loading
Blick von Westhafen Tower auf Südfassade und Dach Blick von Westhafen Tower auf Südfassade und Dach, © Photo: Constantin Meyer, Köln
Diashow »
  • DE-60327 Frankfurt am Main
  • Realisiertes Projekt

Aktiv-Stadthaus


Projektbeschreibung:
Lage
Das Aktiv-Stadthaus löst gleich mehrere ungewöhnliche Aufgaben: Mietwohnungsbau
auf einem ungewöhnlich langen und schmalen Grundstück (160 x 9 m) unweit des
Frankfurter Hauptbahnhofs, das bis dato nur als Stellplatzfläche diente. Ein großes
Wohngebäude, das mit Fahrrad- und Carsharing-Stellplätzen im Erdgeschoss stadtgerechteFormen der Mobilität anbietet, umweltfreundliches Bauen unter Verwendung
von Holzfassadenelementen und schließlich ein Gebäude mit 74 Wohneinheiten, das
in der... +
Lage
Das Aktiv-Stadthaus löst gleich mehrere ungewöhnliche Aufgaben: Mietwohnungsbau
auf einem ungewöhnlich langen und schmalen Grundstück (160 x 9 m) unweit des
Frankfurter Hauptbahnhofs, das bis dato nur als Stellplatzfläche diente. Ein großes
Wohngebäude, das mit Fahrrad- und Carsharing-Stellplätzen im Erdgeschoss stadtgerechteFormen der Mobilität anbietet, umweltfreundliches Bauen unter Verwendung
von Holzfassadenelementen und schließlich ein Gebäude mit 74 Wohneinheiten, das
in der Jahresbilanz mehr Energie erzeugt als es verbraucht. So entstand entlang der
Speicherstraße auf einem, lange Zeit als unbebaubar gegoltenen, Grundstück im
Gutleutviertel ein gestreckter, fast scheibenartiger Neubau im Effizienzhaus Plus-
Standard. Die acht Geschosse des 150 m langen Gebäudes erstrecken sich von
Osten nach Westen parallel zum Main. Die 74 Mietwohnungen sind zwischen 60 und
120 Quadratmeter groß.

Architektur
Die Gebäudeform reagiert auf den besonders knappen Grundstückszuschnitt, der vollständig überbaut ist. Die leichte Faltung der nach Südosten ausgerichteten
Fassade gliedert die lange Straßenfront und schafft im Innern des Gebäudes notwendige Grundrisstiefen. Die Fassade gliedert sich in ein öffentlich genutztes, weitgehend transparentes Erdgeschoss, die Hauptwohngeschosse mit optimierten
Öffnungsanteilen und das Dachgeschoss mit seinem Abschluss durch das Pultdach. Die gebänderte Fassade unterstreicht Länge und Faltung des Baukörpers. Das äußere Erscheinungsbild wird im Wesentlichen durch Glas bzw. in Glas integrierte
Photovoltaik und Faserzementplatten bestimmt. Die besonderen energetischen Eigenschaften des Hauses sind über die Photovoltaikfassaden und das Energiedach wahrnehmbar, ohne aufdringlich zu sein.
Die zwei- bis vier-Zimmer-Wohnungen sind knapp geschnitten, wirken aufgrund ihrer räumlichen Disposition und der guten Tageslichtverhältnisse dennoch großzügig. Jede Wohnung verfügt über eine Loggia bzw. einen Balkon.

Bauweise
Um möglichst ökonomisch und ökologisch sinnvoll zu bauen, fiel die Entscheidung auf eine Hybridkonstruktion. Nur die primäre Tragstruktur ist aus Stahlbeton (Ge-
schossdecken und Schottentrennwände). Die gesamte Dach-, sowie die Außenwandkonstruktion wurde in vorgefertigten Holzrahmenelementen erstellt. So lässt sichder Wandaufbau mit KfW-40 Standard mit rund 47 cm bei der Nordfassade (Eternitverkleidung) und bei der Südfassade mit rund 55 cm (Fassadenphotovoltaik mit Hinterlüftungsebene) dünner erstellen als in einer Massivkonstruktion.
Dieses schafft auf dem schlanken Grundstück mehr vermietbare Fläche, ist wirtschaftlich und nachhaltig.

