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  • DE-73728 Esslingen
  • Realisiertes Projekt

Verwaltungsgebäude für die Südwestmetall-Bezirksgruppe Neckar Fils


Projektbeschreibung:
Besondere, gemeinhin als schwierig geltende Grundstücke bringen oftmals höchst interessante architektonische Lösungen hervor. So auch am äußersten westlichen Rand von Esslingen, wo ein dreieckiger Zwickel als Teil einer industriellen Konversionsfläche zur Überplanung anstand. Auch die Lage zwischen Bahnstrecke, frequentierter Ausfallstraße und steil aufragenden Weinbergen trägt zur herausfordernden Situation bei. Doch gerade die Weinberge mit ihrer terrassierten Struktur lieferten das... +
Besondere, gemeinhin als schwierig geltende Grundstücke bringen oftmals höchst interessante architektonische Lösungen hervor. So auch am äußersten westlichen Rand von Esslingen, wo ein dreieckiger Zwickel als Teil einer industriellen Konversionsfläche zur Überplanung anstand. Auch die Lage zwischen Bahnstrecke, frequentierter Ausfallstraße und steil aufragenden Weinbergen trägt zur herausfordernden Situation bei. Doch gerade die Weinberge mit ihrer terrassierten Struktur lieferten das zentrale Motiv des Neubaus: Die horizontale Schichtung der Ebenen, ihre Beschwingtheit und Überlagerung.

„Die Analogie zu den benachbarten Weinbergen war uns wichtig,“ sagt Hansjörg Schwarz von [fritzen 28]. So sind die Grundrisse der Geschoss nie identisch, mal rücken die Ebenen ein, mal kragen sie an anderer Stelle aus. Besonders zur Spitze im Westen erreicht das muntere, amorphe Fließen seinen Höhepunkt, während es sich in der anderen Richtung, zu einer künftigen Platzsituation, deutlich beruhigt. Und: Der gestreckte Bau präsentiert sich ausgesprochen transparent, nach außen wie nach innen. Denn letztlich Polygonal terrassiert [fritzen 28] architekten bauen das neue Verwaltungsgebäude für die Südwestmetall-Bezirksgruppe Neckar Fils geht es hier um Kommunikation. Es handelt sich keinesfalls um ein klassisches Verwaltungsgebäude, sondern um einen offenen Treffpunkt für die Mitglieder des Verbandes, die hier Beratung suchen oder zu Seminaren, Workshops, Konferenzen und Besprechungen zusammenfinden.

Der Bauherr

Die Bezirksgruppe Neckar Fils des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall nutzte bislang zwei Standorte – in Esslingen und Göppingen. Schon geraume Zeit war geplant, die beiden Einheiten zentral zusammenzuführen, allerdings mangels Grundstück nicht realisierbar. In Esslingen nun bot sich die Chance auf ein zeitgemäßes und effizient konzipiertes Gebäude.

Der Kontext

Die Esslinger Weststadt befindet sich derzeit in einer umfassenden Transformation. So wird der ehemalige Güterbahnhof in ein neues Wohnquartier entwickelt, ebenso der angrenzende frühere Industriestandort. Das polygonale Grundstück, auf dem sich heute der Südwestmetall-Neubau befindet, markiert den westlichsten Abschluss dieses großen Entwicklungsbereiches und definiert zugleich den Stadteingang. Das zeichenhaftes Gebäude betont die Bedeutung dieses Ortes und vermittelt zur anschließenden Blockstruktur durch sein fluides Erscheinungsbild, seiner Höhenstaffelung und Transparenz.
Als Grundlage des Konzeptes diente die Frage, was die Raumbildung in der Natur charakterisiert, nämlich vielfältige, organische Strukturen, Komplexität, die Abwesenheit rechter Winkel sowie die Anpassung an die Realitäten vor Ort. Genau diese Aspekte bilden die Grundlage des architektonischen Entwurfes.

