Concepteurs paysagistes/environnementaux
Texte explicatif
Die Rückkehr des Gartens
Historie
Friedrich von Thiersch (1852 – 1921) war der „Meister aller Architekturzeichner“. Seine Wettbewerbsarbeiten riefen ebenso wie seine kombinierten Grundriss-Schnitt-Perspektiven allgemeine Bewunderung hervor.
Thiersch wandte sich schon früh dem Neubarock zu und gelangte schließlich zu einer freien Verwendung historischer Vorbilder, wobei er zuvor dem höfischen Bereich vorbehaltene Materialien und Formen auch auf bürgerliche Großbauten übertrug.
Ein Beispiel für diese Entwurfmethode ist die Festhalle in Frankfurt am Main. Hier sah sich Thiersch vor der Aufgabe, gleichzeitig einen neuen Gebäudetyp zu definieren und eine angemessene Form zu suchen.
Vergleicht man den Grundriss und das Erschließungssystem der Festhalle in Frankfurt (1906-1921) mit einem Schlossgrundriss, z.B. Ancy–le–Franc, werden die Analogien zwischen der höfischen Architektur und dem Gebäudeprototyp Festhalle deutlich.
Am 25. März 1906 wurde von der Stadt Frankfurt am Main unter den deutschen Architekten und Eisenbauanstalten ein allgemeiner Wettbewerb für eine Ausstellungs- und Festhalle mit Nebenbauten ausgeschrieben. In der Auslobung hieß es: „Als Bauplatz für die zu entwerfenden Bauanlagen steht das Gelände am Hohenzollernplatz und der Bismarckallee zur Verfügung. Baulichkeiten sind auf dem Gelände so anzuordnen, dass sie von den erwähnten Straßen aus bequem zugänglich sind und dass sich an die Bauten nach Westen zu, zwischen der Bismarckallee und dem Güterbahnhof bis zur Varrentrappstraße ein Park anschließt, in dem gegebenen Falles weitere Gebäude für zeitweilige Ausstellungen errichtet werden können.“
Thiersch kannte zum Zeitpunkt des Wettbewerbs der Festhalle die Situation in Frankfurt genau.
Nach dem Studium in Stuttgart arbeitete Thiersch im Frankfurter Büro von Mylius und Bluntschli. Bluntschli war an der ETH Zürich als Nachfolger auf den Lehrstuhl von Gottfried Semper berufen worden, Thierschs großem Vorbild.
Thiersch arbeitete u.a. in Frankfurt an der Innenausstattung der Oper Richard Lucaes sowie des Gesellschaftshauses im Palmengarten.
Die Festhalle war funktional ein Prototyp. Ihr Erschließungssystem und ihre Gestaltung waren einem Schloss entlehnt.
Schaut man heute auf die Rückseite der Festhalle, schaut man auf die Gartenseite eines „Schlosses“. Die Menschen kommen von innerhalb der Festhalle nach außen und nur bedingt umgekehrt.
In seiner „ Studie zur Bebauung des Geländes der Ausstellungs- und Festhalle zu Frankfurt a. M.“ von 1920 nahm Thiersch eine Rahmung der Festhalle durch flankierende Bauteile vorweg.
Im Vorfeld der Festhalle hatte Thiersch eine Gartenfläche geplant.
Diese Leitidee wird von unserem Entwurf aufgenommen.
Städtebauliche Einordnung
Bei dem zu beplanenden Vorfeld der Festhalle handelt es sich um eine positiv zu wertende stadträumliche Öffnung. Der Ort als solcher ist aber eine unwirtliche, zugige Pflasterfläche
mit freiem Blick in den Hinterhof (Andienungsfläche) der Festhalle. Dieses Surreale wird durch die Fülle von Pollern, Zaun, Fahnen und anderen Ausstattungselementen verstärkt, denn die Wirkung dieser, in der Maßstäblichkeit des Ortes viel zu kleinen Elemente, ist störend und der Versuch mit ihnen einen Platz zu gestalten zeigt die räumliche Hilflosigkeit dieser „Zwerge“ im Dialog mit dem Messehochhaus.
Hinzu kommt die Wahrnehmung, dass die Gebäude Festhalle, Messeturm und CMF auf der Fläche bindungslos platziert wirken.
