Also doch: Blühende Landschaften!
Unter Leitung des Studentenwerkes Potsdam und des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen BLB entsteht im ansonsten an architektonisch ambitionierten Projekten eher armen Südosten Berlins ein aus drei Einzelmaßnahmen bestehendes Gebäudeensemble zur Erweiterung des Campus der Technischen Hochschule Wildau nach einem im 2006 vorangegangenen Wettbewerb preisgekrönten Entwurf des planenden und bauleitenden Büros SEHW Architektur aus...
Also doch: Blühende Landschaften!
Unter Leitung des Studentenwerkes Potsdam und des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen BLB entsteht im ansonsten an architektonisch ambitionierten Projekten eher armen Südosten Berlins ein aus drei Einzelmaßnahmen bestehendes Gebäudeensemble zur Erweiterung des Campus der Technischen Hochschule Wildau nach einem im 2006 vorangegangenen Wettbewerb preisgekrönten Entwurf des planenden und bauleitenden Büros SEHW Architektur aus Berlin.
Das städtebauliche Konzept basiert auf einer präzisen Analyse des Ortes im Spannungsfeld zwischen Naturraum mit seiner besonderen Topografie der Hangkante und der gebauten Umgebung in ihrem Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft im historischen Zusammenhang des Schwarztkopff Geländes, in der Zwischenkriegszeit Europas größtes Lokomotivenwerk und noch heute eindrucksvolles Beispiel imposanter Industriearchitektur.
Der Entwurf interpretiert den Gedanken des Campus neu, erzeugt Sicht- und Wegebeziehungen zwischen dicht und dünn, zwischen alt und neu, zwischen öffentlichen und Rückzugsräumen …
Die verschiedenen Gebäudetypen mit Hochschul- und studentischer Wohnnutzung ordnen sich unterschiedlichen Freiraumqualitäten zu und lassen die architektonische Großform wie auch die kleinteiligere Gebäudestruktur sinnfällig im Planungsgebiet erscheinen.
In der Mitte des Ensembles bildet sich ein zentraler Platz, der von der denkmalgeschützten Halle 17 der Schwarztkopff AG und dem Lehrgebäude Haus 16 als Reputation der Hochschule aufgespannt wird. Dadurch entsteht ein Raum im Spannungsfeld zwischen Alt und Neu als eines der zentralen Themen als Entwurfskonzept: Altes Wissen und Neues Wissen: vom Industriestandort zum Think Tank. Die Intention ist es, den Altbaubestand als integralen Teil der Gesamtbebauung zu begreifen und gleichzeitig den historischen Charakter der Halle 17 zu bewahren.
Das Erscheinungsbild des Neubaus wird durch eine homogenisierende metallische Hülle geprägt mit horizontal verlaufenden Fensterbändern, die sich zu großformatig verglasten Entreebereichen öffnen. Die Hülle ist perforiert mit einem Muster, welches an die Kinderzeit der Computerisierung unseres Alltags erinnert – an Lochkarten. So erfolgt der Brückenschlag vom gestern zum morgen.
Das Wohngebäude für studentisches Wohnen am südwestlichen Abschluss des Planungsgebietes reagiert auf die steigende Anzahl der Studenten der TH Wildau und schafft knapp einhundert vorwiegend Einzimmer–Apartments auf 4 Etagen. Die Besonderheit des Entwurfs besteht in der Außenstruktur: Statt eines monotonen inneren Flurs erfolgt die Erschließung hier ausschließlich über Laubengänge, die dem Baukörper ein skulpturales Aussehen verleihen und die Bewegungsfläche gleichzeitig zur Kommunikations- und Aufenthaltszone werden lassen. Das Erscheinungsbild des Baukörpers wird stark durch diese Zweischichtigkeit der Fassade geprägt, welche sich aus der transparenten Umhüllung der Brüstung der Laubengänge ergibt. Diese besteht aus mit vegetativen Motiven bedruckten Glasscheiben, die den umgebenden Grünraum abstrahieren. Die „innere Fassade“ der Apartments zu den Laubengängen wird durch das regelmäßige Wechselspiel aus geschlossenen und offenen Bereichen rhythmisiert, die zusammen ein lebendiges Spiel erzeugen.
Nach knapp dreijähriger Planungs- und einjähriger Bauzeit ist der Rohbau der drei Gebäude fertig gestellt. Am 3.November 2011 wird aufgrund dieses Anlasses ein Richtfest veranstaltet.