Die Bildhaftmachung von Begrifflichkeiten wie „Spurensicherung“, „Fragmente jüdischen Lebens“, „Schichten“, „Aneignung“ und „Erinnerung“: Für Gestalter eine Herausforderung, gleichermassen die anhand der Fragmente erzählten Geschichten mit Mitteln der Architektur zu unterstützen als auch auf den Ort einzugehen, dessen zwischenzeitliche Banalisierung und Überformung durch andere Nutzungen sichtbar zu machen. Dem gerecht zu werden, wurden konzeptionell zwei Element entwickelt: die Spuren und...
Die Bildhaftmachung von Begrifflichkeiten wie „Spurensicherung“, „Fragmente jüdischen Lebens“, „Schichten“, „Aneignung“ und „Erinnerung“: Für Gestalter eine Herausforderung, gleichermassen die anhand der Fragmente erzählten Geschichten mit Mitteln der Architektur zu unterstützen als auch auf den Ort einzugehen, dessen zwischenzeitliche Banalisierung und Überformung durch andere Nutzungen sichtbar zu machen. Dem gerecht zu werden, wurden konzeptionell zwei Element entwickelt: die Spuren und die Schichten.Die Objektspuren der Ausstellung werden als durch eine deutliche Materialzäsur getrennte Streifen im Fussboden ausgebildet. Entsprechend dem Inhalt oder der Geschichte des Objekts verhält sich die Spur im Raum. Die unterschiedliche Qualität der verschiedenen Spuren wird durch unterschiedlich breite Streifen abgebildet. Jeder Streifen wird zu einem Ausschnitt aus einem Erzählstrang und reflektiert eine Geschichte oder beinhaltet ein Objekt, das eine Geschichte erzählt und wird so zum raumbildenden Element. Es entsteht eine Topografie des Innenraums, eine Topografie der Ausstellung. Die fragmentarischen, dinglichen Spuren der Erzählstränge werden durch ihre Anordnung im Raum in Verbindung zueinander gesetzt und bilden einen Parcours für den Besucher des Museums. Gestört werden diese Spuren durch ein Herausarbeiten der Schichten des Ortes, das, was die Archeologie des Ortes zutage fördert und als störender Layer über die Struktur der Objektspuren legt: Aufnahmen des ursprünglichen Synagogenraums, als Medienprojektion eingespielt. Die Banalisierung des Ortes, sichtbar gemacht durch den Schriftzug des Supermarktes, der sich auf dem Dachboden des Gebäudes fand, die Fliesen an der Wand, die das Nichtvorhandensein der Verkaufstheke, die zwischenzeitlich dort stand, spürbar werden lässt. Das Geräusch des Projektors und die noch vorhandenen Filme machen atmosphärisch wahrnehmbar, dass die ehemalige Synagoge nach dem Krieg als Kino der Unterhaltung diente. Und nicht zuletzt die Eingriffe in die Bausubstanz, die subtil darauf verweisen, wo früher ein Fenster war, der Eingang zum Supermarkt, der Platz des Kinovorführers.
Die kleineren separierten Ausstellungsbereiche im Obergeschoss folgen einem eigenen Gestaltprinzip. Unter dem Titel „My little former Heimatsort“ wird eine einfache Raum- und Ausstellungskonzeption entwickelt, die einen neutralen Hintergrund bildet für Fotos von Emigranten, Fotos, die von Haigerloch hinausweisen in die Welt. Die neu eingebaute Galerie, die mit zeitgemässen Mitteln die historische Empore der Synagoge nachempfindet, wird Träger einer Medieninstallation, die jüngst geführte Interviews mit Emigranten und deren Erinnerung an die alte Heimat zum Inhalt hat. Der ehemalige Kinovorführraum wird durch einen roten Vorhang vor den Wänden wieder zum Filmtheater. Zieht man den Vorhang ein Stück auf, gibt dies den Blick frei auf historische Aktenordner, in denen das jüdische Leben in Hohenzollern der Dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts katalogisiert wurde.