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  • DE-80809 München
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-175932)

Neubau Sport Campus der TUM im Olympiapark


  • 4. Preis

    Lageplan, © Latz + Partner

    Landschaftsarchitekten
    LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung, Kranzberg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Auer Weber, Stuttgart (DE), München (DE)
    Tragwerksplaner: C-I-P GmbH Ingenieure, München (DE)
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Kirchheim (DE), München (DE)
    Verkehrsplaner: PSLV Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr GmbH, München (DE)
    Brandschutzplaner: hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE), München (DE), Hamburg (DE), Bremen (DE), Braunschweig (DE)
    Modellbauer: Grüne Modellbau, Wolfratshausen (DE)

    Preisgeld
    45.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau / Bebauungsstruktur

    Das Gebäudeensemble der Zentralen Hochschulsportanlage aus den Siebzigerjahren zeichnete sich hinsichtlich der Baumassengliederung durch eine klare Ablesbarkeit der einzelnen Funktionseinheiten in miteinander korrespondierenden Baukörpern aus. Zugleich wurden die Einzelbausteine der Anlage durch Materialität und Konstruktionsprinzip zu einem schlüssigen Gesamterscheinungsbild zusammengefasst.

    Die Neukonzeption des Sportcampus soll das ursprüngliche Konzept der ablesbaren, in den Sportpark ausgreifenden Bauvolumen beibehalten. Zugunsten dieses Grundprinzips wurde daher auf eine extrem kompakte Anordnung der Funktionseinheiten – z.B. in einer Großform – bewusst verzichtet. Auch hinsichtlich der Erstellung in Bauabschnitten bietet diese Anordnung Vorteile, da großflächige Anbauflächen und ein damit verbundener aufwendiger Rückbau bestehender Fassaden vermieden wird.

    Flügelförmig um das Zentralgebäude angeordnet, gruppieren sich die neuen Hallen und Institute mit differenzierten Zwischen- und Außenräumen unterschiedlicher Charakteristik. So entstehen Plätze, Höfe, Dachterrassen und Außentribünen, die sich die Studierenden in vielfältiger Weise aneignen können und die den Campus harmonisch in die bestehende Topografie und das Wegesystem einbinden. Neu angelegte, flach ansteigende Böschungsbereiche entlang der Hallenlängsfassaden, in die Zugangsflure und Geräteräume integriert werden, verweben die Anlage mit den orthogonalen Modellierungen des Grzimekschen Freiflächenkonzepts und verringern optisch wie auch energetisch die Höhe der Fassaden.

    Der „Lichtsatellit“ von Otto Piene findet seinen neuen Platz in zentraler Lage auf einer geschützten Dachterrasse südlich des Zentralgebäudes und in direkter Nachbarschaft zum Mensaaußenbereich.


    Landschaftsplanerisches Konzept

    Das Landschaftskonzept baut auf Grzimeks Prinzip der gegensätzlichen Formen auf und schärft dieses. Die geometrischen Formen der Sportanlagen werden neu interpretiert. Architektur und Landschaft ergänzen sich, die Funktionsverteilung orientiert sich an der Architektur mit einer Verdichtung zum Zentrum und die sich zur Landschaft auffächernden Sporthallen bilden Ausgangs- und Anknüpfungspunkt der Freianlagen. Zentrales Gestaltungselement war und ist die Topografie. Durch eine Rückbesinnung, Stärkung und Ergänzung der Topografie verschwinden die Grenzen zwischen Innen- und Außenräumen; Dachflächen werden begehbar und nutzbar. Das Gebäude wird dort Teil der Landschaft. An anderer Stelle behauptet es durch klare Kanten und Fassaden seine Eigenständigkeit.

    Topografie, Vegetation und Wegesystem sind die drei grundlegenden Parameter für die Wahrnehmung der Freianlagen. Dementsprechend wurden sie herausgearbeitet und gestärkt.

    Topografie – Drei Ebenen
    Die Beziehung zwischen Innen und Außen, Oben und Unten, Landschaftspark und Sportstätte, Wallanlage und Becken bildet die erste Ebene der Topografie. Der Besucher steht auf dem öffentlich zugänglichen Wall und betrachtet die Sportler, damals die Athleten.
    Die zweite Ebene bezieht sich auf die Wälle innerhalb des Geländes. Sie dienen als Rückzugs- und Beobachtungsorte, beherbergen Wasserspeicher und technische Anlagen. Der Zuschauer steht auf dem Wall und schaut den Sportlern zu. Der das Gebiet umgrenzende Zaun wird neu gesetzt und folgt der Topographie so weit wie möglich am Fuß der Wälle und ordnet sich so der Landschaft unter.
    Nuanciert eingesetzte Höhenunterschiede im Gebiet bilden eine zentrale Komponente im topografischen Zusammenspiel. Kaum auffällig terrassieren sie die einzelnen Sportfelder in unterschiedliche Höhen. Die so hervorgerufenen Hangkanten bilden Rückhalt und Struktur der Anlage. Der Spieler bemerkt sie erst, wenn sein verlorener Ball plötzlich stoppt.

    Vegetation – Reduktion auf Wesentliches
    Die von Grzimek gezielt gesetzten Kastanienhaine werden in selber Logik an wichtigen Orientierungspunkten aufaddiert und ergänzt. Mit ihren Raumkörpern sorgen sie für Orientierung und strukturieren den Raum. Im Sommer sind sie als schattenspendende Rückzugsorte konzipiert. Auf den Wällen werden die überalterten Kugelrobinien ersetzt.
    In der Ebene bildet eine begehbare Rasenfläche eine zentrale Campuswiese für vielfältige Nutzungsansprüche. Zweischürige Wiesen auf Wällen und peripheren Bereichen erleichtern die Pflegeintensität.

