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  • Gewinner Nach Überarbeitung

    Lageplan 1: 1000, © Rapp+Rapp/Lützow7

    Landschaftsarchitekten
    Lützow 7 Cornelia Müller Jan Wehberg, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Rapp+Rapp, Amsterdam (NL)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Textteil Landschaft

    Die durchgehende Straße zwischen Hoffmannstraße und Baierbrunner Straße ist zugunsten des grünen Charakters des Plangebietes entfallen. Die Durchfahrt als wesentlicher Bestandteil der Ost-Westverbindung ist neu und großzügiger gestaltet. Der Platz nördlich des Hochhauses erhält in der Überarbeitung eine wesentlich vegetativere Textur als einladendes Entrée zum neuen Stadtquartier. Die Gestaltung der, den Mäander umgebenden Grünflächen ist weiter ausformuliert, so dass jeder Generation eine passende funktionale Umgebung zukommt und eine klare Definition der öffentlichen und privaten Freiflächen schon im Gestaltansatz durch formale und informale Freiraumelemente erkennbar ist. Die formaler anmutenden Gartenhöfe bieten klare Orientierung zur jeweiligen Adressbildung und in ihrer funktionalen und nutzungsorientierten Ausweisung von wohnungsnahen Spiel – und Ruhezonen. Separate Kitafreiflächen sind gebäudenah ausgewiesen. Die gastronomischen Angebote sind signifikant städtebaulich verortet als neue Stadtquartiertreffs mit flankierenden Angeboten wie z.B. ein Wasserbecken. Das Siemenswäldchen als öffentlicher Freiraum mit linsenförmigen Interventionen für Spiel/Sport – generationenübergreifend - zum Aufenthalt sowie einer großen naturnahen Wasserlinse zur Kontemplation wird sinnhaft bis zur Baierbrunnerstraße als neue Adresse thematisiert und fortgeschrieben.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf greift die großmaßstäblichen Potentiale des Standortes auf: massive Gebäudeformen, großzügige Außenräume sowie eine stark differenzierte Höhenentwicklung. Die vorgeschlagene Folge weiter Wohnhöfe stellt einen präzise verorteten und sehr eigenständigen Beitrag zu dieser Aufgabe dar.

    Ein durchgängig viergeschossiges Gebäude mäandriert in eleganter und spannungsvoller Form über das gesamte Baugrundstück. Auf die stark horizontal gelagerte Baumasse werden in freier Systematik neun Türme aufgesetzt. Diese Türme bilden eine Art „Feld“ – mit dem Vorteil der Selbstbehauptung gegenüber dem sehr dominanten Maurer-Hochhaus. Etwas fragwürdig erscheint die große und stark inszenierte Differenz zwischen den sehr flachen 4 Geschossen des Hauptbaukörpers und den 13-geschossigen Türmen. Insbesondere im Bereich des südlichen Eingangs wünscht man sich ein durchaus stärkeres und selbstbewussteres Auftreten des horizontal lagernden Baukörpers.

    Die Höhenentwicklung, also die hohe Zahl an Hochhäusern wird im Preisgericht kontrovers diskutiert. Als kritisch wird die Gebäudetiefe von 15 m gesehen. Hieraus resultiert zwar eine rechnerisch hohe Dichte, die zu erwartende Qualität der Grundrisse wird angezweifelt.

    Im Freiraum bilden sich trotz oder gerade wegen der ruhigen Länge des Baukörpers sehr differenzierte und qualitativ hochwertige Außenräume heraus. Vom kleinen, fast intimen Wohnhoftypus im Norden über größere Gemeinschaftshöfe, die einen fast parkartigen Charakter annehmen bis hin zum öffentlichen Grünraum im Zentrum werden alle erforderlichen und gewünschten Freiraumqualitäten geschaffen. Die überwiegend an den Außenseiten liegenden privaten Freiräume sind selbstverständlicher Teil der gesamten Raumkonzeption und gestalten den Übergang zu den öffentlichen Freiräumen.

    Mit diesen baulich und freiräumlich geschickt eingesetzten Elementen gelingt es, die beiden bestimmenden und eigentlich schwer integrierbaren Bestandsgebäude „Hochhaus“ und „Zeile“ auf geradezu selbstverständliche Art und Weise in die zukünftige Erscheinung des Quartiers zu integrieren.

    Im südlichen Bereich erfolgt die Erschließung der Wohnungen über die inneren Höfe und schafft dadurch auch ein selbstverständliches und angenehmes Angebot für die Kommunikation der Bewohnerschaft. Hier können – zwanglos und mit genügend Raum versehen – sowohl Kinder als auch Erwachsene sich treffen und kennenlernen. Im nördlichen Bauabschnitt erfolgt die Erschließung der Wohnungen über die bestehenden Straßen. Von hier aus werden dann auf der Nord- bzw. West- und Ostseite die Zuwegungen an das Gebäude herangeführt. Eine Adressbildung ist hier möglich und nachvollziehbar. Durch diese Art der Erschließung erhalten diese Bereiche eher privat dominierte Innenhöfe, deren Qualität den fehlenden Bezug zum öffentlichen Park wieder wettmacht. Unverständlich und den Freiraum schwächend erscheint die vorgeschlagene Straße zwischen Hofmannstraße und Baierbrunner Straße, die teilweise auf das Nachbargrundstück übergreift. Die eingeschossige Durchfahrt erscheint zudem zu niedrig und sollte großzügiger gestaltet werden. Im Bereich der Gebäudedurchgänge insbesondere in Verbindung mit den vorgeschlagenen Hochhäusern ist mit Einschränkungen der Aufenthaltsqualität zu rechnen.

    Der öffentliche Grünraum wird durch das brückenartige Gebäude in zwei Teile geteilt: einen eher natürlichen begrünten Bereich im Westen als Fortsetzung des intensiven Baumbestandes im Westen sowie ein eher urban ausgeprägtes Grünband im Osten in direktem Bezug zum bestehenden Hochhaus, welches von hier aus auch erschlossen wird. Die Gestaltung dieses Bereiches kann eher weniger überzeugen und müsste konzeptionell und gestalterisch überarbeitet werden. Im Nachweise an öffentlichen Grünflächen weist die Arbeit noch Defizite auf.

    Der städtebauliche Entwurf wirft mehrere Fragen auf – insbesondere, wie in der Großform individuelle Adressen geschaffen werden können und wie realisierbare Bauabschnitte unter Berücksichtigung der unterirdischen Parkierung, gefunden werden können. Auch die Zahl und Lage der Türme wird im Preisgericht intensiv diskutiert.

    Insgesamt stellt dieser Beitrag zwar keinen einfachen, aber sehr wertvollen Beitrag zur gestellten Wettbewerbsaufgabe dar.