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  • DE-85072 Eichstätt
  • 01/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6002)

Neubau Freischwimmbad


  • 1. Preis


    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Bearbeiter: Wolfram Böttiger

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschafts- / Umweltplaner: Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Inselbad in der Altmühl bei Eichstätt


    Die Insel in der Altmühl ist dem Bade vorbehalten. Sie ist zwar nicht vollständig bebaubar, aber doch nahezu vollständig für die Badegäste nutzbar.

    Die Insel bildet eine ca. 800 m Uferlinie aus, die zukünftig auch als Strand nutzbar wäre, sollte das Wasser der Altmühl Badewasserqualität erreichen. Unabhängig davon bindet die Nahtstelle zwischen Wasser und Landfläche eine sehr attraktive landschaftliche Situation, welche wir mit unserem Vorschlag für das neue Freischwimmbad aktivieren und attraktivieren wollen.

    Die Insel bildet in ihrer Mitte einen erhöhten ( 388,9 m) Bereich aus. Die Fläche ist befestigt und vor Hochwasser sicher. Hier sind die Becken für die Sportschwimmer, die Springer, die Freizeitbadenden und die Kinder in kompakter Bauweise angeordnet. Dies hat technische Vorteile und nimmt wenig von der Grünfläche weg.

    4 Erhebungen überformen die Insel. Sie sind maximal 4 m über dem Gelände und wie selbstverständlich in das Auengrün eingebettet.
    Der größte Hügel nimmt die Technik- und Umkleidebereiche auf und trennt gleichzeitig das Freibad von der Parkplatzsituation. Ein weiterer Hügel bildet Hintergrund für eine kleine Tribünenanlage, die parallel zum Sportschwimmbecken angeordnet wird. Von dort genießt man einen hervorragenden Überblick.

    Am südlichen Ende der Insel nimmt ein weiter Hügel eine kleine WC-Anlage auf.

    Alle Hügel miteinander bilden Räume und Teilräume auf der Insel mit der Möglichkeit unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten zu erzeugen: Offenheit oder Geborgenheit, Überblick oder Verträumtheit, unter den Bäumen oder auf der Wiese, ….

    Die Insel selber ist von Norden an zwei Punkten erschlossen. Die beiden Punkte sind kurzgeschlossen und bilden eine begrünte Parkplatzfläche aus (für das Jugendhaus und für das Schwimmbad).
    Der “Eingangshügel” entwickelt von Osten ein begrüntes Vordach und signalisiert so eine klare Eingangssituation.

    Topografie und Vegetation sind so geordnet, dass der Blick auf das Kloster St. Walburga und die Altstadt Eischstätt erhalten und in Szene gesetzt wird.

    Den Belangen des Hochwasserschutzes ist Rechnung getragen: Die Lage der Gebäude und Becken ist in schützender Höhe (388,9 m). Die Abflussbereiche entlang der Uferlinie sind freigehalten.

    Zusammengefasst lässt sich unser Konzept folgendermaßen beschreiben:
    Wir wollten wenig bauen und die privilegierte naturräumliche Qualität des Freibads auf der Altmühlinsel durch wenige Eingriffe unterstützen. Die formale Sprache der Maßnahmen imitiert nicht die Natur, sie zeigt vielmehr den ordnenden Eingriff in kultivierter Landschaftsgestalt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Aufnahme einer Hauptrichtung wird vermieden, somit entsteht
    keine Dominanz über die Insel. Das Gebäude erscheint vom neuen
    Weg aus als Landschaftselement und nicht als Gebäude, weil das
    begrünte Dach fließend in eine Erdmodellierung übergeht. Die Sichtbeziehung
    in Richtung der Stadtkulisse ist nicht gestört. Das Umkleide-
    und Technikgebäude tritt nicht als ausgeprägte Form in Erscheinung,
    es wird von der Landschaftsgestaltung bestimmt und
    überlagert. Die vorhandene Linde muss entfernt werden. Der neue
    Standort der Betonskulptur muss geklärt werden.

    Die äußere Erschließung ist bezüglich Fußgänger, Fahrverkehr und Anlieferung getrennt. Der fußläufige
    Zugang ist in der Achse des Fußgängerstegs richtig positioniert. Die innere Erschließung
    erfolgt über drei Hauptachsen, die sich bereits am Eingang trennen. Die Durchschreitbecken sind
    gut zu den Schwimmbecken und der Liegewiese positioniert.
    Das Erlebnisbecken ist mit dem benachbarten Kinderbecken und Spielbereich zu einer sinnvollen
    Einheit zusammengefasst. Die lärmerzeugenden Bereiche sind so zusammengefasst, dass das Gebäudedach
    die Wohnbebauung im Norden schützt. Die räumliche Anordnung von Dusche, WC
    und Umkleiden ist nicht optimal und müsste überdacht werden.
    Die Tageslichtbeleuchtung der Umkleidekabinen und der Sanitätsbereiche beschränkt sich auf Oberlichter
    und ist kritisch zu sehen. Die geforderten Innenraumfunktionalitäten sind gegeben (Kiosk
    mit teilweise überdachter Terrasse, Badeaufsicht usw.). Der Gang zu Umkleide und Dusche ist sehr
    schmal.

    Die Anordnung der Becken ist so, dass diese von einer einzelnen Aufsichtsperson überwacht werden
    können. Der Kinderbereich ist von den für Kleinkinder gefährlichen Schwimm- und Sprungbecken
    getrennt. Zu den Badeattraktionen gibt es wenig Aussagen.
    Das Verhältnis zwischen Erlebnis- und Sportbecken ist ausgewogen. Das Sprungbecken ist niveaugleich
    zu den anderen Becken, was einen hohen Bauaufwand zur Folge hat. Die Freianlagen sind
    nach dem Prinzip gestaltet, dass das Gelände an die Gebäude und Becken herangezogen wird.
    Somit werden Gebäude und Becken in die neue Topographie eingebettet. Hierdurch ergeben sich
    organisch eingefügte Liege- und Tribünenstufen.
    Darüber hinaus ergeben sich noch andere vielseitig nutzbare Freibereiche wie Liegewiese zur Altmühl
    und zum Altmühlkanal, die durch die Tribünen vom Lärm abgeschirmt sind. Die Größe der
    zusammenhängenden Liegewiese ist noch ausreichend.
    Die Hochwasserbelange sind im wesentlichen berücksichtigt. Das Kleinkinderbecken ist im Hochwasserbereich
    und unterhalb des Hq 100. Zufahrt für Feuerwehr sowie Rettungswege sind ausreichend
    angedacht. Der Behindertenzugang von der Badeplatte zur Liegewiese ist nicht dargestellt.
    Die in der Auslobung geforderten Funktionalitäten werden erfüllt. Die Konstruktion ist kompakt und
    aufgrund ihres Bruttorauminhaltes sehr wirtschaftlich.