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  • DE-73765 Neuhausen auf den Fildern
  • 02/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-181724)

Wohnen in den Akademiegärten


  • 3. Preis Wohnungsbau


    Architekten
    Freie Planungsgruppe 7, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ulrike Beckmann-Morgenstern , Peter Pechloff , Petra Zeese

    Mitarbeit
    Mathias Dietsche, Volker Kleppel, Alexandra Ulrich, Galyna Beseda

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Landschaftsarchitekt Wolfgang Blank, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    13.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau:
    Entlang einer parallel zum Waldrand führenden Erschließungsachse entwickelt sich östlich der Achse In Anlehnung an die bestehende angrenzende Bebauung in Neuhausen eine südorientierte Bebauungsstruktur. Zur Landstraße hin schirmt eine 3-4-geschossige Bebauung das Quartier von der Lärmimission ab. Verstärkt wird dieser Effekt durch eingeschossige Verbindungsbauten zwischen den einzelnen Gebäuden. Es entsteht so eine klare Randeinfassung in Richtung Osten. Nach Westen hin dreht die Bebauung und verzahnt sich mit dem Waldrand. So öffnet sich das Quartier bewusst in Richtung Wald. Im Zufahrtsbereich des Quartiers bildet sich durch diese Verdrehung eine markante Eingangssituation, betont zusätzlich durch das Torhaus mit seinem 4- geschossigen Akzent als Auftakt der Erschließungsachse.
    Entlang der Erschließungsstraße entstehen durch die Baukörperdisposition und die Führung der Straßen und Wege dreieckige Plätze, die die Straße rhythmisieren und gliedern. Die Plätze können als Quartiersplatz oder Spiel- und Aufenthaltsflächen genutzt werden. Unterstützt wird die Gliederung durch gleichmäßige Baumpflanzungen.
    Die Bebauung ist in klare Teilquartiere unterteilt, die verschiedenen Gebäudetypen sind durchmischt und bilden somit lebendige Haus- und Wohngruppen ohne soziale Entmischung.
    Die Gebäude sind mit 3-geschossigen Bauten zuzüglich Dachgeschoss im Bereich des Geschosswohnungsbaus konzipiert, und mit einer 2-geschossigen Bebauung zuzüglich Dachgeschoss im Bereich der Einfamilienhäuser. Vorgeschlagen werden Flachdächer, um die Gebäudehögen zu minimieren und damit Belichtung und Besonnung der Gebäude zu optimieren.

    Erschließung:
    Das Quartier wird von der heutigen Zufahrt der Sparkassenakademie her erschlossen. Eine parallel zum Waldrand geführte Erschließungsachse mündet im Übergangsbereich zur Bestandsbebauung. Von der Achse aus werden die einzelnen Teilquartiere mit einer Ringerschließung / Stichstraßen angebunden. Alle Straßen sind als Shared space Flächen angelegt. Eine Fahrerschließung in das bestehende Wohnquartier ist nicht vorgesehen, ist aber möglich.
    Radwegenetz / Fußwegenetz: Die innere Quartierserschließung schließt über die Durchgänge / Durchfahrten im Bereich der eingeschossigen Verbindungsbauten an den bestehenden überörtlichen Radweg an. Darüber hinaus gibt es Verbindungen im nördlichen Bereich in Richtung Schule / Festhalle / Jugendzentrum, Bestandsbebauung. Über die waldseitigen Stichstraßen wird ein Anschluss an einen neuen waldbegleitenden Fuß- und Radweg ermöglicht. Vom Zugangsbereich des Quartiers aus bestehen Fuß- und Radwegebeziehungen sowohl in Richtung Wald über den Durchgang neben dem Café-Gebäude (Haus2) als auch zum Quartiersinneren über den Durchgang zwischen den Gewerbeeinheiten (Haus1). Der Zugangsbereich wird damit zum zentralen Verteiler und bietet sich darüber hinaus als Aufenthaltsbereich für Spaziergänger und Erholungssuchende im angrenzenden Waldgebiet an.
    Ruhender Verkehr: Über das Quartier verteilt werden ca. xxx öffentliche Stellplätze angeboten. Die Parkierung der Einfamilienhäuser / Doppelhäuser / Kettenhäuser / Reihenhäuser ist direkt den Gebäuden zugeordnet. Die Geschossbauten weisen die notwendigen Stellplätze über die gebäudeübergreifenden Tiefgaragen nach.
    ÖPNV: Die Haltestelle ist dem Zugangsbereich ins Wohnviertel zugeordnet und Bestandteil des Eingangsplatzes.