Der Entwurf

Der aus dem Städtebau abgeleitete Ansatz setzt sich in das Gebäude fort, die Übergänge zwischen Außen und Innen sind fließend. Das Gebäude steht nicht solitär im Stadtraum, sondern ist mit ihm interagierend verknüpft. Gebäudekanten erscheinen nicht statisch, sondern bewegt, amorph, bieten immer wieder überraschende Blickbezüge.
Im Inneren zieht sich ein fließender, großer Luftraum über alle Etagen hinweg, er dient der Klimatisierung und symbolisiert den kommunikativen Zweck des Gebäudes. So dient er als Foyer, Empfang, Eventbereich, Meeting Point und Übergang zu den andockenden Besprechungsräumen. Schwebende LED-Lichtscheiben und die breite, einläufige Treppe verstärken die einladende Geste.
Die Büroräume mit ihren transparenten Verglasungen orientieren sich entlang der Fassaden nach Osten, Westen und Süden. Auch von hier aus lässt sich das Grün der Umgebung jederzeit wahrnehmen.
Die Oberflächen innerhalb des Gebäudes zeigen sich in bewusster Einfachheit, es dominiert Weiß sowie der warme Ton des geölten Bambusparketts.

Das Energiekonzept

Die Heiz- und Kühlenergie bezieht der Stahlbetonskelettbau per Wärmepumpe aus einem Grundwasserbrunnen. Aktivierte Decken übernehmen die Raumtemperierung, ein akustisch wirksamer Putz sorgt für die Raumakustik. Abhängungen sind nur dort anzutreffen, wo sie aus besonderen schalltechnischen Anforderungen unabdingbar sind – etwa bei den offenen Sekretariatsbereichen oder dem Veranstaltungssaal.
Zusammen mit dem Büro Transsolar entwickelt und durchsimuliert, bringt die mechanische Quelllüftung über die Hohlraumböden Frischluft herein, die Fenster lassen sich manuell öffnen, die Entlüftung läuft über Wärmetauscher durch das Atrium. Neben der Verschattung und Dreifach-Verglasung reduziert die Lichttechnik die Kühllasten erheblich. Denn die basiert komplett auf LED-Leuchten mit einem umgerechneten Strombedarf von nur sechs Watt pro Quadratmeter Nutzfläche. Ein Wert, der auch durch die nutzungsorientierte und tageslichtabhängige Steuerung der Beleuchtung aus dem Hause Nimbus zustande kommt.

Das Licht

Alle LED-Leuchten arbeiten mit Lichtsensoren, die für die tageslichtabhängige Anpassung der Leuchtstärke sorgen – und zwar dezentral für einzelne Leuchtengruppen, die über den Funkstandard Zigbee miteinander kommunizieren.
Außerdem aktiviert sich das Licht nur dann, wenn es benötigt wird. Meldet der Präsenzsensor in den Deckenleuchten den Eintritt einer Person, startet die Leuchte verzögerungsfrei, leitet zugleich ein Funksignal an die Stehleuchte am Arbeitsplatz, die dann auf 50 Prozent Leistung hochfährt. Ändert sich der Anteil des Tageslichtes im Raum, so registriert dies der Sensor der Stehleuchte, justiert entsprechend der Soll-Lichtstärke nach und regelt auch die Deckenleuchte. Individuelle Veränderungen der Mitarbeiter sind jederzeit möglich – über die Sensortasten an der Stehleuchte. Auch in diesem Fall folgt die Deckenleuchte den neuen, an der Stehleuchte gewählten Werten. Dank dieser Technologie lässt sich übrigens fast überall auf traditionelle Lichtschalter – und damit auch auf starre Verkabelungen verzichten.



Bauherr: Südwestmetall Bezirksgruppe Neckar-Fils, Esslingen
Architektur: [fritzen 28] architekten, Esslingen
Energiekonzept: Transsolar, Stuttgart
Fachplaner HLSE: Transplan, Stuttgart
Tragwerksplanung: IB Schneck, Schaal, Braun, Tübingen -



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