Atelier LOIDL Landschaftsarchitekten, © Atelier LOIDL Landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitekten
Mitarbeit
Nina Dvorak,
Maren Pretzsch
Preisgeld
8.000 EUR
Erläuterungstext
Erläuterungstext
Ideen- und Realisierungswettbewerb Bayrischer Rundfunk – Standort München Freimann
Entwurf der Freianlagen - Ideenteil
Eine Neugestaltung der Freianlagen des Campus Freimann muss ganz unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden.
Sie muss zum einen den komplexen betrieblichen Anforderungen des Standort entsprechen, zum anderen soll sie den Campus Freimann des Bayrischen Rundfunks zu einem attraktiven Aufenthalts- und Arbeitsraum machen. Die Lage im Naturraum der Isarauen erfordert zudem eine landschaftsgerechte Gestaltung, sowie einen besonders sensiblen Umgang mit bestehenden Freiraumstrukturen.
Freiräume
Die Gestaltung der Freiflächen folgt in ihrer großräumigen Zonierung den funktionalen Gesamt - Anforderungen.
Durch die städtebauliche Neuordnung des Geländes werden Zonen mit klarer Nutzungszuordnung geschaffen.
Die Zonierung des Freiraumes folgt diesen Funktionszonen:
Öffentlicher Zugangsbereich
Ein öffentlicher Eingangsplatz ist von der Straße aus einsehbar und leitet Besucher vom Parkhaus zum Besucherzentrum. Die Fläche ist hochwertig befestigt und hat einen repräsentativen Charakter. Ein imposanter Einzelbaum (Naturdenkmal Bestand) ist attraktiver Blickfang.
Repräsentativer, belebter Campus - Innenraum mit Außenbereichen von Besuchercafe und Kantine
Durch das Besucherzentrum gelangt man in das Innere des Campus. Der durch Besucherzentrum, Kantine und das zentrale Betriebsgebäude gebildete Raum ist geprägt durch die Gestaltung der Außensitzbereiche, Stauden- und Rasenflächen.
Das im vorhandene Staudenthema wird aufgegriffen, ein großzügiger Staudensaum umschließt die mittige, besonnte Rasenfläche, bettet Terrassenbereiche von Besucherzentrum und Kantine ein und schafft einen einladenden, attraktiven und geschützten Campus – Raum. Mit Birken bestandene, breite Fußwege entlang der Straße leiten weiter hinein ins Campus – Innere. Die Außenbereiche des Besuchercafes und der Kantine ermuntern jedoch auch zum Verweilen in diesem ansonsten eher dynamisch geprägten Bereich.
Zentraler Knotenpunkt – Grüne Insel
Die Gebäude Haus 2 (Zentrales Betriebsgebäude), Wellenhaus, Aktualitätenzentrum und Fernseh – Produktionskomplex sind durch zahlreiche wichtige Workflowbeziehungen miteinander verknüpft.
Diese bedeutende Beziehung zueinander wird auch im Freiraum ablesbar gemacht. Die straßenbegleitenden Fußwege im Inneren des Erschließungsringes weiten sich in diesem Bereich platzartig auf. Dies garantiert einerseits kurze Wegebeziehungen zwischen den zentralen Funktionsgebäuden, andererseits werden Aufenthaltsflächen geschaffen, die der Interaktion und Kommunikation der Mitarbeiter dienen.
Ein zentrales „Dreieck des Austausches“ wird so auch im Freiraum verwirklicht. Es stärkt den Informationsfluss zwischen den unterschiedlichen Funktionsbereichen und lässt diesen Bereich des Campus eng zusammenwachsen.
Der geschaffene Platz umschließt eine „Grüne Insel“, in deren Mitte, gesäumt von Wiesenflächen, die alte Bunkeranlage bestehen bleibt. Die bestehenden, auch die Wegeflächen überspannenden, Gehölze bilden zudem einen gewissen Witterungsschutz für Fußgänger.
