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  • DE-12524 Berlin
  • 04/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-199037)

Neues Wohnen in der Gartenstadt Falkenberg


  • Anerkennung

    Perspektive Gartenstadtweg

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rüdiger Amend

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: KIRSTEN SCHEMEL ARCHITEKTEN BDA, Berlin (DE)
    sonstige Fachplaner: Dr. Caroline Rolka, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    ERWEITERUNG DER GARTENSTADT FALKENBERG

    Wichtigstes Anliegen unseres neuen Konzeptes ist die Erhaltung und Stärkung der Identität des Ortes, die wir als malerisch und komplementär wahrgenommen haben. Die Gesamtheit des Raumes lebt von der unbedingten dialogischen Zusammenkunft zwischen Architektur und Garten, Statischem und sich stetig Verwandelndem, Versteinertem und Lebendigen.

    Auch wenn sich die Bedeutungen des Gartens für die zeitgenössischen Bewohner teilweise verändert haben, bleibt diese Komplementarität unabdingbar und wesentlich für die Schönheit und die Erscheinung der Gartenstadt Falkenberg.

    STÄDTEBAU & AUSSENRAUM

    Deshalb schlagen wir eine städtebauliche Intervention vor, die -­ wie alle anderen Gebäude der Gartenstadt - als „Architektur im Garten“ erlebt werden soll, aber trotzdem in ihrer Dichte und teilweisen Adressierung zur Strasse am Falkenberg einen graduellen Übergang zu einer anderen Form von Urbanität ermöglicht. In ihrer Maßstäblichkeit vermittelt sie und definiert einen Auftakt in die additive und kleinteilige Siedlungsstruktur. Die städtebauliche Ecksituation wird statt mit einem versteinerten Platz oder Gebäude mit einem eingezäunten Obstgarten bespielt. Der Blick von der Strasse Am Falkenberg auf die Bruno-­Taut-­Gebäude bleibt komplett frei.

    Die neue Anlage besteht aus fünf gleichartigen Häusern, von denen vier mit einem zentralen Eingang vom Gartenstadtweg aus erschlossen werden, das fünfte mit dem übergeordneten „Welterberaum“ sich zur Strasse am Falkenberg adressiert. Ein sekundärer Eingang neben der Rampe führt entlang des Fahrradraumes, der sich architektonisch analog zur Müllsituation aus dem hölzernen Zaunthema entwickelt.

    Durch die Setzung der Häuser wird der Aussenraum allseitig differenziert gegliedert in:

    -­ Vorgärten / städtische Entrées
    -­ Gemeinschaftsgärten
    -­ Mietergärten.

    die durch:
    -­ ihre Raumgrenzen: Staketen-­‐Zäune und Ligusterhecken
    -­ Oberflächen: Kleinsteinpflaster, Rasenpflaster, Rasen
    - Bepflanzungen: Staudengewächse in farblicher Abstimmung auf Hausfarben, Heckenrosen und Obstbäume
    - Elemente: Spielgeräte

    unterschiedliche Angebote machen und in gewisser Abstraktion das zum Ort Gehörige und Vorhandene zitieren.

    Die Präsenz der B 96 a wird explizit nicht zu unserem städtebaulichen Schwerpunktthema, unsere Architektur keine „einzige Reaktion“ auf dieses Thema.

    Die eklatanten Fragen des Lärmschutzes und der angenehmen und optimalen Besonnung, differenzierten Ausrichtung der Wohnräume und der wohnungsbezogenen Aussenräume haben wir in den Grundrissen gelöst. Durch die spezifische Einbettung der Häuser in die Gärten wird die gesamte Atmosphäre des Ortes determiniert, der Lärm -­ analog zur bestehenden Gartenstadt -­ nur als ein Umweltphänomen unter anderen wahrgenommen.

    Markante, den Ort prägende Bestandsbäume, wie die Eiche und die Birkengruppe am Gartenstadtweg und die Kiefer und Ahornbäume an der Strasse Am Falkenberg bleiben erhalten und werden in die Obstwiesen integriert. Im Falle einer zukünftig notwendig werdenden Fällung werden sie durch Obstbäume ersetzt, um auf diese Weise das Bild der von Obstwiesen umgebenen Wohnanlage zu stärken.

    Mitarbeiter LA.BAR:
    Kristian Ritzmann, Christian Sydow

    Fachberaterin Gartendenkmalpflege:
    Dr. Caroline Rolka

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurfsgedanke beruht auf der Idee einer Architektur im Park als Neuinterpretation der Gartenstadtidee. Die Struktur aus Einzelobjekten stellt nach Einschätzung des Preisgerichts keinen ausreichenden räumlichen Bezug zum umgebenden Stadtraum her, ist jedoch als Ensemble in sich stimmig proportioniert. Der Beitrag weicht in seiner städtebaulichen und architektonischen Haltung erheblich von den Vorgaben der Auslobung ab und wurde kontrovers diskutiert. Trotz interessanter Details und einer in sich stimmigen Gestaltqualität erscheint der Entwurf jedoch in einer Weise introvertiert, die die Figur der Bebauung eher neben die Welterbesiedlung zu stellen scheint, denn sich ihr zuwendet. Positiv werden die Baufiguren mit ihren nach innen geneigten Dächern und ihrer sensiblen Formensprache beurteilt. Die Lage des Welterberaums in einem vom Hauptensemble abgerückten Gebäude und eines angrenzenden Welterbegartens an der Straße Am Falkenberg sind sinnvoll und öffentlichkeitswirksam. Analog zur unabhängigen städtebaulichen Setzung sind die Wohnungsgrundrisse allseitig orientiert, unterschiedliche Qualitäten der Himmelsrichtungen in Bezug auf Lärmimmissionen und Besonnung finden keine Berücksichtigung. Die formalen Setzungen führen darüber hinaus zu funktionalen Mängeln; kritisch beurteilt werden u.a. Lage der Treppenhäuser an den Südseiten und die mangelnde Tagesbelichtung der Sanitärräume. Die Platzierung der Baukörper ergibt zwar differenzierte Freiflächen, die jedoch in Bezug auf Beschattung, Lärmimmissionen und Aufenthaltsqualität teils schwierige Situationen entstehen lassen. Positiv wird die Unterteilung mit Heckenstrukturen und die Pflanzung von Obstbäumen gewertet. Der typologische Gegensatz von für die Gartenstadt Falkenberg typischen Staketenzäunen zur Architektur erscheint jedoch zu übertrieben. Insgesamt würdigt das Preisgericht die überzeugende Eigenständigkeit und Ambitioniertheit des Grundkonzepts, dass einen wichtigen Beitrag für die Diskussion zur Beziehung von zeitgenössischer Architektur im Kontext vom Welterbe darstellt.