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  • DE-80809 München
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-175932)

Neubau Sport Campus der TUM im Olympiapark


  • 1. Preis


    Architekten
    Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH, Bregenz (AT), Wien (AT), St. Gallen (CH), Paris (FR), München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Christian Schmoelz Architekt

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Balliana Schubert Landschaftsarchitekten AG, Zürich (CH)
    Tragwerksplaner: merz kley partner, Dornbirn (AT), Altenrhein (CH)
    TGA-Fachplaner: GMI - Ing. Peter Messner GmbH, Dornbirn (AT)
    Brandschutzplaner: IBS Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung
    Modellbauer: Architektur-Modellbau Edgar Neugebauer, Bregenz (AT)

    Preisgeld
    96.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Motto der Olympischen Spiele von 1972 - Olympische Spiele im Grünen - bildet den Ausgangspunkt für den neu gestalteten Sportcampus am Olympiapark. Die geplante Sportlandschaft mit den verschiedenen Sportfeldern wird weiterhin als stark durchgrünte Parkfläche ausformuliert. Mit Bezugnahme auf den geplanten Neubau wird auch für den Sportcampus eine 'rue intérieure' etabliert. Sie dient sowohl als zentrale Verbindungsachse im Gelände als auch als Hauptaufenthaltsbereich für die Sportlerinnen und Sportler. Die Sportfelder liegen möglichst nahe am Zentrum des Areals und sind direkt an die 'rue intérieure' angebunden. Die Konzentration von Wegverbindungen und Sportfeldern im Zentrum des Planungsgebietes verschafft der bewegten Böschungskontur der Grzimek'schen Parkgestaltung den gewünschten gestalterischen Entfaltungsspielraum.

    Die 'rue intérieure' durchzieht das Planungsgebiet von Süden nach Norden und verbindet den Sportbereich der Hochschule mit jenem der Vereine. Entlang dieser Hauptverbindung sind die verschiedenen Sportflächen, aber auch die Hauptaufenthaltsbereiche angeordnet. Die Hauptverbindung wird durch eine Baumfigur aus verschiedenen hochstämmigen und lichtkronigen Kleinbäumen begleitet. Sie dienen der Orientierung und dem geschützten Aufenthalt.

    Die Hauptverbindungen von Umgebung und Neubau stehen in einer engen Beziehung zueinander. Die beiden 'rues intérieurs' begegnen sich an der Westfassade des Neubaus. Hier wird mit Café und Aufenthaltsräumen ein hohes Mass an Öffentlichkeit etabliert. Neben den bestehenden Verbindungen im Süden (Autoverkehr), im Osten (Handicap und Rettung) und im Norden (Vereine) werden zusätzliche Verbindungen angeboten. Der neue Haupteingang in den Campusbau führt direkt ab dem Damm in das Gebäude. Zwei Nebenverbindungen führen von Westen her zur „Rue intérieur“. Zu Gunsten einer besseren Orientierung im Campusgelände sind die Wegverbindungen durch Baumreihen optisch betont. Für den Vereinssport wird der Hauptzugang zur U-Bahn Station Oberwiesenfeld verlagert. Ein baumbestandener Platz betont die wichtige Stellung dieses Einganges im Stadtkörper und gegenüber der Parklandschaft.

    Sportflächen

    Die Sportflächen werden über die „Rue intérieur“ erreicht. Die Sportflächen sind allesamt möglichst in Nord-Süd Richtung angeordnet. Störungen durch tief einfallende Sonnenstrahlen können dadurch vermieden werden. Die Leichtathletikbahn ist zentral und direkt an den Neubau angrenzend angeordnet. Die grösseren Spielfelder für die Mannschaftssportarten liegen perifer, die kleineren Sportflächen für Basketball, Klettern oder Parcours sind nahe am Gebäude und an der „Rue intérieur“ angeordnet. Die zentral gelegenen, bestehenden Böschungssituationen werden zu Gunsten der besseren Übersicht und Orientierung im Areal entfernt. Das bestehende Rasenplateau im Westen bleibt bestehen.

    Höfe

    Der Neubau steht in engem Dialog mit der durchgrünten Sportlandschaft. Der Haupteingang wird über eine Brücke direkt aus dem Grzimek'schen Parkanlage her erschlossen. Die „Rue intérieur“ des Neubaus gibt den Blick auf verschiedene Innenhöfe frei. Diese sind intensiv mit Gehölzen bepflanzt und können über grossformatige Betonplattenwege begangen werden. In den Höfen werden unterschiedliche Pflanzenthemen wie Kirschgarten (Prunus avium 'Plena'), Magnolienhof (Magnolia kobus) oder Scheinbuchenhain (Nothofagus antarctica) erleichtern die Orientierung im Gebäude und verleihen den einzelnen Höfen ihren eigenen Charakter. In den Höfen sind bodendeckende Ziergraspflanzungen vorgesehen, welche das Grundthema der durchgrünten Sportparklandschaft bis in das Gebäude tragen.

