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  • DE-73765 Neuhausen auf den Fildern
  • 02/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-181724)

Wohnen in den Akademiegärten


  • 1. Preis Städtebau

    Perspektive

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    Im Süden von Neuhausen besteht durch die Verlagerung der Sparkassenakademie die stadträumliche Situation in den Akademiegärten den Siedlungsraum der Gemeinde bis an die angrenzenden Waldgebiete heranzuführen und den Ortsrand hierdurch städtebaulich zu arrondieren.
    Zwischen bestehendem Schulzentrum und Waldrand entsteht von der Kirchstraße erschlossen ein in Quartiersstrukturen differenziertes Wohngebiet. Lage und Ausrichtung der jeweiligen Wohnquartiere können gezielt auf die jeweiligen räumlichen Rahmenbedingungen reagieren.
    Zur Landesstraße im Osten entsteht eine klare stadträumlich definierte Raumkante. Adresse, Entree des neuen Wohngebietes bildet eine Platzsituation, die in das Areal einleitet. Die zueinander versetzten Wohnquartiere bilden in den entstehenden Gelenksituationen öffentliche Platzräume, die dem neuen Gebiet identitätsstiftende Orte, Aufenthaltsbereiche ermöglichen.
    Die innere Erschließung zwischen den Wohnquartieren ist immer nach Westen mit Durchblicken, Orientierungen zu dem, das Quartier prägenden Waldrand ausgerichtet. Wegeverbindungen in die angrenzenden Landschaftsräume und benachbarten Siedlungsgebiete werden integriert und weiterentwickelt.
    Im notwendigen Abstand zur bestehenden Waldkante entstehen Spielflächen, Aufenthaltsplätze, Sitzmöglichkeiten und ein durchgängiges Rad- und Fußwegenetz. Diese sensible Landschaftssituation wird bewusst von Erschließungsstraßen freigehalten und steht somit jedem neuen Bewohner als qualitativ hochwertiger Freibereich zur Verfügung.
    Innerhalb der einzelnen Wohnquartiere werden die angedachten Wohntypologien in nachbarschaftlicher Koexistenz entwickelt. Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Doppelhäuser und Geschosswohnungsbau umschließen private grüne Innenbereiche die durch klare Zonierungen von öffentlichem und privaten Raum hohe Wohnumfeldqualitäten aufzeigen.

    In die durchmischten Wohnsituationen werden die Wohngruppen für Menschen mit Behinderung, die Wohngruppen für Flüchtlinge und am Quartiersplatz der Quartiersraum eingebunden und planerisch integriert.
    Eine baukörperliche Akzentuierung entsteht in der grünen Gelenksituation zum Landschaftsraum. In diesem Verzahnungsbereich von Siedlungsraum und Landschaft entstehen 6 punktartige Solitäre die im Süden der Akademiegärten ihren Auftakt finden.
    Der ruhende Verkehr ist für den Geschosswohnungsbau in direkt angebundenen Tiefgaragen geplant, den Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern sind die Stellplätze als hausintegrierte Garagen, Carports und offene Stellplätze den jeweiligen Grundstücken, Parzellen zugeordnet.

    Die gewünschten flexiblen Wohngrundrisse, Gebäudetypologien und das flexible Wohnungsgemenge von der 2- bis zur 4-Zimmerwohnung und Wohngruppen, separaten Hauseinheiten schafft die geplante soziale Durchmischung des neuen Wohngebietes.
    Eine Entwicklung für Neuhausen die den städtebaulichen Rahmen für zukünftige Anforderungen nachbarschaftlicher Wohnformen aufzeigt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Jury bewertet die Arbeit als durchweg stimmigen und hochwertigen Beitrag für die Planung eines zeitgemäßen, kompakten und sozial gemischten Wohnquartiers. Das Quartier gliedert sich in sieben Wohnhöfe, in denen sich jeweils – gebäudetypologisch gemischt – Einfamilien-, Doppel-, Reihenhäuser und Geschosswohnungsbauten um private Innenbereiche gruppieren.
    Die unterschiedlich proportionierten Wohnhöfe lassen differenzierte Freiräume entstehen. Mit der Abfolge von Plätzen und Wohnstraßen sowie den an den Endpunkten geschickt platzierten, eingerückten Punkthäusern wird der Übergang zum Landschaftsraum Wald gekonnt ausgebildet. Insgesamt schließt das Gebiet mit seiner Körnung und Höhenentwicklung auch sehr gut an die nördlich bzw. nordwestlich angrenzende Bebauung an.
    Das neue Wohnquartier ist in allen Teilbereichen durchgrünt. Die fußläufige Erschließung ist durchgängig gewährleistet. Die Wendemöglichkeiten am Ende der Wohnstraßen erscheinen als zu gering dimensioniert. Die Stellplätze am Eingangsplatz des Quartiers wären zu überdenken.
    Der soziale Anspruch des Entwurfs wird durch eine gelungene Zuordnung des Gemeinschaftsraums und der Wohnung für Menschen mit Behinderung am Quartiersplatz unterstrichen. Fraglich erscheint der Jury die Unterbringung des Flüchtlingswohnens im Nordosteck des Plangebietes – symbolisch könnte dies als Marginalisierung missverstanden werden, praktisch könnte es durch die räumliche Nähe zu den angrenzenden Spiel- und Freizeitflächen Möglichkeiten bieten.
    Was die Wirtschaftlichkeit betrifft so sind die vorgegebenen Rahmendaten nicht zuletzt durch eine sparsame Erschließung durchweg gut eingehalten.
    Die Arbeit stellt räumlich und städtebaulich in vielfältiger Weise einen herausragenden Beitrag für die geplante Neuentwicklung im Süden Neuhausens dar.