Aus einem Achsenplan haben wir einen dreieckigen Baukörper entwickelt, der auf die Festhalle und den Messeturm bezogene Sichtachsen und Raumkanten berücksichtigt. Er fasst den Garten, deckt die Andienungsbereiche vom direkten Blick ab und akzentuiert den Raum. Nur ein starkes Element oder ein starker Träger hält die räumlich Maßstäblichkeit.
Als Fassung der Festhalle und des Festhallenvorraums halten wir einen Baukörper für notwendig, der mit gleicher Höhe und ähnlicher Baumasse wie das CMF einen perfekten baulichen Rahmen für die Festhalle bildet.
Die Festhalle tritt nun in das Zentrum eines Gebäudeensembles, in dem der neue Baukörper also vorrangig als Fassung und nicht als Form fungiert.
Die unmittelbare Nachbarschaft des neuen Gebäudes zum Messeturm erfordert allerdings ein Gebäude mit einem eigenen Charakter. Dies muss durch eine skulpturale Baukörperausbildung erreicht werden, damit das Gebäude nicht wie ein „kleiner Messeturm“ wirkt.
Um die Funktion der Fassung zu übernehmen, wird Form nötig: ein Baukörper also als Fassung und Form.
Der Garten
Aufgrund der Interpretation der Festhalle als repräsentatives Gebäude, als Schloss, resultiert der Ansatz, die heutige Platzfläche in einen Garten zu transformieren. Der neue Garten erwirkt seine Existenz aus der Ableitung der Festhalle und steht somit im direkten Bezug zu diesem attraktiven Gebäude. Aber nicht allein dieser Bezug generiert seine Ausprägung, sondern insbesondere seine Koexistenz im Spannungsfeld zu den Solitären, dem Messeturm, dem Messeeingang, dem neuen Baukörper und auch dem CMF beeinflussen seine Verortung. Seine Positionierung und die Dimension des Gartens wird von verschiedensten Parametern bestimmt.
Besonders diesem additiven System, welches sich auf diesem gemeinsamen Platz verortet befindet, ist die Setzung des Gartens als Körper, als Skulptur geschuldet. Eine rein flächige Ausprägung des Gartenraums hätte der Expression der Gebäudekörper weder widerstanden noch hätte der Garten ohne den neuen Baukörper vorübergehend existieren können.
Aber auch eine dichte vertikale vegetative Überhöhung durch gesetzte Baumstrukturen wäre aufgrund der verlorenen Visibilität der Festhalle und ihrer Bezüge nicht kongruent gewesen. Gleichzeitig stilisiert, integriert und instrumentalisiert die Gartenskulptur die Thematik der Einfriedung sowohl des Messeareals vor der Festhalle als auch der Einfriedung des Gartens. Bei jeder flächigen Ausformulierung wäre die äußere Einfriedung, Zaun oder Mauer, ein zweites Element gewesen. Die formale Ausprägung der Gartenskulptur ist der des neuen Baukörpers angelehnt, bezieht ihre Grundform aber aus räumlichen Bezügen vorhandener Strukturen. Insbesondere die Begrenzung des Gartens nimmt auf drei Seiten direkten Bezug zu der Nordfassade der Festhalle. Die Ostseite des Gartens setzt die Fluchtlinie des Eckpunktes der Fassade fort, auch die Westseite nimmt Bezug auf ihren Eckpunkt, versetzt aber den Winkel, was der Überschreitung des CMF geschuldet ist. Diese Kanten stärken den Bezug zur Festhalle ohne die bauliche Überschreitung des CMF zu verstärken oder zu verdoppeln und vermeiden sogar in ihrer räumlichen Varianz die Gefahr der Monotonie und banalen Historisierung einer stringenten geradlinigen Gartenparterre–Interpretation.
Die Frontseite der Gartenskulptur vereint in ihrer Spitze die Mitte der Festhalle und die Ausrichtung der neuen Gebäude. Hierdurch vereint sie die beiden Richtungen des Gesamtensembles.
Für die Setzung des Gartens und für die Abgrenzung des Andienungsbereichs ist der neue Baukörper schon der finale Aspekt. Insbesondere für den Zeitraum der Abstinenz dieses neuen Baukörpers bietet die eigene Identität der Gartenskulptur genügend Präsenz um im Platzraum zu bestehen.
