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  • DE-73765 Neuhausen auf den Fildern
  • 02/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-181724)

Wohnen in den Akademiegärten


  • ein 4. Preis Städtebau

    Blick über den Quartiersplatz, © Sacker Architekten

    Architekten
    Sacker Architekten GmbH, Freiburg im Breisgau (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Detlef Sacker

    Mitarbeit
    Christopher Höfler, Maximilian Matscheko, Angela Stock

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Pit Müller Landschaftsarchitekt, Freiburg im Breisgau (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Der städtebauliche Entwurf für das neue Wohnquartier folgt den Leitgedanken der Vernetzung mit dem bestehenden Umfeld und der sozialen Durchmischung innerhalb des Quartiers.
    Das Baugebiet gliedert sich in Einzelquartiere in denen jeweils alle unterschiedlichen Bautypologien vorhanden sind. Punktförmige Baukörper an städtebaulich bedeutsamer Stelle und Zeilenbauten bilden die verwendeten Typologien und ermöglichen eine maximale Flexibilität in der Umsetzung des städtebaulichen Entwurfs.
    Durch die Streuung der unterschiedlichen Bautypologien reagiert der Städtebau flexibel auf die unterschiedlichen Randbedingungen und fördert die soziale Durchmischung des Quartiers. Von der Landesstraße im Osten nimmt die städtebauliche Dichte nach Westen hin ab und bildet einen harmonischen Übergang zum angrenzenden Wohnquartier mit seiner kleinteiligen Bebauung.
    Die Anordnung der Gebäude in Einzelquartiere ermöglicht eine klare Zuordnung der Flächen. Das öffentliche Leben konzentriert sich im Bereich der Erschließung und des Quartiersplatzes, die Wohnhöfe bilden halböffentliche Bereiche, die privaten Flächen werden auf der Gartenseite zusammengefasst.
    Die räumliche Abfolge von eingegrünten Wohnhöfen, die sich um einen zentralen Grünzug gruppieren, schafft einen selbstverständlichen und unprätentiösen Übergang zwischen dem bestehenden Ort und dem Waldrand im Süden. Prägnantes Element dieses Übergangs ist der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Grünzug, der die öffentlichen Freizeitaktivitäten des neuen Quartiers bündelt und mit denen des Ortes verbindet. An zentraler Stelle befindet sich ein Quartiersplatz. Durch die Weiterführung der städtebaulichen Grundstruktur in Maßstäblich¬keit und Dichte erhält die bauliche Südentwicklung Neuhausens a. d. F. einen stimmigen Abschluss in einer zeitgemäßen Architektursprache, die trotz der baulichen Dichte dem Wohnquartier im Übergang zur Landschaft einen parkartigen Charakter verleiht.

    Grünzug und Erschließung
    Ein Grünzug bildet die attraktive Fuß- und Radwegeverbindung des Ortskerns mit dem Waldrand im Süden. Am Kreuzungspunkt zwischen Grünzug und Erschließungsstraße befindet sich die Quartiersmitte. Diese bildet das räumliche Zentrum der neuen Siedlung, um den sich die wesentlichen öffentlichen Infrastruktureinrichtungen, wie Quartierstreff, Café und Bäckerei, Sitzplatz unter Bäumen oder in direkter Nachbarschaft der Spielplatz im Grünzug, konzentrieren. So entsteht ein Treffpunkt für die Bewohner, der dem neuen Quartier Identität und Authentizität verleiht.
    Die Fahrerschließung des Quartiers erfolgt über die bereits bestehende Zufahrt an der L 1202 über eine in Ost-West-Richtung verlaufende, barrierefreie Mischverkehrsfläche, an die die Wohnhöfe andocken, mit einer Haltestelle für den Ortsbus im Bereich des Quartiers¬platzes, wo auch eine Wendemöglichkeit besteht. Die Fahrerschließung ist als „shared space“ konzipiert, mit fließenden Übergängen zwischen Fahrbahn und Fußgängerbereichen, nur die notwendigen öffentlichen KFZ-Stellplätze sind entsprechend gekennzeichnet. Durch den sich kreuzenden Verlauf von Grünzug und Quartierserschließung ist das gesamte Quartier mit dem örtlichen und überörtlichen Radwegenetz verbunden. Die Müllentsorgung ist durch eine im Bedarfsfall herzustellende Durchgängigkeit (versenkbare Poller) in den Alfred-Delp-Weg gewährleistet, so dass die Haupterschließungsachse für Müllfahrzeuge ohne gefährliche Wendemanöver befahrbar ist.


