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  • DE-80333 München
  • 01/2014
  • Result
  • (ID 2-145515)

Neubau von Wohnungen in der Katharina-von-Bora-Straße 8a


  • 2nd Prize Awarding of contract

    Visualisierung, © 03 Arch.

    Architects
    03 Architekten GmbH Architekten BDA, Stadtplaner DASL, München (DE) Büroprofil

    In collaboration with:
    Landscape architects: Keller Damm Kollegen GmbH Landschaftsarchitekten Stadtplaner, München (DE)

    Prize money
    23.000 EUR

    Explanatory text
    Der von 03 Architekten vorgeschlagene Baukörper bildet einen klaren Hof – durch die volumetrische Ausformulierung setzt sich die Struktur jedoch von einer klassischen Blockrandschließung ab, wo die Einhaltung der Baulinien und Baufluchten lineare Lösungen erfordern. Der gewerblich geprägte Hofraum an der Katharina-von-Bora-Straße wird zum Wohnhof transformiert an der die gesamte Nachbarbarschaft teilhat und aufgewertet wird. Die blockähnliche, aber auch hinterhofartige Struktur wird geschlossen. Das Verspringen der Bauflucht, aber auch der Wechsel in der Geschossigkeit trägt dieser besonderen Lage Rechnung. Der nördlich entstehende Freibereich wird nicht als städtischer Straßenraum, sondern als räumlich abwechslungsreiche Vorzone für die Wohnbebauung, ausgebildet.

    Das neue Wohnhaus zeigt sich mit seiner fünf- bis siebengeschossigen Volumetrie selbstbewusst in Richtung Stadt. Durch die teilweise aus der Flucht nach Norden vorgerückte Gebäudegeometrie entsteht ein subtiler visueller Bezug zur Katharina-von-Bora-Straße, der die neue Bebauung wahrnehmbar in der Stadt verankert. Die dennoch ruhige Volumetrie und Gliederung der Fassade nimmt sich gegenüber der zahlreichen öffentlichen Gebäuden der Umgebung in Höhe und Präsenz zurück und gliedert sich in die bestehende städtebauliche Struktur ein.

    Klassische Vorstellungen bürgerlichen Wohnens der Jahrhundertwende werden aufgegriffen und erfahren eine zeitgemäße Umsetzung. Dabei wurde insbesondere darauf geachtet, für alle Wohnungstypen adäquate Wohnqualitäten zu schaffen. So verfügen z.B. alle Wohnungen über Terrassen oder Loggien nach Süden, Westen oder Osten.

    Der vorgeschlagene Wohntypus organisiert sich mit seinen Haupträumen um eine Diele. Wie ein „Nukleus“ wird dieser Raum zum Empfangsraum, Treffpunkt, Spielzimmer – zum Herz der Wohnung. Zugleich zoniert die Diele die Wohnung in einen Individual- und Gemeinschaftsbereich, eine Qualität, die insbesondere den großen Familienwohnungen zuträglich ist.

    Dem Potential der guten Lage im Stadtkern Münchens wird durch eine maximale Ausnutzung des Baurechts Rechnung getragen. Durch eine gezielte Einstreuung der geförderten Werkswohnungen wird eine angenehme soziale Mischung erreicht. Eine variable Grundrissstruktur mit schaltbaren Zimmern, die flexibel auch als Wohnküchen genutzt werden können, bietet Spielraum und Anpassungsmöglichkeiten für verschiedenste Wohnungsschlüssel und Fördermodelle. So ensteht eine lebendige, aktive Nachbarschaft, die gleichzeitig die Möglichkeit eröffnet innerhalb einer Struktur verschiedenste Lebensmodelle und – vorstellungen zu vereinen.

    Die gewählte Materialität steht in der Tradition der Münchner Putzfassaden.
    Eine städtische Fassade mit großen Öffnungen zeigt das Haus nach außen, gliedert dabei die Gebäudehöhe mit in den Proportionen variierenden Fenstergrößen. Deutlich akzentuierte Eingänge gliedern das Erdgeschoss, ein Durchgang zum Hof verbindet innen und außen.
    Zum Hof hin öffnet sich die Fassade großzügig, eine vorgelagerte Balkonschicht gibt dem Gebäude zugleich Tiefe und zoniert die Südseite. Die Treppenhäuser verbinden innen und außen, der Belag aus Naturstein läuft durch. Die Wohnungen erhalten Parkettböden, die Loggien mit einem Holzrost sind barrierefrei zugänglich.

    Die Konstruktion erfolgt konventionell in Schottenbauweise in Stahlbeton mit Wärmedämmverbundsystem, was eine wirtschaftliche Erstellung erwarten lässt.
    Balkonfertigteile, Treppentypen, Fenster sind in Größe und Form vereinheitlicht und aufwenige Typenformate reduziert, so dass eine wirtschaftliche Herstellungsweise garantiert werden kann.

    Im Hinblick auf die geringe Freiflächenversorgung des umgebenden Innenstadtraumes wird besonderer Wert auf die Gestaltung der gemeinschaftlich genutzten wohnungsnahen Grünflächen der Wohnbebauung Katharina-Bora-Straße gelegt.

