loading
  • DE-89264 Weißenhorn
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-196617)

Umgestaltung des Schlossplatzes


  • 1. Preis

    Blick auf die Pfarrkirche, © Schegk

    Landschaftsarchitekten
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Schlossplatz Weissenhorn

    Der Schlossplatz in Weissenhorn erhält durch den Anbau des Braugasthofs eine neue städtebauliche Gestalt, er nimmt annähernd die Form eines Dreiecks an und öffnet sich im Westen nur noch einen Spalt. Die Perspektiven auf dem Platz ändern sich entscheidend: von Kirche und altem Rathaus blickend verjüngt sich der Platz rasch und scheint undurchlässig, von Osten kommend weitet sich die Perspektive auf das großartige Rund des Platzes mit Schlössern, Kirche, Gasthof und altem Rathaus.
    Der Entwurf betont die Eigenständigkeit der beiden Schlösser, indem er dem Platz zwischen Schlössern und Braugasthof einen vom sonstigen Stadtboden abweichenden Belag zuweist. Anstelle des ‚gemeinen‘ Kleinpflasters auf den Plätzen und in den Gassen Weißenhorns wird auf dem Schloßplatz ein größerformatiger Belag aus Naturstein-platten (Granit) gelegt, der Platz und Raum eine gewisse Noblesse und Distance verleiht, gleichzeitig aber ob seiner komfortablen, gestockten Oberfläche, zum Verweilen einlädt.
    Konsequent wird die Trennlinie beibehalten, die in den vergangenen Jahrzehnten mit einem aufwendigen Zaun die Trennung zwischen Rathaus- und Schlössern aufgezeigt hat. Allerdings beschränkt sich diese Linie künftig auf großformatige, niveaugleich eingebaute Platten. Dieser Streifen markiert den Übergang zwischen den Platzräumen, lässt aber die Passage mit Fahrrad oder zu Fuss zu, im Brandfall auch für den Feuerwehreinsatz. Zusätzlich werden auf dieser Linie auch schlanke Lichtstelen gestellt, die den Raum beidseitig erleuchten, zusätzlich aber auch auf subtile Weise den Raumabschluß der beiden Plätze definieren. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch die Bankelemente im Süden. Sie laden sowohl die Kirchgänger im Osten wie die Besucher des Rathauses im Westen zum Verweilen und helfen dabei noch, einen kniffligen Höhensprung.zwischen Rathaus und Kirchplatz zu bewältigen. in die Stelen lassen sich auch Lautsprecher integrieren.
    Eine als eingetieftes Plattenband bewusst hervorstechend geplante Entwässerungs-rinne durchzieht den Platz und erzeugt zusätzliche, aber temperierte Spannung. Diese wird durch den einzelnen Baum im Hof (Ginkgo biloba) noch verstärkt.
    Der größere Teil der Außengastronomie mit den vorgegebenen Schirmen liegt vor dem Braugasthof und damit im Bereich des allgemeinen Stadtbodens aus Kleinpflaster. Dies endet am westlichen Plattenband und führt ostseitig um das ganze landwirtschaftliche Anwesen herum und weiter bis zur ‚grünen Fuge‘ in der Randbebauung am Graben.
    Hier wechselt der Belag nochmals und führt als extensiviere Wegefläche mit Wassergebundenem Belag über den ehemaligen Graben aus der Innenstadt hinaus in die Bereiche vor der Mauer. So wird auch die Südseite des neuen Rathauses künftig erschlossen, z.B. mit Parkständen für Fahrräder.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Aus einer guten Analyse des Bestandes heraus entwickeln die Verfasser klar durchdacht ihr
    ansprechendes Konzept durch eine angemessene Konzentration auf wenige aber ortsangemessene Prämissen und Setzungen – Platz als Teil der steinernen Innenstadt, Platz als Teil des Ganzen und doch mit individuellen Akzenten, Platz räumlich durch die Bauten gefasst und durch einen gut gesetzten Solitär richtig akzentuiert.
    Der gut nachvollziehbar sich in einer eigenständigen Materialität absetzende „Schlossplatz“ spannt sich in einer räumlich angemessenen Neigung zwischen den Höhenfixpunkten auf. Die klar betonte Tieflinie im Belag korrespondiert spannungsreich mit der dritten Dimension des eng zulaufenden Raumes.
    Sinnfällig setzt sich der Platz mit einer flachen Rampe in Richtung Wettbachstraße fort, wenngleich deren Abschluss lediglich in der bestehenden Rasenfläche noch unentschlossen erscheint. Wenngleich das Absetzen des inneren Platzes mit einer anderen Materialität für richtig erachtet wird, wirft der vorgeschlagene Plattenteppich kritische Fragen nach der Angemessenheit der Struktur und
    Befürchtungen vor einer möglicherweise unangemessenen Sterilität auf.
    Fragwürdig ist die Neuinterpretation des derzeit bestehenden Gitters durch Lichtstehlen und einer auf den ersten Blick unmotiviert, partiell eingespannten Bank. Gestalterisch wird so die Trennung zwischen den Teilräumen auch zukünftig übermäßig deutlich betont, die Flexibilität in der Bespielung eingeschränkt und die Change auf ein besseres Zusammenspiel der Flächen vergeben. Zudem beengt sie
    unnötig die erforderliche Feuerwehrzufahrt.
    Die Arbeit lässt sich in einem wirtschaftlich angemessenen Rahmen realisieren und unterhalten. Die Arbeit stellt so im Ganzen einen guten wie angemessen Beitrag für die gestellte Aufgabe dar, der jedoch in den Teilbereichen und Übergängen noch deutliche Fragen offen lässt.

    Das Preisgericht empfiehlt dem Auslober mehrheitlich, den Verfasser der Arbeit
    die mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde, auf der Grundlage seines Wettbewerbsentwurfs unter Würdigung der vorangegangenen Beurteilung der Jury mit den weiteren Planungsleistungen entsprechend der Auslobung zu beauftragen. Insbesondere sind dabei die Höhenunterschiede entlang des Schlosses barrierefrei auszuführen. Beim Übergang zum Wettbach ist eine großzügigere Wegeführung zu gestalten, und der Lüftungsschacht vor dem Hotel ist ebenengleich und unauffällig in der Materialität in den Platz zu integrieren.


INFO-BOX

Angelegt am 15.04.2015, 17:53
Zuletzt aktualisiert 04.05.2015, 16:42
Beitrags-ID 4-101676
Seitenaufrufe 311