    Wohnen in den Akademiegärten
    Das Nebeneinander von unterschiedlichen Wohnformen innerhalb der einzelnen Wohnhöfe ermöglicht ein vielfältiges nachbarschaftliches Nebeneinander ohne soziale Hierarchien. Es werden überschaubare Einheiten geschaffen, die jeder für sich genommen in ihrer räumlichen und funktionalen Zusammensetzung Orientierung und architektonische Qualität bieten.
    Die Erschließung aller Gebäude erfolgt durchgängig vom Hof aus. Die privaten Freiflächen sind zum Grünraum zwischen den jeweiligen Höfen ausgerichtet. Um die nötige Privatheit in den Wohnungen zu gewährleisten sind die Mehrfamiliengebäude um ein halbes Geschoss zum Innenhof hin angehoben. Dieser Sockel gleicht auch das natürliche Gefälle des Grundstückes aus. Die Attikageschosse sind so am Gelände ausgerichtet, dass kein Gebäude höher als mit vier Geschossen in Erscheinung tritt.
    Die Wohnhöfe sind über die Straße hinweg zueinander versetzt. Jeder Wohnhof erhält so eine Blickbeziehung zum Waldrand. Zwischen den einzelnen Wohnhöfen befinden sich die privaten Grünbereiche der angrenzende Wohnhäuser. Die im Norden und Süden angrenzenden Grünflächen verzahnen sich über diese Bereiche tief in das neue Quartier hinein. Von der Erschließungsstraße aus erscheint das Quartier als lebendige Raumabfolge von Grünräumen und Nachbarschaftshöfen. Der Straßenraum tritt in den Hintergrund und wird Teil des Gesamtbildes.
    Die Einteilung in Wohnhöfe ist Modular, die Parkierung individuell oberirdisch und in Sammelgaragen nachgewiesen. So kann auch im späteren Planungsprozess die Zuordnung zu einem der beiden Bauherren flexibel geändert werden. Die Reihenhäuser erhalten einen direkten Zugang aus der Tiefgarage ins Untergeschoss mit zugeordneten Stellplätzen.
    Die Wohngruppe für Menschen mit Behinderung wird erdgeschossig in räumlicher Nähe des Quartiersplatzes nachgewiesen. Das Flüchtlingswohnprojekt ist in die Bebauungsstruktur integriert und grenzt an den Grünzug.

    Grundriss und Fassadenstruktur
    Die Wohngebäude sind als dreispännige Gebäude organisiert. Die größeren Wohnungen verfügen über durchgesteckte Wohn-/Essbereiche mit großzügigen Wohnküchen. Schaltzimmer ermöglichen ein flexibles Wohnungsgemenge. Die jeweilige Gebäudetypologie wird auch in der Fassade thematisiert. Die Punktgebäude sind allseitig orientiert, während die gerichteten Baukörper mit raumhohen Öffnungen und einer differenzierten Materialität auf die Gartenseite reagieren. Im Kontrast dazu verfügt die Hofseite über einen geringeren Öffnungsanteil, Brüstungen wahren die Privatsphäre der Bewohner.
    Geschlossene Balkonbrüstungen, optional verglaste Loggien und Schallschutzfenster tragen in belasteten Bereichen zum Schallschutz der angrenzeden Wohnungen bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser wählen einen komfortablen, geschwungenen Haupterschließungsweg von der Kirchstraße zum Alfred-Delp-Weg.
    Die seitlichen Erschließungsstiche, welche die Einzelgebäude erschließen, gehen hiervon wie die Adern eines Blattes seitlich ab. Um die Erschließungsstiche wird eine wohnhofähnliche Struktur für unterschiedliche Gebäudetypen angeboten.
    Im räumlichen Zentrum des Areals wird ein großzügiger Platz mit Gelenkfunktion gebildet. Hier trifft die geplante Waldachse im Süden auf die fußläufige Verbindungsachse in Richtung Schulzentrum/ Ortsmitte.
    Die an dieser Stelle angebotene Wohnform der integrativen Flüchtlingshilfe ist schlüssig platziert.
    Neben den befestigten Innenhöfen der Wohnquartiere bilden die öffentlichen und privaten Grünzonen Finger, die bis zum Haupterschließungselement reichen.
    Der Entwurf lässt eine reichhaltige Blickbeziehung von nahezu jedem Standort in Richtung Wald zu.
    Dies führt zu einer deutlich wahrnehmbaren Auflockerung der Wohnbebauung.
    Die Erschließung des Gebietes ermöglicht teilweise die Schaffung privater Erschließungsflächen.
    Die fußläufigen Verbindungsstellen an das angrenzende Wohngebiet und das Schulzentrum sind planerisch gut gelöst; am Übergang zum Alfred-Delp-Weg hätte allerdings eine Wendemöglichkeit für Versorgungsfahrzeuge vorgesehen werden müssen.
    Positiv wertet die Jury den Umstand, dass der Haltepunkt des Ortsbusses am zentralen Quartiersplatz vorgesehen ist. Die Siedlungsstruktur kann durch die harmonische Durchmischung der unterschiedlichen Gebäudetypen und -funktionen als sozial nachhaltig eingestuft werden.
    Leider bleibt die Qualität des Hochbaues hinter der des städtebaulichen Konzeptes zurück. Insbesondere für den Bereich des Schallschutzes zur L 1202 hätte über eine entsprechende Grundrissausbildung nachgedacht werden müssen.