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  • DE-66806 Ensdorf
  • 03/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-199284)

Städtebauliche Vertiefung Tagesanlage Ensdorf-Duhamel


  • 2. Preis

    Atelier LOIDL Landschaftsarchitekten, © Atelier LOIDL Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Atelier LOIDL, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Machleidt GmbH, Berlin (DE)
    Architekten, Energieplaner: performative architektur, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAULICHE VERTIEFUNG TAGESANLAGE ENSDORF-DUHAMEL
    Durch die Entwicklung des Areals soll die einerseits stets umzäunte und andererseits vielen Anwohnern sehr vertraute Tagesanlage zu einem neuen Ortsteil von Ensdorf werden. Dabei spielen die intensive Vernetzung mit der Umgebung sowie das Generieren eines Identität stiftenden und qualitätvollen Raumes eine entscheidende Rolle. Dieser attraktive Raum entsteht im Zusammenspiel mit prägenden Bestandsstrukturen und neuen Elementen, wie z.B. der Wasserachse. Ebenso von besonderer Bedeutung ist die Herausarbeitung eines markanten Standortprofils sowie ein robuster Städtebau, welcher auf diverse Zukünfte flexibel reagieren kann.

    STÄDTEBAU
    Die zentrale kompakte Plaza als Herzstück des Quartiers, die markante Wasserachse mit den angelagerten Freiräumen und der adressbildende Quartiersrand mit den Entreés sind die prägenden Entwurfselemente. Das südliche Teilquartier ist charakterisiert durch die Identität stiftenden Bestandsstrukturen, das nördliche Teilquartier durch klare robuste Baufelder mit einer effektiven Erschließung.

    Vielfältige Räumliche Einbindung
    Der übergeordnete Grünzug läuft entlang der Wasserachse mit ihren großzügigen und differenzierten Freiräumen spürbar durch das Quartier, erhält jedoch einen baulichen Kontext.
    Die Tagesanlage ist durch den Loop und den Weg der 1000 Stufen, die drei Entreés nach Fraulautern, Saarlouis und Ensdorf sowie die Anbindung im Norden eng mit der direkten Umgebung verzahnt. Die Plaza verknüpft die verschiedenen Elemente der Tagesanlage untereinander.
    Gestärkt wird diese intensive Einbindung durch die feinsinnigen Reaktionen auf die ankommenden Verbindungen, wie beispielsweise die Umlenkung von der Kohlbrunnenstraße in Richtung Plaza am nordwestlichen Entreé durch den Solitärbau, die Figur des Sees am Übergang zu Ensdorf oder die sensible Aufweitung zur Saar am Haupteingang, die auch den Brückenkopf optimal aufnehmen kann.
    Die Ausbildung eines klaren, gut sichtbaren und adressbildenden Randes, insbesondere im Bereich des Kreisverkehrs an der Provinzialstraße sowie an der Kreuzung Ostring/L343 erzeugt attraktive Lagen und fördert die visuelle Strahlkraft und Einbindung des Standortes. Darüber hinaus wird entlang des Ostrings ein attraktives Gegenüber für die angestrebte Entwicklung auf Fraulauterer Seite geschaffen.

