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  • DE-14532 Kleinmachnow
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-194454)

Neubau Gemeindehaus mit Kirchsaal


  • 1. Preis

    Lageplan mit Dachaufsicht

    Landschaftsarchitekten
    hochC Landschaftsarchitekten PartGmbB, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Löffler Kühn Architekten, Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: SCHIMMEL Beratende Ingenieure, Berlin (DE), Unterföhring (DE)

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Das Wettbewerbsgrundstück befindet sich auf dem Streifen der ursprünglichen Wirtschaftsgebäude auf dem alten Gutshof in Kleinmachnow.
    Diese Wirtschaftsgebäude bildeten eine durchgehende gebundene Bebauung und schirmten den Hof gegen den Zehlendorfer Damm ab.
    Durch die Festlegungen des aktuellen B-Planes ist diese durchgehende Bebauung nicht mehr beabsichtigt. Das eröffnet die Chance, den ehemaligen Gutspark mit einem Fenster zur Straße zu öffnen.
    Das Fenster wird auf die Querachse des kreuzartigen Wegesystems bezogen. Um hier eine präzise Raumkante zu bekommen wird der Neubau mit einer Pergola, als Fahrradunterstellplatz, erweitert. Die gegenüberliegende Raumkante bildet der mit Mauern und Hecken gefasste Parkplatz. Durch die rahmenden Bäume kommt er als grüner Raumkörper stärker zur Geltung.
    Der Eingang des neuen Gemeindehauses befindet sich auf der zum Gutspark gelegenen Gebäudeseite und kann durch die Fuge zwischen Gebäude und Parkplatz, durch das Medusentor und das alte wiederhergestellte Wegesystem sowie durch einen schmalen Zugang an der nördlichen Grundstücksgrenze zur Alten Dorfkirche erschlossen werden. Letzterer schafft einen direkten Weg zwischen Gemeindehaus und Alter Dorfkirche.

    Architektur
    Wenn man das vorgegebene Raumprogram realisiert, würde zunächst ein Baukörper entstehen, der die Größe der ursprünglichen Baukörper bei weitem überschreitet. Durch das Satteldach entsteht ein, im Verhältnis zu den ehemaligen und bestehenden Gebäuden, optisch angemessenes Gebäudevolumen. Über die langen Gaupen können die funktional erforderlichen Raumhöhen untergebracht werden.
    Der Kirchsaal wird in der Mitte des Baukörper angeordnet, dadurch können alle mit ihm korrespondierenden Räume optimal an drei Seiten angeordnet werden. Die beiden Gemeinderäume, die in den Saal erweitert werden sollen, können durch ein entsprechendes Trennwandsystem, zu einem Raum zugeschaltet werden. Hinter dem Altar und Bühnenbereich befindet sich der größte Gemeinderaum, als Backstage Bereich für Sänger, Schauspieler, Musiker und andere Akteure. Er kann auch als Sakristei verwendet werden.
    Das zuschaltbare Foyer befindet sich an der Längsseite des Saales und orientiert sich zum schönen Hof des ehemaligen Gutshofs. Das ist eine attraktive Lage für das Kirchencafe im Foyer. Über das Foyer kann sich die gesamte Saalstruktur für große Sommerfeste in den Hof erweitern.

    Technik
    Alle Lagerflächen befinden sich im UG. Durch einen großen Fahrstuhl kann alles Notwendige ohne Umstände in den Saal gebracht werden.
    Die erforderliche Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird im Spitzboden des Daches untergebracht. Die Lüftungsmaschinen befinden sich über den Funktionsbereichen. Mit einem Montageschacht ist der Spitzboden mit dem Technikraum im UG verbunden.
    Die Dachkonstruktion besteht aus Leimbindern und einer einfachen Sparrenkonstruktion. Die Wände sind betoniert und mit Sichtmauerwerk auf Kerndämmung verkleidet.
    Für eine gute Raumakustik sind waagrechte Decken optimal. Zur Verbesserung der Raumakustik werden hier entsprechende Reflektoren aus Holzwerkstoffen vorgeschlagen. Alle anderen Wände und Deckenflächen sollen absorbierend sein. Hier kommen entsprechende Putze oder gelochte Holzwerkstoffplatten zum Einsatz.


