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  • 4. Preis

    Der Neubau wird über eine Steglandschaft erschlossen und steht über den Hochwasserpegel erhoben., © Nickl & Partner Architekten AG

    Architekten
    Nickl & Partner, München (DE), Berlin (DE), Zürich (CH) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: Werner Sobek AG, Stuttgart (DE), New York, NY (US), Moscow (RU), Stuttgart (DE), Berlin (DE), Hamburg (DE), Bomonti-Şişli/Istanbul (TR), Dubai (AE)

    Preisgeld
    14.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit unserem Entwurf wurde ein auf rund 2.800 m² Hauptnutzfläche verteilter, zukunftsweisender Neubau entwickelt.
    Schon von Weitem ist die weiße Sonnenschutzfassade, die das Gebäude von drei Seiten umgibt, sichtbar. Sie kennzeichnet zusammen mit der imposanten, komplett verglasten Eingangsfassade den Entwurf, der fortschrittliche Labors, moderne Büroräume und eine multifunktionale Technikumshalle für die Wissenschaftler vereint.

    Das Wissenschaftszentrum führt in seinen Laborbereichen sowohl chemische, biologische als auch technische Versuchsreihen zu nachwachsenden Rohstoffen und biogenen Reststoffen durch. Bei dem Entwurf des Gebäudes wurde darauf geachtet, dass möglichst viele nachwachsende Rohstoffe verwendet werden.

    So wurde der Rohstoff Holz beispielsweise bei den Bodenbelägen, der Tragkonstruktion der Fassade, im Innenausbau und als Faserstoff bei der Wärmedämmung eingesetzt. Auch Lacke und Anstriche bei der textilen Bespannung des Sonnenschutzes wurden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

    In dem neuen Staubinger Wissenschaftszentrum findet auch die Ausbildung für den neuen Masterstudiengang “Nachwachsende Rohstoffe” statt. Durch den Entwurf des Neubaus sind ausgezeichnete Rahmenbedingungen für den weiteren wissenschaftlichen Ausbau geschaffen worden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit erfüllt alle formalen geforderten Leistungen. Das Raumprogramm ist in der Summe eingehalten.

    Der Gebäudetyp als annähernd quadratischer Baukörper ist in der westlichen Hälfte des Baugrundstückes angeordnet und bildet den nördlichen Abschluss der baulichen Entwicklung des Hochschulcampus. Aus Richtung der wichtigsten Verbindungsachse der Petersgasse wird damit der Blick gefangen und auf den westlich des Quaders angeordneten Eingangsbereich gelenkt. Wegen der in der baulichen Umgebung verträglichen Wandlänge wird dabei die Landschaft der Donauaue nicht vollständig abgeschnitten und ist durchaus noch erlebbar. Die Baumasse ist der Aufgabenstellung angepasst und gut proportioniert. Mit einer Höhe von max. 18,5m sind auch die Vorgaben des Denkmalschutzes erfüllt. Die offene untergeschossige Parkebene ist von Osten her zufahrbar. Eine Störung des westlich angeordneten großzügigen Erschließungs- und Eingangsbereichs ist damit vermieden. Der nördliche Grundstücksteil mit dem baumbestandenem Auerand ist freigehalten und bietet einen adäquaten Übergang zum Donauufer mit einer angemessenen Fußwegeanbindung. Die dargestellte Erweiterungsmöglichkeit im nord-östlichen Gebäudeteil ist denkbar, eine Anordnung weiter südlich über dem offenen Parkplatzbereich wäre jedoch funktional und städtebaulich eventuell wünschenswert.

    Die Anordnung der Funktionsbereiche gewährt einen sinnvollen Betriebsablauf. Die Raumgruppen sind gut zueinander gelegen und verbinden die verschiedenen Lehrstühle kurzwegig. Die Studenten genutzten Bereiche konzentrieren sich auf Ebene 1. Die angenehm zum öffentlichen Landschaftsbereich orientierte Cafeteria und die Ausbildungslabore sind im Gebäude weit voneinander getrennt, was die Funktionsfähigkeit positiv unterstützt. Büros und Labore sind jeweils auf einer Ebene, wodurch eine klare Struktur gefördert wird. Allerdings ergeben sich dadurch längere Arbeitswege. Die Erschließungsflure sind sehr schmal.
    Ein Audimax durch Zusammenlegung von Hörsaal 1 und Hörsaal 2 ist möglich, allerdings werden die Hörsäle längs verbunden, was in der Konsequenz bedeutet, dass ein sehr flaches Gefälle vorhanden ist.
    In der Laborebene sind keine Nebenräume vorgesehen. Zudem ist die Hörsaalerschließung schwierig und wäre zu überarbeiten.
    Der glasgedeckte zentrale Gebäudebereich belichtet die inneren Funktionen und bietet zusammen mit der räumlichen Ausformung eine hohe Qualität im Inneren des Gebäudes (Nut-zungs-/Aufenthaltsqualität). Barrierefreiheit und brandschutztechnische Anforderungen lassen sich erfüllen.

    Der Entwurf mit seinem kompaktem Baukörper liegt im wirtschaftlichen Bereich, sowohl im Bezug auf die Kubatur als auch bei der Gebäudehülle. Die Konstruktion als Stahlbetonskelett mit einer Fassade in Holzkonstruktion wird der Aufgabenstellung gerecht. Der Sonnenschutz aus Holzlamellen ist auf allen 4 Seiten möglich. Die manuelle Steuerung der Lamellen erscheint aber fraglich für den dauerhaften Betrieb. Das Energiekonzept mit Energiepfählen und Betonkernaktivierung erscheint gut realisierbar. Der Einsatz von Wärmepumpen sowie eine Abgrabung in der Parkdeckebene sind wasserwirtschaftlich und kostenseitig fragwürdig.

    Die Kompaktheit des Baukörpers wird aus Sicht des Landschafts- und Gewässerschutzes als sehr angemessen beurteilt. Das Parkgeschoss ist konsequent aufgeständert und durchgängig für den Hochwasserabfluss. Die Verklausungsgefahr (Verstopfung des Abflussquerschnitts durch Treibgut) ist allerdings zu wenig berücksichtigt. Der Eingriff in den Deponiekörper im Bereich des Parkgeschosses durch Eintiefung bis in die Unterbodenschichten ist kritisch zu werten. Die Energiegewinnung (Gründungspfähle) ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht genehmigungsfähig. Positiv zu beurteilen ist der Umgang mit der bestehenden Hochwasserschutzwand, an der nur minimale Eingriffe vorgenommen werden. Den Zugang zum Gebäude ermöglichen die Verfasser mit einer großzügigen Holzkonstruktion aus Treppe und Rampe vom Hochpunkt der Uferstraße aus, versetzt zur Petersgasse. Die Materialwahl wird aufgrund der eingeschränkten Nutzbarkeit des Holzbelags als nachteilig angesehen.
    Insgesamt werden die Belange des sensiblen Standorts weitestgehend berücksichtigt. Die Situierung des Erweiterungsbaus nahe am Gehölzsaum verbraucht die verbleibende Grünfläche zugunsten eines unverständlich großflächigen und optisch wirksamen Parkplatzes.