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  • DE-75196 Remchingen
  • 04/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-182709)

Neubau Rathaus / Neugestaltung San-Biagio-Platani-Platz


  • Anerkennung

    Perspektive San-Biagio-Platani-Platz, © ama

    Architekten
    ama_architekturbüro michael auerbacher, Burghausen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Michael Auerbacher

    Mitarbeit
    Dr. Akos David Hoffecker, Dania Soppelsa

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das neue Rathaus definiert als markanter Punkt im Stadtgrundriss den Ort der neuen Mitte von Remchingen. Der "Leuchtturm" ist durch seine Fernwirkung aus den einzelnen Ortsteilen wahrnehmbar und weist den Weg zum Zentrum. Aus der Komposition des flächigen Sockels und des vertikalen Turms entsteht eine spannungsreiche Gesamtfigur : das Rathaus wirkt als "Campanile" in den Freiraum des San-Biagio-Platani-Platzes - der Sockel bildet differenzierte und maßstäbliche öffentliche Raumzonen aus und schirmt den Strassenlärm vom Platz ab. Die fließende Form des Sockels wird vom öffentlichen Raum und den Wegebeziehungen umspült. Die Ausformung des Sockels bildet auch einen Eingangssituation des Rathauses Richtung Südosten an der Hauptstrasse aus und schafft somit eine Adressbildung zur Stadtseite.
    Die Verwaltungsnutzungen des Rathauses stapeln sich vertikal im Turm - die Nutzungen der Gastronomie sowie Bürgerbüro und Kartenverkauf entwickeln sich horizontal im Sockelgeschoss. Der Ratssaal liegt gut auffindbar und erreichbar im EG und kann sich bei Veranstaltungen räumlich zum Platz orientieren. Die Mietflächen im Turm sind separiert erschlossen und im Falle einer Rathauserweiterung gut zuschaltbar.
    Für die bestehende Parkierung der Kulturhalle wird eine neue Lage parallel zur B 10 vorgeschlagen. Dadurch kann westlich der Kulturhalle ein grüner Freiraum (Aufenthaltsbereiche zur Naherholung) mit Vernetzung zum Landschaftselement der Pinz geschaffen werden. Mit der baulichen Ergänzung z.B einer Bibliothek/Mediathek entsteht ein räumliches Pendant (grüner Stadtgarten) zum "steinernen" Stadtplatz. Die vorhandenen Fußwegbeziehungen entlang der Hauptstrasse und der Pinz werden aufgenommen und mit den neuen Platzsituationen vernetzt. Anstelle der Fusswegunterführung nach Norden Richtung Singen wird ein "Brückenschlag" als leichter Steg über die B 10 und die Gleisanlagen vorgeschlagen. Damit wird die Vernetzung der Ortsteile zeichenhaft wahrnehmbar.
    Der Platani-Platz wird verkehrsfrei gestaltet. Robuste und einfache Materialien sowie ein einheitliches Möblierungs- und Beleuchtungskonzept schaffen eine hohe Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität. Der "steinere" Stadtplatz interagiert räumlich und funktional mit dem nordwestlichen Stadtgarten. Es ensteht ein differenziertes Freiraum- und Nutzungsangebot.
    Eine TG unter dem Platani-Platz nimmt die Parkierung des Rathauses auf und schafft Ersatz für entfallende vorhandene ergeschoßige Stellplätze. Behinderten-Stellplätze werden ergeschoßig angeboten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das neue Rathaus definiert als markanter Hochpunkt in einem heterogenen Stadtgrundriss einen neuen Ort und schafft hier zu den einzelnen Ortsteilen eine Signal- und Fernwirkung. Eine Komposition von flächigem Sockel und vertikalem Turm lässt eine spannungsvolle Gesamtfigur entstehen, die im Zusammenspiel angemessene und differenzierte Stadt- und Freiräume entstehen lässt.
    Die windmühlenartig, freigeformte und zum Teil durchlässige Sockelzone nimmt ebenerdig die Saalnutzung und Gastronomiemietflächen auf und bildet überzeugende Eingangs- und Aufenthaltszonen mit guten Proportionen.
    Die Cafenutzung im Süden des Grundstücks ist positiv – jedoch schränkt die Lage der Tiefgaragenabfahrt im Westen die Außengastronomie erheblich ein.
    Der ebenerdig angelegte Ratssaal mit Blickbeziehung zur Kulturhalle zeigt Bürgernähe und ermöglicht die gewünschte Fremdnutzung. Allerdings wird die Gleichbehandlung von Gastronomie und Saal räumlich und gestalterisch kontrovers diskutiert, bzw. in Frage gestellt.
    Die Freiflächengestaltung der Plätze wirkt noch unschlüssig und wenig differenziert. Insgesamt schiebt sich die noch sehr groß wirkende Tiefgarage zu nah an die Kulturhalle und dem westlichen Nachbargebäude heran. Ein 2.UG unterhalb der Tiefgarage wird als unwirtschaftlich eingestuft.
    Die Verwaltung in Ämtern schiebt sich vertikal im aufragenden 8-geschossigen Turm nach oben und ist in ihrer windmühlenartig angelegten Organisationsstruktur gut strukturiert. Hinsichtlich einer „Ämterbildung“ innerhalb einer Ebene bietet diese jedoch wenig Flexibilität und lässt für die Bürger die gewünschte Offenheit und Orientierung vermissen. So gruppieren sich im Inneren des Turmes Informationszonen um einen Technikkern, lassen offene Kommunikationszonen aber vermissen.
    Die Fremdvermietung ist in den oberen beiden Turmgeschossen über die Rathauserschließung erreichbar.
    Die Arbeit stellt in der Vielfalt der Lösungen einen interessanten Typus dar, der jedoch in der äußeren Gestalt mit seiner austauschbaren Architektursprache eines Verwaltungsbaus wenig den Typus eines Rathauses repräsentiert.