    Freiraum
    Der ehemalige Gutspark zwischen der Alten Dorfkirche und dem ehemaligen Herrenhaus grenzt unmittelbar an das neue Gemeindehaus und soll zukünftig durch eine attraktive Gestaltung nicht nur der Naherholung der Kleinmachnower Bürger und Touristen dienen, sondern auch den Raum für die (Kirchen-)Gemeindearbeit ergänzen. Große und kleine Feste, aber auch der Konfirmandenunterricht beispielsweise können, insbesondere in den Sommermonaten, auch im Freien stattfinden.
    Die Gestaltung des Freiraums soll die heute nicht mehr sichtbaren Strukturen des ehemaligen Gutsparks herausarbeiten und wieder erlebbar machen. In diesem Sinne sollen der historische Fußabdruck des ehemaligen Gebäudeensembles aus Herrenhaus und Stallungen sowie Rasenparterre und Wege des Gutsparks wieder abgebildet werden. Fundamente und Wegebeläge sind noch vorhanden und größtenteils unter einer geringen Bodenschicht verborgen. Diese sollen freigelegt werden. Als Herzstück des Gutsparks können das Wegekreuz mit dem originalen Feldsteinpflaster und die Rasenparterres wieder angelegt werden. Die umlaufenden Wege sollen je nach Vorhandensein von Feldsteinpflaster mit dem ursprünglichen Wegebelag wiederhergestellt werden oder alternativ mit einer ockerfarbenen wassergebundenen Wegedecke gestaltet werden. Die historischen Gebäudegrundflächen sollen innerhalb der freigelegten Fundamente und Wandfragmente mit Natursteinschotter gefüllt und so kenntlich gemacht werden. Bestandsbäume und Aufwuchs konzentrieren sich im ehemaligen Gutspark im Wesentlichen innerhalb dieser Schotterflächen und deuten die ursprünglichen Gebäudevolumen an.
    Die Fläche des neuen Parkplatzes entspricht der Breite der am Zehlendorfer Damm gelegenen, ehemaligen Stallgebäude. Ein Rahmen aus einer straßenseitigen, 180cm hohen Ziegelmauer, einer hofseitigen Hainbuchenhecke und 10 Säulenhainbuchen schirmen den Parkplatz vom Park ab und vermitteln zusätzlich den ehemaligen Baukörper. Der Parkplatz besitzt 22 ständig nutzbare Parkstände und kann zu besonderen Veranstaltungen um 28 Bedarfsparkstände ergänzt werden, die im Hof in der Wege- und Rasenfläche durch großformatige Betonsteinplatten (120x40cm) markiert werden aber sonst nicht auffallen. Zur zeitweisen Erweiterung des Parkplatzes können Klapppoller in zwei Durchfahrtsbereichen zum Park einfach umgelegt werden.
    Für eine barrierefreie Erschließung werden der Parkplatz und die Erschließungswege um das Gemeindehaus mit einem glatten Betonwerksteinpflaster mit abgerundeten Kanten gestaltet, welches aus verschiedenen Steinformaten besteht und Drainfugen aufweist. Zur Differenzierung des Parkplatzbereichs und der Wegeflächen zur Erschließung des Gemeindehauses ist auf dem Parkplatz die Verlegung im unregelmäßigen Verband vorgesehen, während die Wegeflächen im Reihenverband ausgebildet werden. Aufgrund der äußerst guten Versickerungsleistung des neuen Pflasters kann in den Freianlagen gänzlich auf Versickerungseinrichtungen verzichtet werden. Die übrigen Wegeflächen entwässern mittels Geländegefällen in die Rasen- und Pflanzflächen.
    Neben der straßenseitigen hohen Ziegelmauer mit einer 50cm breiten Grenadierschicht, wird der Park zu beiden Seiten des Medusentors nach Norden mit einer 120cm hohen Ziegelmauer gefasst, welche auf den noch vorhandenen Steinfundamenten aufgebaut werden kann. Die Böschung zum Bäkepark und die Sichtbeziehungen in den Park bleiben erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf fügt sich in den Kontext des historischen Umfeldes gut ein. Das bezieht sich
    auf die Kubatur, Dachaufbau und die eingeschossige Traufhöhe. Er schließt den Straßenraum mit dem Baukörper, verlängert durch die Einfriedungsmauer im Bereich der Stellplätze. Der alte Gutshof wird durch die Mauer zum Medusentor räumlich wieder gefasst. Die auf der Hofseite gestaffelte Geschossigkeit spiegelt die ursprüngliche historische Bautiefe wider. Das vorgelagerte Foyer und die Pergola sind als Ergänzung - des dem historischen Gebäudeschnittes entsprechendem Baukörper - zugefügt. Die Dachaufbauten auf den Giebeln erinnern an Glockenspieltürme.
    Die geplante Gebäudehöhe im First und die Traufhöhe gewährleisten, dass die Dorfkirche
    das prominente Bauwerk im Dorfkern bleibt.
    Das Gebäude nimmt die im historischen Umfeld vorhandene Materialität – roter Backstein
    und rote Dachziegel auf.
    Die Erdgeschossfassade zur Straßenseite stellt sich geschlossen dar. Giebel und Hofseite
    öffnen sich.
    Die Erschließung erfolgt über zwei Zugänge auf der Gutshofseite. Das vorgelagerte Foyer stellt eine angenehm direkte Verbindung zwischen dem Kirchsaal und dem Außenraum her.
    Die Räume und deren Zuordnung zueinander entsprechen im Wesentlichen dem geforderten Raumprogramm. Die Zuschaltbarkeit des Foyers und der Gemeinderäume ermöglichen sinnvoll die geforderte Vergrößerung des Kirchsaales.
    Der nördliche Gemeinderaum ist leider nur über den Saal erschlossen.
    Die im Obergeschoss angeordneten Räume und die seitlichen Emporen des Kirchsaales werden über zwei Treppenhäuser erreicht und sind durch einen Aufzug auch für Menschen mit Gehbehinderung zugänglich.
    Der Kirchenraum wird über die Gaubenfenster der Empore im Obergeschoss belichtet und bietet durch den rechteckigen Querschnitt und seiner Längsorientierung eine gute Voraussetzung für eine optimale akustische Ausformung. Die Kargheit des Saales bedarf der entwurflichen Präzisierung.

