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  • DE-95028 Hof/Saale
  • 04/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-183550)

Neubau eines Studierendenwohnheims


  • 1. Preis


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    Architekten
    Haus-mit-Zukunft | Architekten + Ingenieure, Erfurt (DE), Coburg (DE)

    Verfasser
    Thomas Weiß , Christian Kaiser , Stefanie Madsack

    Erläuterungstext
    Entwurf Studentenwohnheim an der Hochschule in Hof

    Städtebau

    Der Neubau des Wohnheims soll als freistehende Skulptur das Ende der städtebaulichen Hauptachse der Campusanlage definieren. Die freie Gebäudeform findet sich über das einfache Grundkonzept mit umlaufendem Blick in die Landschaft. Der neue Baukörper soll als „Wohninsel“ skulptural und frei in der Landschaft stehen, sich aber dennoch als Teil der Campusanlage einfügen und augenblicklich den Endpunkt der Hauptachse bilden. Für zukünftige Erweiterungen kann das Studentenwohnheim ein markanter zentraler Mittelpunkt werden.

    Das Grundkonzept stellt durch die modulare Anordnung einzelner, immer wiederkehrender Cluster (Wohneinheiten), eine sehr einfache und dadurch äußerst wirtschaftliche Bauform dar. Die Grundordnung der „freien Gebäudeform“ entsteht durch die systematische Anordnung der Wohneinheiten in drei Blockteilen, die sich zu einem skulpturalen Gesamtgefüge vereinen. Als leicht gebogenes Dreieck bietet die so entstandene Gebäudeform, für alle Apartments eine gute Mischung aus Belichtung und reizvollen Ausblicken.

    Durch die Ausführung analoger Bauteile in großer Stückzahl können Baukosten und Bauzeit deutlich reduziert werden. Die systematische Anordnung der analogen Cluster neben- und übereinander ermöglichen darüber hinaus eine sehr unkomplizierte Ver- und Entsorgung.

    Trotz dieser wirtschaftlichen und komprimierten Bauweise entsteht eine sehr interessante und großzügig wirkende Lösung.

    Erschließung

    Der Zugang zum Gebäude erfolgt über den einladenden Vorplatz mit Sitzgelegenheit und Aufenthaltsqualität. Der Vorplatz, als Zäsur der Hauptachse, wird zum Element der Campusanlage. Von hier aus erfolgt der Zugang über einen einladenden Gebäudeausschnitt mit Vordach in den offenen, zentralen Innenraum des Wohnheims.

    Über den zentralen Innenhof wird das gesamte Gebäude erschlossen. Durch drei Treppenanlagen und den umlaufenden Laubengängen gelangt man zu den Apartments in den oberen Geschossen. Die Zufahrt erfolgt direkt neben dem Vorplatz zu den 20 Stellplätzen, die im rückwärtigen Bereich angeordnet sind. In diesem Bereich liegen auch die äußeren Zugänge zu den Funktionsbereichen (Fahrradraum / Müllraum / Technik / sonstige dienende Funktionen) mit direkter Erschließung vom Parkplatz. Die Überdachte Eingangs-Geste nimmt die Briefkastenanlage auf und bildet eine eindeutige Adresse.

    Innere Funktion & Gestaltung

    Alle dienenden Funktionen, Gemeinschaftsbereiche und barrierefreien Apartments befinden sich im Erdgeschoss. Dem Gemeinschaftsbereich mit WC-Anlage und Küche schließt sich direkt die große Gemeinschaftsterrasse im Süden neben dem Vorplatz im Außenbereich an.

    Die Gebäudekubatur wird aus 30 Grundmodulen (Cluster) pro Geschoss gebildet. Die Grundform beschreibt ein gebogenes Dreieck, in dem sich in jedem der 3 Endpunkte die innere Erschließung der innenliegenden Laubengänge auf 4 Ebenen befindet.

    Alle barrierefreien Unterkünfte und Funktionen sind im Erdgeschoss angeordnet. Somit kann auf einen Aufzug verzichtet werden. Es entstehen 101 Wohnheimplätze. Der Fahrradraum als Doppel-Raum-Modul mit 44m2 kann über ein handelsübliches Abstellsystem 72 Fahrräder aufnehmen. Alle weiteren dienenden Funktionen sind im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht. Auf einen UG kann verzichtet werden.

    Die Apartments werden über die einläufigen Treppen aus dem Innenbereich heraus über die innenliegenden, witterungsgeschützten Laubengänge erschlossen. Die Apartments erhalten einen zonierten Innenraum mit eingestellter Box, die alle inneren dienenden Funktionen aufnimmt. Diese Box wird über umlaufende Oberlichtbänder natürlich belichtet. Der konische Innenraum nimmt in der zum Innenhof gewandten Seite eine kleine Küche mit Essplatz auf und erweitert sich nach außen mit Ausblicken in die Landschaft.