    Im Norden erfolgt die Adressbildung und Zuwegung der einzelnen Erschliessungskerne durch eine Pflanzfläche aus Johannisbeersträuchern. Der Baumbestand aus Platanen und einem Spitz-Ahorn wirkt identitätsstiftend und wird durch die Pflanzung von Feld-Ahornen und Hainbuchen im Übergang zu den nördlichen Nachbarn ergänzt.
    Der geschützte Innenhof wird durch eine innenliegende und vielseitig nutzbare Rasenfläche, dem sogenannten Kirsch-Anger charakterisiert. Zierkirschen bereichern den Grünraum durch die rosafarbene Blüte und goldgelbe Herbstfärbung. Frei arrangierbare Sitzmöbel laden auf der Rasenfläche und den angrenzenden Wegeflächen zum Verweilen ein. Der Kirsch-Anger, der im Osten und Westen durch Mauerscheiben gefasst wird, umfasst auch den Kinderspielbereich. Die Mauerscheiben dienen gleichzeitig als Rückenlehne für die angelagerten Sitzbänke.

    Im Osten schließt ein Baumhain aus Schwarzkiefern und Himalaya-Birken den gemeinschaftlich genutzten Freibereich räumlich ab. Hier bietet sich eine angenehme Rückzugsmöglichtkeit für die zukünftigen Bewohner. Westlich des Kirsch-Angers erweitert der flache Wasserspiegel durch temporär aus Bodendüsen kommenden Fontänen den Spielbereich und wertet den Hofraum auf.
    Die vielseitig nutzbare Freifläche des Innenhofes bietet einen geschützten und privaten Rückzugsort, verzahnt sich aber mit der Umgebung und der im Norden angelagerten Parkanlage. Private Loggien und Dachgärten erweitern den gemeinschaftlich nutzbaren Freiraum.

    Evaluation by the jury

    Ihre Vorstellung einer Einbindung der neuen Wohnhäuser in die bestehende Umgebung dokumentieren die Verfasser dieser Arbeit in einer Bildmontage von der Nordseite, die beinahe ohne Abstriche überzeugt. Hier zeigt sich eine fein mit den Bestandsbauten abgestimmte Baukörperkomposition, bei der eine vermeintlich willkürliche Differenzierung der neuen Baukörper durch Vorsprünge, Rücksprünge und Höhenversätze im städtischen Bild zu einer sehr gelungenen Einpassung führt.

    Diese Gliederung des Gesamtbaukörpers setzt sich in der Disziplin der Fassendengliederung fort – und das ist richtig gut, denn das Verhältnis der Wandflächen zu den großzügigen, raumhohen Fensteröffnungen schafft in der Summe einen eleganten, zeitgemäßen, dem Ort und dem Maß der Nutzung angemessenen Ausdruck.

    Diesem Anspruch wird die Hofseite des Gebäudes nicht ganz gerecht. Hier überlagern durchgängige Balkonausbildungen die eigentliche Baustruktur, die auf der Vorstellung von 4 unabhängigen, aber ineinander verwobenen Haustypen basiert.

    Schön ist, dass sich der Anspruch, der sich über das nördliche Fassadenbild einprägen soll, auch im räumlichen Anspruch an die einzelnen Wohnungen wieder findet.

    In den Wohnungen erzeugen ausgeprägte Dielenräume Großzügigkeit und Ausgewogenheit zwischen Abgrenzung und Verbindung der Räume. Dies wird vom Preisgericht ausdrücklich gewürdigt, auch wenn dieses Prinzip an wenigen Stellen zu gewissen Zwängen in den Zugangsbereichen führt. Die vier Treppenhäuser sind nicht auf eine minimale Größe hin optimiert, sondern folgen einem Anspruch an Großzügigkeit, der sich wie beschrieben in den Wohnungsgrundrissen fortsetzt.

    Diese Haltung bildet sich in den Gebäudekennzahlen ab. Hier zeigt sich eine nicht erhebliche, aber dennoch erkennbare Abweichung von den Zielwerten: die Wohnfläche ist um 125 qm zu gering ausgefallen, das Verhältnis vermietbarer Fläche zu BGF liegt unter dem Mittelwert. Ergänzt werden muss, dass die Abstandsflächen in einem Teilbereich im Norden nicht eingehalten werden kann und dass auch eine quasi ausschließliche Nordorientierung nicht optimal ist - wenn dies auch nur wenige Wohnungen betrifft.

    Die konsequent einfache Erschließung der Freiräume schafft klare Funktionszuordnungen und großzügige Perspektiven. Der Altbaumbestand wird angemessen ergänzt und bereichert. Einschränkend und deshalb überflüssig erscheinen die beiden Mauerscheiben im Wohnhof und die Büsche entlang der Nordfassade.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen wertvollen Beitrag dar, der auf das Selbstverständliche, das Vernünftige und Angemessene im städtischen Raum wie in den Wohnungen setzt und diesen Anspruch überzeugend vorträgt.