    Quartier Tagesanlage
    Das differenzierte und stabile Netz der Straßen und Wege und die daraus resultierende Morphologie des Quartiers charakterisieren einerseits die beiden Teilräume im Norden und Süden und verzahnen diese andererseits im Umfeld der Plaza eng miteinander und generieren so ein zusammenhängendes Gesamtquartier. Charakteristisch für den nördlichen Teilbereich sind die offenen, weiten Blickbezüge zur Halde und dem Saarpolygon sowie der direkte Bezug nach Fraulautern, während die Baufeldzuschnitte im südlichen Teilbereich aus den Bestandsstrukturen abgeleitet sind.
    Die Typologie unterstützt diese Dualität und verleiht den wichtigen öffentlichen Räumen prägnante bauliche Raumkanten. Dadurch werden aus Flächen räumlich motivierte Orte mit spannenden Raumfolgen und vielfältigen Blickbezügen. Insbesondere der südliche Teilbereich ist durch die charakteristischen Bestandsbauten geprägt – diese werden durch besondere Raumsituationen wie Plaza, Entreé, Aufweitungen, Freistellung etc. besonders inszeniert. Die Neubauten sollten sich in ihrer Körnung, Höhe etc. an den Bestandsbauten orientieren und Teil des Ganzen werden, jedoch als neue Elemente neben den Denkmälern zu erkennen sein. Im südlichen Bereich gibt es stets eine Mischung aus verschiedenen Nutzungen wie Büro/Dienstleistung, Sondernutzungen (z.B. Archiv, Museum, Besucherzentrum, Option Boardinghouse/Hotel), aber auch Wohnen am See, während im nördlichen Bereich unterschiedliche Nutzungsszenarien möglich sind.

    Herzstück Plaza
    Die dem Ort angemessen dimensionierte und klar gefasste Plaza ist das belebteste und prägnanteste Element des Quartiers. Sie sitzt an der Schnittstelle zwischen den beiden Teilräumen sowie im Fokus der Entreés von Ensdorf, Fraulautern und Saarlouis. Der Förderturm und die gepflegten Denkmale im Zusammenspiel mit den hochwertigen Neubauten wie dem RAG-Gebäude, verleihen dem Raum seinen unverwechselbaren Charme. Publikumsfrequentierte Nutzungen in den Erdgeschossen bespielen die Plaza und laden Anwohner, Beschäftigte und Besucher zum Verweilen ein.

    Drei Entreés
    Die drei Eingangsräume werden als gleichwertig betrachtet. Das südwestliche Entreé nach Ensdorf ist durch den neuen See in Verbindung mit dem Park als grüner Eingang ausgebildet und wird durch die kreuzungsfreie Anbindung in Richtung Ensdorf über die bestehende Brücke zusätzlich gestärkt. Der westliche Zugang am Haupttor weitet sich durch kleine bauliche Versätze leicht in Richtung Saar. Damit wird neben dem Museum auch das Hauptgebäude zum Blickfang. Darüber hinaus wird ausreichend Raum für die (optionale) Brücke geschaffen. Über diese wird die Anbindung nach Saarlouis optimiert und könnte neben dem Hauptgebäude zum Merkzeichen dieses Entreés werden. Der nordwestliche Eingang ist charakterisiert durch den Solitärbau, welcher im Zusammenspiel mit dem RAG-Neubau die Umlenkung zwischen Kohlbrunnenstraße und Plaza durch eine spannungsvolle Raumsituation mit Blickbeziehungen in die Nähe und Ferne meistert.

    FLEXIBILITÄT
    Da derzeit niemand weder das nachgefragte Nutzungsspektrum noch die zu erwartende Dichte für das Quartier Tagesanlage sicher vorhersehen kann, gewinnt die Flexibilität des Entwurfs stark an Bedeutung. Die Robustheit des Städtebaus – also die Möglichkeit, auf unterschiedliche Zukünfte möglichst passgenau reagieren zu können, ohne die Grundzüge des Entwurfs in Frage zu stellen – wird damit zum entscheidenden Faktor für den nachhaltigen Erfolg der städtebaulich-freiräumlichen Entwicklung des Quartiers.

