loading
  • CH Zürich
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-193733)

Ersatzneubau Wohnsiedlung Kanzleistrasse


  • Teilnahme

    Visualisierung Aussenansicht, © Nightnurse

    Architekten
    Ernst Niklaus Fausch Partner AG, Zürich (CH) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: mavo Landschaften, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Konzeption
    Ein durchgehende Bebauung folgt den Baulinien, gegliedert durch klassische Erkersituationen, welche auch den Wohnungen eine zusätzliche Ausrichtung verschaffen. Entlang der Seebahn- der Kanzlei- und der Karl-Bürkli-Strasse ist die Bebauung 7-geschossig, entlang der Erismannstrasse 5-geschossig. Dies als Reaktion auf die umliegenden Höhen- und Aussenraumverhältnisse.
    Die Kreuzungen Erismann-Kanzleistrasse und Seebahn-Karl-Bürklistrasse werden mit einer „negativen“ Eckausbildung auf die differenzierte städtebauliche Situation von „Platzraum“ an der Erismannstrasse und gestaffelter Bebauung des Locherguts reagiert, während die beiden anderen Ecken „voll“ ausgebildet werden.

    Wohnungen
    Aus der städtebaulichen Disposition ergeben sich vielfältige Wohnungen. So sind alle Wohnungen mehrseitig orientiert – sowohl über die Erker als auch durch das Durchwohnen vom Strassen- in den Hofraum. Räumlich werden die Wohnungen gebildet durch Zimmerblöcke zur Strasse und zum Hof, welche durchgehende Räume von Hof zur Strasse freispielen.

    Fassaden
    Die Fassaden thematisieren die beiden Seiten des Gebäudes: die Strasse und den weiten Aussenraum des Hofes. Es entsteht eine eindeutig städtische Fassade, welche die klassische vertikale Ordnung zeitgemäss interpretiert. Die Hoffassade wird geprägt und gebildet durch eine umlaufende Laubenschicht aus vorfabrizierten sandgestrahlten Betonelementen. Die Brüstungen aus perforierten Elementen sorgen für genügend Privatheit und trotzdem für Transparenz. Durch das individuelle Bespielen dieser Schicht durch die BewohnerInnen erhält der Hof eine gemeinsame Identität.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Blockrandbebauung erfüllt die Ziele der Quartiererhaltungszone, indem sie den gesetzten Baulinien folgt. Als eine kontextuelle Reaktion auf die Höhenentwicklung der Umgebung weist die Bebauung entlang der Seebahn-, Kanzlei- und Karl-Bürkli-Strasse sieben Geschosse, an der Erismanstrasse fünf Geschosse auf. Einspringende Hausecken markieren zwei der vier Kreuzungen, nämlich Erismann-/Kanzleistrasse und Seebahn-/ Karl-Bürkli-Strasse. Die Ecke Karl-Bürkli-/Erismannstrasse wird siebengeschossig betont. Durch seine Höhenentwicklung sowie die Vor- und Rücksprünge reagiert das Projekt auf die umliegenden Stadträume. Reihungen von Erkern prägen alle vier Stadtfassaden. Vier relativ enge Passagen erschliessen den Wohnhof, wodurch die ortstypische Durchquerung der drei Wohnhöfe typologisch aufgenommen wird.

    Der Strassenraum ist differenziert ausgestaltet und verspricht eine gute Eingliederung in das Quartierbild. Die vorgeschlagene Blutbuchengruppe an der Ecke Seebahn-/Karl-Bürkli-Strasse wird betreffend Artenwahl wie auch stadträumlich und atmosphärisch in Frage gestellt. Grundsätzlich könnte das Thema der Strassenbäume konsequenter in Erscheinung treten und sich stärker am Leitbild der Stadt Zürich orientieren.

    Der Hof ist als modular aufgebautes System gestaltet. Der vorgeschlagene Platzbelag gibt dem Hof einen stark urbanen Ausdruck. Die Veränderung der Hofatmosphäre erscheint nicht schlüssig und die weitläufige Verwendung der Platten überzeugt nicht. Die Strukturierung des Hofs durch Heckenkörper wirkt zu kleinteilig. Auch die mittig angeordnete Rasenfläche lässt die gewünschte Grosszügigkeit vermissen.

    Eine kontextuelle und feine Dreigliederung prägt die Strassenfassaden. Der Sockel ist mit Modulen aus Faserzement verkleidet, die Putzflächen der Obergeschosse bestehen aus aneinander gereihten Fensterlisenen, in denen entweder hochformatige Zweiflügelfenster oder dreiteilige französische Fenster übereinander gefasst werden. Leicht polygonalisierte Erker unterteilen diesen Rhythmus. Umlaufende Lauben charakterisieren das Blockinnere. Die starke Horizontalität bildet zur Stadtarchitektur des Projekts einen recht grossen Stilkontrast.

    Die Nutzungen im Erdgeschoss sind sinnvoll platziert und mit einem angemessenen Aussenraum verbunden. Mit Ausnahme der Fassade an der Seebahnstrasse verfügen alle Fassaden über gut markierte Adressen und schöne Eingangshallen. Eine gute Qualität der Wohnungen ist vorhanden, doch wird sie nicht bei allen Typen durchgehalten. Die Wohnbereiche sind durchgehend entwickelt. Die Schlafbereiche trennt man sinnvoll vom Wohnbereich und verbindet sie mit dem Eingang.

    Dem hohen Komfort dienen die natürlich belichteten und belüfteten Bäder. Die kräftige Laube läuft vor allen Räumen der Hoffassade durch, ohne überall den selben hohen Raumkomfort zu erzielen. Im Schnitt sind fast alle Wohnungen leicht zu gross entworfen.
    Teilweise misst man bei den Schlafzimmern eine Zimmerbreite unter drei Metern und einige Zimmer weisen eine zu kleine Fläche auf. Die Lärmschutzbestimmungen werden – mit Ausnahme der Eckwohnungen an der Seebahnstrasse – eingehalten.

    Die Erstellungskosten erreichen die Vorgaben nicht, doch könnte dies durch einige Vereinfachungen des Konzepts und der Details gelingen. Die ökologische Nachhaltigkeit und der Brandschutz sind gut gelöst, das Tragwerk und die Gebäudetechnik bedürften einiger Verbesserungen. Das Projekt weist einige gute Ansätze auf, vor allem hinsichtlich der Einordnung ins Quartierbild. Diese wiegen jedoch die erwähnten Mängel nicht ganz auf.