Landschaftliche Campus – Mitte
Durch die randbetonte Bebauung und ringartige Erschließung des südlichen Campusbereiches, entsteht im Inneren eine offene Freifläche. Diese großzügige, besonnte Rasenfläche kann als geschützte, helle Lichtung, in der ansonsten dicht bewachsenen Isaraue wahrgenommen werden.
Bestehende Gehölze werden ausgelichtet und zu Gruppen zusammengefasst. Der Raum erhält einen offenen, freundlichen, campusartigen Charakter. Blickbeziehungen zwischen den umgebenden Gebäuden werden geschaffen.
Gehölzgruppen werden von großzügigen, extensiv gepflegten Wiesenflächen gesäumt um einer harmonischen, landschaftsnahen Gestaltung gerechter zu werden. Mögliche Rasenflächen für Sportangebote können gegebenenfalls in die Wiesenflächen integriert werden und treten so dezent zurück. Wegebegleitendes Mobiliar, sowie die Grünflächen an sich, laden zum Verweilen ein.
Logistikflächen
Durch die städtebauliche Neuordnung des Geländes ist es möglich, nahezu sämtliche Anlieferungs- und Logistigflächen im rückwärtigen, nördlich gelegenen Bereich des Campus zu bündeln. Durch die einheitliche Materialität wird dieser Bereich zu einer Fläche zusammengefasst, die als Park- Rangier- und Verkehrsfläche fungiert.
Kleine Gehölzgruppen spenden Schatten und lockern die zusätzlich Fläche auf.
Erschließung
Verkehr
Die Erschließung erfolgt weiterhin über eine Ringförmige Straßenanlage.
Mit dem Ziel der Reduzierung des campusinternen Verkehrs wird, neben der Hauptzufahrt von der Floriansmühlstraße im Norden aus, eine zweite Zufahrt von Süden über die Leinthalerstraße geschaffen.
Während der Haupteingang durch sämtliche Fahrzeuge passierbar ist, ist der südliche Nebeneingang Mitarbeitern (PKW, Fahrrad, Fußgänger) vorbehalten. Großfahrzeuge, sowie Besucherverkehr werden durch den Nördlichen Eingang ins Gelände geleitet. Ankommende Gäste bewegen sich vom Parkhaus Nord über einen Eingangsplatz zum Besucherzentrum (Zugangskontrolle) und gelangen von diesem aus ins Innere des Campusgeländes.
Versorgungsfahrzeuge werden direkt am Eingang, getrennt vom Haupterschließungsring, auf einer gesonderten Straße in den rückwärtigen Logistikbereich des Campus geleitet. Hierdurch wird die größtmögliche Trennung geräuschemittierender Nutzungen und geräuschsensitiver Bereiche erreicht.
Ein Anschluss des Geländes an den öffentlichen Busverkehr ist möglich. Eine Wendeschleife ist im Bereich des nördlichen Eingangsplatzes vorgesehen. Die arealinterne, ringförmige Haupterschließungsstraße ist zudem auch durch mehrachsige Busse nutzbar.
Straßenbegleitend führen großzügige Fußwege ins Innere des Campus. Im zentralen Campusbereich zwischen Aufnahmestudios, Gebäude 2 und dem Wellenhaus erfolgt eine Aufweitung der Wegeflächen. Diese umschließt eine zentrale Grüne Insel, in deren Mitte die ehemalige Bunkeranlage verortet ist.
Die um die grüne Insel entstehenden platzartigen Wegeflächen sind Verbindungbereiche zwischen den angrenzenden Gebäuden, und Pausen- und Aufenthaltsflächen zugleich.
Neben der straßenbegleitenden Wegeführung, welche der ringförmigen Erschließung folgt, werden besondere Funktionspunkte auch direkt miteinander verknüpft um kurze Wege zu gewährleisten. Diese Wege werden abschnittsweise durch bestehende Gehölze sowie Neupflanzungen begleitet, welche eine Art Dach bilden und Fußgänger zu einem gewissen Grad vor Regen schützen. Sämtliche Fußwegeverbindungen verlaufen barrierefrei.