    Nutzung:
    Im Randbereich zur Landstraße hin werden Geschossbauten als 2-Spänner vorgeschlagen mit westorientierten Wohnungen. Die eingeschossigen Verbindungsbauten nehmen die notwendigen Funktionsflächen wie Fahrradabstellflächen und Müllräume auf und lassen darüber hinaus genug Raum für Durchgang und Durchlässe in Richtung Fuß- und Radweg entlang der Landstraße.
    Die weiteren Geschossbauten sind als Akzent bewusst im neuen Wohnviertel verteilt, als Akzent und Rücken im Bereich von Quartiersplatz / Spielplatz, bzw. als Abschluss der waldbegleitenden Bebauung. Hier werden 3- Spänner vorgeschlagen. Reihen- und Doppelhäuser, alternativ auch Kettenhäuser, verteilen sich unter Berücksichtigung der gewünschten sozialen Durchmischung auf das Gesamtquartier. Dabei werden die Reihen- / Kettenhäuser von Norden her erschlossen, die freistehenden Einfamilienhäuser von Süden her.
    Das Stiftungsgebäude für die Flüchtlingshilfe wird bewusst zentral im Bereich der Erschließungsachse vorgeschlagen. Alternativ ist auch ein Standort im Übergangsbereich zur Bestandsbebauung denkbar.
    Der Gemeinschaftsraum ist zentral am Quartiersplatz vorgesehen. Im Zugangsbereich werden Infrastruktureinrichtungen vorgeschlagen, die den Bewohnern des neuen Wohnviertels aber auch insgesamt der Bevölkerung von Neuhausen und den Waldbesuchern dienen. So ist denkbar, ein Café in dieser markanten Lage anzubieten und kleinere Gewerbeeinheiten für Laden- oder Büronutzung. Sinnvoll erscheint auch das Angebot eines Kinderladens, der hier exemplarisch als 2-gruppige Einrichtung vorgeschlagen wird.
    Eine Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen wird zentral im Bereich der Erschließungsachse vorgeschlagen.
    Müll- und Fahrradräume werden, wo möglich, ebenerdig, gesammelt, nachgewiesen, ansonsten in die Tiefgaragenebenen integriert.
    Städtische Grundstücke und Grundstücke für die Bebauung durch das Siedlungswerk sind im gleichen Maße wie die Gebäudetypen durchmischt. So werden für das Siedlungswerk Geschosswohnungsbauten im Bereich der östlichen Randbebauung vorgeschlagen, aber auch entlang der Erschließungsachse und im Nahbereich zum Wald. Die städtischen Grundstücke für Mehrfamilienhäuser sind im nördlichen Grundstücksbereich als optimal südorientierte Bebauung vorgesehen, Auch im Bereich der Einfamilienhäuser werden Grundstücke für die Bebauung durch das Siedlungswerk im Quartiersinneren, aber auch in Waldnähe vorgeschlagen. Das gleich gilt für die städtischen Grundstücke.

    Grünkonzept:
    Grünflächen werden bewusst dezentral angeboten, um auch kleineren Hausgruppen kleine Plätze für nachbarschaftliches Treffen zu bieten. Spielplätze werden entlang der Erschließungsachsen und in Richtung Wald angeboten. Baumpflanzungen akzentuieren die Erschließungsachsen und gliedern sie. Um einen eher dörfliche Charakter zu unterstreichen werden diese auch bewusst verteilt und sind unterschiedlich große Bäume, unterschiedliche Baumarten (Obstbäume / Laubbäume) gedacht. Bestandsbäume sollten, wo immer möglich, gehalten werden. Die Quartiersplätze werden mit Baumpflanzungen gerahmt / betont, Pflanzquartiere, z. B. mit hochwachsenden blühenden Wildgräsern sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die geforderte Anzahl der Nutzungseinheiten ist weitestgehend eingehalten. Die Vorgaben bezüglich der Wohnfläche, Grundstücksanteile sowie hinsichtlich der Wohnflächen für die Sonderprogramme Flüchtlinge, Gemeinschaftsraum und Wohngruppe sind gut erfüllt. Nicht gefordert war jedoch die im Auftaktgebäude geplante KiTa. Hier wäre eine alternative Nutzung wünschenswert. Für alle Gebäudetypen sind die entsprechenden Grundrisse und Ansichten nachgewiesen.
    Bei der Bebauung entlang der Kirchstraße wurde auf die Lärmsituation gut reagiert. Alle wesentlichen Aufenthaltsräume orientieren sich hin zum ruhigen Innenbereich. Durch die eingeschossigen Zwischenbauten wird der Lärmeintrag ins Gesamtgebiet nochmals zusätzlich reduziert. Positiv zu werten ist die in diesen Räumen geplante Unterbringung von Fahrrädern und Müll.
    Die Grundrisstypen aller Geschossbauten erfüllen die geforderten Vorgaben, wie z.B. an der Außenwand liegende Küchen. Auch haben die Entwurfsverfasser versucht, möglichst viele Tageslichtbäder einzuplanen. Eine gute Möblierbarkeit der einzelnen Zimmer ist durchweg gegeben.
    Die gewählten Baukörperlängen ermöglichen ein variables Wohnungsgemenge mit einer minimierten Anzahl an Erschließungselementen. Die Freibereiche der Wohnungen werden überwiegend als großzügige Loggien ausgebildet, die eine ungestörte Nutzung ermöglichen.
    Die Architektursprache ist unspektakulär. Durch die Gliederung in einen verklinkerten Sockelbereich, einen durchweg dreigeschossigen, verputzten Hauptbaukörper und ein zurück- und farblich abgesetztes Dachgeschoss gelingt ein maßstäblicher architektonischer Auftritt. Die Auftaktgebäude am Quartiersplatz bringen eine entsprechende Wertigkeit zum Ausdruck.
    Die Gesamtkonzeption stellt eine gute Basis dar für die weitere Entwicklung der Planung in Richtung Realisierung.