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  • DE-72622 Nürtingen
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-184692)

Westlicher Neckar


  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ursula Hochrein , Axel Lohrer

    Mitarbeit
    özge menevse

    In Zusammenarbeit mit:
    Modellbauer: modellwerkstatt reinhold fischer, München (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Konzept und Leitbild | Mittler zwischen Landschaft und Stadt - Vorstadt im klassischen Sinne bildet die Basis des Leitbildes. Den beiden prägnanten landschaftlichen Elementen des Neckartales - den Fluss und seine rahmenden Hänge - wird respektvoller Abstand eingeräumt. Das Leitbild spielt mit den beiden klassischen Motiven der kompakten Brückenvorstadt sowie die des darin Mitte bildenden Brückenplatzes.
    Bedingt durch die Dominanz der B 313 verlagert sich dieser Brückenplatz weiter nach Westen und findet im neuen Promenadenpatz seine Verortung. Er bildet den adressbildenden wie attraktiven Einstieg in die daran angelagerten Baucluster und den nachfolgenden Galgenbergpark.
    Die neuen Baucluster entwickeln sich auf beiden Seiten des Promenadenplatzes. Sie halten einem respektvollen Abstand zum Hang, der gliedernd die kompakte Vorstadt begrenzt und den Galgenbergpark als landschaftsgetönten und von Obstbäumen geprägten Hangleiten-Park fortsetzt. Der dem Flusslauf folgende Neckarpark mit seinem lichten Schleier des uferbegleitenden Solitäreichenwaldes bildet das rahmende Pendant.
    Die Custer sind mit Blick auf die Lärmemissionen introvertiert und öffnen sich reizvoll in Richtung Hang / und Galgenpark.
    Nach dem kompakten „Brückenkopf“ folgen jenseits des gliedernden Hangleiten-Parks lockere sowie landschaftsgetönte Siedlungs- und Bebauungsstrukturen.


    Verkehrskonzept | Das Verkehrsnetz entwickelt sich in einem stark gestuften System ausgehend von der Neckarbrücke über den Promenadenplatz bis in die einzelnen Cluster. Der jeweilige Ringschluss ist gegeben. Die erforderlichen Stellplätze werden durch Tiefgaragen nachgewiesen. Besucherparkplätze finden sich in den Nebenanlagen unter Bäumen.
    Das IV Netz wird durch ein enges Netz an Fuß – und Radwegen ergänzt. Sie verknüpfen mittels zweier aus der Landschaft heraus entwickelten Unterführungen die linksseitigen Vorstadt-Cluster zu einem einladenden Zusammenspiel der kurzen Wege.


    Zentralcluster | Schritt um Schritt wandelt sich die derzeitige Struktur im zentralen Cluster hin zu einem eigenständigen Wohn und Gewerbecluster. Mittelpunkt bildet ein verbindender Platz. Gewerbebauten schirmen ihn gegen den Lärm ab. Sie werden durch Hotel und gewerbeoptionale Stadthäuser ergänzt. Ein Quartiersaal mit synergetischem Zusammenspiel zur Kita ergänzt das Ensemble. Die erforderlichen Stellplätze liegen kompakt in Tiefgaragen unter Hotel und Stadthäuser.


    Wohncluster | Mit respektvollem Abstand zur Hangkante entsteht ein mit unterschiedlicheren Höhen spielendes Wohngebiet mit Reihenhäuser und gestapelten Maisonetten. Ein zum Hang sich öffnenden Pattern von Wegen und kleinen gemeinschaftlichen Plätzens gliedert das Areal. Die erforderlichen Stellplätze liegen kompakt in einer Gemeinschaftsgarage unter den Bauten.


    Kulturcluster | Nördlich des neuen Brückenplatzes entsteht das Kultur und Kreativ-Cluster. Mit seiner Abfolge von Säalen, Seminar und Verwaltungsbauten umschirmt er mit fassender Geste einen den Skulpturenhain. Er bildet den geschützten stadtseitigen Abschluss des Galgenbergparks und führt mit durchschwingender Landschaft zum Neckarufer und über die neue Fußgängerbrücke auf kurzem Weg zur Altstadt.


    Eventcluster | Entlang des Flusses entsteht in Reminiszenz an die vergangenen Werks-Strukturen ein schmaler Bebauungs-Cluster. Dessen Gebäude schirmen den Uferbereich gegen den Verkehr ab und entwickeln mit einladendem Blick auf die Silhouette Nürtingens geschützten Raum für Gastronomie und Events. Um den historischen Kern mit Werk und Villa entwickelt sich ein Tagungs- und Ausstellungsbereich. Ein dichtes Pattern von Terrassen und Sonderflächen lagert sich an die Gebäudeflucht an. Ein lockerer Solitärhain umspielt die flexibel nutzbaren Bereiche und verknüpft sie mit dem verbindenden Bild der durchgehenden Neckarauen. Im respektvoll offenen Abstandskorridor zum Fluss verläuft der durchgehende und verbindende Uferweg


    Wohngebiet Galgenberg | Die vorhandenen Strukturen werden behutsam ergänzt. Längsgerichtete Bauten folgen der Topographie und orientieren sich in Richtung Tal. Fugen und Längsrichtung bieten den Passanten großzügige Sichtfenster in Richtung Neckartal.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die kontrovers diskutierte Grundidee der Arbeit liegt in der Verortung des Kunst- und Kulturzentrums in einem neuen Gebäudeensemble zwischen Galgenbergstraße und Hallenbad. So entsteht in Verlängerung der Stadtbrücke als „Brückenkopf“ ein klar definierter Platz mit räumlicher Qualität, dessen stirnseitiges Gebäude aber eine wichtigere als die vorgeschlagene Nutzung verdient hätte.

    Der Galgenbergpark verliert durch diese Setzung leider seine Verbindung zu Altstadt und Neckar, wird aber stattdessen über eine „Grünfuge“ entlang dem freigestellten Hangfuß harmonisch nach Süden fortgeführt. Dort unterbrechen allerdings verzichtbare Punkthäuser und ein riegelförmiges Parkhaus die wünschenswerte Verbindung zum Ufer. Überhaupt trennen die straßenparallelen, eng gestellten Baukörper die ansonsten kompetent gestaltete Grünanlage entlang des Neckars zu stark vom Rest des Quartiers ab. Zudem verstärken die langen geraden Raumkanten die Schneisenwirkung der Bundesstraße, der Verkehrsknoten erhält zu viel Raum. Die vorgeschlagenen Unterführungen sind weder attraktiv noch an ihren Anschlüssen gelöst.

    Die für das Greiner-Areal vorgesehene Struktur übernimmt zwar die überlieferte Geometrie, in die gewählte geradezu suburbane Gebäudetypologie und –erschließung wirkt an diesem Ort aber fremd. Die Tiefgaragenrampen stören die öffentlichen Räume, zudem erzeugt die Dopplung von Promenaden- und Quartiersplatz unnötige Konkurrenz. Das Baudenkmal an der Bundesstraße erscheint zu prominent freigestellt.

    Interessante Ansätze und Stärken in der Formulierung der Freiräume können in der Gesamtschau nicht zu einem rundum überzeugenden Konzept verbunden werden.