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  • Realisiertes Projekt

Autobahnkirche Siegerland


Projektbeschreibung:
Im März 2009 gewann schneider+schumacher einen Wettbewerb, den der eigens für
dieses Bauvorhaben gegründete Förderverein Autobahnkirche Siegerland e.V.
ausgeschrieben hatte.

Die Initiative für das Bauprojekt war durch das Ehepaar Hering nach einem Besuch einer
Autobahnkirche in Süddeutschland entstanden. Ein Blick auf die Landkarte zeigte, dass
dem Siegerland und damit der viel befahrenen A 45 ein solcher Ort fehlte. Parallel zur
Erweiterung des Städel Museums nahmen sich die Architekten... +
Im März 2009 gewann schneider+schumacher einen Wettbewerb, den der eigens für
dieses Bauvorhaben gegründete Förderverein Autobahnkirche Siegerland e.V.
ausgeschrieben hatte.

Die Initiative für das Bauprojekt war durch das Ehepaar Hering nach einem Besuch einer
Autobahnkirche in Süddeutschland entstanden. Ein Blick auf die Landkarte zeigte, dass
dem Siegerland und damit der viel befahrenen A 45 ein solcher Ort fehlte. Parallel zur
Erweiterung des Städel Museums nahmen sich die Architekten schneider+schumacher
unter Leitung von Michael Schumacher mit gleicher Empathie dem Projekt an. Durch
zahlreiche Spenden wurde der Bau der christlich-ökumenischen Kirche ermöglicht.
Baubeginn war im März 2011 mit dem archaisch skulpturalen Beton-Fundament als
Basis für die darüber liegende Kirche in Holzständerbauweise. Die Einweihung der 40.
Autobahnkirche Deutschlands fand im Mai 2013 statt.

KONZEPT
„Autohöfe sind Orte von unmissverständlicher Direktheit. Große Schilder zeigen, um was
es hier geht: Tanken, Essen, Schlafen, und vielleicht noch zur Ablenkung der Besuch
einer Spielbank.
Es sind kleine Städte, aber ohne die subtilen Schichten – ohne Räume der Stille, der
Andacht, ohne Räume der Schönheit.
Die kleine Autobahnkirche stellt ein Angebot für diese existenziellen Bedürfnisse dar, und
zwar gerade dort, wo es wahrscheinlich am meisten fehlt. Um sich in diesem Umfeld zu
behaupten, bedarf es allerdings einer eben solchen unmissverständlichen Direktheit
(zumindest von außen). Sowohl aus der großen Distanz von Dortmund kommend als
auch vom Autohof aus, stellt sich die Kirche als direktes Abbild des Autobahnkirchen-
Schildes dar.
Die äußere Form ist abstrakt, signalisiert aber distanzlos direkt, ich bin eine Kirche!“
(Prof. Michael Schumacher, Architekt)

Gestalt
Die dreidimensionale Umsetzung des Kirchen-Piktogramms präsentiert sich sowohl zur
Autobahn als auch zum Autohof als stilisierte weiße Silhouette einer traditionellen
Dorfkirche. Man betritt die Kirche, die bei näherer Betrachtung aus dem Berg heraus zu
wachsen scheint, über einen Steg, der sich zu einem überdachten Eingang schließt.

Im Inneren eröffnet sich ein Raum, dessen Gestaltung in Bezug auf die durch das Äußere
hervorgerufene Erwartungshaltung überrascht. Die Innenkuppel öffnet sich zum
Altarbereich, in den nur von oben durch die beiden Turmspitzen natürliches Licht einfällt.
Das filigrane Holz-Gewölbe zeigt sich ähnlich einer feingliedrigen Kreuzrippen-Struktur.

Konstruktion
Der Neubau der Autobahnkirche besteht aus einem im Grundriss quadratischen
Hauptkörper (Kirche) mit zwei Ecktürmen und einer Erschließungsbrücke von Süd-West.
Die komplette Kirche wurde in Holzständerbauweise im Bereich der Außenwände und
einer Holzbinderkonstruktion für das Dachtragwerk bzw. die Turmbauten erstellt.

