loading
  • DE-70825 Korntal-Münchingen
  • 05/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-188843)

Entwicklung des Areals der ehemaligen Gärtnerei Beiermeister


  • Anerkennung

    Lageplan, © STEINHOFF/HAEHNEL Architekten

    Architekten
    STEINHOFF / HAEHNEL ARCHITEKTEN GmbH, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Roland Haehnel , Marc Steinhoff

    Mitarbeit
    Luis Carrasco, Charlotte Guggolz

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: Dr. Brenner Ingenieurgesellschaft mbH, Aalen (DE), Dresden (DE)

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Ziel des städtebaulichen Entwurfes für das Areal der Gärtnerei Beiermeister ist es, ein zukunftsweisendes Wohnquartier mit einem eigenständigen Charakter zu entwickeln, das aufgrund der optimierten Gebäudestellung den Schallschutz baulich löst und sich in die Umgebungsbebauung in Kallenberg einfügt. Die Konzeption orientiert sich an einer zellulären Struktur, bei der die wichtigen, im Inneren liegenden Elemente, vor den Einflüssen von außen geschützt werden, und es trotzdem einen Dialog und einen Austausch mit der Umgebung gibt.

    Um den Lärmschutz städtebaulich zu lösen und in der Innenzone optimal zu reduzieren wurde eine geschlossene Randbebauung entwickelt. Dieser Lärmschutzriegel wurde unter Berücksichtigung der äußeren Lärmeinflüsse geöffnet und abgestuft, um diesen harmonisch in die Umgebung einzugliedern und die Maßstäblichkeit der Umgebung aufzunehmen. Die Schallwerte werden so in den Bereichen der Innenzone nahezu auf das für ein Allgemeines Wohngebiet zulässiges Maß reduziert und lassen sich mit einfachen baulichen Mitteln erreichen. Für die lärmbelasteten Gebäude wurden schalltechnisch optimierte Grundrisse entwickelt. Das neue Quartier ist mit einer zukunftsweisenden, nachhaltigen Energieversorgung als Plusenergiesiedlung konzipiert und wird zu einem Pilotprojekt für die Region. Verschiedene innovative Wohnkonzepte ermöglichen das Miteinanderleben von jungen und älteren Personen, von arbeitenden und pensionierten, und von Familien und Singels. So wurde ein Boarding- / Appartementhaus für Mitarbeiter der angrenzenden großen Firmen entwickelt, das mit seniorengerechtem Wohnen und einer gemeinschaftlichen Pflegeversorgung kombiniert ist. Familien finden in den um die Quartiersplätze angeordneten Mehrfamilienhäusern und Stadvillen ein Zuhause. Kinder können sich auf den Gemeinschaftsflächen und in den Gemeinschaftsräumen frei bewegen. Durch Bereiche für „urban gardening“ an den Gemeinschaftszonen wird eine nachbarschaftsbildende Kommunikationsplattform geschaffen. Zudem wird die ehemalige Nutzung des neuen Wohngebietes, die Gärtnerei Beiermeister, für die Bewohner erlebbar und bewusst. So entsteht eine ganz eigene Quartierscharakteristik mit Möglichkeiten für verschiedener Formen von Nachbarschaften. Durch das Schichten der Landschaft werden verschiedene attraktive Bereiche definiert.

    Das Ziel ist ein Wohnquartier mit einem hohen ideellen und städtebaulichen Identifikationspotential, das zu einer neuen Adresse mit eigenem Charakter in Kallenberg wird und eine hohe Lebensqualität in der verkehrsfreien Innenzone bietet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Es besteht eine klare Einfassung nach Westen und Südosten (Schallschutz). Nach Süden und Osten
    zeichnet sich der Entwurf durch eine gute Öffnung zur Bestandsbebauung aus. Der Übergang zur angrenzenden
    Bestandsbebauung ist sehr gut gelöst.
    Das Bebauungskonzept öffnet sich durch Wegeverbindungen und Grünräume vorbildlich zu mehreren
    Seiten. Im Innenbereichen gibt es sehr abwechslungsreiche und unterschiedlich große Freiflächen. Es
    sind zwei Quartiersplätze vorgesehen. Die Geländemodelierung erfolgt in mehreren Stufen.
    Alle Gebäude werden über ein durchdachtes Fusswegenetz im Innenbereichen erschlossen. Es gibt drei
    Tiefgaragen mit separaten Zufahrten, die umsetzbar positioniert sind. Alle Wohngebäude werden über
    diese Tiefgaragen direkt erschlossen.
    Die Zahl der Erschliessungskerne ist entsprechend der Einzelbaukörper recht hoch, was sich auf die
    Wirtschaftlichkeit negativ auswirkt. In den Untergeschossen der Stadtvillen erfolgt die innere Erschliessung
    umlaufend um die Treppenhäuser mit einseitiger Anbindung der Kellerräume. Es ergibt sich hier
    entsprechend ein ungünstiger Verhältnis von Erschliessungs- zu Nutzflächen. Die Arbeit verfügt über die
    geringste Zahl an Wohnungen (73 Wohnungen). Die Glaselemente zum Lärmschutz beim Boardinghaus
    sind kostenintensiv. Das A-V-Verhältnis erscheint aufgrund der vielen Einzelbaukörper und der stark gegliederten
    Aussenfassaden wenig wirtschaftlich.
    Die Flexibilität ist durch die erschliessungsbedingten Vorgaben stark eingeschränkt. Eine Zusammenschaltung
    oder Teilbarkeit von Wohnungen ist nur mit großem Aufwand möglich.
    Die verwinkelten Fassaden finden im Abstand keine Entsprechung und schränken die Nutzbarkeit der
    Wohnräume bei Boardinghaus und Seniorenwohnen ein. Bei den Stadtvillen entstehen hingegen dadurch
    abwechslungsreiche Raumzuschnitte.

    Insgesamt ist die Architektur durch die Dreigeschossigkeit nicht zu dominant bezüglich der Freiflächen.
    Eine durchgehende horizontale Fassadengliederung schafft einen einheitlichen Gebietscharakter.
    Das Konzept schirmt sich durch das u-förmige Boardinghaus und das Seniorenwohnen gut zu den wesentlichen
    Lärmquellen ab. Durch eingelassene Wintergärten und Laubengänge erfolgt eine weitere
    Abmilderung des Lärms gegenüber den Wohnräumen.
    Durch die Riegelbauten zur Autobahn hin wird ein guter Schallschutz für die Quartiersplätze im inneren
    erreicht. Die Punktehäuser bieten auch für die weiter östlich liegenden Bereiche einen guten Schallschallschutz.
    Ein schlüssiges Energiekonzept ist vorhanden. Das ungünstige A-V-Verhältnis wirkt sich tendenziell energetisch
    ungünstig auf die Gebäudehülle aus.