    Adaptivität – Anpassungsfähigkeit an künftige Dichte- und Nutzungsszenarien
    Es wird in zwei differenziert zu betrachtende Szenarien unterschieden:

    1. UNTERSCHIEDLICHE DICHTESZENARIEN
    Bei verhaltender Nachfrage oder dem ausdrücklichen Wunsch von Bauherren nach unmittelbar angrenzenden optionalen Erweiterungsflächen sollen zunächst die Raum bildenden Kanten baulich besetzt werden – dies führt zu einer eher geringen Dichte. Die öffentlichen Räume sind dabei jedoch bereits überwiegend baulich gefasst. Bei wachsender Nachfrage (Erweiterungsbauten oder neue Bauherren) kann die Dichte sukzessive gesteigert werden, wodurch eine mittlere Dichte erreicht wird. Bei anhaltender Nachfrage nach Bauflächen kann bis zu einem maximalen Grad weiter nachverdichtet werden.
    In welchen Zeiträumen sich diese Etappen abspielen ist auf Grund der jeweils konsistenten Zwischenschritte mit ihren qualitätvollen Raumsituationen unerheblich.

    2. UNTERSCHIEDLICHE NUTZUNGSSZENARIEN
    Entsprechend dem zukünftig zu erwartenden Nutzungsspektrum können die Baufelder mit unterschiedlichen Nutzungen bzw. den entsprechend gefragten Typologien flexibel besetzt werden. Somit kann ein gemischt genutztes Quartier ebenso gut entwickelt werden, wie ein Gebiet mit dem Schwerpunkt Wohnen oder dem Fokus Gewerbe/Forschung.

    Resilienz – Widerstandsfähigkeit der prägenden Grundstruktur gegenüber künftigen Anforderungen
    Unabhängig von den diversen Zukunftsszenarien (z.B. unterschiedliche Dichte oder Nutzungen) ist das städtebaulich-freiräumliche Grundgerüst so robust gewählt, dass sich dieses gegenüber diversen Entwicklungsmöglichkeiten behaupten kann. Zu den prägendsten und damit widerstandfähigsten Entwurfselementen zählen die Plaza mit den drei Entreés, die Wasserachse mit den angrenzenden Freiräumen sowie das Haupterschließungsnetz.
    Baufelder, die nicht in die Hoheit dieser klar definierten Strukturen eingreifen, können auch flexibel in ihrer Größe variiert bzw. miteinander kombiniert werden.
    FREIRAUM
    Besonders vor dem Hintergrund der zeitlich gestaffelten Realisierung in Teilabschnitten, aber auch durch die nicht vollständig vorhersehbare Entwicklung des Quartiers, spielen qualitative Außenräume von hoher funktionaler und atmosphärischer Dichte eine entscheidende Rolle bei der Herausbildung eines lebhaften und authentischen Quartiers. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, werden dem Freiraumkonzept für die ehemalige Tagesanlage Ensdorf Duhamel drei Leitgedanken vorangestellt:

    1. BERGWERKSGESCHICHTE INSZENIEREN
    Die Geschichte des Ortes steht stellvertretend für die ganze Region und stellt das größte Identifikationspotenzial am Standort dar. Bestandsgebäude wie Förderturm oder Barbarastollen, Gleisanlagen, aber auch gewachsene Gehölzstrukturen oder Kohlelagerflächen sind baulich-landschaftliche Zeitzeugen, die auf unterschiedliche Weise in den Gesamtentwurf eingebunden werden.

    2. AN LÄNDLICHEN CHARAKTER ANKNÜPFEN
    Durch den Einsatz angemessener Mittel und die Verwendung zweckdienlicher Materialien wird dem Charakter der Region Rechnung getragen und ein übermäßig städtisches Erscheinungsbild verhindert. Auch die Instandhaltungs- und Pflegekosten bleiben dadurch überschaubar. So sollen größtenteils, einfache, robuste Beläge und Materialien verbaut werden sowie die Grünanlagen möglichst in extensiver Weise ausgebildet werden.

    3. BEWUSSTE HIGHLIGHTS SETZEN
    Durch den punktuellen Einsatz hochwertiger Ausstattungselemente und besonderer Materialien werden reizvolle Kontraste zum rauen und wilden Grundcharakter geschaffen. Dadurch kommt ein erkennbarer aber angemessener Gestaltungswille zum Ausdruck, der Vorraussetzung für einen attraktiven Tourismus-, Wohn- und Gewerbestandort ist. In der Beschränkung des Repräsentationsanspruchs auf besondere Highlights liegt genau dessen Stärke.