    Das modulare Grundkonzept soll sich auch konsequent in der Fassade zeigen. Die farbigen Öffnungspaneelen und natürlichen Materialien, schaffen eine authentische und wohnliche Atmosphäre mit eigenem Charakter. Der Sonnenschutz wird mittels fassadenintegrierter Raffstores erreicht. Innenliegende, farbige Screens hinter den Verglasungen auf den Innenseiten am Laubengang erzeugen die notwendige Privatsphäre und sorgen dennoch für ausreichende Belichtung der zum Innenhof orientierten Raumanteile.

    Konstruktion, Bauausführung

    Die Wahl natürlicher aber auch alterungsfähiger Materialien von hoher Qualität in guter und solider Verarbeitung sollen Dauerhaftigkeit und Nutzerakzeptanz bewirken.
Klarheit und Zweckmäßigkeit sind der Maßstab für die Auswahl der Konstruktion und Materialität.
    Das Gebäude ist mit einer Stahlbetonkonstruktion mit Stahlbetondecken als Niedrigenergiehaus konzipiert. Die Fassade besteht aus einem zweischaligen Wandaufbau mit Dämmung und hinterlüfteter Fassadenverkleidung. Der einfach strukturierte Baukörper ohne Keller in Schottenbauweise mit durchgehend gleich bleibenden Spannweiten ermöglichen den Einsatz von vorgefertigten Elementen, Fassadenmodulen & Fertigteilen. Somit kann ein sehr hoher Vorfertigungsgrad erreicht werden, dies garantiert eine kurze Bauzeit und Kostensicherheit.
    Die Fenster & Glasfassaden bestehen aus einer Aluminiumverbundkonstruktion mit besten Wärme- und Schalldämmungseigenschaften, vorwiegend Festverglasungen mit geschlossenen, farbigen Öffnungspaneelen.
    Energetisches Konzept

    Die Wohneinheiten werden über eine Lüftungsanlage und verdeckte Nachstromöffnungen in den Fassaden kontrolliert be- & entlüftet. Durch die integrierte Wärmerückgewinnung wird in Kombination mit der hochwertigen Fassadendämmung ein sehr niedriger Energiebedarf erreicht.
Die Flächen der Flachdächer werden vollständig zur solaren Energiegewinnung Photovoltaik & Solarthermie genutzt. Die Heizzentrale wird im Technikraum aufgestellt. Die Grundversorgung mit der benötigten Wärmeenergie kann über eine Wärmepumpe mit Eigennutzung der Photovoltaik-Gewinne oder Fernwärme abgedeckt werden.
 Die optionale Betonkerntemperierung ist eine innovative und kostengünstige Methode zum Kühlen und Erwärmen von Gebäuden unter Ausnutzung der vorhandenen Speichermassen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser setzen ein gerundetes Dreieck (Kreiskolben eines Wankelmotors) auf das Grundstück. Mit der leichten Drehung wird hierbei geschickt ein Schwerpunkt in der langen zukünftigen Achse der Hochschule gesetzt. Der dabei entstehende kleine Vorplatz unterstreicht diese Geste wohltuend. Alle Erschließungen werden an diesem Vorplatz gelöst, sodass eine eindeutige Adresse entsteht. Richtigerweise liegt hier der Gemeinschaftsraum, der aufgrund seiner Orientierung nach außen zur südlichen Platzfläche und nach innen zum gemeinschaftlichen Hof eine wichtige kommunikative Rolle sowohl für die Hausgemeinschaft, aber auch für das Campusleben leisten kann.
    Die gewählte Form des Baukörpers ermöglicht eine wirtschaftliche und übersichtliche innere Erschließung des viergeschossigen Baukörpers. Die Verfasser haben die maximal mögliche Anzahl an Wohnungen untergebracht ‐ alle Wohneinheiten und Appartements sind gut möblierbar und öffnen sich aufgrund der leicht konisch nach außen laufenden Zimmer subtil zum Außenraum. Positiv ist zudem die Zonierung der Zimmer. Der kommunikative Teil der Küche mit kleinem Essplatz orientiert sich nach innen zur Hausgemeinschaft, Schlafen und Arbeiten orientieren sich nach außen, dazwischen liegt die Nasszelle. Die besonderen Wohneinheiten fügen sich gut in die statische Struktur ein und haben gute Grundrisszuschnitte. Der Fahrradraum ist zu klein. Das angebotene energetische Konzept ist schlüssig. Die Wirtschaftlichkeit des kompakten Baukörpers scheint trotz der nicht orthogonalen Struktur gegeben, auch weil die Verfasser es schaffen, ohne Unterkellerung auszukommen und der Entwurf einen hohen Vorfertigungsgrat der seriellen Fassadenmodule bietet. Die Arbeit ist ein überraschend selbstbewusster, aber auch integrierender Beitrag für den Campus und bietet durch seine Form eine Offenheit für die weitere Entwicklung des Hochschulgeländes.


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