Der Garten ist von seinen vier Seiten begehbar, indem sich der Schalenkörper auf das Niveau des Platzes im Zugangsbereich herunter schwingt. Der Zugang seitens der Festhalle ist durch einen verschließbaren Rampenzugang inszeniert, somit übernimmt diese Gartenseite die Funktion des Zaunes zur Messe. Die Gartenschale ist aber auch temporär an allen Seiten einzufrieden. Das Bild des multigenutzten Sqaregartens wie in London, dient weiter als Vorlage wird aber nicht überstrapaziert.
Die Materialität des Gartenkörpers ist hochwertiger Beton mit Natursteinzuschlägen, diese Materialität verleiht ihm Eleganz und Gewicht.
Das Innere des Gartens erhält eine Grundstruktur, die stark angelehnt ist an die Orthogonalität klassischer Gartenparterre. Diese Grundstruktur wird aber partiell fragmentiert und ergänzend auch durch Wölbung der Gartenschale leicht verfremdet. Diese Struktur intendiert die Assoziation an den Schlossgarten, schafft jedoch eine eigene Identität für den heutigen Ort.
Die Bepflanzung unterliegt dem Bild des Gartens mit kleinen Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Stauden, aber auch eine wechselnde pflanzliche Inszenierung durch Zwiebelgewächse und Sommerpflanzen, vielleicht sogar je nach Veranstaltung thematisch weselnd ist durchaus denkbar.
Dennoch wird eine flächige Homogenität des vegetativen Inlays angestrebt. Ergänzt wird der Garten durch Aufenthaltsbereiche mit Sitzmöbeln, welche je nach Nutzung durch eine freie Bestuhlung komplementiert werden. Ziel dieses Gartens ist eine wertschätzende Setzung für die Festhalle zu verorten, die für diesen Ort überraschende Impressionen für den Besucher bereithält und bei aller Dynamik dieser Stätte eine gewisse Intimität und Atmosphäre erzeugt:
Der zurückkehrende Garten als würdiges Präsent für ein hundertjähriges Bestehen eines für Frankfurt emotionalen Gebäudes.
Die Platzfläche
Durch die zwei neuen Elemente in der Addition der Solitäre erhalten die neuen Platzräume ihre menschliche Dimension zurück, ohne ihre Funktionalität zu negieren. Der Platzraum wird als Basis der Solitäre gesehen. Die Dualität der Richtungen in diesem Stadtraum wird im Format der beige, sandfarbenen Natursteinplatten aufgenommen und zu einer richtungslosen Teppichstruktur fast schon ornamental umgelenkt. Alle Gebäude sind respektiert, keines wird durch die Richtungsaufnahme übervorteilt, die Plattengröße ist allen Gebäuden angemessen, dennoch findet jedes Gebäude seine Ausrichtung im Plattenverband fortgesetzt.
Der Platz ist reduziert auf seine originäre Funktion der Fläche.
Alle Funktionen des Platzes von Aufenthaltsbereichen, Gastronomie, Einfriedung, Abschirmung bis Informationsträger übernehmen die beiden neuen Solitäre: der Garten und das Gebäude.
Der Zaun
Der Zaun zur Abgrenzung der erforderlichen Andienungsfläche der Messe ist im direkten Vorfeldbereich der Festhalle reduziert auf drei Tore, da die Gartenschale diese Funktion integriert.
Für diese Tore und die Zaunabschnitte zwischen dem Messeturm und seinen angrenzenden Gebäuden ist ein Zaunelement aus vertikalem Flachstahl ohne horizontale Stäbung und ohne Pfosten vorgesehen. Diese Konstruktion erzielt je nach Standpunkt eine Durchlässigkeit der Blicke. In diesen Zaunabschnitten wird die Einfriedung begleitet von punktuellen hohen Gräserpflanzungen, welche den Zaun, insbesondere aber die dahinter liegenden Lagerflächen filtern. Diese Höhe wurde bewusst gewählt da Bäume zwar im Kontext der Gebäude der bessere Maßstab wären, diese aber die Festhalle verstecken und durch ihren Kronenansatz im unteren Bereich trotzdem den Zaun und die Aktivitäten auf der Rüstfläche der Festhalle einsehbar lassen.