    Zwei Teilgebiete
    Obwohl der Standort als ein zusammenhängendes Quartier wahrgenommen werden soll, bietet die differenzierte Ausbildung der öffentlichen Freiraume das Potential, jeweilige Stärken herauszuarbeiten und die Orientierung für verschiedene Nutzergruppen (Touristen, Bewohner, Mitarbeiter ansässiger Betriebe) zu erleichtern. Dies spiegelt sich in der Verwendung durchgehender Materialthemen bzw. ausgesuchter Baumarten und- stellungen wider.
    Im südlichen Teilbereich des Quartiers werden die öffentlichen Freiräume als zusammenhängender Stadtraum verstanden, bestehend aus Straßen, Passagen und platzartigen Aufweitungen mit durchgehendem Belagsthema. Funktional gesehen, sind dies Mischverkehrsflächen aus Asphalt, gegliedert durch baumbestandene Intarsien aus wassergebundener Wegedecke mit Bänken und Fahrradbügeln; auch der bestehende Brunnen wird integriert. Im Bereich der Plaza sorgen Modifizierungen des Belages für den entsprechend repräsentativeren Touch.
    Der nördliche Teilbereich versteht sich als grüner Campus, geprägt durch die Lage rund um die zentrale Wasserachse mit Wassergarten und von Bestandsgehölzen gesäumt. Pragmatische Straßenprofile mit Fahrbahn, Park-/Baumstreifen und Gehweg, alles niederschwellig auszuführen, bilden ein simples aber effektives Erschließungssystem. Variierende Zwischennutzungen auf noch freien Baufeldern reagieren auf die nicht vorhersehbare Entwicklungsdynamik und sorgen für eine vollumfängliche Bespielung des Areals von Anfang an.

    Zwei Freiraum-Achsen
    Zwei starke Freiraum-Achsen stellen sowohl räumlich, als auch durch inhaltliche Bezüge den inneren Zusammenhalt des Quartiers einerseits und die Vernetzung mit der Umgebung andererseits sicher.
    Die Zentrale Wasserachse als prägnante freiräumliche Grundstruktur wird begleitet von einer Reihe unterschiedlich ausformulierter Freiräume - der Wassergarten als teilüberschwemmter Retentionsbereich mit außergewöhnlicher Pflanzenwelt, die gegenüberliegende Campuspromenade direkt am Wasser, der eher wilde Gleispark - hier verstecken sich „Sitz-Waggons“ in Wildblumenwiesen, die Plaza mit Stufen zum Wasser und der Barbarasee mit seinen Kiesufern und Rasenflächen zum Spielen und Lagern. Dabei bildet ein umlaufender Rahmen aus hellen Betonelementen sowohl Weg, Ufermauer mit Sitzstufen, als auch kleinere Plätze aus. In der Gesamtheit entsteht ein zentraler Park, der als Teil des im Masterplan vorgeschlagenen Loops verstanden wird und somit das gesamte Quartier im näheren Umfeld verankert.
    Die Plaza mit dem Förderturm und das Saarpolygon auf der Halde als die beiden weithin sichtbaren Orte mit dem stärksten Identifikationspotential im Zusammenhang der Tagesanlage Ensdorf Duhamel bilden die Endpunkte einer symbolischen Zeitachse, die mit architektonischen und landschaftlichen Mitteln inszeniert und verdichtet wird zu einer Abfolge von historischen und neuen, zukunftsgewandten Orten und Elementen - Plaza, Wasserachse, Gleispark, Weg der Tausend Stufen/ Niederwald, Haldenplateau/ Saarpolygon.