    Vegetationskonzept

    Die Grundgestaltung des Olympiaparkes von Günther Grzimek spielt mit wahrnehmbaren und aufgelösten Rasterfiguren. Während sich das Pflanzraster im Olympiapark aufzulösen scheint, wird im Campusgelände eine prägnante und klar ablesbare Baumfigur vorgeschlagen. Die Baumfigur ist eine konsequente Betonung der neuen „Rue intérieur“ des Sportcampus.
    Für den Vegetationskörper werden hochstämmige Gehölze mit einem Kronenansatz von drei Metern vorgeschlagen. Der Baumkörper besteht ausschliesslich aus laubabwerfenden Bäumen mit gefiederten Blättern. Als Leitarten dienen verschiedene, mittelstark wachsende Gleditschien (Gleditsia triacanthos 'Shadmaster', Gleditsia triacanthos 'Sunburst', Gleditsia triacanthos 'Skyline'), zudem werden weitere Arten wie Blasenbaum (Koelreuteria paniculata), Geweihbaum (Gymnocladus dioicus) oder (Fraxinus americana 'Autumn purple') eingestreut.
    Beim Stadtplatz Oberwiesenfeld werden Sumpfzypressen (Taxodium distichum) vorgeschlagen. Der bisher im Olympiapark nicht verwendete Baum besticht durch seine Eigenheit und verleiht dem kleinen Stadtplatz das notwendige Gewicht als Eingangstor in Park-und Campuslandschaft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ein sehr klarer ruhiger Baukörper wird präzise in den Landschaftsraum gesetzt. Die Höhenentwicklung des Gebäudes ist gut gewählt. Es liegt angemessen in der Sportplatzebene, tritt aber auch als architektonischer Baukörper richtig in Erscheinung.

    Die PKW-Erschließung erfolgt eindeutig von Süden. Die Stellplätze sind in einer Tiefgarage und auf Stellplätzen im Süden vor den Hallen ausgewiesen. Die starke Begrünung der Stadtplätze wird im Preisgericht kritisch gesehen. Der Fahrradverkehr erfolgt auch von Westen. Die Zahl der ausgewiesenen Fahrradstellplätze ist nicht ausreichend.

    Die Nord Süd Achse begrenzt die Sportfakultät nach Westen, bindet den großen Sportplatz gut ein und definiert so die zentrale Mitte des Campus. Die orthogonale Struktur der Aufteilung der Sportflächen entspricht dem Grundgedanken der damaligen Planung. Man würde sich eine Differenzierung der langen Nord-Süd-Achse wünschen. Die Sportflächen sind sehr präzise um das Gebäude herum mit einem wohltuenden Abstand zu den Wällen angeordnet. Die Vegetationsstrukturen betonen die
    gewünschte Präzisierung zwischen den landschaftlichen Wällen und der geometrischen Innenzone.

    Der richtig gewählte Raum zwischen Wall und Gebäude wird von einem Steg überspannt, der ganz selbstverständlich von Osten zum Haupteingang im Obergeschoss in die zentrale Erschließungsachse führt, von der aus alle Funktionsbereiche erreichbar sind. Dieses Herz der Anlage ist der Kommunikationsort von dem es Einblicke in alle Sporthallen gibt, an dem alle Seminarräume und Hörsäle liegen und im Westen in überzeugender Weise Mensa und Bibliothek einen Überblick über das gesamte Gelände ermöglichen. In der unteren Ebene der zentralen Achse liegen sehr gut die Umkleiden zu den Hallen. Die Flächen sind angemessen dimensioniert und sind sowohl für den täglichen Betrieb als auch für eine Konferenznutzung gut geeignet. Die gewünschten Laborflächen können sehr gut im 3. Bauabschnitt an den Sporthallen angeordnet werden. Die Institutsräume sind optimal in den Sportbetrieb eingebunden.

    Die Fassadengestaltung mit den Elementen Holz und Glas ist wie der gesamte Entwurf sehr überlegt und feinsinnig durchgebildet.

    Die Konstruktion aus Stahlbeton und Holz ist möglich. Das weit auskragende Tribünendach wird in Frage gestellt, schön ist die Geste, aber ob dieses Dach tatsächlich das bauliche Volumen Richtung Westen ausdehnen soll, wird hinterfragt. Die technische Umsetzung müsste weiter untersucht werden. Positiv wird die Nachhaltigkeit des Gesamtkonzeptes gesehen. Die Räume für die Gebäudetechnik sind gut gewählt, einschließlich guter senkrechter Verteilungswege, aber insgesamt etwas zu klein.

    Die Wirtschaftlichkeits-Vergleichswerte bewegen sich im durchschnittlichen Bereich.
    Eine wirtschaftliche Errichtung des Gebäudes ist möglich, wenn die Konstruktion weiterentwickelt wird. Die Durchführung in zwei Bauabschnitten ist möglich.

    Die Arbeit besticht durch eine große Klarheit sowohl in der Landschaftsgestaltung wie in der Durcharbeitung des Gebäudeentwurfs. Die Vorstellungen der TUM zur Vernetzung Forschung und Sport werden sehr gut umgesetzt.


INFO-BOX

Angelegt am 07.04.2015, 14:15
Zuletzt aktualisiert 20.10.2016, 15:13
Beitrags-ID 4-101280
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