loading
  • Nachrücker

    © DIN A4 Architektur

    Architekten
    DIN A4 Architektur ZT GmbH, Innsbruck (AT) Büroprofil

    Erläuterungstext
    STADT, WISSENSCHAFT, FLUSS
    Eingebettet zwischen Urbanität und Natur liegt das Wissenschaftszentrum Straubing. Für den geplanten Neubau des Chemieinstituts beteiligte sich DIN A4 Architektur am nicht offenen Wettbewerb, ausgeschrieben vom staatlichen Bauamt Passau. Der eingereichte Entwurf wurde mit einer Anerkennung ausgezeichnet.

    STÄDTEBAU
    Urbane Bebauung und weitläufige Donaunatur ? in diesem Kontext definiert sich die Architektur des geplanten Projektes in ihrer funktionellen und gestalterischen Ausformulierung. Der aufgeständerte Baukörper mit seinem ausladenden Deck ruht wie ein Schiff im Hafen, die Treppen und Rampen funktionieren als Landestege zu Stadt und Natur. Durchschnitte, Sichtachsen, Rücksprünge und Höfe dienen als Kommunikationsmodul zwischen Innen und Außen.

    ARCHITEKTUR
    Der Entwurf sieht die Aula im Erdgeschoß als kommunikatives Bindeglied zwischen allen Lehr- und Ausbildungsbereichen vor. Durch eine Raumhöhe von sechs Metern und entsprechender Lichtführung erhält der Begegnungsraum einen leichten Charakter. Über den Seminarräumen und dem Ausbildungslabor im Zwischengeschoß werden Technik, Technikverteilung und Administration untergebracht. So können alle Bereiche haustechnisch optimal erreicht werden. Im Obergeschoß dient eine Kommunikationszone als Bindeglied zwischen Büro- und Labortrakt.

    RESSOURCENSCHONENDE PLANUNG
    Besondere technische Anforderungen stellt das Lehr- und Forschungsgebäude an Raumklima, Stromversorgung und Sondermedien. Für einen wirtschaftlichen und gleichzeitig ressourcenschonenden Betrieb werden beispielsweise die Wärmeerzeugung mittels Erdwärme, die Nutzung des Flusswassers zur Kühlung sowie Photovoltaikpaneele am Dach vorgeschlagen. Das Materialkonzept basiert hauptsächlich auf ökologischen Überlegungen, so wird das Augenmerk besonders auf die Vermeidung ''graue Energie'', Treibhaus- und das Versäuerungspotenzial gelegt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der fast quadratische Baukörper, der alle Funktionen unter einem Dach vereint, liegt leicht gedreht in der Donauaue. Das Gebäude nimmt den Großteil des zur Verfügung stehenden Baugrundstücks ein. Eine Erweiterungsmöglichkeit ist nicht nachgewiesen und besteht auf dem Grundstück nicht.

    Die Petersgasse führt schlüssig direkt auf den westlichen Vorplatz zu. Der an sich großzügige Eingangsbereich von Westen ist durch die durchbrochene Hochwassermauer nicht wahrnehmbar, es entsteht eine abweisende Eingangssituation. Dem vom Verfasser als Marktplatz titulierten Eingangsbereich fehlen eine innere Klarheit und einladende Orte der Kommunikation. Die sehr tief überdachte Nordterrasse bei der Cafeteria wird nicht die vom Verfasser gewünschte Aufenthaltssituation erreichen.
    Positiv ist, dass alle hoch frequentierten Nutzungsbereiche für Studierende im Erdgeschoss zusammengefasst werden. Der Nachweis eines ansteigenden Gestühls im Audimax fehlt.
    Im Obergeschoss wird unterschieden zwischen einem Laborwinkel und einem dreihüftigen Bürowinkel. Die innenliegende Zone im Bürotrakt wird durch Innenhöfe gut belichtet. Der Dachgarten im Obergeschoss überzeugt nicht, weil er keinen Bezug zur umliegenden Donaulandschaft hat.
    Die vorgeschlagenen Schächte für die Labore sind zu klein. Die zwischengelagerten Technikgeschosse sind in der Höhe knapp bemessen. Das konstruktive Konzept des Gesamtgebäudes ist aufwändig.
    Die bündige Fassadengestaltung aus Wärmedämmverbundsystem und Fensterelementen
    überzeugt nicht und ist kein Beitrag für regionales Bauen.
    Die Gesamtwirtschaftlichkeit liegt im unteren Bereich.
    Im insgesamt einfachen Baukörper wird versucht großzügige und attraktive Räume zu schaffen. Es fehlen jedoch Ruhe und Klarheit in der räumlichen Konzeption.

    Das relativ kompakte Gebäude liegt etwa in der Grundstücksmitte, etwas gedreht zur Uferstraße, und lässt ausreichend Abstand zum Ufergehölz. Der große Vorplatz im Westen erzeugt Landschaftsbezug und einen hohen Erlebniswert des Flussvorlands, liegt jedoch im Überschwemmungsbereich. Der alternativ dazu angebotene Hochwasserzugang ist bescheiden dimensioniert, aber im Konzept konsequent.
    Die Nutzung von Uferfiltrat zur Energieerzeugung ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht nicht zustimmungsfähig. Weitere Anforderungen des Hochwasser- und Gewässerschutzes sind eingehalten.
    Die Führung der grundsätzlich richtigen Zufahrt von Osten erscheint wenig flüssig. Die übrige angedeutete Freiflächengestaltung ist angemessen.