Wesentliches Merkmal des im Mai 2010 abgeschlossenen Umbaus ist die Wiederherstellung des überlieferten historischen Zustandes. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Denkmalpflege, Restauratoren und Sachverständigen. Zwischenzeitliche Veränderungen wurden zurückgebaut, der offene Charakter des Gebäudes wieder erlebbar gemacht. Notwendige Ergänzungen wie Elemente für vorbeugenden Brandschutz, Sonnenschutz, Gebäude- und Sicherheitstechnik, etc. sind als neue Elemente in zeitgemäßer...
Wesentliches Merkmal des im Mai 2010 abgeschlossenen Umbaus ist die Wiederherstellung des überlieferten historischen Zustandes. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Denkmalpflege, Restauratoren und Sachverständigen. Zwischenzeitliche Veränderungen wurden zurückgebaut, der offene Charakter des Gebäudes wieder erlebbar gemacht. Notwendige Ergänzungen wie Elemente für vorbeugenden Brandschutz, Sonnenschutz, Gebäude- und Sicherheitstechnik, etc. sind als neue Elemente in zeitgemäßer Gestaltung deutlich erkennbar und setzen sich vom historischen Bestand des Gebäudes ab. An der Außenfassade wurde der ursprünglich vorhandene Steinwaschputz wiederhergestellt, eine Technik, die heute kaum noch angewandt wird und der Fassade einen leichten mineralischen Glanz verleiht, ebenso der charakteristische Dachabschluss mit auskragender Attika sowie die in ihrem äußeren Erscheinungsbild dem bauzeitlichen Bestand nachempfundenen Holzkastenfenster, die durch ausgeklügelte Detaillierung allen Anforderungen unserer Zeit entsprechen. In seiner wechselhaften Geschichte wurde das Gerichtsgebäude 1938 erweitert. Dieser Bauabschnitt grenzt sich deutlich ab und stellt die Architekturentwicklung im Dritten Reich bildhaft dar. Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, erfolgten in der Nachkriegszeit ein Wiederaufbau sowie ein schlichter Erweiterungsbau, Veränderungen und gestalterische Überformungen in der Zeit der DDR und 1992 unmittelbar nach der Wiedervereinigung.
Der Anschluss an den Erweiterungsbau aus der DDR-Zeit wird im Innenhof durch einen präzise eingefügten Neubauteil mit Servicenutzungen bewerkstelligt. Seine schwarze Kunststofffassade stellt eine deutliche Zäsur zwischen der Weißen Klassischen Moderne und der Nachkriegsmoderne dar und markiert in der Kompromisslosigkeit seiner Öffnungen, Farbigkeit und Materialität den Aufbruch des Gebäudeensembles in die Zukunft. Die Fassade des Nachkriegsbaus wird als rigide Lochfassade ausgebildet. Durch eine tiefe umlaufende Umrahmung der im Gegensatz zu dem Gebäudeteil der Klassischen Moderne stehenden Fensterformate ohne Teilung wird diese Wirkung noch verstärkt, entsteht eine strenge Fassade mit starker Plastizität. Die neuen Fenster einschließlich der Umrahmungen sind in hellem Aluminium gehalten, die glatte mineralische Beschichtung der Fassade in dunkelgrau. Der Eingang zum Verwaltungsgericht wird akzentuiert durch eine zweigeschossige Glasfassade in einem Sichtbetonrahmen, die sich innen zu einem zweigeschossigen einladendem Foyer öffnet.