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  • Anerkennung

    Lageplan, © Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten

    Architekten
    Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Köln (DE), Dresden (DE), Wrocław (PL), Erlangen (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Till Behnke

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    IDEE Das Konzept sieht ein eigenständiges Gebäude vor, dass sich als kubischer Baukörper selbstbewußt mit seinen Inhalten identifiziert und seinen attraktiven Außenraum bewusst in Beziehung setzt. Im Überschwemmungsgebiet des Donauhochwassers ist der Neubau hochwassersicher zu planen und zu erschließen.

    STÄDTEBAU Die Ausrichtung des neuen Lehr- und Forschungsgebäude wendet sich zum attraktiven Wasser. Durch die Drehung aus der strengen Flucht der Uferstrasse und dem Aufbrechen der bestehenden Hochschutzmauer, öffnet sich der Neubau nahezu selbstverständlich dem Besucher. In der weiteren Entwicklung des Wissenschaftszentrums sehen wir die Schaffung einer attraktiven Wegeverbindung zum bestehenden Campus, sowie eine Stärkung und Einbeziehung der attraktiven Uferpromenade in das modere Forschungsumfeld.

    TYPOLOGIE Das Gebäude ist als kubischer Baukörper mit Sockelgeschoss und 3 Obergeschossen konzipiert. Durch die u-förmige, geschossweise differente Anordnung der Nutzungseinheiten um den zentralen Innenhof, entwickelt sich eine dynamische Leichtigkeit der Ebenen, mit Terrassen, und innenliegenden Dachgärten. Das Erdgeschoss ist zu einem Großteil aufgeständert. Die überdachte freie Fläche wird als Parkierung genutzt, die sich über die westliche Gebäudekanten hinaus in die natürliche Umgebung ausläuft. Der zentrale Innenhof sowie die Freiflächen der Ebenen ermöglichen eine natürliche Belichtung aller Nutzflächen, bieten gute Orientierung und eine kommunikationsfreundliche Atmosphäre alle Ebenen hinweg. Die Haupterschließung, die Adressbildung des Neubaus, erfolgt über die Uferstrasse, als einladende Treppen- und Rampenanlage in das 1. Obergeschoss. Ein direkter Gebäudezugang von Seiten der Parkplätze ist ebenerdig berücksichtigt. Die innere Erschließung erfolgt über alle Ebenen über eine zentrale Treppe und den Aufzug sehr orientierungsfreundlich- am zentralen Innenhof gelegen.
    Zusätzlich stehen zwei weitere Treppenhäuser als zweiter Fluchtweg und Kurzverbindung über die Ebenen zur Verfügung. Die barrierefreie Gestaltung und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit berücksichtigt das Gebäude und die Freianlagen. Die Anlieferung, Ver- und Entsorgung erfolgt in der Regel über den vorgelagerten Platzbereich auf Ebene 0, direkt von der Uferstraße; entsprechende Fahr- und Rangierflächen sind in diesem Bereich berücksichtigt. Der Anlieferbereich ist mit einem natürlichen Sichtschutz von den öffentlichen Wegen abgeschirmt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser schlägt einen einfachen kubischen Baukörper vor, der sich unaufgeregt im
    Landschaftsraum als eigenständiges Gebäude darstellt. Die Kompaktheit des Baukörpers
    trägt dazu bei, dass die Baumasse, trotz ihrer Lage im Landschaftsraum, nicht aufdringlich wirkt.
    Die Ausrichtung parallel zur Donau ermöglicht zudem einen angemessenen Vorplatz zur
    Uferstraße.
    Die Nähe von Fahr- und Fußverkehr wird kritisch beurteilt Der Eingang fokussiert sich nur
    bedingt auf die Petersstraße sondern eher auf eine fiktive Campusentwicklung, die
    nach Auslobung nicht realistisch ist.

    Der Haupteingang führt großzügig auf Ebene 1 in den Bereich der Seminar- und Hörsäle. Das Erleben der Terrasse, des Innenhofs mit Tageslicht und der Cafeteria mit Orientierung
    zur Donau schafft auch im Innenraum einen unmittelbaren Bezug zum Außenraum und
    erzielt eine gute Orientierung. Nach dem kompakten äußeren Erscheinungsbild ist dies eine angenehme Überraschung im Inneren. Ein wenig mehr Differenzierung würde das Preisgericht sich in der gestalterischen Ausformulierung des Haupteingangs wünschen.

    Die Erschließung in die Obergeschosse ist attraktiv am Innenhof gelegen, erscheint aber
    nicht ausreichend dimensioniert. Negativ wird die Durchmischung in der Erschließung der
    Forschungs- und der Ausbildungslabore gesehen.

    Die Funktionen sind plausibel geschossweise gegliedert. Die Drehung der Wegeführung
    schafft auch in den Obergeschossen Terrassen und Dachgärten und räumliche Bezüge zwischen Innen und Außen.
    Die technische Ver- und Entsorgung der Labore ist lediglich für die Querspange der Labore gegeben und in den beiden Laborflügeln sehr eingeschränkt. Die Erweiterungsmöglichkeiten sind aufgrund des solitären Gebäudetypologie lediglich als weiterer Baukörper vorstellbar.

    Die Konzeption eines zusammenhängenden Baukörpers ermöglicht bei klarer funktionaler
    Gliederung und Zonierung kurze Wege, gemeinsame Treffpunkte und insgesamt gute Voraussetzungen zur Kommunikation aller Nutzer im Gebäude.

    Das Planungs- und Baurecht wird eingehalten. Die Planungskennwerte liegen im mittleren Bereich.

    Im architektonischen Ausdruck und der Fassadengestaltung findet das Konzept des einfachen kubischen Baukörpers in der Materialwahl und Gliederung seine Fortführung. Die Gliederung der geschlossenen und transparenten Flächen sowie das Zusammenspiel von vertikalen und horizontalen Gliederungen lassen einen angenehm proportionierten Baukörper entstehen.

    Durch die Drehung des Baukörpers parallel zur Donau und die Verschwenkung der Hoch
    wasserschutzwand entsteht ein großzügiger Vorplatz mit einer flächensparenden, kurzen
    Zufahrt ins Parkgeschoß. Dies bewirkt zusammen mit den anschließenden Räumen im Tiefgeschoß einen relativ hohen Verlust des Retentionsraums. Die im Hochwasserbereich angeordneten Zugänge innerhalb des Gebäudes stellen ein Sicherheitsrisiko dar und sind deswegen redundant zu verschließen. Weitere wasserwirtschaftliche Anforderungen sind eingehalten, die Energiegewinnung (Gründungspfähle) ist genehmigungsfähig.
    Die Freifläche im Westen des Gebäudes wird vollständig mit Parkplätzen verbraucht. Zusammen mit der Ausrichtung des Erweiterungsbaus nach Osten ist dies unverständlich. Die im Eingangsbereich vorgeschlagene grüne Rampe mit barrierefreiem Zugang und Sitzstufen zur Zufahrt hin schmälert in ihrer als unangemessen bewerteten Kleinteiligkeit Funktion und Qualität dieser öffentlichen Vorzone an der Uferstraße.

    Insgesamt eine Arbeit, die einen einfachen Bautypus sorgfältig und sinnfällig ausformuliert und in der inneren Organisation und dem äußeren Erscheinungsbild eine zurückhaltenden und angemessen Antwort auf die Aufgabe und den Standort darstellt.