Energiekonzept
Technisch basiert das Aktiv-Stadthaus auf einer wirtschaftlichen Reduzierung des
Energiebedarfs und der Bereitstellung von Energie aus lokal verfügbaren Energiequellen.
Eine wärme- und luftdichte Gebäudehülle sowie dezentrale mechanische Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung in den Wohnungen führen zu einem sehr geringen Heizwärmebedarf. Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine elektrische Wärmepumpe mit 120 kW thermischer Leistung, als Wärmequelle wird der nahegelegene Abwasserkanal genutzt. Um das Ziel des Plusenergie-Wohnhauses zu erreichen, ist zur Energieerzeugung nicht nur das Dach, sondern auch die Südfassade mit Photovoltaikmodulen belegt.
Auf dem ca. 1.500 Quadratmeter großen auskragenden Pultdach befinden sich 769
hocheffiziente Module mit einem Wirkungsgrad von 20 Prozent und einer nominalen
Leistung von ca. 250 kWp. Auf der Südfassade sind insgesamt 348 PV -Module
mit einer Leistung von ca. 120 kWp installiert. Der jährliche Stromertrag aus den
PV-Anlagen beträgt etwa 300.000 kWh/a.
Der Strom aus „eigener Produktion“ wird in einer Li-FePo-Batterie im Untergeschoss
des Hauses gespeichert. Dieser Puffer mit rund 250 kWh Kapazität dient dem Ausgleich
von Angebot und Nachfrage an Elektrizität im Gebäude. Damit soll ein hoher
Eigenstrom-Nutzungsanteil aus den PV -Anlagen erreicht werden. Alle Wohnungen
wurden von der ABG mit besonders sparsamen Haushaltsgeräten ausgestattet.

Energie im Blick
Die Wohnungen im Aktiv-Stadthaus werden mit einem auskömmlichen Budget für Heizung, Warmwasser und Elektrizität vermietet, das bereits im Mietpreis enthalten ist. Um den Verbrauch nachverfolgen zu können, erhält jede Mietpartei ein Tablet mit einer vorinstallierten App. Dies ermöglicht jederzeit einen Überblick über den Energieverbrauch im Verhältnis zum Budget sowie viele weitere Informationen über
das Haus, wie z.B. die Verfügbarkeit der Car-Sharing-Autos im Haus etc. Über einen spielerischen Zugang wird die Identifikation mit dem Haus und das Bewusstsein
zum Thema Energie und Wohnen gestärkt.

Nachhaltige Mobilität
Doch das umfassende Konzept zum nachhaltigen Wohnen endet nicht an der Hauseingangstür. Acht Stellplätze für Car-Sharing-Autos, davon zunächst drei e-Mobile, im Erdgeschoss des Gebäudes halten Bewohner und Car-Sharing-Kunden mobil, Vorrang hat jedoch die Fahrradmobilität, für die eingangsnah und erdgeschossig neben jedem Hauseingang im Gebäude Stellplätze zur Verfügung stehen. Die zentrale
Wohnlage spart unnötige Pendlerwege aus der Peripherie und wirkt sich positiv auf Umwelt und Wohlbefinden der Bewohner aus.

Wirtschaftlichkeit
Obwohl das Gebäude ein Pilotprojekt ist, war eine wirtschaftliche Bauweise sicherzustellen. Die Wohnungen werden einschließlich auskömmlicher Budgets für die Heizung, Warmwasser und Elektrizität vermietet. Über Tablet-Bildschirme und Apps sind dieMieter jederzeit über ihre Verbräuche im Verhältnis zu den Budgets informiert.

Zukunftsorientierung
Gemäß europäischer Gebäuderichtlinie sollen ab 2020 Neubauten nur noch als Niedrigstenergiegebäude errichtet werden (Energy Performance of Buildings Direc-
tive (EPBD ) 2010/31/EU ). Das Gebäude ist daher nicht nur für die Forschung von Interesse, sondern auch für die ABG FRANK FURT URT HOLDING der Versuch die An-
forderungen der nahen Zukunft zu erproben und auf eine wirtschaftliche Umsetzung zuzuführen.
So entstand in den letzten zwei Jahren in zentraler Lage Frankfurt das aktuell erste und größte innerstädtische Mehrfamilien-Wohnhaus im Effizienzhaus-Plus-Standard der Bundesregierung. In diesem, durch die Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB ) geförderten Forschungsprojekt wurden die bisherigen Erkenntnisse im Maßstab von Einfamilienhäusern erstmals auf einen großmaßstäblichen Geschosswohnungsbau übertragen und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. -



INFO-BOX

veröffentlicht am 27.11.2015
Zuletzt aktualisiert 30.11.2016
Projekt-ID 5-60428
Seitenaufrufe 529

Anzeige





Anzeige