    Die dargestellten Außenanlagen nehmen die alten, in ihren Grundmauern noch erhaltenen Gebäudestrukturen auf und verdeutlichen so die ehemals vorhandene Gutshofsituation. Die geforderten Stellplätze befinden sich an der vorgegebenen Stelle.

    Energie:
    Das Heizungskonzept beruht auf einer Sole-Wasser-Wärmepumpe. (Erdwärme) Der Ausschluss von Fußbodenheizung ist daher nicht nachvollziehbar.
    Das Lüftungskonzept wirkt ausgewogen und angemessen Es beinhaltet im Bedarfsfall auch Kühlung und Heizung durch die Raumluftanlage.

    Der Entwurf ist genehmigungsfähig.

    Die Herstellungskosten des Entwurfs sind mit 2,6 Mio. angegeben. Entsprechend einer Vergleichsrechnung wird mit einer Gesamtsumme von 3,25 Mio. gerechnet.

    Entwurfsempfehlung:
    Die Gebäudetypologie sollte sich im Innern des Saales widerspiegeln.
    Das Verhältnis von Dachflächen- und Gaubenanteil bedarf der Überprüfung.
    Bessere Belichtung des Saales mit offenen Brüstungen der Emporen Kostenreduzierung durch Einsparung der Lüftung.


INFO-BOX

Angelegt am 23.03.2015, 12:33
Zuletzt aktualisiert 20.03.2018, 14:15
Beitrags-ID 4-100717
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