Ein Großteil der Bauteile wurde bereits im Werk vorgefertigt. Dies führte zu einem
optimierten und verkürzten Montagezeitraum der Elemente, da die vorgefertigten
Bauteile gemäß einem speziellen Montagesystems zusammengebaut wurden. Die
Holzkonstruktion der Wände und des Dachtragwerks sind im Zwischenraum gedämmt.
Die Innen- und Außenseiten der Holzkonstruktion werden mit OSB-Platten verkleidet. Die
Brückenwände bestehen aus einer Holzfachwerkkonstruktion, der Brückenboden aus
Stahlträgern mit beidseitiger OSB-Beplankung.

Die komplette Fassade der Kirche und der Verbindungsbrücke wurde mit einer
Polyurethan-Sprühabdichtung (in weißer Farbe) versehen. So werden einerseits die
Außenflächen des Holzes gegen Feuchtigkeit und Beanspruchung geschützt, andererseits erhält die Kirche ein homogenes Erscheinungsbild.

Holz-Innenkuppel
Alles begann mit einem Grundriss (2D) und entwickelte sich zu einem hochkomplexen 3-
dimensionalen Baukörper. Durch parametrische Entwurfsverfahren auf Basis komplexer
Computerprogramme (Rhino, Grasshopper) entstand durch das Team der
schneider+schumacher Parametrik GbR aus einer zunächst runden Innenkuppel eine
feingliedrige Holzrippen-Struktur, die Material und Konstruktion bis ins Detail optimiert.

Durch das Eingangsgewölbe eintretend öffnet sich die Innenkuppel zum Altarbereich hin.
Nur durch den darüber liegenden Kirchturm fällt in diesem Bereich natürliches Licht. In
dem eigentlich quadratischen Grundriss der Kirche entstehen durch die halbkreisförmige
Ausbildung der Innenkuppel in den Randzonen Freiflächen, die außerhalb des
Sichtbereiches des Besuchers als Sakristei und auch als Nebenräume (z.B. Stuhllager)
genutzt werden.

Optimierung der Konstruktion
Die Innenkuppel besteht aus 66 vertikal und horizontal zueinander verlaufenden,
halbkreisförmigen Holzspanten, welche wiederum aus ca. 650 Einzelteilen
zusammengesetzt sind. Die Holzrippen werden über die in die Platten eingebrachten
Schlitze ineinander gesteckt. Dadurch erhält die Konstruktion eine Eigensteifigkeit und
trägt sich selbst.

Eine Fixierung am Fußboden ist nur punktuell über Stahlwinkel notwendig. Das CADProgramm wurde über die reine Planungsfunktion hinaus zu einer CNC-Software
weiterentwickelt. Die im Vorfeld gewonnenen Daten zu den Dimensionierungen der
Innenkuppel wurden durch das Programm soweit umgesetzt, dass dadurch ein
„Schnittmuster“ für alle Kuppelteile entstand. Auf Basis der handelsüblichen
Abmessungen von OSB-Platten wurden die ca. 650 Einzelteile der Spanten optimal
positioniert, um den geringstmöglichen Verschnitt zu erreichen.

Optimierung der Belichtung
Im Vorfeld wurden vielfältige Beleuchtungstest am Holz-Modell (1:25) sowie am
computergestützten 3D-Modell durchgeführt.


TECHNISCHE DATEN
Bauherr: Autobahnkirche Siegerland e.V.
Vorsitzende: Herr Hartmut Hering, Frau Ute Pohl
Architektur: schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH
Projektarchitekt: Michael Schumacher
Projektleiter: Hans Eschmann
Bauleitung: Kerstin Högel
Mitarbeiter am Projekt: Michael Schumacher, Hans Eschmann, Kerstin Högel,
Alexander Volz, Ragunath Vasudevan, Elmar
Lorey, Jana Heidacker, Baha Odaibat
Vergabeform: Wettbewerb 03/2009
Tragwerksplanung/Baupysik: B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH
Haustechnik: rpb ingenieure GmbH
Vermessung: Dipl.-Ing. J. Seelbach
Grundstücksgröße: ca. 500 m²
BGF/ oberirdisch: ca. 240 m²
NF: ca. 240 m²
BRI oberirdisch: ca. 2.050 m³
Gebäudeabmessungen: Kirche, ca. 14,00 x 14,00 m, zuzgl. Zugangsbrücke
LPH (HOAI) s+s: 1–8
Bauzeit: 03/2011–05/2013 -



INFO-BOX

veröffentlicht am 16.05.2013
Zuletzt aktualisiert 23.03.2017
Projekt-ID 5-50886
Seitenaufrufe 2930

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