    Differenzierte Quartiersränder
    Eine besondere Rolle kommt den Rändern, also den Schwellenbereichen des neuen Quartiers zur unmittelbaren Umgebung zu.
    Grundsätzlich präsentiert sich das Quartier nach allen Seiten hin mit einem grünen Saum. Im einzelnen reagieren die Ränder jedoch sehr differenziert auf die jeweiligen räumlichen und funktionalen Anforderungen. Besonders im Süden bzw. Südwesten und im Nordwesten, wo bauliche Adressen formuliert werden, kommen lichte Baumarten in weiter Stellung zum Einsatz. Die nördlichen Ränder integrieren die Gehölzstrukturen des Bestandes und bilden einen Übergang zum Wald nördlich der L343. Die drei Entreés werden durch räumliche Zäsuren hervorgehoben. Zusätzlich bedienen die Ränder Funktionen wie Parken unter Bäumen, Fahrradbügel, Haltestellen für den ÖPNV sowie Carsharing-Stationen.

    ERSCHLIESSUNG
    Ein klares Netz als Voraussetzung für ein funktionales Erschließungssystem garantiert eine für alle Verkehrsteilnehmer ideale Erreichbarkeit sämtlicher Orte. Im Sinne einer nachhaltigen „neuen Mobilität“ soll dem Auto z.B. über ein Carsharing-Angebot ebenso Rechnung getragen werden wie der Stärkung der Fuß- und Radwege, insbesondere durch den Loop und den Bau der Brücke sowie der guten Erreichbarkeit des ÖPNV-Angebots durch zusätzliche Haltestellen und dem Fähranleger.

    MIV – effektives Netz
    Der nördliche Teil wird durch einen vom Ostring eingehängten Ring erschlossen, welcher auch eine Anbindung an die L 343 erhält. Damit ist die Haupterschließung nicht nur kompakt und übersichtlich sondern schafft auch Orientierung im Gebiet und vernetzt dieses optimal mit den Entwicklungsflächen in Fraulautern. Die vom Hauptring abgehenden untergeordneten kleineren Straßen erschließen die angrenzenden Baufelder. Entlang der attraktiven öffentlichen Räume kann (im Ausnahmefall) über hochwertige Mischverkehrsflächen gefahren werden.

    Ruhender Verkehr – robust und flexibel
    Sämtliche größeren Parkplätze, die auch für die Besucher und ggf. als Carsharing-Station gedacht sind, liegen am Rand des Quartiers. Entlang des Rings und der Nebenstraßen sind ebenfalls zahlreich Stellplätze vorgesehen. Darüber hinaus kann je nach Dichte- und Nutzungsszenario (geringe/mittlere Dichte bzw. Einfamilien-/Doppel-/Reihenhäuser) auch auf dem Grundstück geparkt werden. Bei einer höheren Dichte bzw. bei größeren Mehrfamilienhäusern könnten je nach Bedarf ergänzend auch Quartiersgaragen errichtet werden.

    ÖPNV – vielfältiges Angebot
    Die Anbindung an den ÖPNV soll durch zusätzliche Haltestellen gestärkt werden. Es werden drei Haltestellen – südlich des Haupttors, am Westtor und am Zugang Nord – vorgeschlagen. Am Westtor könnte zusammen mit dem Sharing-Angebot ein kleiner Mobility-Hub errichtet werden.
    Durch die neue Brücke wird auch die Erschließung über einen Fähranleger für Ausflugschiffe möglich, welcher den touristischen Ansatz des Ortes enorm stärken würde.

