1. Allgemein
Der Umbau und die Erweiterung des Mehrzweckhochhauses –MZH- der Universität Bremen resultiert aus einem begrenzten Realisierungswettbewerb vom Januar 2005, den Renner Hainke Wirth Architekten für sich entscheiden konnte.
2. Städtebauliche Situation
Die Universität Bremen wurde 1971 gegründet und das MZH 1972 nach den Plänen von Henn Architekten gebaut. Die damals favorisierte und für den Zentralbereich umgesetz-te Architektursprache ist bis heute zu erkennen. Dem Zeitgeist folgend, wurde hier ein Erschließungssystem umgesetzt, das die einzelnen Gebäude auf dem Höhen-Niveau der Ebene 1 fußläufig erschließt und miteinander verbindet.
Im Erdgeschoss des Gebäudes waren die Technik und anderen Nebenräume unterge-bracht. Dieses war ferner für Anlieferungen und Wartungsarbeiten vorgesehen. Trotz der großzügigen Erschließung im 1. Obergeschoß über den Boulevard haben auch an der Universität Bremen kurzen Wege Priorität und über einen Zeitraum von 30 Jahren das Gebäude so über den Keller erschlossen.
3. Städtebau und Erschließung neue Situation
Der Boulevard, der das Gebäude über das Foyer in der Ebene 1 erschließt, wurde zurückgebaut. Heute wird das Gebäude über die Ebene 0 / Straßenniveau Bibliothekstraße (West) und die Enrique-Schmidt-Straße (Ost) sowie über den bestehenden Anschluss an das GW2 erschlossen.
Die Ebenen 0 und 1 wurden an der Westseite durch einen Anbau von ca. 52m (L) x 10m (B) x 10m (H) mit einer nach innen gefalteten Glasfassade erweitert, der sich an den Raumkanten des Boulevards orientiert. Es entstand ein eigenständiger Hochhaussockel mit einer markanten 2-geschossigen Eingangszone, die ausschließlich dem Publikumsverkehr zugeordnet ist.
4. Gebäude Mehrzweckhochhaus
4.1. Nutzungs- und Funktionsbeschreibung
Ziel der Baumaßnahme war die zentral zusammengefasste Anordnung publikumsinten-siver Bereiche in den beiden Sockelgeschossen des MZH. Sie beinhaltet die Konzentra-tion von Seminar-, Veranstaltungs- und Praktikumsräumen inklusive Kommunikationsflächen, die bisher, falls überhaupt vorgesehen, im 7. Obergeschoß des Gebäudes an-geordnet waren. Die Hauptnutzer sind Angehörige und Studierende des Fachbereiches 03 Mathematik/Informatik sowie das Zentrum für Netze (ZfN).
4.1.1. Ebene 0 (Erdgeschoss)
Über den Windfang betritt man von der Bibliothekstraße das zweigeschossige Foyer in dem sich frei zugängliche studentische Laptop-Arbeitsplätze befinden. Ein Torrahmen als neue Eingangsanlage integriert die Fluchttür des bestehenden seitlichen Sicherheits-treppenhauses und ist als verkleidete Stahlkonstruktion geplant.
Sowohl vom zweigeschossigen Foyerraum als auch vom zentralen Erschließungsgang gelangt man über eine großzügige Treppe in den zentralen Foyerbereich der Ebene 1.
Die Erschließungsachse in Ebene 0 wurde durch die Verlegung und Entfernung stören-der Leitungen und das Anheben der F90 Abhangdecke räumlich aufgeweitet und dadurch aufgewertet.
Der bestehende Technikschacht zwischen Achse 4 und 6 wurde um ca. 3,60 Meter nach Norden verschoben und ermöglicht, unter Weiterverwendung bestehender Wände, Platz für eine leicht schräg positionierte behindertengerechte Rampenanlage.
Eine neue Glaswand trennt die Seminarräume von der Erschließungsfläche und gestat-tet Tageslichteinfall sowie Durchblicke in den ehemals dunklen Flurbereich. Der neue zentrale Zugang zu den Seminar- und Büroräumen ist mit einem elektronischen Zu-gangskontrollsystem ausgestattet, das nur legitimierten Personen Zugang gewährt.
4.1.2. Ebene 1 (1. Obergeschoss)
Im Zuge der Erweiterung des MZH wurde die gesamte Westfassade rückgebaut.
Die im Nordteil neu geschaffenen Veranstaltungs- und Seminarrräume sind direkt an das aufgewertete Foyer angebunden.
Der südliche Bürotrakt wurde durch drei neue große Veranstaltungsräume ersetzt, die sich in die neuen Erweiterungsflächen erstrecken und auf dem erhöhten Fertigfußbo-denniveau weitergeführt werden.
In dem öffentlich zugänglichen Foyerraum befinden sich Laptop-Arbeitsplätze sowie Ausstellungs- und Kommunikationsflächen.
Die beiden Ebenen sind durch eine neue repräsentative Treppenanlage sowie eine große Aufzugsgruppe miteinander verbunden.
Zur Einhaltung der Fluchtwegeabstände wurde ein Fluchtkorridor als geschlossene Brückenkonstruktion durch den Technikschacht realisiert, der eine sichere Erreichbarkeit des Fluchttreppenhauses, auch für die neuen südlichen Veranstaltungsräume, gewährleistet.