einen unterschwelligen Bezug zum ehrwürdigen Aschaffenburger Schloss im Hinterkopf.
Ein ausdrucksstarker Solitär – nach außen stark und innen transparent - auf einer innerstädtischen Bahnbrache als neuer identitätsstiftender Ort und Lebensraum für die Schüler und Mitarbeiter der Fach- und Berufsoberschule. Leuchtturm für eine städtebauliche Entwicklung des ehemaligen Rangierbahnhofes.
Ein großzügiger Einschnitt in das kubische Volumen, die differenziert gesetzten und gestalteten Öffnungen und der weitsichtbare Turm machen das Haus zu einem Signet in der Stadt.
Ausgehend von diesen Vorstellungen aus der Wettbewerbskonzeption befasst sich das neue Haus mit diesen Haupthemen:
Schule zum Park
Das neue Schulgebäude mit quadratischer Fläche auf kleinem Grundstück formuliert zwischen City und dem Stadtteil Damm einen neuen Ort. Durch das Ausrichten und Andocken an den Dammer Steg – die wichtigste Fußgängerverbindung zwischen Innenstadt und dem Stadtteil Damm – wird das Haus zum öffentlichen Brückenkopf .
Der neu entwickelte Stadtteil-Park im Westen sammelt die Fußwegeverbindungen aus der Nordstadt sowie der Überführung und bildet mit dem Vorplatz einen großzügigen Auftakt für das Haus.
Mit einem zweigeschossigen „Fenster“ als Einschnitt unter dem spürbar auskragenden Betonkubus öffnet sich der Monolith einladend zum Park.
Der Freiraum fließt durch die zweigeschossigen Pausenhalle in das feingliedrig umschlossene Atrium . Es bedarf wirklich keiner Hinweisschilder, um den Weg in die Schule zu finden.
Typologie und Architektur
Typologisch richtig reagiert der rote Betonwürfel mit Atrium auf die Bedingungen der Nachbarschaft. Zum Straßen- und Bahnlärm schirmt sich das Haus mit massiven Fassaden ab. Lichtschlitze auf der Südseite minimieren den Perforationsgrad, um dem Lärm der Güterzüge zu widerstehen.
Ganz anders im Innern. Im Gegensatz zur Außenhaut – die tief eingeschnittenen Fenster verstärken den massiven Charakter der Betonwände - schafft eine transparente , mit wildem Wein begrünte Hülle auf Bambusstäben eine angenehm ruhige Welt für den Innenhof. Es entsteht eine Oase in der Stadt.
Die Grundrissorganisation folgt der Logik aus der Typologie. Klassenräume bilden als Ring die äußeren, steinernen Raumzonen. Die transparenten Erschließungsflächen rund um den Innenhof werden zu erlebbaren Orten im Übergang zwischen Außen und Innen.
Bewusst durchbrochen wird dieses System im Bereich der Obergeschosse auf der Südseite. Dort puffert der Flur die nach Innen orientierten Fachklassen vor dem Außenlärm. Im Erdgeschoss wird dieser Wechsel nicht vollzogen, da die lärmintensiven Werkstätten sich mit den Gleisanlagen vertragen.
Die das Atrium umlaufende Erschließung im Erdgeschoss macht den grünen Innenhof zu einem allseitig zugänglichen, stets erlebbaren Raum. Dem Ort in der Schule.
In der Vertikalen vernetzt ein nach oben geöffnetes Foyer alle Ebenen. Ständig spürbar sind eindrucksvolle Sichtverbindungen und differenzierte Raumeindrücke.
Materialiät
Nachhaltigkeit im Schulbau verlangt nach robusten, bewährten Materialien. Der bekannte Dreiklang aus Beton, Holz und Glas ist durchgängiges Thema, das subtil interpretiert wird. Die Zuordnung richtet sich nach den funktionalen Anforderungen. Robuste Fassadenflächen auf der Außenseite aus Beton, transparente Glasflächen zum Innenhof.
Im Innern wird ein System aus weißen Individualräumen und Allgemeinflächen mit Sichtbetoncharakter aufgespannt. Türen und Fenster aus massiver Lärche unterstreichen den Wunsch nach Langlebigkeit und Qualität.
Der in den Verkehrsflächen durchgängig verlegte Sichtestrich wurde auf Bauherren- und Architektenseite in der Bauphase zur absoluten Belastungsprobe.
Farbkonzept
Das Farbkonzept leitet sich aus dem örtlichen Kontext ab. Die äußere Gestaltung in Rot und Anthrazit übernimmt Vorhandenes aus dem Stadtraum. Die konzeptionelle Anlehnung an das Stadtschloss ist kein Zufall.
Im Innenraum beschränkt sich die Farbgestaltung auf den Einsatz der Farbe Grün. Es werden ausschließlich untergeordnete Bauelemente wie Akustikbaffel, Deckensegel und lose Möblierungen in einer Farbfamilie gestaltet, um nicht das natürliche Erscheinungsbild der Primärkonstruktionen zu stören.
Bewusst auffallend gestaltet erscheinen die Sanitärräume. Für Muster und Farbe steht das Trikot eines legendären, schottischen Fußballklubs Pate.
Das Eintauchen der Betontreppenhäuser in grünes Licht schließt das Konzept ab.
Die neue Fachoberschule/Berufsoberschule versteht sich als selbstbewusstes, zeitgemäßes Haus, das als Ganzes auf die Anforderungen des Ortes reagiert. Offene und introvertierte Räume mit wechselnden Bezügen zwischen Innen- und Außenraum bestimmen die Qualität für die Nutzer und Öffentlichkeit.