    Fußgänger-/Radwegenetz – Lust auf Bewegung machen
    Über die drei Entrées, die alte Eisenbahnbrücke über die Provinzialstraße und weitere Anschlusspunkte zum Loop wird das Quartier in das übergeordnete Fuß- und Radwegenetz eingebunden. An den Quartierseingängen gibt es Fahradstationen und -abstellmöglichkeiten.
    Die Sharing-Flotte sollte neben Autos auch diverse Fahrräder (Lastenrad für den Einkauf oder die Kinder, Rennrad für den Loop, Elektrobike für den Weg zum Saarpolygon etc.) im Angebot haben, um im Sinne einer multi- und intermodalen Mobilität für die spezifischen Rahmenbedingungen das passende Gefährt bereitzuhalten. Vielleicht kann man sich hier sogar auch ein kleines Boot für eine Fahrt auf der Saar leihen.
    NACHHALTIGKEIT
    Nachhaltiges Wassermanagement
    Durch die historische Nutzung als Zechengelände in Ergänzung mit Neubauten liegt diese wichtige Ressource in ganz unterschiedlichen Stadien und Belastungsgraden vor. Die vorliegende Konzeption betrachtet dies als große Chance zur Gestaltung neuer (Wasser-) Landschaften. Hierfür wird die im Masterplan vorgeschlagene Wasserachse konzeptionell fortgeschrieben. Die ehemalige Zeche soll dadurch zu einem zentralen Erlebnisort für Wasser- und Stoffkreisläufe entwickelt werden.
    Die Wasserachse bildet das „Rückgrat“ des Quartiers. An ihr werden neben Freiräumen mit hoher Aufenthaltsqualität auch Flächen zur Reinigung von Grauwasser aus Neubauten und zum Rückhalt von Regenwasser angelagert. Vorstellbar ist es gering belastetes Grauwasser aus Wohngebäuden über Pflanzenkläranlagen zu reinigen und als Frischwasser über die Wasserachse abzuleiten. Regenwasser der Dachflächen von Gewerbebauten wird in Retentionsflächen zwischengespeichert und zeitversetzt abgeleitet. Durch eine konsequente Trennung von gering belasteten und hoch belasteten Abwässern in den geplanten Neubauten, steht der zentralen Wasserachse ganzjährig ein ausreichender Zustrom an Frischwasser zur Verfügung. Optional kann die Wasserachse in einen großen See im Süden des Gebietes geleitet werden, welcher nach einem Ende des Grundwassermanagements dort entstehen wird.

    Aktive Gebäude und CO2 neutrale Energieversorgung
    Neubauten werden als „aktive Gebäude“ errichtet. Das bedeutet, sie können lokale regenerative Energien aktiv nutzen und sind durch energetisch qualitative Gebäudehüllen sparsam im Verbrauch. Darüber hinaus werden sie mit ökologisch unbedenklichen und rezyklierbaren Baustoffen und Konstruktionen errichtet. Einer besonderen Bedeutung wird den Dachflächen von Neubauten beigemessen. Diese dienen der Energiegewinnung durch aktive Systeme, des Regenwasserrückhalts durch begrünte Dachflächen sowie der freiräumlichen Nutzung durch Dachterrassen. Solarsysteme werden dabei zurückhaltend in die Attikabereiche des Daches integriert.
    Die Energieversorgung des Quartiers nutzt in intelligenter Weise lokale Energiequellen wie die Abwärme aus dem Grubenwasser, Solarenergie und lokale Biomassen (z.B. Landschaftspflege, Bioabfällen und optional aus Schwarzwasser). Hierfür wird die Errichtung eines Anergie Netzes im Nieder- bzw. Kalttemperaturbereich vorgeschlagen. Notwendige Temperaturniveaus werden über dezentrale Wärmepumpen bereitgestellt.

    PHASIERUNG
    Die einzelnen Entwicklungsabschnitte sind so gewählt, dass nach jeder Phase eine baulich-räumlich abgeschlossene Einheit mit hochwertigen öffentlichen Freiräumen und attraktiven Zwischennutzungen auf zunächst nicht in Anspruch genommenen Flächen entsteht. Darüber hinaus ist die Erschließung jeweils so kompakt gewählt, dass die Vorleistungen und damit die Kosten möglichst gering sind.
    Die grundsätzliche Entwicklung mit dem Beginn an der Plaza durch den RAG-Neubau und die anschließende Entwicklung im Norden resultiert aus der Verfügbarkeit der Flächen.
    Die Phasen 2 und 3 könnten (z.B. in Abhängigkeit der Entwicklung in Fraulautern) prinzipiell auch anders – beispielsweise in „Baufeldstreifen“ vom Ostring in Richtung Wasserachse – gegliedert werden und würden dennoch konsistente Bauabschnitte mit hoher Raumqualität und günstiger Erschließung darstellen.
    Unabhängig von der Phasenbildung, die sich auf Bauabschnitte, also insbesondere Flächenverfügbarkeiten, bezieht, können die unterschiedlichen Dichte- und Nutzungsszenarien umgesetzt werden.

