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  • DE-69115 Heidelberg
  • 09/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-194758)

rnv-Betriebshof - Gestaltung der Hochbauten


  • 1. Preis

    Modell - modellwerk weimar

    Modellbauer
    modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice, Weimar (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Planungsgruppe Gestering | Knipping, Bremen (DE), Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Schwierig genug, einen großen Betriebshof in einen heterogenen Stadtteil zu integrieren, der mitten im Prozess der Veränderung, der Neudefinition steht. Die Energie dieses Zustands aufzugreifen und gleichzeitig einen Wert zu etablieren, beschreibt die Herausforderung, der sich diese Arbeit mit Bravour gestellt hat. Es ist gelungen, die Balance zu finden zwischen einem großen, ortsprägenden Maßstab und einer feinen Gliederung und Elementierung. Der Bestand, das selbstverständliche Maß an diesem Ort und der Ausdruck des Neuen werden gleichermaßen stabil gehalten.

    Diese Grundfestlegung, das gesamte Areal mit haushohen Mauerwerkselementen zu definieren, die durch ihre plastische Ausformulierung und die Fokussierung auf nur eine Öffnung in der Mitte einerseits den Rhythmus der historischen Villenbauten aufgreifen, andererseits wie überdimensionierte Bilderrahmen zu lesen sind, ist klug herausgearbeitet.

    Ein überzeugender Zustand von Anpassung und Neustart wird hier vorgetragen.

    An der Berghammerstraße zeigt sich die Qualität dieser Haltung ganz besonders, im Wechselspiel mit den Villen, und mit der Perspektive (das ist dann erst umgesetzt mit dem Ideenteil), an dieser Stelle den Dachgarten über eine breite bepflanzte Treppenanlage an das normalen Straßenniveau anzubinden. Durch diese großzügige Geste wird jede Schwelle vermieden und der Park auf dem Dach wird zu einem wirklich öffentlich nutzbaren Angebot für die Nachbarschaft. Die Großzügigkeit der Treppe wird gewürdigt; sie ist nicht ohne Pathos, denn der Raum vor der Treppe ist zu eng - das muss noch selbstverständlicher, beiläufiger gelingen. Es ist schade, dass im Realisierungsteil die Dachnutzung nur sehr reduziert möglich ist, schon alleine weil die Zugänglichkeit nur äußerst eingeschränkt angeboten werden kann.

    Der Wechsel des Fassadenbildes beim Bürogebäude ist ohne Einschränkung gelungen, zeigt sich hier eine kraftvolle, an historische Industriebauten erinnernde Straßenfront. Selbstbewusst, zurückhaltend, effizient. Die Darstellung der historischen Giebelwände als Applikation auf dem Mauerwerk ist der einzige kritisch gesehene Fassadenabschnitt.

    Neben der großen Freitreppe gibt es noch zusätzliche, knappe Verbindungen auf das in Teilen begehbare Dach. Die Dachgestaltung ist wesentlich geprägt von einer Dachformation, die vor allem eine Belichtung in den Betriebshallen sicherstellt, die aber auch eine überzeugende Dachlandschaft kreiert. Nicht romantisch oder gegen die Struktur entwickelt sondern knapp und sachlich und mit einer vernünftigen (u.a. Sport-) Nutzung ausgestaltet.

    Ein überzeugender Vortrag in den hier vorliegenden Planungsebenen (Detailschnitt, Modellausschnitte) und eine zukunftsorientierte, sachliche und gleichzeitig nicht unpoetische Antwort auf diese hier gestellte Aufgabe, die in annähernd allen Maßstabsebenen das Preisgericht überzeugt.

    Der Realisierungsteil und der Ideenteil liegen vermeintlich nahe beieinander. Die wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung der Idee ist der Rückbau des einen Gebäudes – nur dadurch wird die Dachfläche zu einem öffentlich zugängigen Garten: kein einfacher Entscheidungsprozess, der den Kern dieses Entwurfs begleitet.

    Die Kosteneinschätzung scheint realistisch, liegt aber im oberen Bereich.