loading
  • DE-68309 Mannheim
  • 04/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-171177)

Grünzug Nordost und BUGA (Bundesgartenschau) 2023


  • 1. Rang städtebaulicher Teil


    Architekten
    Studio Wessendorf, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Atelier Loidl, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ein schlüssige Idee: der Grünzug zwischen Luisenpark und Käfertaler Wald wird im Kernbereich der Bundesgartenschau zwischen den Spinelli Barracks und dem Hochgestade über ringförmig angeordnete Orte mit eigener Carakteristik und Atmosphäre definiert: der Sport Arena in der UHalle, die Kultur- und Reithöfe, die Alte Gärtnerei an der Feudenheimer Au, der Naturbadesee am Hochgestade, das Rolldreieck für Skater auf erhaltenen Asphaltflächen und das Dirt Camp für die Biker.
    Mit der Fokussierung auf Kultur, Sport und Bewegung verleihen die Verfasser dem Raum
    nachhaltige Qualität und Anziehungskraft, ohne den großräumigen Grünzug zu vernachlässigen.
    Zwei Themen hätten etwas konsequenter formuliert werden können: Der Schnellradweg könnte etwas zügiger trassiert werden – so zumindest die Meinung der Radler im Preisgericht. Auch die Passage durch die Kleingartenzone im Süden der Feudenheimer Au hätte durchaus etwas großzügiger ausfallen können und der Vision einer Durchbindung zum Neckar stehen auf Sicht die Gartenbaubetriebe im Wege.
    Der Badesee ist aus Sicht des Preisgerichts zu groß ausgefallen. Der zur Erschließung der Au vorgeschlagene Einschnitt in das geschützte Hochgestade ist nach der Satzung der Stadt Mannheim nicht realisierbar und wird auch hinsichtlich seiner perspektivischen Sinnhaftigkeit kontrovers diskutiert. Erreicht wird über diese hervorgehobenen Orte eine Neudefinition des Raums, die Spinelli – über den episodischen Event der Gartenschau hinaus – zu einer ersten Adresse in Mannheim machen kann. Die szenische Inwertsetzung funktioniert dabei gleichzeitig über die Nutzung – etwa bei den Kultur- und Reiterhöfen, über einen kraftvoll gestalteten Landschaftsraum mit einer sequentiell gestalteten Parkschale und schließlich über kunstvolle Objekte – wie etwa beim dreidimensional ausgeführten Schwimmring auf der Wasserfläche, dessen Zeichenhaftigkeit bereits jetzt die mögliche Publikumswirkung der Bundesgartenschau erahnen lässt. Erfreulich ist, dass Bestandsgebäude, Bodenbeläge und Gleisanlagen in das Freiraumkonzept aufgenommen sind und die Unverwechselbarkeit der Lösung unterstützen. Eine Chance, das Erschließungsraster von Spinelli zu integrieren, haben die Verfasser nicht aufgegriffen. Die aus der stadtlandschaftlichen Vision abgeleitete Konzeption für die Gartenschau trägt. Der Rückbauaufwand hält sich in machbaren Grenzen. Veränderungen der Gartenschaugrenze liegen im Bereich des Möglichen.
    Die Inszenierung der U-Halle während der BUGA als Gartenschauausstellung und anschließend, mit freier Stützenkonstruktion versehenen und segmentierten Sportbereichen aufgefüllt, scheint sowohl funktional wie szenisch richtig.
    Die angebotene städtebauliche Lösung lebt von sinnvollen Verbindungen aus dem neuen Südrand von Käfertal in die landschaftliche Weite. So wird die grüne Mitte an der Anna-Sammet-Straße über eine vorgeschaltete Grünzone sinnvoll mit der Wiesentribüne verbunden. Schlüssig angeordnet sind auch die neu eingefügten Plätze, die über zum Teil lange Wegeachsen in den Grünzug hinein und zu den besonderen Orten führen.
    Die neuen Quartiere sind sinnvoll gegliedert und werden von den Verfassern im Sinne des Parzellenstädtebaus interpretiert – unspektakulär aber durchaus hochwertig. Damit bieten sie der Stadt Mannheim eine Option, die Bauflächen am Rand der Gartenschau für ein aktuell sehr interessantes Marktsegment zu öffnen. Das setzt allerdings voraus, dass die bauliche Entwicklung über ein Flächen- und Wohnungsbaumanagement begleitet wird. Sollte dies gelingen, könnten die neuen Quartiere und die Landschaft zu einer einzigartigen Symbiose verschmelzen.