loading
  • DE-72622 Nürtingen
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-184692)

Westlicher Neckar


  • 1. Preis

    Schwarzplan

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Volker Kittelberger, Renningen (DE)
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    23.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit der städtebaulichen Neuordnung des "Westlichen Neckars" werden stadträumliche wie nutzungsfunktionale Bezüge, Wirkungen und Synergien erzeugt, die bisher fehlen. Übergeordnetes Ziel ist es, als Bindeglied zwischen Galgenbergpark, Melchior-Areal und Innenstadt zu wirken. Die Neugestaltung des Greiner-Areals wirkt als Gelenk zwischen Weststadt und Innenstadt. Der Galgenbergpark wird bis zur Stuttgarter Straße weitergezogen und verzahnt sich dort mit Neckarufer und Innenstadt. An diesem Fügepunkt entsteht das Kunst-, Kultur- und Bildungszentrums als architektonischer Solitär mit vorgelagerter Platzsituation und bildet Adresse und Eingang zu Greiner-Areal und Galgenbergpark. Die Industriebauten des Greiner-Areals werden gezielt rückgebaut und ergänzt und ein spannendes Ensemble aus Bestands- und Neubauten mit vielfältiger Nutzung geschaffen. Durch seine hohe Durchlässigkeit vernetzt es Innenstadt wie Galgenberg mit den angrenzenden Parkanlagen, Streuobstwiesen und dem Nackarufer. Die Punktbebauung entlang der Neckarstraße sorgt für eine klare städtebauliche Kante und bindet das Melchior-Areal neu in das stadträumliche Gefüge ein. Das Neckarufer wird erlebbar gemacht und bietet spannende Blickbezüge zur Nürtinger Altstadt. Es wird ein attraktiver Auftakt zur historischen Altstadt geschaffen der dazu einlädt, das Neckarufer als Naherholungsgebiet zu erleben.
    Mit städtebaulichen und freiraumplanerischen Mitteln wird versucht, die trennende Wirkung der B 313 möglichst zu verringern und die wertvollen Landschaftsräume im Westen mit der Innenstadt zu verbinden. Wichtigstes Element ist eine grüne „Parkzunge“, die den heute „versteckten“ Galgenbergpark bis an die Stadtbrücke heranführt.
    Im Kreuzungsbereich entsteht ein städtischer Platz mit Balkon über den Neckar, der gestalterisch über die B 313 geführt werden soll und damit ein wichtiges Verbindungselement der beiden Stadtbereiche darstellt. Im Übergang zum Park ist als solitäres „Auftaktgebäude“ das Kunst-, Kultur- und Bildungszentrum verortet, das gleichzeitig als bauliches Merkzeichen den Stadteingang über den Neckar markiert.
    Die grüne, intensiv gestaltete Parkzunge wird von einem städtischen Boulevard begleitet, der die neue Adresse der Quartiere im Greinerareal bildet und gleichzeitig das gesamte Stadtviertel westlich des Neckars erschließt.

    In Nord- Süd-Richtung wird die Parkzunge durch die Quartiere mit den angrenzenden Obstwiesen und über einen Quartiersplatz mit dem Park der Villa Otto verbunden, der seinerseits über die B 313 hinüber mit dem aufgewerteten Melchiorareal und den Neckar verbunden ist.
    Nach Norden wird über eine großzügig geschwungene, von Wasser begleitete Parkspange der Übergang in den weitgehend belassenen Galgenbergpark und Richtung Freibad dominiert.
    Das Neckarufer wird auf der gesamten Länge von einem Neckaruferweg begleitet, der die verschiedenen, teilweise schon vorhandenen Aufenthaltsorte am Neckar untereinander verbindet. Querbezüge durch die neuen (Wohn-) Quartiere schaffen Durchlässigkeit zwischen B 313 und Neckar.
    Auf der Stadtseite werden die Brückenköpfe platzartig aufgeweitet und inszeniert. Südlich der Stadtbrücke wird die bestehende Neckarpromenade bis zu einem neuen Café im Süden, als gelenk zur Alleenstraße fortgesetzt.
    Im Norden verbindet ein neuer Neckar-Steg das geplante Wohngebiet, ehem. Psychiatrie mit dem Schlachthofareal.