Ruhender Verkehr
Die momentan großflächig auf dem Campus verteilten Parkplatzflächen werden in zwei Parkhäusern konzentriert.
Der Hauptpforte wird ein Parkhaus im Bereich des ehemaligen Parkplatzes vorgelagert. Mitarbeiter, die das Gelände von Süden erschließen, stellen ihr Fahrzeug im Parkhaus Süd, südlich des Wellenhauses ab. Zudem steht eine beschränke Anzahl Stellplätze für Behinderte, VIPs und Kurzzeitparker in Eingangsnähe unterschiedlicher Gebäude auf dem Gelände zur Verfügung.
An einigen Orten auf dem Gelände finden sich großzügige, überdachte Fahrradabstellmöglichkeiten, so u.A. an den Eingängen, im Bereich des Wellenhauses und des Zentralen Betriebsgebäudes.
Neben diesen zentralen Abstellmöglichkeiten befinden sich dezentral auf dem Campus verteilt, in Eingangsnähe aller Gebäude weitere Fahrradabstellplätze.
Regenwasserkonzept
Im ökologischen Konzept der Planung, ist der Umgang mit Niederschlagswasser ein wesentlicher Bestandteil. Das
anfallende Niederschlagswasser weißt, ausgehend von der Beschaffenheit der Freiflächen, hauptsächlich eine geringe
Verschmutzung auf und kann somit zum großen Teil versickert werden.
Höchste Priorität besitzt der Regenwasserrückhalt. Durch eine großflächige Begrünung der Dächer und die Einleitung des auf den Nebenerschließungsflächen anfallenden Regenwassers direkt in die angrenzenden Vegetationsflächen (Retentionsflächen), wird ein großer Anteil der Wassermenge zurückgehalten und versickert bzw. verdunstet. Abfließendes Wasser unverschmutzter, großer zusammenhängender, befestigter Flächen, wird in begrünte Mulden geleitet, hier zwischengespeichert und schließlich versickert.
Der Rückhalt des Regenwassers in den Mulden trägt zu einer stärkeren Verdunstung bei, welche das Kleinklima positiv beeinflusst und die Staubbildung reduziert.
Entwurf der Freianlagen - Realisierungsteil
sie über zahlreiche wichtige Workflowbeziehungen miteinander verknüpft sind („journalistisches Dreieck“)
Beurteilung durch das Preisgericht
Die städtebauliche und landschaftsarchitektonische Leitidee, mit einem starken Rand eine grüne Mitte zu bilden, trägt diesem speziellen Ort Rechnung. Der klar gefasste Binnenraum hat gerade auch durch den Erhalt des wertvollen Baumbestandes eine hohe, differenzierte Raum- und Aufenthaltsqualität. Die ringförmige Erschließung ist schlüssig angeordnet und funktioniert auch ohne Anschluss nach Süden. Die eher öffentlichen Nutzungen sind im Bereich des Eingangs richtig situiert, allerdings lässt ihre bauliche Ausformung keine einladende Zugangssituation entstehen. Die Lage der Logistikfläche mit einer gesonderten Erschließung entspricht den funktionalen Anforderungen. Die vorgeschlagene Gliederung des 230 Meter langen Baukörpers mit dem Wellenhaus und dem Aktualitätenzentrum in fünf gestaffelte viergeschossige Häuser wurde anerkannt, insbesondere auch die Idee, im Sinne der Nachhaltigkeit den Neubau auf der bisherigen Baufläche vorzuschlagen. Allerdings erscheint die damit verbundene Höhenstaffelung nicht nachvollziehbar.
Insgesamt lässt die stringente städtebauliche Haltung visuelle Verbindungen nach außen vermissen und nutzt damit das Potential des Ortes zu wenig.