Ausstattung und Beleuchtung
Die Möblierung des Wettbewerbgebietes konzentriert sich auf die Verortung von Bänken innerhalb des Gartens. Geradlinige Bänke, in der orthogonalen Struktur des Parterrerasters gesetzt, bieten an Aufweitungen innerhalb des Gartens Verweil- und Ruhebereiche. Die Sitzbank besteht aus einem schwebenden Betonkubus mit eingelegter Holzstappelung, welcher je nach Situation in seiner Länge variiert. Das Prinzip der Abfalleimer entlehnt sich aus der Thematik der Bank. Fahrradständer und Poller sind der Konstruktion des Zaunes abgeleitet und bestehen aus Flachstahlelementen.
Das Beleuchtungsprinzip des Entwurfes basiert auf dem Ansatz die Solitäre, wie auch die Gartenskulptur durch Licht nachts zu inszenieren und die Restflächen funktional auszuleuchten. Bei der Beleuchtung des neuen Gebäudes und insbesondere bei der Gartenskulptur wird die Wirkung der angestrahlten Festhalle respektiert. Durch eine reduzierte Beleuchtung der Kanten des Gartens von unten bleibt die Festhalle der Hauptakteur. Die Eleganz des Gartens wird betont, sowie die Zugehörigkeit von „Schloss und Garten“.
Für die Ausleuchtung der anderen Platzräume wird eine 15m hohe Lichtstele gewählt, die aufgrund der Anordnung von mehreren 360° schwenkbaren Leuchtenmodule in ihrer Anzahl reduziert sowohl die Wegmarkierung, Straßenbeleuchtung und Objektakzentuierung integriert.
Verkehr / Erschließung
Zur Verlegung der vorhandenen Tiefgaragenzufahrt ist es notwendig, den Wendekreis der Straßenbahn durch ein Ausziehgleis in der Friedrich-Ebert-Anlage zu ersetzen.
Die Rampe der Zufahrt zur bestehenden Tiefgarage (Halle 1) wird in das Gebäude verlegt,
die im Bestand nach oben offene Zufahrt wird geschlossen.
Die Ausfahrt aus der Gebäudetiefgarage erfolgt über die Ausfahrt der Tiefgarage der Halle 1. Beide Garagen könnten somit funktional auch als eine einzige Garage bezeichnet werden.
In der 3-geschossigen Tiefgarage des Neubaus sind ca. 200 Stellplätze untergebracht.
Der Taxenstand vor dem CMF erhält ein dem CMF vorgelagertes durchgehendes Dach mit Teilverglasungen. Durch die Anordnung eines durchgehenden Daches ist es möglich, den Wendepunkt der Taxen zwischen den Eingängen Maritim und CMF zu positionieren.
Nutzungen
Der Baukörper bietet die Möglichkeit, ergänzende Nutzungen für die Festhalle unterzubringen,
z.B. Restaurationen wie ein Fan-Café, ein Familienrestaurant, eine Sky-Lounge oder einen Business-Club.
Des Weiteren können V.I.P Services und V.I.P Logen im Gebäude untergebracht werden, eine direkte Verbindung über einen Steg zum 1.Rang der Festhalle ist grundsätzlich denkbar.
Weitere Nutzungen wie Office Center und Conference Center sowie die Nutzung als Büro- und Verwaltungsgebäude werden vorgeschlagen.
Konstruktiv sind durch die vorgesehene Primärkonstruktion aus Beton als Tube (Betonkern) in Trussed Tube (Betonnetzstruktur) mit weitspannenden Kugelrastergeschossdecken (Bubble - Decke) und der damit verbundenen großen Spannweiten möglichen Nutzungen wenig Grenzen gesetzt.
Im Erdgeschoss befinden sich, je nach Nutzungstypen getrennt, verschiedene Ein- und Ausgänge.
Es ist ein getrennter Zugang für die Bürogeschosse vorgesehen, ein gesonderter Eingang
führt zum Information Desk, der den Zugang zu den Obergeschossen regelt.
Über eine Passage im Gebäude gibt es einen direkten und öffentlichen Durchgang vom Messeturm zum Festhallengarten. In der Passage besteht eine Zugangsmöglichkeit in den Messebereich, um die Zuschaltung des Gebäudes in Veranstaltungszeiten zur Festhalle zu ermöglichen.
Unmittelbar an der Passage befindet sich auch das Fan-Café mit Außengastronomie am Festhallengarten.
Die doppelschalige Glasfassade (Achsraster 1,35m) wird teilweise als Medienfassade ausgebildet, um als Informationsmedium für Festhallenveranstaltungen zu wirken und die bestehende Informationssteele zu ersetzen.
Appréciation par le jury
N'existe pas.