    Entwicklungsschritte und Zwischennutzungen
    PHASE 1 – AKTIVIERUNG DES STANDORTS:
    Im ersten Schritt wird die Plaza als neues Herzstück am alten Nukleus errichtet. Das sanierte Kesselhaus mit Archiv, das als Museum aktivierte Fördermaschinengebäude sowie der Förderturm als Landmarke bilden zusammen mit dem RAG-Neubau und ersten weiteren Neubauten wie z.B. dem Besucherzentrum im Solitärbau am nordwestlichen Entreé den baulichen und funktionalen Rahmen.
    Erschlossen wird das Gebiet über die existierende Zufahrt an der Kohlbrunnenstraße; auch der bestehende Parkplatz kann zunächst weiter genutzt werden. Der Loop wird bereits durch das Quartier geführt und die Plaza Teil des Rundwegs. Auch der Weg der 1000 Stufen kann bereits an die Plaza angebunden werden.
    Im nördlichen Teil bleibt die blanke Kohle des ehemaligen Kohlelagers zunächst als sichtbare Reminiszenz offen liegen. Der zukünftige Barbara-See wird ausgehoben. Der hier anfallende Mutterboden kann für Zwischennutzungen im nördlichen Teilbereich verwendet werden. Das sind beispielsweise Kurzumtriebsplantagen, auch als Forschungsthema ansässiger Institute.

    PHASE 2 – WACHSTUM:
    Die prägende Neuerung in der zweiten Phase ist die Errichtung der Wasserachse mit ihren angrenzenden Freiräumen. Angrenzend an die Plaza werden zwei Baufeldtiefen entwickelt in deren Mitte die erste Anbindung vom Ostring verläuft. Die Gebäude fassen den Wassergarten und bilden zusammen mit dem ersten Bauabschnitt ein stimmiges gemeinsames Teilquartier aus.
    Das Wasser der Wasserachse wird in den Barbarasee geführt, wo es gemeinsam mit dem Grubenwasser zu einem langsamen Anstieg des Wasserspiegels führt. Im nördlichen Teil können am Rand bebaute Baufelder von den angrenzenden Flächennutzern auch für logistische Zwecke, wie Lagerflächen zwischengenutzt werden.

    PHASE 3 – WACHSTUM:
    In der dritten Phase wird der nördliche Teilbereich mit der Errichtung der letzten beiden „Baufeldstreifen“ sowie dem Ringschluss durch die zweite Anbindung an den Ostring und dem Anschluss an die L343 fertiggestellt. Durch die Bebauung der Grundstücke erhält das Quartier nun auch eine repräsentative Adresse nach Norden im Bereich zu Fraulautern und an der L 343.
    Der Barbarasee nimmt seine Funktion als Absetzbecken für das Grubenwasser auf. Noch offene Baufelder werden weiterhin für temporäre Freiraumnutzungen vergeben.

    PHASE 4 - FINALE:
    Im vierten Realisierungsabschnitt kann endlich der südliche Teilbereich mit dem grünen Entreé nach Ensdorf und dem Brückenschlag nach Saarlouis fertiggestellt werden. Somit zeigt sich das Quartier nun auch mit einer Vorderseite zum Kreisverkehr und zur Provinzialstraße.
    Auch der zentrale Park entlang der Wasserachse kann rundherum fertig gestellt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.