    Das Greiner-Areal wird durch gezielten Rückbau und ergänzende Neubauten zu einem Quartier mit vielfältigen kulturellen Angeboten und Aufenthaltsqualitäten entwickelt. Ein zentraler Quartiersplatz, sowie die Abfolge introvertierter Höfe differenzierter Charaktere schaffen Identität und Kommunikationsorte. Die Öffnung des Platzes hin zur historischen Parkanlage der Villa Otto setzt diese in Szene und stärkt den Bezug zu den nahegelegenen Streuobstwiesen.
    Die geplante Mischnutzungsstruktur schafft ein selbständiges Stadtquartier in Synergie zu den bestehenden Innenstadtnutzungen. Neben Arbeiten und Wohnen beleben Sondernutzungen wie Ärztehaus, Cafés, Familientreff etc. das Quartier und ergänzen das neue Kunst-, Kultur und Bildungszentrum. Die Parkierung für die öffentlichen Nutzungen erfolgt über Stellplätze, die den bestehenden Stellplätzen des Hallenbades angegliedert werden. Weitere Stellplätze werden quartierweise in Tiefgaragen angeboten. Der Komplex aus Kunstschule, Gründerzentrum und Ateliers soll eine Betreuung junger Künstler über die Ausbildung hinaus ermöglichen und den Berufseinstieg, sowie Unternehmensneubildungen fördern. Die räumliche Nähe soll Synergien zwischen Auszubildenden und bereits Berufstätigen erzeugen und durch Konzepte wie Plug-and-Work-Arbeitsplätze werden hohe Flexibilität und eine große Auslastung ermöglicht. Die Umsetzung in mehreren Bauabschnitten lässt einen fließenden Übergang von alter und neuer Nutzung zu. Der erste Bauabschnitt kann unabhängig der bestehenden Industriebauten ausgeführt werden, die weiteren sehen einen schrittweisen Rückbau der Greiner-Anlage vor, die so bis zum letzten Bauabschnitt in Teilen weitergenutzt werden kann.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Dieser Arbeit gelingt ein würdiges städtebauliches Gegenüber der Altstadt. Gekonnt wird die bauliche Struktur des Greiner Areals aufgenommen und in vier unterschiedlich große kompakte Quartiere weiterentwickelt.
    Zu den Rändern hin ergeben sich zwei eher locker gestaltete Bereiche.

    Der Auftakt im Bereich des Hallenbad mit der Kunst- und Kulturachse betont zum einen den Übergang von der Stadt aus ins Gebiet. Zum anderen schafft die Achse eine qualitätsvolle Anbindung zum Galgenberg. Geschickt ist die bestehende Villa am Galgenberg in die neue Situation eingebunden. Vielfältige Nutzungsangebote können hier erwartet werden und den Raum beleben.

    Besonders gut gelingt es den historischen Park hinter der Villa Otto zu erhalten und in einfacher Form zur Straße hin zu schließen und damit dem historischen Ensemble Villa und Park eine hohe eigenständige Identität zu geben. Aus Denkmalsicht wird das neue Gebäude westl. der Villa Otto jedoch kritisch gesehen.

    Interessant ist die Fortführung der bestehenden Gebäude an der B313 durch Wohn- und Bürogebäude die zum einen den Straßenraum führen und zugleich eine Durchlässigkeit in den Park am Neckar ermöglichen. Ein neuer urbaner städtischer Platz am bestehenden Melchiorgebäude wertet das Ende der baulichen Kante auf. Die Erschließung und Parkierung der neuen Gebäude südlich-östlich der B313 ist jedoch nicht erkennbar und muss gelöst werden.

    Als nicht gelungen wird die Erschließung der Gebäude am Hangfuß des Galgenberg angesehen. Die Qualität des Hanges als landschaftliches Element wird negiert. Die geplante Straßenführung am Hang kann aufgrund der Topographie so nicht funktionieren. Der Winkelbau am Hangfuß selbst erscheint überdimensioniert und fehl am Platz.

    Besonders als Qualität hervorzuheben ist die Schaffung der Platzfolgen in den Übergangsbereichen. Der Quartiersplatz wirkt insbesondere in Bezug auf das bestehende Kesselhaus sehr attraktiv und bezieht den Niederschrift über die Sitzung des Preisgerichts | schreiberplan Städtebaulicher freiraumplanerischer Ideenwettbewerb „Westlicher Neckar“ 11 angrenzenden historischen Garten in besonderer Weise mit ein. Weitere positive Merkmale sind die Behandlung der historischen Gebäude im Kontext mit der Neubebauung.

    Die landschaftsräumliche grüne Geste des Neckars bleibt erhalten und wird durch einen lebendigen, erlebbaren Uferweg gestärkt. Neue Blickbezüge zur Altstadt tun sich auf. Die Wegeanbindung ,an den neuen Steg nördl. der Stadtbrücke ist schlüssig.

    Die Parkierung vorm Hallenbad ist unter verkehrlichen Aspekten zu prüfen und ggf. mittelfristig zu verlagern.

    Die Entwicklung der Baugebiete in Bauabschnitten ist gut denkbar.

    Die Arbeit ist ein robuster Beitrag einer angemessenen Fortschreibung der Nürtinger Stadtbaugeschichte unter größtmöglichem Erhalt des kulturellen Erbes.

    Insgesamt liest sich die Arbeit sehr gut. Die Körnung, der Städtebau in Verbindung der öffentlichen Räume und Nutzungen können das Quartier zu einem wertvollen neuen Wohn- und Arbeitsquartier entstehen lassen und das Erscheinungsbild des Gesamtraumes der Stadt am Neckar in seiner Charakteristik stärken.