    Wegesystem – Orthogonalität und Originalität
    Ein zentraler Gedanke bei der Implementierung des Wegenetzes ist, eine Struktur zu schaffen, die offen für Anpassungen und Nutzungsänderungen ist. Orthogonal führen sie jeweils zu verteilenden Plätzen oder zurück zu ihrem Hauptweg. Letzterer bildet begleitet von der Campuswiese die belebteste Achse. Somit wird ein klares Orientierungssystem aufgebaut. Ein Rundweg umfasst das gesamte Gelände und kann für Campusläufe genutzt werden. Durch die Entkopplung der südlichen Zufahrt aus diesem System werden PkW und Sportler getrennt. Über die Zufahrt wird ein kurzer Überblick auf das Gebiet ermöglicht bevor die Straße in die Tiefgarage mündet. Die oberirdische Anlieferung erfolgt über die Connolly-Straße. Mit der klaren Priorisierung der Fußgänger wird der Campuscharakter des Gebietes deutlich gestärkt.

    Nordteil
    Der Nordteil folgt in seiner Systematik dem Südteil. Ein Hauptweg führt über platzartige Aufweitungen zum Vereinsheim im nördlichsten Bereich. Zugleich gliedert er die Golfanlage und die Kleinsportfelder. Der rahmende Wall an der östlichen Kante des Gebietes wird bis zur U-Bahnhaltestelle Oberwiesenfeld fortgeführt und sorgt so für eine zeitgemäße Zugangssituation zum Olympiapark. Gleichzeitig bietet er Aussichtspunkte auf die Golfanlage und bindet über eine neue Fußgängerbrücke das Olympische Dorf besser an. Ein zentraler Platz mit Kiosk bildet Anlauf- und Treffpunkt der einzelnen Sportarten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser folgen der ursprünglichen Konzeption der Anlage und verzichten zugunsten einer klaren Ablesbarkeit der Funktionen auf eine kompakte monolithische Anlage. So fügt sich das Ensemble gut in die sich auch am historischen Bestand orientierenden Freianlagen ein. Die Nord-Süd-Orientierung des versetzten Wegenetzes mit Orten und Plätzen wird erhalten und gestärkt. Städtebaulich erscheint das Ensemble von Freianlagen, Wegeführung, Gebäudeanordnungen und der Ablesbarkeit der Funktionen sehr gelungen. Leider wurde die geforderte Westanbindung des Geländes nicht berücksichtigt. Die im Süden angeordnete Tiefgarage mit unmittelbar angeordneter Zufahrt hält das Gebiet weitgehend vom Verkehr frei. Dadurch wird wie gefordert die Connolly-Straße entlastet.

    Die Höhe der Gebäude wird von Richtung Freisportanlagen scheinbar durch die Anordnung von „Rasentribünen“ reduziert. Diese nehmen gelungen das Thema Sport und Besucher auf und lassen die Gebäude mehr in den Hintergrund treten. Die Fassaden verdeutlichen den architektonischen Ansatz der individuellen Hervorhebung der Funktionen.

    Zu hinterfragen ist die Anordnung des 3. Bauabschnitt wie seiner direkten Anbindung an die Sporthalle, die zwar dann ein Manko des Entwurfes, die direkte Angliederung der Labore an die Sportflächen zumindest teilweise löst, jedoch architektonisch das Entwurfskonzept der Trennung und Identifizierbarkeit der Funktionen wiederum kompromittiert. Auch erscheint die Anlage ohne Realisierung des 3. Bauabschnitts unfertig, das Bestandsgebäude BFTS ist dann noch weniger integriert als beim gesamten
    Ausbau.

    Die Zugangssituation von Osten über Rampe und Brücke im 1. und 2. OG erscheint zunächst schlüssig. Jedoch ist die Brückenanbindung an die Dammkante zu sehr als Bauwerk mit Dach, Rampe, Brücke konzipiert. Hier wünscht man sich eine zurückhaltendere Lösung, die weniger Funktionen erfüllen muss und sich näher am Bisherigen orientiert. Auch könnte das Foyer der Vorlesungssäle durch die Anordnung der vielen Fahrräder im 1.OG kompromittiert sein. Ein ausschließlicher Fahrradzugang vom Damm erscheint nicht ideal, die Erreichbarkeit der Stellplätze aus anderen Richtungen ist nicht gegeben, da diese im 1. OG liegen.

    Der Hauptzugang im Osten im 2.OG führt den Besucher klar in eine gut angeordnete Halle mit großzügiger Treppenanlage durch das Foyer der Vorlesungssäle bis in den Sport- und Umkleidebereich im EG. Die Flure, die von der Halle zu den verschiedenen Bereichen führen sind recht schmal und ohne Aufenthaltsqualitäten. Bei der Größe der Anlage wäre zu überprüfen, ob neben der Halle nicht dezentrale Aufenthaltssituationen unterschiedlicher Qualitäten sinnvoll wären.

    Die wirtschaftlichen Kenndaten liegen im mittleren Bereich. Aussagen zur Gebäudetechnik fehlen.

    Ein Entwurf, der sich im Besonderen an der historischen Vorlage orientiert, sowohl im Landschaftlichen als auch in der Geländekomposition.
    Neben einigen funktionalen Mängeln und der Tatsache, dass die Anlage erst mit Umsetzung des dritten Bauabschnittes „fertig“ erscheint, müsste hinterfragt werden, ob der Entwurf für den Anspruch der TUM an eine zeitgemäße, auch in ihrer Erscheinung identitätsstiftende Anlage genügt.


INFO-BOX

Angelegt am 07.04.2015, 14:23
Zuletzt aktualisiert 10.04.2015, 16:24
Beitrags-ID 4-101295
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