Im letzten Bauabschnitt des Museums für Christen und Juden sollte als Ergänzung und Kontrast zum bisher chronologisch erzählten Parcours der Dauerausstellung die Dokumentation und Vermittlung von Einzelschicksalen im Mittelpunkt stehen. Im ehemaligen Esszimmer des Schlosses wird ein fiktives Treffen einiger Mitglieder der weit verzweigten Familie Steiner inszeniert. Eine Tafel, an der die Zeit angehalten wurde, verknüpft Biographien und Exponate, um Zeugnis zu geben vom wirtschaftlichen und...
Im letzten Bauabschnitt des Museums für Christen und Juden sollte als Ergänzung und Kontrast zum bisher chronologisch erzählten Parcours der Dauerausstellung die Dokumentation und Vermittlung von Einzelschicksalen im Mittelpunkt stehen. Im ehemaligen Esszimmer des Schlosses wird ein fiktives Treffen einiger Mitglieder der weit verzweigten Familie Steiner inszeniert. Eine Tafel, an der die Zeit angehalten wurde, verknüpft Biographien und Exponate, um Zeugnis zu geben vom wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg der jüdischen Familie, deren Geschichte nicht nur mit Laupheim, sondern auch eng mit der Schlossgeschichte verknüpft ist. In dem Raum, der Friedrich Adler gewidmet ist, empfängt den Besucher ein monolithisch wirkender Vitrineneinbau, in dessen unterschiedlich tiefen Aussparungen das vielfältige Werk des Künstlers präsentiert wird. Der scheinbar lockeren Anordnung der Vitrinenausschnitte, die jüdische Ritualgegenstände aus Silber und Zinn, Möbel- und Textilentwürfe sowie eine große Auswahl an Gebrauchsgegenständen aus Silber und Kunststoff präsentieren, steht die Gestaltung der Kubusrückseite entgegen. Ein räumlicher Einschnitt, der die Ermordung des jüdischen Künstlers in Auschwitz und damit die Vernichtung fast aller dinglichen Überreste seiner Biographie auch atmosphärisch fasst.
Geometrisch ähnlich ausgebildet, verknüpft der Einbau im nächsten Raum Werk und Biographie des Salvatorianerpaters Ivo Schaible auf ganz andere Weise. In erster Linie soll der Besucher durch die Art der Gemäldehängung auf die Fülle und die erstaunliche Farbigkeit des künstlerischen Nachlasses aufmerksam gemacht werden, zu der das Innere des Kubus mit dem biographischen Nachlass Aufschluss gibt. Bezug nehmend auf seinen vierzehnjährigen, prägenden Aufenthalt in Kolumbien, werden hier persönliche Gegenstände Pater Ivos vor einem farbenfrohen, tropischen Hintergrund, in individuell inszenierten Objektvitrinen gezeigt. Der letzte Raum bricht vollkommen mit der Sehgewohnheit und setzt auf die Neugierde des Museumsbesuchers. Sechs überdimensionale, leuchtende Hauben schweben im Raum und laden den Besucher ein, in je eine von sechs Biographien Laupheimer Frauen jüdischer bzw. christlicher Religion einzutauchen, die ihm mittels Tondokumenten vorgestellt werden. Integrales, gestalterisches Anliegen war es, dem Besucher die Eins-zu-Eins - Auseinandersetzung
mit den teils von tiefen Zäsuren geprägten Lebensläufen zu ermöglichen. Gemeinsam mit der Sprache soll ein Raum entstehen, der dem Besucher im besten Fall erlaubt, zu ermessen, welche Möglichkeiten für ein eigenes Leben diesen Frauen zur Verfügung standen.